Titel: Gas und Gasbeleuchtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. CVII. (S. 480–490)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/ar022107

CVII. Gas und Gasbeleuchtung.

Licht ist die Seele der Welt; Feuer eine schwache Vorstellung des Lichts. Die Flamme, welche beim Verbrennen eines Körpers zum Vorschein kommt, besteht aus einer Materie, die wir Wasserstoffgas nennen, und sie ist immer um so reiner und glänzender, je reiner der Körper ist, den wir verbrennen, und je vollkommener die Verbrennung vor sich geht. Geschieht die Verbrennung unvollkommen, so geht ein Theil der Materie, welche Licht und Hize geben könnte, als Rauch verloren, der keinen Nuzen bringt. Es muß daher immer unser Streben seyn, viel Licht mit wenig Kosten zu erzeugen.

Jeder, der viel bei Licht liest oder schreibt, wird bemerkt haben, daß eine kleine Flamme immer glänzender und heller ist, als eine größere, und daß ein frisch gepuztes Licht weit mehr Helle gibt, als ein ungepuztes. Diese Veränderung der Helle, welche wir bei Lichtern und Lampen erfahren, schadet den Augen, weil die Gesichtsnerven sich beständig darnach richten |481| müssen; und aus diesem Grunde ist es auch ein unvollkommenes Licht. Andere Fehler der Lichter und Lampen liegen in der weichern oder härtern Beschaffenheit des Talges, der Dike des Dochtes, und der Unreinheit des Oehles. Wachslichter sind am besten, aber auch am theuersten; und es bleibt immer noch eine wichtige Aufgabe der Chemie, den Talg eben so hart, als Wachs zu machen. In Ostindien sollen die Eingebornen dieses Verfahren verstehen, dem unsere Chemiker noch nicht die gehörige Aufmerksamkeit geschenkt haben.

An der Stärke des Schattens in bestimmter Entfernung erkennt man die Kraft des Lichtes; und wenn man daher Lampen, Lichter und Gas mit einander vergleicht, so wird man bald finden, welchem darunter der Vorzug gebührt. Graf Rumford hat durch Versuche ausgemacht, wieviel Materialien zu einer bestimmten Lichtmaße für eine gegebene Zeit erforderlich seien, und folgende Resultate gefunden:

Wachs 100 Pf.
Talg 101
Oehl in einer Argand'schen Lampe 129
Gezogene Talglicher 229

und Peckston glaubt annehmen zu dürfen, daß 5450 Cubikfuß Steinkohlengas und 2000 Cubikfuß Oehlgas dieselben Dienste thun. Die gegenseitigen Kosten einer solchen Beleuchtung gibt Peckston ferner also an:

Pf. Sh. D.
100 Pf. Wachslichter zu 2 Sh. per Pf. 13 9 4
101 beste gegossene Talglichter zu 8 D. 3 7 4
129 Spermöhl zu 5 D. 2 13 9
229 gezogene Lichter zu 7 D. 6 13 7
5450 Cubikfuß Steinkohlengas zu 6 Sh. das 1000 1 12 8 1/2
2000 Oehlgas zu 28 Sh. 1000 2 16

Es geht demnach aus dieser Vergleichung hervor, daß die Beleuchtung mit Oehlgas beinahe fünf Mahl wohlfeiler ist, als mit Wachslichtern, und ungefähr 20 % weniger kostet, als mit den besten gegossenen Talglichtern: der Vortheile eines schöneren und stärkeren Lichtes nicht zu gedenken, das man dabei erhält, und daß man es nach Belieben starker oder schwächer machen kann, und keine Zeit mit dem Puzen des Dochtes zu verlieren braucht. Auch verbreitet es keinen so unangenehmen Geruch, wie es bei Oehllampen und Lichtern der Fall ist, wenn |482| man die leztern ausbläst, oder die Lichtscheere nicht wohl verschließt, so wie es auch nicht raucht, keine Funken umhersprühen, und vom Winde nicht verlöscht werden kann.

Nachdem nun die Vortheile kurz angeführt sind, welche aus der Oehlgas-Beleuchtung entstehen, so sollen einige Worte über das bei uns herrschende Vorurtheil folgen, daß eine solche Beleuchtung gefährlich sey.

Die mit der Anwendung des Gases verbundenen Gefahren sollen folgende seyn:

1) Explosionen in den Gasbehältern und den dazu erforderlichen Gebäuden.

2) Explosionen in den Hauptröhren unter dem Pflaster.

3) Explosionen in den Häusern, wo das Gas verbraucht wird.

1) Die Beleuchtung mit Steinkohlengas ist seit 21 Jahren in England eingeführt, und in dieser langen Zeit hat sich bloß anfänglich ein unglüklicher Vorfall in Manchester ereignet, wo ein Gasbehälter zerplazte. Dieser Vorfall entstand jedoch nicht durch eine mit dem Gase natürlich verbundene Gefahr, sondern durch den Muthwillen des Arbeiters, welcher betrunken war, atmosphärische Luft in den Gasbehälter ließ, und das Licht dagegen hielt. Allein dieser Thorheit ungeachtet wurde weder er noch ein anderer Arbeiter beschädigt, und das Gebäude sowohl, worin der Gasbehälter stand, als die übrigen darin befindlichen Behälter, litten keinen Schaden. Sogar der Gasbehälter selbst war nicht stark beschädigt, und flog nicht in die Luft, obgleich bei diesem Ereignisse alles geschah, was man gewöhnlich so sehr befürchtet, – nämlich eine Mischung atmospärischer Luft mit dem Gase im Behälter; Entweichung des Gases in das Gebäude, wo der Behälter stand; Hinzukommen des Feuers oder Lichtes, und endliches Zerplazen; allein alles, was daraus entstand, war weiter nichts, als eine leichte Beschädigung des Behälters, worin die Verpuffung statt fand. Seit dieser Zeit sind an 50 neue Gasbehälter in London, und 150 auf dem Lande errichtet worden, und kein Vorfall hat sich mehr ereignet.

Die Gebäude, worin die Gasbehälter stehen, sind von allen Seiten offen, und bloß so weit verschlossen, damit der Wechsel der Witterung die Behälter nicht beschädigen kann. Wenn daher ein Entweichen des Gases aus dem Behälter durch irgend |483| einen Zufall statt findet; so verliert es sich seiner Leichtigkeit wegen augenbliklich in den höhern Schichten der Atmosphäre, so daß durchaus keine Explosion statt finden kann.

2) Eben so ungegründet ist die Furcht vor Explosionen in den Hauptröhren (Mains) unter dem Pflaster. Zwar ist es wahr, daß eine Mischung von Gas und atmosphärischer Luft in unbestimmtem Verhältnisse in den Hauptröhren statt findet; allein wenn man auch zugibt, daß sie zuweilen eine verpuffende Eigenschaft erlangen könnte, so ist sie doch dem Bereiche des Feuers nicht ausgesezt, weil die Röhren zwei bis vier Fuß unter dem Boden sind. Durch die kleineren Röhren aber, welche mit den Hauptröhren in Verbindung stehen, und das Gas in den Häusern u.s.w. vertheilen, kann keine Flamme dahin dringen, wie es vielfältige Versuche und Erfahrung bewiesen haben. Wäre eine solche Gefahr in der Wirklichkeit begründet, so müßte längst schon ein unglüklicher Vorfall sich ereignet haben, da sich die Gasbeleuchtung in England täglich mehr verbreitet.

3) Den Bemerkungen zufolge, welche über die beiden vorhergehenden Punkte gemacht wurden, ist es augenscheinlich, daß keine Gefahr weder in den Gasbehältern noch in den Hauptröhren entstehen kann; und es bleibt daher nur noch zu zeigen übrig, daß auch in Häusern, wo das Gas verbraucht wird, nichts zu befürchten ist, wenn man nur ganz gewöhnliche Vorsicht dabei braucht. Eine Explosion des Gases kann nur dann statt finden, wenn 1 Theil Gas mit 5 Theilen atmosphärischer Luft gemischt ist; und weil Zimmer, Kaufläden, Werkstätten u.s.w. nicht dicht genug sind, um das Gas verschlossen zu, erhalten, so kann nicht leicht eine Explosion geschehen. Um z.B. dem Gase eine verpuffende Eigenschaft zu geben, müßte es in einem dicht verschlossenen Zimmer, das 15 Quadratfuß mißt, und 9 Fuß hoch ist, 48 Stunden lang einen Zufluß von 5 Cubikfuß Gas in jeder Stunde erhalten, was nicht geschehen kann, wenn man nur die mindeste Aufmerksamkeit darauf richtet, und den Hahn nicht aus Muthwillen öffnet.

Es ist in der That zu bewundern, daß zu Anfang der Gasbeleuchtung, als man mit den Eigenschaften des Gases noch nicht gehörig vertraut war, so wenig Vorfälle statt fanden; ein Beweis, daß die Gefahr nicht groß seyn kann, und sich immer mehr vermindern muß, je mehr Apparat, Maschine |484| und der Gebrauch derselben verbessert und bekannt werden. Die Röhren, welche das Gas aus den verschiedenen Werken Londons nach allen Theilen der Stadt leiten, bedeken jezt einen Raum von etwa fünfzig englischen Meilen, und der tägliche Gasbedarf auf einer einzigen sehr bevölkerten Stelle steigt auf 320,000 Cubikfuß.

London hat jezt drei Gaswerke, welche Steinkohlengas liefern, die unter dem Namen der Charterres Gas-light and Coke Company, der City of London Gas-Light and Coke Company, und der South London Gas light Company bekannt sind. Das erste von diesen Werken verbraucht jährlich 17,732 Chaldrons Kohlen, und erzeugt daraus 216,330,000 Cubikfuß Gas, womit 30635 Gaslichter unterhalten werden. Das zweite Gaswerk verbraucht jährlich 8842 Chaldrons Kohlen, und erzeugt 107,848,000 Cubikfuß Gas; und das dritte verbraucht 3120 Chaldrons Kohlen, und erzeugt 38,064,000 Cubikfuß Gas. Alle diese Werke haben 47 Gasbehälter, welche 917940 Cubikfuß Gas enthalten, das aus 571 Retorten geliefert wird. Die dazu erforderlichen Kohlen betragen 29692 Chaldrons, welche 7115 Chaldrons Coke, und 362,000,000 Cubikfuß Gas geben. Die damit unterhaltenen Privatlichter belaufen sich auf 34,241, und die öffentlichen Lampen auf 8268. Die Kosten der Anlage aller drei Werke sollen 851,250 Pfund Sterling betragen haben.

Dieser Ungeheuern Ausdehnung der Gaswerke wegen wurde im Jahr 1824 eine Commission auf Befehl des Parlaments niedergesezt, um zu untersuchen, ob nicht etwa große Gefahr dadurch entstehen könne, wobei Sir Humphry Davy und andere| geschikte Chemiker berathen wurden. Das Resultat dieser Untersuchung fiel ganz zu Gunsten der Gaswerke aus, indem die Commission entschied, daß die Gesezgebung diesem Industriezweige nichts in Weg legen soll, weil keine Gefahr dabei sey, wenn man nur gewöhnliche Vorsicht brauche. Deshalb nehmen auch die Londner Versicherungsanstalten gegen Feuersgefahr weniger Prämien von Häusern u.s.w., welche mit Gas beleuchtet werden, als von solchen, wo man Lichter oder Lampen brennt, weil beim Gase keine Funken umherfliegen, und sorglose Dienstboten es nicht an unrechte Stellen bringen können. Ueberhaupt aber gibt es jezt kaum mehr eine Stadt in England, wo man nicht mit Gas beleuchtete; und in wenigen |485| Jahren wird diese Beleuchtungsart jede andere vollends verdrängen, um so mehr, da man seit Kurzem auch angefangen hat, tragbares Gas zu liefern, womit man Zimmer und jeden Theil eines Hauses ganz ohne Gefahr beleuchten kann.

Um dieß zu erzweken, und eine größere Quantität Gas in einen kleinen Raum hineinzubringen, wird es in besonders dazu verfertigte Cylinder gefüllt, und dergestalt zusammen gepreßt, daß 30 Cubikfuß nur 1 Cubikfuß Raum einnehmen. Auf diese Weise hat man einen beträchtlichen Gasvorrath im Hause; und weil die Behälter so gemacht sind, daß sie noch über den gewöhnlichen einen Druk von 200 Pfund auf den Quadratzoll aushalten können, so ist durchaus nichts dabei zu befürchten. Diese Behälter sind gewöhnlich von Eisenblech gemacht, und in hübschen Lampen oder Fußgestellen verschlossen, welche oben mit allerlei Bildern aus der Mythologie verziert sind. Die Gasbehälter werden von der Gesellschaft zur Verfertigung des tragbaren Gases an jeden Hauseigenthümer gefüllt geliefert, dem es alsdann anheim steht, irgend eine Verzierung nach Gefallen zu wählen. Auf diese Weise werden auch Tanz- und Concert-Säle beleuchtet, und das Gas kann man nun überall hinbringen, wohin es früher nicht geleitet werden konnte. Für Kanzelleien, Caffeehäuser, Gasthöfe, Palläste, Kaufläden u.s.w. ist das tragbare Gas unvergleichlich; um so mehr, da es aus Oehl bereitet wird, keinen unangenehmen Geruch verbreitet, und die Farbe der Metalle und Vergoldungen nicht angreift, weil es frei von geschwefeltem Wasserstoff ist. Sechs Cubikfuß Oehlgas geben eben so viel Licht, als ein Pfund Wachslichter; und jeden Cubikfuß Gas verkauft die Gesellschaft an regelmäßige Abnehmer für drei Farthings, wodurch sechs Cubikfuß Gas nicht theurer kommen, als ein halbes Pfund Talglichter.

Diejenigen, welche Oehlgas regelmäßig brennen, bestimmen die Größe der Lampen, die sie brauchen, und wie oft sie gefüllt werden müssen; wogegen sie den Werth der Lampe deponiren. Die Lampen werden von der Gesellschaft in Ordnung gehalten; dagegen aber sind die Abnehmer für Beschädigung verantwortlich. Wer beständig Gas nimmt, muß für eine bestimmte Zahl Cubikfuß, zum Preise von 6 1/4 Shilling die 100 Fuß vorausbezahlen; und sobald diese Zahl abgeliefert ist, muß |486| dasselbe wiederholt werden. Wer unter 10 Cubikfuß Gas nimmt, und die Lampen, welche gewöhnlich ins Haus geschikt werden, nicht selbst abholt, muß mehr bezahlen. Die übrigen Bedingungen sind in beistehender Tabelle enthalten.

Bedingungen,
unter welchen die Gasgesellschaft das Publikum mit Oehlgas versieht.

Textabbildung Bd. 22, S. 486

Nach diesen Bemerkungen kommen wir nun auf den schon in öffentlichen Blättern berührten Gegenstand, daß die Einführung eines Gaswerkes durch Fremde nachtheilig sey, weil sie den Gewinn aus dem Lande ziehen. Diese Behauptung muß ohne fernere Bedingung zugegeben werden; denn es ist besser selbst zu arbeiten, als andere für sich arbeiten zu lassen. Wenn es aber anerkannt ist, daß ein Industrie-Zweig in einem Lande vortheilhaft wäre, und es findet sich niemand ihn zu unternehmen, |487| so thut die Regierung wohl daran, fremde Vorschläge auf eine bestimmte Zeit anzunehmen; denn es ist besser mit fremder Hülfe vorwärts zu rüken, als beim Alten zu bleiben. Dieß ist bei dem vorliegenden Gegenstande der Fall, von dem man beweisen kann, daß er selbst dann einem Lande nicht nachtheilig ist, wen er auch durch Fremde eingeführt wird, obgleich, wie gesagt, einheimische Unternehmer den Vorzug verdienen.

Wir haben in Süd-Deutschland geschikte Arbeiter in vielen Fächern, und wenn sie es auch nicht sind, so haben doch viele darunter gewiß vorzügliche Anlagen. Weil es ihnen aber an der gehörigen Ausbildung fehlt, und sie mit dem verbesserten Maschinenwesen nicht bekannt sind; so läßt sich gar nicht erwarten, daß ein Oehlgas-Apparat bei uns verfertigt werden könnte, wie er jezt in England gemacht wird. Wenn man daher die Oehlgas-Beleuchtung durch einheimische Unternehmer einführen wollte, so müßte wenigstens der Apparat aus England geholt werden, der meines Erachtens an 24,000 Gulden kosten würde. Mit dem Apparate allein wäre aber noch nichts gethan; denn es fehlten uns alsdann noch ein in diesem Fache bewanderter Ingenieur und ein Paar geschikte Arbeiter, um die Sache in Gang zu sezen, und ihr die erforderliche Einrichtung zu geben. Es ginge also selbst bei einem einheimischen Unternehmen eine beträchtliche Summe Geld ins Ausland, wenn man auch den Umstand nicht berüksichtigt, daß wir in diesem Zweige noch wenig Erfahrung haben. Wird er aber von Engländern unternommen, so geht kein Geld für den Apparat hinaus, und alle übrigen dabei vorkommenden Arbeiten, die noch höher als der Apparat selbst kommen, werden mit englischem Gelde bezahlt.

Um eine Uebersicht von den Kosten eines Steinkohlen-Gaswerks zu geben, womit 160 öffentliche und 500 Privatlichter das ganze Jahr hindurch versehen werden können, folgen hier die Angaben des geschikten Ingenieurs Peckston, welcher mehrere der ersten Gaswerke in England eingerichtet hat.

Auslagen für die Gebäude, Baustelle u.s.w. 4630 Pf. Sh.
Apparat 2800
Gasleitung durch die Stadt, wozu 22500 Fuß
Röhren erfordert werden
4070
––––– ––––– ––––– –––––
Summe der ganzen Anlage 11500 Pf. Sh.
11500 Pf. Sh.
––––– ––––– ––––– –––––
Dazu kommen aber noch ferner die
laufenden jährlichen Kosten, nämlich:
Gehalt des Aufsehers 225 Pf. Sh.
Arbeitslohn dem Mechaniker, Schmidt u.s.w. 236 12
Handlanger, Pflasterer 201 10
Anzünder der Lampen 41 12
790 Tonnen Steinkohlen zur Gasbereitung 1027
100 Tonnen zum Feuermaterial 100
Kalk zum Reinigen des Gases 10
Abnuzung des Apparats und Ausbesserung 244
––––– ––––– ––––– –––––
13585 Pf. 14 Sh.

Die ganze Auslage würde sich demnach auf 13585 Pf. 14 Sh., oder um eine runde Summe anzunehmen, auf 13600 Pfund Sterling belaufen. Wenn daher ein solches Gaswerk von Fremden errichtet wird, so kommen dazu ungefähr 11000 Pfd. Sterling ins Land, weil außer dem eigentlichen Apparat Alles im Lande gemacht und ausgegeben werden muß, wenn die Fracht von den Röhren u.s.w. nicht allen Gewinn aufzehren soll. Die Kosten zur Errichtung eines Oehlgaswerkes kommen zwar etwas wohlfeiler zu stehen; doch aber ist es sehr zu bezweifeln, ob es unter 6000 bis 7000 Pfd. Sterling geschehen kann, wovon also an 5000 Pfd., ohne die laufenden Kosten, im Lande ausgegeben würden. Die Errichtung eines Oehlgaswerkes durch Fremde ist also in dieser Beziehung schon nicht unvortheilhaft, und wird es um so mehr, wenn man bedenkt, daß unsere Handwerksleute an feinere Arbeiten sich gewöhnen, und folglich gewiß dabei lernen werden. Man kann aber den Gegenstand noch von mehreren andern Seiten betrachten, und zugleich beweisen, daß die aus einer solchen Unternehmung entspringenden Vortheile die allgemeine Aufmerksamkeit verdienen.

Im südlichen Deutschland findet im Allgemeinen eine bedeutende Einfuhr von Wachslichtern und Talg statt. Die Beleuchtung mit Oehlgas ist aber, wie eben bewiesen wurde, jener mit Wachs vorzuziehen, gibt ein schöneres Licht, und ist fünf Mahl wohlfeiler. Wenn daher Oehlgas statt Wachs gebraucht wird, so bleibt das Geld dafür im Lande, und jeder Hauseigenthümer kann entweder um denselben Preis fünf Mahl |489| mehr Licht in seiner Wohnung haben, oder achtzig Gulden ersparen, wenn man annimmt, daß er früher 100 dafür ausgegeben habe, und sich mit eben soviel Licht, als zuvor, behelfen will.

