Titel: Ueber die Strohhut-Fabrikation in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXXIII. (S. 333–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022073

LXXIII. Ueber die Strohhut-Fabrikation in England.

Schon mehrere Aufsäze sind in technischen Blattern über diesen Gegenstand erschienen110); und damit die Aufmerksamkeit |334| auf denselben rege bleibe, will ich einige praktische Bemerkungen darüber mittheilen, die sich aber bloß auf das in England übliche Verfahren und die daselbst gemachten Versuche gründen.

In England hat man sich längst mit der Verfertigung von Strohhüten nach Art der italienischen beschäftigt, und ein eigenes Gewerbe daraus gebildet, das sehr zahlreich besezt ist, besonders aber in London und den übrigen Städten dos Königreichs ungemein blüht. Weil es aber an dem schönen italienischen Stroh im Lande mangelt, so ließ man entweder bloße Geflechte oder schon fettige Hüte aus Italien kommen, trennte die leztern auseinander, und machte frische Hüte daraus, nach dem Geschmak und Bedürfniß der dortigen Damen. Das Auseinandertrennen der italienischen Hüte geschah aber hauptsächlich deswegen, weil die Krone gewöhnlich etwas eng ist, und die englische Mode keine so breiten Ränder duldet. Dadurch bleibt gewöhnlich ein ziemlich beträchtlicher Abfall übrig, den man mit anderem von gleicher Feinheit zusammenflechtet, und neue Hüte daraus macht. Dieses Zusammenflechten heißt in der Kunstsprache der Strohhutfabrikanten joining und es erfordert viel Geduld und Gewandtheit der Finger. Auch kann man es nicht beschreiben, sondern man muß es sehen, und durch Uebung lernen.

Die Ursache, warum man in England nur wenig Stroh aus Italien kommen läßt, liegt wohl darin, daß die Italiener einmahl nicht das schönste schiken, und daß das Flechten viel Zeit erfordert, die man auf dem theuern englischen Pflaster besser mit dem Nahen, Zurichten und Appretiren der Hüte ausfüllt, besonders wenn Man nicht sehr geübt darin ist.

Indessen wurde schon vor etwa siebzehn Jahren ein Stük Land, auf dem Gute des verstorbenen Grafen von Upper Ossery, zu Amphthilt, gemiethet, um Stroh zur Verfertigung von italienischen Strohhüten darauf zu ziehen; und vor mehreren Jahren erhielt die Herzogin von Bedford einen schönen Strohhut von Leighton Buzzard, welcher aus englischem Stroh gemacht war. Dieser Industriezweig kam jedoch bald wieder |335| in Vergessenheit, weil das Produkt doch dem italienischen nicht gleich kam; bis endlich vor einigen Jahren ein hübscher Strohhut aus Connecticut in den vereinigten Staaten an die Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste nach London kam, der aus Wiesenrispengras (Poa pratensis) gemacht war, und die Aufmerksamkeit der Mitglieder dieses Vereins auf sich zog. Einen andern Strohhut verfertigte die Gemahlin des Herrn Morrice, eines Geistlichen von Hicat Brickhill in Buckinghamshire aus dem gemeinen Kammgrase (Cynosurus cristatus) der ebenfalls viele Lobsprüche verdiente. Beide Hüte erhielten die Belohnung der Gesellschaft.

Diese Hüte erregten viele Aufmerksamkeit, und unter andern auch die des Herzogs und der Herzogin von Bedford. Sie beschlossen daher durch Herrn Georg Sinclair Versuche über den Anbau der Gräser und Cerealien zum Behufe des Strohflechtens machen zu lassen, um darüber ins Klare zu kommen. Am 27. Mai 1824 ließ Hr. Sinclair den von Cobbett empfohlenen Weizen, der von Italien gekommen seyn, und dort zu Strohgeflechten benüzt werden sollte, auf armen kieshaltigen Boden säen; und um dieselbe Zeit kamen auch fünf verschiedene Hafersorten und eine beträchtliche Anzahl ausdauernder Gräser für den nämlichen Zwek in Boden.

