Titel: Bodmer's, Verbesserungen in den Maschinen zum Reinigen etc.
Autor: Bodmer, Johann Georg
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXIX. (S. 326–328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022069

LXIX. Verbesserungen in den Maschinen zum Reinigen, Ziehen und Spinnen der Baumwolle und Wolle, worauf Joh. Georg Bodmer, Mechaniker, Oxford-Street, Charlton-Row, Parish of Manchester, Lancastershire, sich am 14. Oktober 1824 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Sept. 1826. S. 63.

Die Verbesserungen bei diesem Patente bestehen 1) in einer vorteilhafteren Methode, die Flötheu so einzurichten, daß die Spinnmaschinen gehörig mit Baumwolle und Wolle versehen werden können; 2) in gewissen Vorrichtungen, das Vor- und Rükwärts-Laufen des Wagens gehörig einzurichten, so daß die Spindeln sich mit der erforderlichen Geschwindigkeit bewegen können. Der Patent-Träger erklärt seine Verbesserungen auf 34 enggeschriebenen Pergament-Fellen! Da er indessen nur bekannte Maschinen beschreibt, an welchen er seine Verbesserungen anbringt, so werden unsere Leser bei unserem Auszuge nicht viel verloren haben.

Zuerst spricht er von Verbindung seiner Verbesserung mit einer Klopf- oder Schwing-Maschine, in welcher die rohe Wolle vor dem Spinnen von Staub und anderen Unreinigkeiten gesäubert wird. Nachdem die Baumwolle oder Wolle auf die gewöhnliche Weise vorläufig geöffnet und gereinigt wurde, kommt sie auf einem als Laufband gespannten Tuche unter ein Paar Leitungs-Walzen, welche sie durch drei Paar Zugwalzen vorwärts führen, wo dann die Fasern ausgespannt werden, und das Material 15 Mahl, wie gewöhnlich, ausgezogen wird. Von da kommen die Fasern durch die Klopf- oder Schwing-Maschine, wo sie von einer Reihe gezahnter Leisten, die in einer strahlenförmigen Lage stehen, auf dem Umfange einer schnell sich drehenden Trommel gekrazt oder geklopft werden. Auf diese Weise wird aller Schmuz ausgeklopft, der in der Wolle enthalten ist, und ein durch Fächer, die sich in der Luft befinden, erzeugter starker Luftzug, der auf die Wolle wirkt, blast den Staub durch einen unten angebrachten Rost hinab, und reinigt auf diese Weise das Material, welches versponnen werden soll.

Die Gewalt des Windes, welcher durch die Umdrehung |327| der Trommel entsteht, führt die leichten Baumwollen- oder Wollen-Fasern vorwärts in eine Kammer, welche der Patent-Träger wegen des durch dieselbe durchziehenden Windes das Kamin nennt. Dieses Kamin ist durch senkrechte Scheidewände in verschiedene Fächer getheilt, und dadurch wird die Baumwolle in so viele Breiten von Flöthen getheilt, als Scheidewände vorhanden sind. Nachdem die äußeren Enden dieser Breiten durch den Luftzug in dem Kamine vorwärts gebracht wurden, fallen sie auf querlaufende Bänder, durch welche sie nach einem anderen Systeme von Zugrollen geleitet werden, wo die Fasern noch weiter ausgedehnt, und 9 bis 12 Mahl verlängert werden.

Nun fängt die oben erwähnte erste Verbesserung an, welche in einer Reihe von Leitungs-Rollen besteht, die unter einem schiefen Winkel auf die Zugwalzen stehen, wodurch der Lauf der Fasern der Wolle, die von den Zugwalzen durch Röhren geleitet werden, von ihrer ursprünglich geraden Linie abgeleitet, und nach abwärts auf ein anderes querlaufendes Tuch in Form eines Laufbandes geführt werden, und horizontal fortlaufen in einem rechten Winkel auf jene Richtung, in welcher sie ursprünglich ausgezogen wurden. Zulezt werden sie mit dem Tuche, das sie vorwärts brachte, um eine cylindrische Walze gewikelt. Der Grund, warum die Richtung gewechselt wird, ist, wie der Patent-Träger sagt, „die ungleichen Diken der Flöthen, wenn welche Statt haben sollten, zu beseitigen.“

Auf ähnliche Weise können die Flöthen von einer Menge von Kardätschen unter rechten Winkeln mittelst Laufbänder ohne Ende abgeleitet, und zu einer Wikel-Maschine geführt werden, wodurch sie auf ein Tuch gebracht, und um eine Walze gewikelt werden. Die Kardätschen-Maschinen sind alle unter einander verbunden, und werden gleichzeitig durch Laufbänder und Räderwerke in Umtrieb gesezt.

Die auf diese Weise mit dem Tuche und mit den Flöthen bekleideten Walzen werden in die gehörigen Lagen gebracht, um die Zugwalzen und die Spindeln der verschiedenen Spinnmaschinen mit Spinn-Material zu versehen, statt daß man dasselbe, wie gewöhnlich, auf Spulen bringt, und von diesen weiter ablaufen läßt. Um diesen Zwek desto sicherer zu erreichen, wird die auf diese Art mit Baumwolle oder Wolle bedekte Walze auf zwei andere sich drehende Walzen gebracht, welche sie durch die |328| Reibung ihrer Oberfläche drehen, und auf diese Weise so viel Spinn-Material, als nöthig, abgeben.

Was den Wagen betrifft, so sagt der Patent-Träger, daß er, statt des gewöhnlichen Laufbandes und Wagens, um den Wagen in Bewegung zu sezen, denselben mit dem Gestelle mittelst einer Reihe von Hebeln versieht, die nach Art schlummernder Zangen verbunden sind, deren eines Ende an dem Wagen, das andere an dem Gestelle angebracht ist.

An dem Ende der Achse der Lieferungs-Walzen, die die Flöthen aufnehmen und führen, sind einige Räder angebracht, welche, so wie sie sich drehen, einen Däumling oder ein Muschelrad in Bewegung sezen, welches gegen die Schenkel der Hebel wirkt, die Zangen öffnet oder schließt, und so den Wagen vorwärts oder rükwärts bringt. Ungeachtet der Weitschweifigkeit der Patent-Erklärung ist doch dieser Theil der Verbesserung nicht mit der gehörigen Klarheit beschrieben. Der Zwek und die Wirkung dieses Apparates läßt sich jedoch leicht begreifen, und was das Detail der übrigen Theile der Maschine betrifft, so sind diese wie an den übrigen Spinnmaschinen, und bedürfen keiner weiteren Erörterung.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: