Titel: Waller's, verbesserungen an Strohgeflechten, zur Verfertigung von Hüten und anderen Artikeln.
Autor: Waller, Thomas
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXXII. (S. 332–333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022072

LXXII. Gewisse Verbesserungen an Strohgeflechten, zur Verfertigung von Hüten und anderen Artikeln, worauf Thom. Waller, zu Luton, Strohhut-Fabrikant in Bedfordshire, sich am 18. Februar 1826 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Sept. 1826. S. 66.

Diese Verbesserungen an Strohgeflechten zu Hüten etc. bestehen in der Anwendung des gewöhnlichen in Toscana und in anderen Gegenden Italiens wachsenden Weizenstrohes statt des englischen. Es wird auf dieselbe Art, wie das englische Stroh, geflochten, gedreht oder gewoben, und gibt alle aus diesem bereiteten Geflechte: z.B. das volle Dunstable Geflecht (whole Dunstable platt); das doppelte sieben Geflecht aus gespaltenem Strohe (double seven split straw platt); das gedrehte Luton Gesiecht (Luton twist platt); das breite Luton gedrehte Geflecht (broad Luton twist platt); das doppelte eilf Geflecht aus gespaltenem Strohe (double eleven split straw platt).

Die Weise, das toscanische oder italiänische Stroh zu bereiten (die man hier nicht allgemein kennt) besteht darin, daß man den Bart-Weizen auszieht, während die Aehre sich noch in einem weichen milchigen Zustande befindet. Der Weizen wird zu diesem Behufe sehr dik gesäet, und der Halm folglich sehr dünn, kurz und schwach. Das Stroh wird mit seinen Aehren und Wurzeln dünn auf der Erde bei schöner warmer Witterung ausgebreitet, und bleibt drei bis vier Tage lang und noch länger liegen, damit aller Saft vertroknet. Dann wich es in Bündel gebunden und aufgestekt, damit die Hize des Haufens alle noch übrige Feuchtigkeit austreibt. Es ist nöthig, die Enden des Strohes luftdicht zu halten, damit das Mark zurükbleibt, und die gummigen Bestandtheile nicht durch Verdünstung entweichen.

Nachdem das Stroh ungefähr Einen Monat lang aufgestekt war, wird es auf eine Wiese gebracht, und daselbst ausgebreitet, so daß der Thau und Luft und Sonne darauf wirken kann, und das Stroh gebleicht wird, während welcher Zeit es fleißig umgekehrt werden muß. Nachdem die erste Arbeit des |333| Bleichens vorüber ist, wird das untere Glied und die Wurzel von dem Strohe abgebrochen, und der obere Theil aufbewahrt, sortirt, der Einwirkung des Dampfes unterzogen, um den Färbestoff auszuziehen, und, zur Vollendung der Bleiche, endlich geschwefelt. Nun kann das Stroh geflochten oder gewebt werden und wird in diesem Zustande nach England ausgeführt: die trokenen Weizen-Aehren sind noch immer an dem Strohe.

Diese Weise, wie das Stroh in Italien zugerichtet wird, nimmt der Patent-Träger nicht als seine Erfindung in Anspruch, indem er bloß dieses Stroh zu Livorner-Hüten, sowohl ganz als gesplissen, und zwar auf dieselbe Art, wie es in Bedfordshire und in den Umgebungen nach den oben angegebenen Benennungen geflochten wird, verarbeitet; die Verfahrungs-Weise ist so bekannt, daß sie keiner weiteren Beschreibung bedarf.

Das italiänische Stroh ist, auf obige Weise bearbeitet, viel stärker als das englische, und kann, wenn es zusammengenäht wurde, ohne allen Nachtheil, wieder aufgetrennt und nach der Mode zusammengenäht werden, was bei den Florentiner-Hüten, so wie sie eingeführt werden, da sie nur an den Kanten zusammengehäftet sind, nicht der Fall ist.

Das ganze Patent-Recht des Hrn. Waller besteht also lediglich darin, daß er allein aus eingeführtem italiänischen Weizenstrohe Hüte verfertigen darf, die ehevor bloß aus englischem Strohe verfertigt wurden, und daß er sie so nähet, daß sie ohne Nachtheil wieder getrennt werden können.

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