Der Weizen wurde auf zwei Grundstükchen, und zwar mit 10 und 15 Buschel dem Aker (acre) nach, gesäet; und jedes dieser Grundstükchen war wieder in zwei Hälften getheilt, um die Saat auf dem einen einzudrillen, und auf dem andern mit der Hand auszusäen. Auf gleiche Weise wurde auch der Hafer behandelt. Als der Weizen anfing zu blühen, zeigte es sich, daß es der gemeine Capweizen war, der in England häufig vom Roste befallen wird, und folglich zu Strohgeflechten nicht dienen kann. Eine andere Weizenprobe wurde von Hrn. Taunton in Bristol eingesandt und angesäet. Dieß war Triticum spelta, der in Italien zu Strohgeflechten benuzt werden, doch aber immer erst zwei bis drei Mahl abgeschnitten werden soll, damit die Halme recht fein werden. Diese Behandlungsweise mag nun freilich in Italien, bei dem dortigen langen und warmen Sommer, angehen; in England aber kann man sie nicht befolgen. Auch war das Stroh der angesäeten Getreidearten, der diken Saat ungeachtet, viel zu grob, und die Auslagen |336| des Anbaues bloß des Strohes wegen viel zu hoch, um sich je damit befassen zu können.

Dagegen aber sind die Halme der ausdauernden Gräser feiner, und man kann sie mit leichter Mühe und geringen Kosten erzielen. Mehrere darunter geben sehr schöne Geflechte; weil sie aber einen verschiedenartigen Boden beim Anbau erfordern, so wird es nicht überflüßig seyn, einige davon in dieser Beziehung anzuführen, um bei Versuchen nicht irre zu gehen.

Heide- oder schwarzer kieshaltiger Torfboden.

Festuca ovina, Schaafsschwingel. Stroh sehr fein und rein.

duriuscula, härtlicher Schwingel. Stroh lang, gleich und rein; aber gröber, als der Schaafsschwingel.

ovina hordeiformis, gerstenförmiger Schaafsschwingel. Stroh lang, rein und gleich.

Nardus stricta, steifes Borstengras. Stroh lang, ohne Knoten, sehr fein, gleich und zäh; vielleicht das beste Gras zum Ersaz der italienischen Strohgeflechte.

Trokene Erdarten.

Cynosurus cristatus, gemeines Kammgras. Stroh fein, stark und zäh, und zum Flechten sehr gut; allein die Halme entfärben sich häufig nach der Blüthezeit.

Poa angustifolia, schmalblättriges Rispengras. Halme sehr lang, fein und rein, und weit besser, als jene des Wiesen-Rispengrases, aus welchem der aus Amerika gekommene Strohhut gemacht wurde.

Hordeum pratense, Wiesengerste. Halme sehr gut, fein, zäh und rein.

Anthoxanthum odoratum, gemeines Ruchgras. Stroh rein und gerade, aber häufig ziemlich grob.

Agrostis lobata, gelapptes Straußgras. Stroh kurz, doch aber sehr fein, zäh und rein.

spica venti. Ein Sommergewächs, mit langen, feinen und reinen Halmen.

Avena flavescens, gelblicher Hafer. Stroh meistens fein, bleicht sich gut, und ist zäh und gleich.

Agrotis vulgaris mutica, grannenloses gemeines Straußgras. Stroh fein, bleicht sich gut, ist aber meistens kurz.

Avena pubescens, feinhaariger Hafer, Stroh meistens fein, lang und von hübscher Farbe.

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Festuca heterophylla. Stroh gleich jenem vom härtlichen Schwingel.

Feuchte oder nasse Erdarten.

Agrostis canina fascicularis, büschelförmiges Hundsstraußgras. Stroh sehr fein und weiß.

Agrostis canina mutica, grannenloses Hundsstraußgras. Stroh länger als das vorhergehende; in allem Nebligen aber gleich.