Wenn Oehlgas statt Wachslichtern gebraucht wird, hört nicht nur die Einfuhr der leztern größtentheils auf, sondern der Anbau von Oehlsamen muß ebenfalls erweitert, und der Akerbau dadurch befördert werden. Wenn daher die Anlage von Gaswerken auf einer Seite Geld ins Land bringt, und auf der andern anderes erspart und der Akerbau befördert wird; so wird es wohl nicht ungereimt erscheinen, wenn man nachstehende ungefähre Berechnung anstellt:

Geld, welches eine einzelne, auf 160 öffentliche
und 500 Privatlichter berechnete Anlage ins
Land bringt
6000 fl.
der Umtrieb im ersten Jahre 15000
–––––
75000 fl.

Davon ist jedoch der Gewinn der Unternehmer abzuziehen, welcher ins Ausland geht, und diesen kann man auf 8 p. C. berechnen, da man beim Steinkohlengas ungefähr eben soviel annimmt. Dieß macht also auf eine Anlage von obiger Ausdehnung nicht mehr als 6000 fl. im Jahre; und wenn die Gesellschaft ein Privilegium auf 10 Jahre bekäme, so machte es 60000 fl. Die Anlage selbst brächte aber 75000 fl. ins Land, und die Beleuchtung würde ebenfalls bei Weitem weniger kosten. Was aber in 10 Jahren an Wachslichtern erspart werden könnte, läßt sich nicht genau angeben; doch aber ist gewiß, daß, wenn die Beleuchtung mit Oehlgas allgemein würde, 100000 fl. im Jahre in den süddeutschen Staaten nicht zuviel angenommen wäre; und mithin betrüge dieß in 10 Jahren nicht weniger als 1,000,000 fl.

Es ist daher die Beleuchtung mit Oehlgas, sowohl von fremden als einheimischen Unternehmern, gewiß vortheilhaft, und außer den Lichterziehern würde wohl niemand beeinträchtigt werden. Was aber diese verlören, würde dem Privatmanne reichlich durch eine wohlfeilere Beleuchtung ersezt, die nach obigen Angaben zwischen Talglichtern und Oehlgas auf 20 p. C. steigt; und Blechler, Eisengießer und Pflasterer etc. würden mehr Verdienst bekommen. Da jedoch die Lichterzieher bei uns auch Seifensieder sind; so sollen sie trachten, statt bei dem Herkömmlichen |490| zu bleiben, auch feinere Seifen zu machen, die man uns aus Frankreich und England zuführt, und womit sie wohl eben so gut nach anderen Ländern handeln können, als die Engländer und Franzosen. In den meisten Kaufläden, und auch in vielen Privathäusern, brennt man übrigens bloß Oehl in Lampen; auch kommen noch Lichter herein, und wenn man den Gegenstand genau untersucht, so wird der Verlust für die Lichterzieher nicht so bedeutend seyn, als er beim ersten Blike erscheint.

Es ist demnach keinem Zweifel unterworfen, daß die Einführung der Oehlgasbeleuchtung von wahrem Nuzen ist, wenn auch gleich einige Individuen dabei verlieren sollten. Der Staat hat bloß über das allgemeine Interesse des Landes zu wachen, und kann sich nicht um den Verlust Einzelner bekümmern; denn wer würde z.B. die Drukerpresse verboten haben, um den einzelnen Abschreibern nicht zu schaden, welche ehemals von diesem Gewerbe lebten?

In London zählt man im Ganzen sieben Gasgesellschaften, deren Capital 6,850,000 Pfund Sterling seyn soll, wovon aber bis jezt nur 889,000 Pfund eingeschossen wurden. Das Capital der London Portable Gas Company soll 1000000 Pfund betragen; es wurden aber bis jezt nur 100,000 Pfund dazu erfordert.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: