Titel: Industrie-Preisvertheilungen in Venedig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XVIII./Miszelle 3 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022018_3

Industrie-Preisvertheilungen in Venedig.

Man theilt in Italien, wie in anderen Ländern, Preise an Künstler und Gewerbsleute aus, aber man schreibt dort mehr darüber, als bei uns. Die – Atti delle solenni distribuzioni de premj d'industria fatte in Milano ed in Venezia dall anno 1806 in avanti – bilden drei 80. Bände, und erlebten so eben sogar eine neue Auflage zu Mailand bei Fusi, die um 8 Lire austr. zu haben ist. Zu Venedig bei Andreola erschienen noch besonders die – Atti della distribuzione de premj d'industria nella solennita del Giorno onomast di S. M. I. R. A. 4. Ottobre 1825. – Wir heben aus denselben nur das Wichtigste aus. Hr. Jos. Simeoni zu Trevigi erhielt die goldene Medaille für seine türkisch Roth-Färberei (Adrianopel-Roth) indem er gegenwärtig jährlich an 60,000 Pfd. färbt. Vor ein paar Jahren kannte man diese Färberei noch gar nicht im Venezianischen, weil freie Einfuhr war, die jezt nicht mehr Statt hat. Ein Hr. Jos. Stefani zu Padova erhielt die silberne Medaille für treffliche astronomische Instrumente, die er nach des berühmten Reichenbach Verfahren verfertigt; ein Hr. Franc. Gera zu Conegliano für Verbesserung der Seidenspinn-Mühlen; Hr. Ludw. Zandomeneghi (welcher die goldene Medaille für Wiedererfindung, der jonischen Schneke erhielt) erhielt die silberne Medaille für eine Verbesserung an der Winde, wodurch er mit der größten Leichtigkeit mittelst einer an der Welle angebrachten Schraube die schwersten Lasten hebt; Hr. Leonh. Semitecolo zu Venedig für treffliche Mikroscope; Hr. Casp. Tonello zu Trieft für einen verbesserten Schiffs-Quadranten; Hr. Bartol. Bisio zu Venedig für eine unauslöschbare Tinte aus Sepia oder Bister; Hr. Casp. Biondetti zu Venedig auf eine verbesserte Wasserwage; Hr. Cobres zu Venedig über eine verbesserte Feuersprize nach Watt und Bolletton; Hr. Joh. Smania für einige 60 verschiedene Sorten wohlriechender Seifen; die Gebrüder Fontebasso zu Trevigi für sehr gute Töpferwaaren; Hr. Ludw. Tabaglia zu Cremona für eine sehr brauchbare Vorrichtung zur Wässerung der Felderz Hr. Angelo Albanese zu Venedig, für eine Maschine zum Kneten des Teiges; Hr. Ferdinand de Martiis für Tabakpfeifen-Köpfe; Hr. Crescentius Paris zu Brescia für sehr schöne Jagdgewehre; Hr. Barbiera zu Mantua für Papier aus Hibiscus roseus; Hr. Andr. Galvani zu Pordenone, für bessere Pakung der Seidensträhne, und für eine Copier-Maschine, welche die Abschriften vervielfältigt, und die er Polisingräfo nennt; Hr. Jak. Dalle-ore zu Venedig für ein Modell einer neuen Dampfmaschine, für hölzerne Metallschrauben, für gravirte eiserne Cylinder etc.; Hr. Domenico Biasio zu Belluno, für einen Spar-Schnitt in Kleidungsstüken. Hr. Biasio kleidet einen Mann von mittlerer Statur mit 3 1/4 Elle 9/4 breiten Tuches in Frank, Gilet, Pantalon und Stiffleten, und erspart folglich durch seine Art zuzuschneiden beinahe eine ganze Elle. Er mußte in Gegenwart von Commissären arbeiten, und überzeugte alle Zuschauer von der Wirklichkeit der vermeinten Unmöglichkeit solcher Ersparung. Hrn. Biasio's Erfindung verdiente bei allen Armeen angewendet zu werden; allein, die Lieferanten und Verpflegungs-Commissäre werden sie wohl nirgendwo gedeihen lassen. (Vergl. Biblioteca italiana, Luglio. S. 75.)

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