Agrostis stolonifera angustifolia, schmalblättriges, wurzelsprossendes Straußgras. Stroh lang, zäh, und wird beim Bleichen ebenfalls schön weiß.

Agrostis alba, weißer Windhalm. Stroh fein, zäh, und bleicht sich gut.

stricta, steifer Windhalm. Stroh sehr fein, gerade und zäh.

repens, kriechender Windhalm. Stroh lang und gleich, bleicht sich gut, ist aber im Allgemeinen nicht so fein, als bei einigen andern Grasarten.

Poa nemoralis angustifolia, schmalblättriges Hainrispengras. Stroh sehr gleich, fein und zäh, aber nicht so lang zwischen den Knoten, als einige andere.

Agrostis stolonifera aristata, begranntes wurzelsprossendes Straußgras. Stroh lang, gleich und wird sehr weiß; beim Verarbeiten aber wird es ziemlich weich und flach.

Außer diesen gibt es noch manche unter den ausdauernden Gräsern, welche feines Stroh geben; allein die bisher angeführten sind von Herrn Sinclair genau untersucht, und zu dem vorhabenden Zweke tauglich gefunden worden. Wenn man daher Gräser in dieser Absicht säen will, muß man ein Gemisch von solchen Samen machen, welche um dieselbe Zeit blühen, damit sie alle zu gleicher Zeit geschnitten werden können. Das Samengemenge muß man aber deshalb machen, weil es vergebliche Mühe ist, Gräser mit faseriger Wurzel einzeln anbauen zu wollen, indem sich bald andere Grasarten dazu gesellen, und das Ausjäten derselben viel Zeit und Kosten verursacht.

Der beste Augenblik zum Schneiden solcher Gräser, welche zu Strohgeflechten bestimmt sind, ist die Blüthezeit, oder wenn die Blüthe anfängt zu verwelken, und man muß sich ja in Acht nehmen, es nicht bis zur Samenzeit anstehen zu lassen, sonst wird das Stroh glänzend und scheinend, wie es bei den |338| aus englischem Stroh gemachten Hüten der Fall ist. Zur Blüthezeit sind die Halme nicht so hohl, haben mehr Substanz, mehr Zähigkeit und Biegsamkeit, und im Allgemeinen jenes sanfte, matte Ansehen, das man bei den zur Samenzeit geschnittenen Halmen nicht mehr findet, wenn sich die darin enthaltene Kieselerde ausgebildet hat. Dieses Ansehen haben auch die italienischen Strohhüte; und es scheint also, daß sie ebenfalls in derselben Periode des Wachsthums geschnitten werden.

Das Bleichen der Grashalme verrichtete Sinclair auf folgende Weise: er nahm kochendes Wasser, begoß das Stroh damit, und ließ es eine bis zwei Stunden lang darin liegen. Dann nahm er es heraus, breitete es auf dem Grase aus, befeuchtete es, wenn es troken wurde, und kehrte es jeden Tag einmal, aber nur zwei Tage lang, um, worauf es weggenommen und abgewaschen wurde. Noch feucht brachte er es in ein verschlossenes Gefäß, und sezte es Schwefeldämpfen aus. Auf diese Weise soll das Stroh vollkommen gebleicht worden seyn; man muß sich aber dabei in Acht nehmen, daß das Stroh gleich feucht ist, und an einzelnen Stellen keine Wassertropfen daran hängen, sonst wird es flekig.

Es gibt aber noch schnellere Bleichmethoden. Nimmt man grüne Halme, taucht sie zehn Minuten lang in eine starke Auflösung von Holzsäure, und sezt sie nachher der Einwirkung von Schwefeldämpfen aus, so sind sie in einer halben Stunde gebleicht.

Bleiben sie 15 Minuten lang in zwanzig Mahl ihrem Maße nach mit Wasser verdünnten Salzsäure liegen, und bringt man sie nachher vier Tage lang auf einen Grasboden, so werden sie eben so weiß, als wenn man sie abbrüht, und acht Tage lang auf dem Grase liegen läßt. Diese Bleichmittel schaden der Textur des Strohes nicht; allein man muß sie anwenden, so lange sie noch ganz und die Halme nicht zerschnitten sind.

Das Sortiren des Strohes seiner Feinheit, Güte und Farbe nach ist von großer Wichtigkeit; und man kann keine hübschen Hüte verfertigen, wenn man nicht genau auf diese Punkte achtet.

Dieß erfordert einen richtigen Blik und Uebung; wie es bei allem Sortiren der Fall ist. Zwischen den Knoten wird das Stroh entzwei geschnitten, und zusammen gelesen. Das Flechten nach der italienischen Methode erfordert dreizehn Halme, in der Sprache der englischen Strohhutfabrikanten pipes genannt; |339| und wenn das Geflechte fertig ist, läßt man es zwischen zwei kleinen hölzernen Handwalzen hindurchlaufen, um es hübsch glatt zu machen.

Die Verarbeitung der Geflechte in Hüte, oder das Zusammennähen derselben, ist wiederum ein Proceß, den man nicht beschreiben, sondern bloß lehren kann. Die Arbeit fängt oben, in der Mitte der Krone, an, und ist sehr langweilig. Besonders muß man sich in Acht nehmen, kein Auge an dem Geflechte beim Zusammennähen zu übersehen, sonst legen sich die Ränder derselben nicht schön gleich aneinander.

Sind die Hüte fertig, so werden sie appretirt. Dieses Appretiren versteht man am besten in England; und man wird finden, daß die italienischen Strohhüte weder in Frankreich noch in Deutschland ein so schönes Ansehen haben. Das Verfahren dabei ist folgendes: man nimmt entweder Pergamentschnizel oder Späne von Elfenbein, wirft sie in einen Topf mit kaltem Wasser, und sezt sie ans Feuer, wo man sie 1 bis 2 Stunden lang kochen läßt, bis sie einer Sulz ähnlich geworden sind. Ist dieß geschehen, so gießt man die Steife in einen doppelten, dutenförmigen, aus Flanell gemachten Beutel, und seiht sie in ein Beken von Steingut durch; worauf man das Beken mit der Steife in einen mit kaltem Wasser angefüllten Kübel sezt, und so lange darauf schwimmen oder darin stehen läßt, bis die Steife kalt geworden ist.

In der Zwischenzeit werden die zum Appretiren bestimmten Hüte umgewendet, d.h. die innere Seite wird nach Außen gedreht, und am Rande mit Fäden versehen, woran man sie aufhängen kann. Man nimmt sodann eine zu diesem Zweke ganz allein bestimmte Bürste, und reibt die Steife dergestalt in den Hut ein, daß die damit verbundene Feuchtigkeit überall gleichförmig auf der linken Hand durchschlägt, womit man den Hut zu halten pflegt. Sobald er eingerieben ist, hängt man ihn in Schatten in die freie Luft an Stangen auf, indem man Sorge trägt, daß der Hut nirgends das Holz berührt, sonst gibt es Fleken. Sollen die Hüte ganz schön werden, so wirft man so viel gepulvertes Sauerkleesalz in die Steife, als ein Sechskreuzerstük fassen kann. Pergamentschnizel sind am besten zur Steife; weil man die Hüte damit besser pressen kam, und das Stroh gleicher wird; Elfenbeinspäne nimmt |340| man aber häufiger dazu, weil sie wohlfeiler und leichter zu bekommen sind.

Sobald die gesteiften Hüte troken sind, werden sie entweder gepreßt oder geblokt 111) (blocked). Das Pressen geschieht auf zweierlei Art, nämlich 1) in einer besondern, mit einer Form versehenen Maschine für die Krone; und 2) mit einer starken Presse, worin sich heiße Metallplatten befinden, für den Rand. Das Pressen macht übrigens die Hüte nicht so schön, als das Bloken; und man wendet es auch nur da an, wo überhäufte Arbeit ist, um schneller fertig zu werden. Uebrigens erspart es viele Mühe.

