Titel: Borradaile's, verbesserte Methode zur Verfertigung der Hüte.
Autor: Borradaile, Georg
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXXI. (S. 329–331)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022071

LXXI. Verbesserte Methode zur Verfertigung der Hüte, worauf Georg Borradaile, Kaufmann und Kirschner in Barge Yard, City of London, sich in Folge einer Mittheilung eines im Auslande wohnenden Fremden, am 17. November 1825 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts, N. 69. S. 353.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Männerhüte, deren Außenseite mit Biber- oder Haasenhaar, oder anderem feinen Pelze, wie man sagt, vergoldet ist, werden gewöhnlich aus Wolle mit der Hand in Form kegelförmiger Kappen zusammengefilzt, die in der Folge über Formen gezogen werden, um auf denselben ihre gehörige Gestaltung zu erlangen. Man hat indessen seit einigen Jahren auch zur Verfertigung der Hüte Maschinen angewendet, und die Wollenfasern in Form von kegelförmigen Kappen zusammengewunden. Eine neue Maschine dieser Art ist der Zwek des gegenwärtigen Patentes.

Diese Maschine besteht aus mehreren Kegeln, oder abgestuzten Kegeln, die sich um ihre Achse drehen, und auch in horizontaler Richtung quer hin und her laufen; während dieser Bewegungen werden Bartchen-Wolle von einer Krämpel-Maschine herabgezogen, und in verschiedenen Richtungen auf dem Umfange eines Doppelkegels, oder zweier abgestuzten Kegel, deren Grundflächen in der Mitte der Maschine an einander stoßen, aufgewunden. Das Winden geschieht auf eine solche Art, daß die Wollenfasern sich kreuzen müssen, damit sie besser in einander greifen, und eine Art von Gesiecht bilden. Das auf diese Weise erzeugte Geflecht bildet dann, |330| wann es an der Basis des Doppelkegels aufgeschnitten, und an beiden Enden abgezogen wird, zwei kegelförmige Kappen oder Säke, die dann genezt werden, wodurch sie eingehen, und endlich auf die gewöhnliche Weise gefilzt, und weiter zu Hüten verarbeitet werden.

Fig. 35. Tab. VI. stellt diese Maschine von vorne dar; Fig. 36. zeigt sie vom Ende; Fig. 37. von oben herab, und Fig. 38. ist ein Durchschnitt quer durch die Maschine. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände in diesen Figuren. a, a, sind die zwei Kegel, welche an ihrer Spize abgerundet sind, und mit ihren. Grundflächen an einander liegen. Diese Kegel laufen auf zwei anderen Kegeln, b, b, und c, c, welche sich um Zapfen in Lagern drehen. Ihre Achsen sind bedeutend schief gegen den Horizont gestellt. Die beiden vorderen Kegel, b, b, haben an ihren Basen Ränder mit schiefstehenden Zahnen, und greifen an dem Puncte, wo sie sich berühren, in einander ein. (Siehe Fig. 35.) Einer dieser Kegel, b, wird mittelst eines kegelförmigen Triebstokes, d, (Fig. 38.), der in die Zähne an dem Rande der Basis desselben eingreift, in Umtrieb gesezt, und der andere Kegel, b, wird dadurch getrieben, daß er in den vorigen Kegel eingreift. Da die großen Kegel, a, a, auf den kleineren, b, b, liegen, so werden sie durch die Reibung ihrer Oberfläche gleichfalls umgetrieben. Die Kegel, c, c, die frei auf ihrer Achse laufen, werden auf dieselbe Weise bewegt.

Ein Laufband von einem Läufer, der mit einer Kardätschen-Maschine in Verbindung steht (oder irgend eine andere Umlaufs-Vorrichtung) läuft über die Rollen, e, e, vorne an der Maschine, und dreht die Spindel, l, auf welcher eine andere kleinere Rolle, g, aufgezogen ist, von welcher ein Laufband zur Rolle, h, läuft, um den Triebstok, d, zu treiben, der den Kegel, b, in Bewegung sezt.

Wenn nun ein Bart Wolle, i, i, von dem Cylinder einer Kardätschen-Maschine, die in irgend einer schiklichen Entfernung hinter der Maschine steht, auf die obere Seite der Kegel, a, a, gelangt, und diese sich auf die oben beschriebene Weise drehen, so werden sie den Bart um den Umfang des Kegels in einer gleichförmigen Lage aufwinden. Um aber eine Kreuzung oder eine diagonale Lage des Bartes auf den Kegeln, a, a, zu erhalten, dreht sich die ganze Maschine auf einem Fuße mit |331| einem Zapfen, k, und oben in einem Drehegewinde, l, herum, in welchem der Hintertheil der Maschine mittelst einer gebogenen Stange aufgehängt ist.

Die regelmäßige Schwingung der Maschine wird durch den stellbaren Hebel, n, der mit einem Ende an dem Arme, o, mit dem anderen an dem Kurbelrade, p, befestigt ist, hervorgebracht. Dieses Rad, p, wird mittelst eines Laufbandes in Bewegung gesezt, welches von einem sich drehenden Theile der Kardätschen-Maschine, oder einer anderen Triebkraft über die Rolle, q, läuft, und da ein Triebstok, r, auf der Spindel dieser Rolle sich befindet, der in die Zahne des Kurbelrades, p, eingreift, so wird dieses Rad dadurch in Umlauf gesezt.

Man wird nun sehen, daß die Umdrehung des Kurbelrades, p, den Hebel oder die Verbindungs-Stange, n, zieht, und daß die Maschine auf diese Weise horizontal hin und her in der Richtung der punctirten Linien, Fig. 37. bewegt wird; daß ferner, wenn die Maschine in der Richtung der Puncte, z, z, z, z, gelangt ist, der Bart der Wolle in diagonaler Richtung über die Kegel, a, a, (in der Richtung, die durch die Linien, s,s, angedeutet ist) laufen wird, und daß, wenn die Maschine in die andere Lage, y, y, y, y, kommt, der Bart in einer anderen, durch die Linien, t, t, angedeuteten, Richtung zu liegen kommt.

Auf diese Weise wird eine kreuzende Lage der Wollenfasern auf den Kegeln, a, a, bewirkt, welche eine Art von Wollengewebe bildet, das, wenn es abgeschnitten und gefilzt wird, einen guten Grund für Biber und andere Hüte gibt.

Der Patent-Träger bemerkt, daß, obschon er die hier beschriebene Maschine sehr zwekmäßig findet, und jeder anderen vorzieht, er sich doch nicht bloß auf dieselbe allein beschrankt, sondern die Kegel auch auf eine andere Weise dreht, und vorzüglich das Umdrehen der Kegel durch die Reibung, so daß eine Kreuzung der Fasern entsteht, als sein Patent-Recht in Anspruch nimmt.

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