Titel: Le Normand, über die Verfertigung künstlicher Blumen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXXIV. (S. 343–352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022074

LXXIV. Ueber die Verfertigung künstlicher Blumen, von Hrn. Le Normand.

Aus den Annales de l'Industrie nationale. N. 77. S. 153. (Auch im Dictionnaire technologique IX. B. S. 129.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

(Im Auszuge.)

Die Kunst, künstliche Blumen zu verfertigen, besteht, wie die Central-Jury bei der Ausstellung im J. 1823 bemerkte, aus zwei ganz verschiedenen Theilen: der eine ist rein Manufactur-Sache, und begreift das Färben der dazu nothwendigen Stoffe, das Ausschneiden der Blätter und Blumenblätter, die Bereitung der Pistille, Staubgefäße und Kelche. Der andere besteht in der Kunst, aus diesen Theilen Knospen, Blumen, Blumensträuße, Girlanden und Buschwerk zu bilden; diese Kunst fordert eben soviele Geschiklichkeit als Geschmak, und genaues Studium des Effectes, den man hervorbringen kann, und der Fehler, die man zu vermeiden hat; sie fordert das seltene Talent, die Natur mit Anmuth zu copiren, und mit Verstand nachzuahmen.

Es ist der Kunst der Blumenmacherinnen bereits gelungen, die zartesten Blumen aller Welttheile mit der täuschendsten Wahrheit nachzuahmen. Die Italiäner scheinen die ersten gewesen zu seyn, die in dieser Kunst sich auszeichneten. Nach und nach fand diese Kunst auch ihren Weg nach Frankreich, und da wir Franzosen in Allem, wo es sich um Leichtigkeit und Geschmak handelt, unsere Meister um vieles übertrafen, so sind wir auch in dieser Kunst auf einen Grad von Vollkommenheit gelangt, auf welchem wir die Concurrenz keines Volkes mehr zu besorgen haben.

Ehe man dahin gelangte, wo man sich gegenwärtig befindet, griff man nach allerlei Dingen, um Blumen daraus zu machen. Man verfiel zuerst auf Bänder von verschiedenen Farben, die man aufkrauste, und um Messingdraht wikelte und denen man, irgend eine Form einer Blume gab: nothwendig, mußte man hier weit hinter der Wahrheit zurük bleiben.

Diese rohe Nachahmung der Natur ward bald durch Federn verdrängt, die zarter sind, leichter alle verschiedenen Formen |344| annehmen, und Blumen leichter und treuer darstellen können. Man mußte sie aber färben, und es war schwer, alle nothwendigen Schattirungen mit der gehörigen Lebhaftigkeit zu erhalten. Die Wilden in Süd-America machen Meisterwerke in dieser Art. Wir sahen Blumensträuße aus Federn ihrer Vögel gebildet, die die schönen Gewächse ihres Landes auf die täuschendste Weise darstellen: Blätter und Blumen sind meisterhaft, und die Farben schießen nie. Sie haben aber auch Vögel von den schönsten und glänzendsten Farben in allen Schattirungen, und es bleibt nichts zu bewundern, als die Geschiklichkeit, mit welcher sie die Federn derselben benüzen.

Die Italiäner bedienten sich, außer den Federn, vorzugsweise der Seidengehäuse (Cocons) der Seidenraupen. Nichts läßt sich so leicht färben, und behält die Farbe so lang; die Durchscheinenheit, der feine Sammt auf denselben ahmt die Blumenblätter auf eine tauschende Weise nach, und gibt der daraus verfertigten künstlichen Blume die Weichheit der natürlichen. Diese Cocons sind wenig hygrometrisch, und widerstehen den Einwirkungen der Sonne sehr lang. Man machte auch aus italiänischem Dünntuche (gaze d'Italie) häufig Blumen in Italien; allein sie sind jezt außer Gebrauch, weil die Farben theils nicht lebhaft, theils nicht glänzend genug darauf ausfielen.

In Frankreich wählte man den feinsten und schönsten Battist, die Elle zu 15 bis 18 Franken, zu den Blumen, und Florentiner Taffet zu den Blättern.

Die berühmtesten Fabriken künstlicher Blumen sind gegenwärtig zu Paris und Lyon. Man arbeitet nur 6 Monate lang im Jahre vom 1. November an, für Frankreich; die anderen 6 Monate über arbeitet man für Deutschland und Rußland. Die schönsten Blumen gehen nach Rußland; nur die gemeinsten bleiben in Deutschland hängen.

Man machte auch aus Muscheln Blumen, die zwar durch ihre Farben und durch die Kunst, mit welcher sie zusammengesezt sind, sich sehr auszeichnen: allein ihre Schwere machte sie bald aufgeben.

Man verfertigte auch Blumen aus Wachs. Bei der Ausstellung im Jahre 1823 fanden sich einige, die die Natur täuschend nachahmten. Vorzüglich zeichneten sich jene der Madame Didot, Witwe, rue Vaugirard N. 21. aus, die nichts zu |345| wünschen übrig lassen. Diese Blumen können jedoch nur als Schaustüke in Zimmern dienen, und die natürlichen Blumen zu einer Zeit ersezen helfen, wo man keine mehr bekommen kann. Wir wollen bei Verfertigung derselben, so wie der vorigen, nicht länger verweilen, weil sie nicht fabrikmäßig verfertigt werden, und höchstens zur Unterhaltung müßiger Damen dienen.112) Auch bei den Blumen aus gefärbtem Papiere werden wir nicht länger stehen bleiben, obschon man viele derselben fabrikmäßig erzeugt: das, was wir über die besseren künstlichen |346| Blumen sagen werden, wird auch die Verfertigung dieser Blumen aus Papier erklären.

Desto länger müssen wir aber bei einer Erfindung verweilen, die die Bewunderung aller Kenner verdiente, und die, seit der Ausstellung im J. 1823 ungeheuere Fortschritte machte, unendlichen Absaz gewann, und eine Menge von Weibern und Kindern beschäftigt. Es gelang nämlich Hrn. Achill de Bernardière (Vergl. polyt. Journ. B. XII. S. 233.) nach vielen sinnreichen Versuchen das Fischbein so fein, wie die feinsten Blumenblätter, zu spalten, und vollkommen zu entfärben, so, daß sie ein mattes Weiß auf ihrer Oberfläche darstellen, und dann in den glänzendsten Farben zu färben.

Diese Blumen aus Fischbein haben ganz die Leichtigkeit, Frische und den warmen Glanz der natürlichen Blumen; sie stehen nicht so schnell ab, wie die Blumen aus Battist und Taffet, und kommen nicht theurer, als diese. Diese herrlichen Arbeiten aus der Fabrik des Hrn. Bernardière werden von Weibern und Mädchen im Strafarbeitshause verfertigt, welche hierdurch zugleich Fleiß und Sittlichkeit lernen. Hr. de Bernardière überreichte bei der lezten Ausstellung S. M. dem Könige zwei Nelken, die weiß und roth gestreift waren; die eine war natürlich, die andere aus Fischbein. S. M. griffen nach der lezteren und hielten sie für natürlich, da sie sich auch durch den Geruch nicht unterscheiden ließ. Hr. de Bernardière erhielt die silberne Medaille (Vergl. Annales de l'Industrie, T. XI. p. 5.)

Wir werden hier nicht die Art und Weise beschreiben, nach welcher Hr. de Bernardière das Fischbein zurichtet und entfärbt; er hat ein Brevet darauf genommen, und hält sein Verfahren geheim: obschon uns dasselbe bekannt ist, müssen wir doch sein Eigenthum achten.113) Mit Ausnahme zweier Operationen bedient er sich übrigens bei dem Färben und Zusammensezen seiner Blumen aus Fischbein desselben Verfahrens, welches man bei Verfertigung künstlicher Blumen aus Battist und Taffet befolgt.

Da es unmöglich ist, das Verfahren bei einer jeden Blume |347| zu beschreiben, die man künstlich nachbildet, wollen wir uns bloß auf die Rose beschränken, deren Blumenblätter, wie gesagt, in Frankreich aus Battist, und deren Blätter aus Taffet verfertigt werden. Man nimmt, wie bemerkt wurde, den feinsten Battist, mangt oder cylindrirt ihn, um das Korn auf demselben niederzudrüken, steift oder gummirt ihn aber nie. Die Blumenblätter werden nach der Natur so täuschend als möglich gefärbt oder bemahlt.

Die Blumenblätter werden mit einem Durchschlag-Eisen ausgeschnitten. Man muß solche Eisen von verschiedenen Formen und von verschiedener Größe haben, indem die Blumenblätter einer Rose nicht alle gleich sind. Nachdem die Blumenblätter durchgeschlagen sind, bereitet man die Farbe (die Tinctur) für dieselben, die aus Carmin besteht, welcher mit einem alkalischen Wasser angerührt ist: kohlensaure Pottasche (Sel de tartre) dient hierzu trefflich. Man nimmt ein Blumenblatt an seinem Ende, welches spizig zuläuft, mittelst des Zängelchens, taucht es mit dem anderen Ende bis auf einige Linien von dem Nagel in die Farbe, und bringt es hierauf alsogleich in reines Wasser, um eine gleichförmige und zarte Farbe zu erhalten, wie sie gewöhnlich an dem Rande der Blumenblätter ist: den mittleren Theil, der immer etwas dunkler ist, mahlt man mit dem Pinsel aus, und, wo es nöthig ist, panachirt man auch mit dem Pinsel, d.h., mahlt dunklere Streifen auf dasselbe. Auf das spizige Ende (den Nagel) des Blumenblattes, welcher weiß ist; läßt man einen Tropfen Wasser fallen, der die dort am Ende befindliche Farbe auflöst, und sich in einem matten Rosa über den Nagel verliert.

Man nimmt die Farbe nur schwach, und wenn sie zu matt ausfällt, taucht man die getrokneten Blumenblätter noch ein Mahl und so oft ein, bis sie die gehörige Farbe erlangt haben.

Die Zufälligkeiten, welche man öfters an den Rosen bemerkt, werden mit dem Pinsel nachgemahlen, sowohl an den äußeren Blumenblättern als an den inneren, die gewöhnlich einen grünen Faden außen zeigen, wodurch sie sich den Blättern nähern.

Der Taffet zu den Blättern wird in Ellen langen Stüken in der Farbe gefärbt, die man nachahmen will. Nach dem Färben spannt man denselben in einem großen Rahmen mit |348| Bindfaden auf, die am Rande des Taffets aufgenäht, und um den Rahmen geschlungen werden: die Spannung muß so stark als möglich gegeben werden, und man läßt den Taffet in dem Rahmen troknen. Nachdem er troken geworden ist, gibt man ihm mit einer leichten Auflösung von arabischen Gummi auf einer Seite jenen Glanz, welchen die Blätter haben müssen, und auf der anderen mittelst eines in der verlangten Schattirung gefärbten Stärkwassers, welches mit dem Pinsel aufgetragen wird, den an der unteren Seite der Blätter gewöhnlichen Sammt. Die Kunst besteht bei Lezterem darin, daß man der Stärke den gehörigen Grad von Consistenz gibt, und sie so aufträgt, daß sie nicht zu sehr erhärtet, auch nicht zu glatt wird, mit einem Worte, den gehörigen Sammt gibt. Wenn die Blätter unten noch mehr rauh seyn müssen, ahmt man diese rauhere Bekleidung mit fein gepulverter und gehörig gefärbter Tuchscherer-Wolle nach, die beim Scheren abfällt. Man trägt nämlich mit dem Pinsel eine leichte Gummi-Auflösung auf, und wenn diese anfängt zu troknen, pudert man den Wollenstaub darüber, und schüttelt, nachdem der Gummi troken geworden ist, den Taffet, damit das Ueberflüßige abfällt.

Die Blättchen unter den Rosen, die man areignes (sic!“) nennt, werden alsogleich nach dem Färben zugerichtet, um ihnen jene Festigkeit zu geben, die sie besizen müssen. Zu diesem Ende wird der Taffet noch naß aus der Färberei gewalkt, in gefärbtem Stärkwasser gedrükt, und, nachdem er auf beiden Seiten gehörig damit gesättigt wurde, im Rahmen ausgespannt und getroknet.

Der auf diese Weise gehörig zubereitete und getroknete Taffet wird mit dem Durchschlag-Eisen nach der verlangten Form und Größe der Blätter, die man nachbilden will, ausgeschlagen: man muß für eine Rose Blätter von verschiedener Größe haben. Man wird die Blätter niemahls mit der Schere so genau ausschneiden können, und man würde, wenn man es auch könnte, umsonst seine Zeit dabei verlieren. Man schlägt auf einem ebenen Holzbloke, oder auf einer Bleiplatte durch: besser ist es aber, eine Tafel zu nehmen, die aus Blei und Zinn zusammengeschmolzen ist.

Diese vorbereitenden Arbeiten reichen aber noch nicht hin, um schöne Blätter zu geben. Die Blätter müssen, um natürlichen Blättern ähnlich zu werden, die verschiedenen Rippen und |349| Nerven bekönnen, die sie in der Natur immer haben. Um ihnen dieselben mitzutheilen, bedient man sich verschiedener Instrumente, die man Preß- oder Goffrir-Eisen (gaufroirs) nennt, und deren man von so viel verschiedenen Formen haben muß, als es verschiedene Blätter gibt, die man nachbilden will. Jedes dieser Eisen besteht aus zwei Stüken, wovon eines aus Eisen und mit einem hölzernen Griffe versehen ist, und an seinem Ende die Seite eines Blattes eingravirt hat; das andere oder das Gegenstük, ist aus Kupfer, und ist mit Rändern versehen, wie eine Schachtel. Man erhizt die Eisen etwas, legt mehrere Blätter in den kupfernen Model, preßt sie, und läßt sie einige Augenblike unter dem Druke, damit sie die Form gehörig annehmen.

Knospen macht man aus Taffet oder aus weißer Haut, die man gehörig färbt oder mahlt. Man gibt ihnen die natürliche Form, füllt sie mit Baumwolle aus, oder mit Brotkrumen oder mit gummirter gezupfter Seide, und bindet sie mit Seide an die Spize kleiner Eisendrahte. Man stekt die Knospen in Sand, mit welchem ein hölzernes Näpfchen, A, (Figur 26.) gefüllt ist, wo man eine Menge solcher Knospen zum Abtroknen aufgestekt sieht.

Die Staubfaden werden auf folgende Weise gebildet. Man bindet eine hinreichende Anzahl kurzer Faden aus roher Seide an die Spize eines Messingdrahtes, und taucht sie in guten Handschuhmacher-Leim (colle de gants), wodurch sie, nach dem Abtroknen, die gehörige Festigkeit erlangen Ehe man diese Faden leimt, schneidet man sie alle in gleicher und für eine Rose schiklicher Länge ab. Den ganzen Bündel dieser Staubfaden (le coeur), stekt man entweder auf ein Kissen, oder in die Sandbüchse, A, zu den Knospen und sondert sie gehörig von einander, damit sie während des Troknens nicht an einander kleben.

Nachdem sie troken geworden sind, befeuchtet man diese Faden, alle zugleich, etwas an der Spize, und zwar mit einem Teige aus arabischem Gummi und schönen Weizenmehle. Dieser Teig hat dann die gehörige Eigenschaft hiezu erlangt, wenn, er anfängt etwas säuerlich zu werden, oder in saure Gährung überzugehen. Er klebt vollkommen, und besser als der stärkste arabische Gummi. Wir verstehen immer diesen Kleister, wenn wir in der Folge von Teig sprechen werden.

Nachdem die Enden der Faden aus roher Seide, welche |350| die Staubfaden bilden sollen, mit diesem Teige belegt sind, taucht man sie in ein Gefäß, welches mit feiner Grüze (semoule) gefüllt ist, die in einer Auflösung von terra merita in Alkohol oder Weingeist gelb gefärbt wurde. Jeder Seidenfaden wird ein Körnchen Grüze aufnehmen, die man dann troknen läßt.

Um diesen Büschel Staubfaden, oder um das Herz (le coeur) der Blume klebt man nun die Blumenblätter an ihren Nägeln mit dem Teige an; je mehr man nach außen kommt, desto größere Blumenblätter muß man ankleben, die man dann alle mittelst einer auf einer Seite holen Zange auswölbt (gauffrirt), um sie der Natur so nahe als möglich zu bringen. Dann sezt man den Kelch an, der die Nägel aller Blumenblätter um faßt, und leimt ihn mit dem Teige auf, nachdem man vorher die drei kleinen ausgeschnittenen Blättchen (areignes), angebracht hat, die die Knospe umgeben.

Der Stängel (la queue) wird aus einem oder mehreren Drahtfaden gebildet, die man mit dem Drahte verbindet, an welchem die Staubfaden angebunden sind. Man umwikelt die Drahte mehr oder minder mit Baumwolle, je nachdem der Stängel, so wie er sich von der Blume entfernt, immer diker und diker werden muß, und bedekt diese mit grün gefärbtem Schlangenpapier (papier serpente).

Die Blätter werden auf ähnliche Weise auf feinen Kupferdraht aufgezogen. Man stellt sie, wie in der Natur, zu drei und drei: diejenigen, die näher an der Blume zu stehen kommen, müssen kleiner und mehr gelblichgrün seyn. Der Blattstiel wird, wie der Blumenstiel, verfertigt, und auf dieselbe Weise mit diesem lezteren verbunden.

Die sogenannten Pompons-Rosen leiden eine Abänderung bei ihrer Verfertigung. Da die Blumenblätter, wenn sie getrennt würden, zu klein ausfielen, so schlägt man fünf bis sechs auf ein Mahl durch, die in der Runde zu stehen kommen. Das Durchschlageisen macht ein Loch in der Mitte. Man faßt mehrere Reihen dieser Blumenblätter auf dem Drahte auf, der die Staubfaden hält, die kleinsten zuerst, leimt sie mit dem Teige, was schneller hergeht, als bei den größeren, und vollendet die Arbeit auf dieselbe Weise.

Man braucht zu den Blumen besondere Farben, die es der Mühe werth ist zu kennen.

|351|

Zu Roth: Karmin in Weinstein-Salz (Sal tartari 114)) aufgelöst. Hiermit erhält man alle Schattirungen.

Zu Blau; Indig in Schwefelsäure aufgelöst, und, nachdem er gehörig aufgelöst ist, verdünnt man denselben mit Wasser, und entzieht der Auflösung die Säure entweder mit spanisch Weiß (reinem Bleiweiß), oder mit kohlensaurem Kalke, wodurch Gyps gebildet wird, der zu Boden fällt. Der Indigo bleibt in der Flüßigkeit, die man abgießt.115)

Zu Hellgelb; eine Auflösung von Curcuma longa in Alkohol.

Zu Dunkelgelb: eine Auflösung von Terra merita 116) in Alkohol.

Eine Weinstein-Auflösung frischt alle diese Farben auf.

Zu Violett: Lyoner-Orseile, und ein blaues Bad.

Zu Lilas: Lyoner-Orseile.

Die dreifarbigen Veilchen (la pensée), werden mit dem Pinsel gemahlt. Da die Blumenblätter derselben sammetartig sind, so legt man sie auf graues nicht geleimtes Papier, trägt die Farbe auf, und verbreitet sie mit dem Finger so, daß das Papier die Hälfte davon einsaugt.

Es ist unmöglich von allen Blumen zu sprechen; man muß arbeiten gesehen und sich selbst darin versucht haben: es braucht nur Geduld und Geschmak. Wir haben beinahe alle Geheimnisse der Blumenmacherinnen verrathen, die sie nicht sagen wollen. Gewisse Arbeiten lassen sich überdieß gar nicht beschreiben, z.B. die Kunst, mit den Zängelchen aus freier Hand zu gaufrieren etc. etc.

Die vorzüglichen Instrumente bei dem Blumenmachen sind |352| Fig. 26. das mit Sand gefüllte Näpfchen, in welchem eine Menge Eisendrahte steken, deren jeder mit einer Knospe oder mit einem Bündel Staubgefäße etc. versehen ist, um abzutroknen.

A, ist das Näpfchen.

B, sind die Knospen.

Fig. 27. Zängelchen.

A, der Kopf,

B, B, die Arme derselben. An einigen sind beide Arme flach, an anderen ist der eine Arm rund ausgehöhlt, der andere rund gewölbt.

Fig. 28. Aufriß des eisernen, Fig. 29. Grundriß des kupfernen Preß- oder Gaufrier-Instrumentes, um die Blätter zu pressen.

A, ist das Gaufrier-Eisen;

B, der Stiel:

C, der Griff. Für jedes Blatt sind besondere solche Instrumente nöthig.

Fig. 30. Gaufrier-Instrument aus Holz.

A, A, sind die Leisten.

Fig. 31. Gaufrier-Eisen mit seinem Stiele, um die Wölbungen an den Blättern, Blumen u. dgl. zu erzeugen.