Das Bloken wird mit Hülfe eines Bügeleisens über den dazu erforderlichen Formen verrichtet. Dieses Bügeleisen wiegt mit dem darin befindlichen Stahle an 10–15 Pfund, ist auf der untern Fläche an den Kanten abgerundet, und hat zwei Handhaben. Es bildet ein Rechtet, und ist oben mit einer kleinen Fallthüre versehen, die man verschließt, sobald der Stahl darin ist. Wenn nun die gesteiften Hüte geblokt werden sollen, so werden sie zuerst mit ganz reinem Wasser und einem reinen Lumpen von Leinwand, den man ins Wasser taucht, befeuchtet, damit sie wieder geschmeidig werden; und sobald dieß der Fall ist, zieht man die Krone über eine genau dazu passende Form her, und stekt die leztern mit dem Hute auf einen hölzernen, stark befestigten Dreifuß, auf welchem der obere Theil der Krone zuerst geblokt wird. Der Stahl, den man dazu nimmt, muß glühend seyn; und um zu sehen, ob das Bügeleisen heiß genug ist, macht man den Mittelfinger mit der Zunge etwas naß, und drükt ihn schnell an den untern Theil des Bügeleisens an. Zischt es bei der Berührung, so ist es heiß genug, und man kann damit bloken, indem man ein Stük Seidenpapier zwischen das Bügeleisen und die Krone legt. Man muß indessen immer sehr genau Acht geben, daß das Bügeleisen nicht zu heiß wird, sonst wird die Oberfläche des Hutes versengt; und wenn man dieß bemerkt, muß der Stahl augenbliklich herausgenommen werden.

Sobald der obere Theil der Krone geblokt ist, nimmt man die Form sammt dem Hute hinweg, und stekt sie horizontal in eine starke hölzerne Bank, um auch die Seiten der Krone zu |341| bloken. Den Rand blokt man zulezt; und wenn irgendwo nachläßiger Weise ein Brandfleken zu sehen wäre, so muß man ihn mit einem feuchten Lumpen, den man darauf legt, und dem heißen Bügeleisen herauszubringen suchen, womit man darüber hinfährt. Dieß ist aber immer ein großer Fehler, den man stets zu vermeiden suchen muß, und der bei einem geschikten Bloker nur selten vorkommt. Wenn das Wasser und Bügeleisen nichts helfen wollen, so versucht man es mit etwas aufgelöstem Sauerkleesalz und einem Schwamme, womit man leicht über die Brandmarke hinfährt. Zum Bloken überhaupt muß man immer Seidenpapier auf den Hut legen.

Da das Vollenden der Hüte nach dem Bloken Sache der Puzmacherin ist, so will ich mich nicht damit befassen, sondern zu zeigen suchen, wie alte, schmuzige Hüte in England behandelt werden.

Wenn Strohhüte nicht gar zu schmuzig sind, werden sie gewaschen (cleaned). Dieß geschieht mit Seife, kochendem Wasser, und einer blos zu diesem Zweke bestimmten Bürste. Die Seife legt man in ein feines Haarsieb, und gießt das heiße Wasser langsam darüber hin, von wo es in eine große, glasirte irdene Schüssel läuft, worin sich das Haarsieb befindet. In dieser Schüssel wird das Seifenwasser so lange gepeitscht, bis es stark schäumt; worauf man etwas kaltes Wasser nachgießt, um die Temperatur des Seifenwassers zu vermindern. Ist dieß geschehen, so nimmt man die Bürste, fängt mit der Krone an, und reibt sie so lange im Seifenwasser bis sie rein genug ist. Von Zeit zu Zeit wird auch die Bürste mit etwas frischer Seife abgerieben, die man überhaupt nicht sparen muß; und sobald der äußere Theil des Hutes rein ist, wascht man auch den innern. Ist er gewaschen, so nimmt man den Hut aus dem Seifenwasser heraus, und spült ihn ganz genau in reinem, kaltem Wasser ab, das in einem in der Nähe befindlichen Zuber steht. Denn wenn auch nur etwas Seife daran sizen bleibt, so bekommt der Hut Fleken, wozu wahrscheinlich das darin befindliche Alkali beiträgt. Perlasche zum. Waschen zu nehmen, ist nicht nur unnöthig, sondern auch schädlich; und nachdem die Hüte rein abgespült sind, werden sie an einer schattigen Stelle in freier Luft an Stangen aufgehängt. Die Hüte dürfen aber das Holz durchaus nicht berühren.

Sind Strohhüte sehr schmuzig und von der Sonne verbrannt; |342| so müssen sie zuerst mit einer im Wasser gemachten Auflösung von Sauerkleesalz überstrichen werden, die man mit einem Schwamme aufträgt. Nachher hängt man sie einige Zeit in die Luft, und legt sie dann ungefähr eine Stunde lang in kaltes, reines Wasser. Zulezt werden sie auf die vorher angegebene Weise gewaschen und behandelt.

Sobald die Hüte troken sind, werden sie geschwefelt. Ehe dieß jedoch geschieht, benezt man sie durchaus mit einer Bürste und reinem Wasser, doch aber nur so, daß keine Tropfen daran hängen, sonst bekommen sie Fleken. Dann bringt man sie in den Schwefelkasten, und hängt sie an hölzernen Stangen auf, ohne daß sie das Holz berühren. Man nimmt sodann einen kleinen aus Graphit gemachten Topf, macht ihn im Feuer rothglühend, und stellt ihn in eine irdene Schüssel, die sich im Kasten befindet. Zulezt wirft man den Schwefel in den glühenden Topf, verschließt den Kasten, und läßt die Hüte vier bis fünf Stunden lang darin; worauf sie wie die neuen Hüte gesteift, geblokt und zubereitet werden.

Manchmal kommt es vor, daß man alte Hüte am Rande etwas vergrößern und folglich neue Geflechte, oder auch alte, ansezen muß, die aber dennoch Heller sind. In diesem Falle gibt man dem hellern Theile des Geflechtes dadurch eine dunklere Farbe, daß man etwas Safran ins Wasser wirft, und die dadurch entstehende Farbe mit einem Läppchen von Leinwand auf die hellere Stelle aufträgt. Dieß hat jedoch nicht immer den gewünschten Erfolg, obgleich es etwas nachhilft.

Schwarze Hüte kann man eben so steifen, wie die andern; und zum Färben derselben nimmt man folgende Ingredienzen:

2 Pfund geraspeltes Blauholz,
1 geraspeltes Fustik,
1/4 Grünspan, und
1 Eisenvitriol.

Zu diesen Ingredienzen nimmt man drei Wasser-Eimer (pails) voll Wasser, und läßt es zwei Stunden lang kochen, ehe sie hineingeworfen werden; und wenn dieß geschehen ist, und die Ingredienzen wohl umgerührt sind, wirft man die Hüte hinein, und läßt sie ebenfalls zwei Stunden lang darin kochen. Nach Verlauf dieser Zeit nimmt man sie heraus, und legt sie auf reine steinerne Platten in Schatten, bis sie troken sind. Das Bloken der schwarzen Hüte nach dem Steifen wird auf die zuvor angegebene Weise verrichtet.

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Das polytechnische Journal hat diesem interessanten Industrie-Zweige eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und das Interessante darüber in der möglichsten Vollständigkeit mitgetheilt. Wir verweisen deshalb auf die Abhandlungen in Bd. V. S. 252. Bd. VII. S. 320. 324. Bd. VIII. 385. Bd. X. 191. 200. 324. Bd. XI. S. 18. 409. Bd. XII. S. 15. Bd. XIV. S. 224. 228. Bd. |334| XVII. S. 347. Bd. XX. S. 152. und Bd. XXI. S. 136., in welchen man über Bleichen des Strohes, Flechten und Plätten desselben, so wie über Surrogate ausführliche Nachrichten und Anleitungen findet. A. d. R.

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Gebügelt.

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