Titel: Guter Rath für Baumeister und Bauherrn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LIII./Miszelle 21 (S. 270)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022053_21

Guter Rath für Baumeister und Bauherrn.

Ein Baumeister, J. B., beklagt im Mechanics' Magazine, N. 157., 26. August, S. 272. die jämmerliche Art, mit welcher heute zu Tage so gebaut wird, daß neue Häuser leichter einstürzen, als alte. Er findet die Ursache des häufigen Einstürzens der neuen Gebäude darin, daß man nicht jeden Ziegel, ehe man denselben einmauert, in Wasser raucht, um so den Kalk zu löschen, der in denselben gewöhnlich dem Thone beigemengt ist, und warnt, nie die Ziegel frisch vom Ofen her zu verbrauchen; denn sie gehen auseinander, wenn sie frisch gebrannten Kalk enthalten, und das Wasser aus dem Mörtel einziehen, sich löschen, und der Mörtel hängt sich an frisch gebrannte ganz trokene Ziegel sehr schlecht an, und bindet sie schlecht. Der Mörtel soll immer aus 1 Theile Kalk und 2 Theilen Sand bestehen, und gehörig angerührt werden. An großen Mauerwerken soll jede fünfte Ziegelreihe mit frisch gebranntem Kalke und scharfem Sande gehörig belegt werden. Nie soll ein Theil eines Gebäudes vor dem anderen höher, sondern alle Theile des Gebäudes sollen gleichzeitig gleich hoch aufgeführt werden. An Gebäuden, die starke Lasten zu tragen haben, soll das Mauerwerk an Einem Tage nie höher als 3 Fuß hoch aufgemauert werden: denn es ist die größte Narrheit, schnell bauen zu wollen. Zwischen jedem Stokwerke soll man, nachdem das Gebälke aufgelegt wurde, damit die Mauer sich sezen kann, einige Tage mit der Arbeit aussezen. So bauten die Alten, deren Gebäude eben so schwer einzureißen sind, als die der Neueren leicht von selbst einfallen.

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