A, das Instrument.

B, der Stiel.

C, der Griff.

Fig. 32, 33, 34. Docken von verschiedener Form, um die Blätter und Blumenblätter zu rollen. Man hat kegelförmige, flache und vierekige, walzenförmige und eyförmige: man hat sie von allen Formen.

Außer diesen Instrumenten hat man noch eine Menge anderer, deren man sich unter bestimmten Umständen bedient, und die es überflüßig wäre hier zu beschreiben.

|345|

Es befremdet uns sehr, daß Hr. Le Normand den Werth der Wachsblumen so wenig achtet und achten lehrt. Hr. Trattinik zu Wien hat die eßbaren und giftigen Schwämme in Wachs abbilden lassen, und dadurch, da bekanntlich Schwämme sich nicht getroknet kenntlich aufbewahren lassen, in dem Maße Unglüksfälle verhüthet, als er die Verbreitung der Kenntniß eßbarer und giftiger Schwämme bei dem Unterrichte, wo man sich bisher bloß mittelmäßiger Abbildungen bedienen konnte, erleichterte. Der sel. Hr. L. R. Bertuch, unsterblichen Andenkens, hat in seinem Industrie-Comptoir den Pomologen durch sein vortreffliches pomologisches Wachs-Cabinett, in welchem die vorzüglichsten in Deutschland gedeihenden Obstsorten auf eine treffliche Weise in Wachs abgebildet sind, und selbst den Landwirthen durch seine in Wachs herrlich nachgebildeten Erdäpfel-Sorten unendliche Dienste erwiesen. Die übrigens herrlichen Wachs-Abbildungen der feinen italienischen Obstsorten, die Mad. Pizzagalli zu Florenz besorgt, sind erst nach Bertuch's Unternehmung in den Handel getreten. Was endlich die Nachbildung der Blumen und Gewächse selbst in Wachs betrifft, so ist diese bei sehr vielen Gewächsen, namentlich bei allen sogenannten Fettpflanzen (plantes grasses), das einzige Mittel, zur genauen botanischen Kenntniß dieser, in so vieler Hinsicht kostbaren, Pflanzen zu gelangen. Auch die besten Abbildungen dieser Gewächse, selbst wenn Redouté sie uns schenkt, werden immer hinter einer guten Wachsabbildung derselben weit zurük bleiben, und sind um so nothwendiger, als es unmöglich ist, diese Gewächse anders, als in Weingeist, oder gesotten und gepreßt, wodurch sie gänzlich entstellt werden, aufzubewahren. Diese Gewächse sind übrigens an und für sich sehr kostbar; ihr Unterhalt ist eben so kostbar, und manche derselben blühen oft in einer Reihe von Jahren nicht. Es ist um so nothwendiger, diese Gewächse in Wachs nachzubilden, als in manchen Ländern heute zu Tage die Botanik nicht bloß verwaist, sondern verfolgt ist, und botanische Garten und Sammlungen muthwillig zerstört werden. Das k. k. Naturalien-Cabinett zu Wien besizt Abbildungen kostbarer Fettpflanzen in Wachs, die nichts zu wünschen übrig lassen. A. d. U.

|346|

Wir sind mit der Ausmittelung des Verfahrens, Fischbein zu bleichen, eben beschäftigt, und werden dasselbe in diesem Journale demnächst mittheilen. A. d. R.

|351|

Eine Auflösung von gereinigter Pottasche in Wasser. Aezender Salmiakgeist ist aber zu diesem Behufe geeigneter. A. d. R.

|351|

Man kann die Indigtinktur für diesen Gebrauch auf einen einfachem Weg darstellen, indem man in 8 Loth Wasser 1 Loth Alaun auflöst, und die kalte Alaunauflösung auf 3 bis 4 Loth Neublau gießt, und öfters umrührt. Nach einiger Ruhe sezt sich die Stärke des Neublau ab, und die Flüßigkeit enthält den in dem Neublau enthaltenen Indig aufgelöst. A. d. R.

|351|

unter Terra merita versteht man die runde Gilbwurzel (curcuma rotunda). Für beide Farben, nämlich für hell- und dunkelgelb kann man dieselbe Farbtinktur gebrauchen, nur verdünnt man sie für hellgelb vorher noch mit Alkohol. A. d. R.

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