Titel: Ueber die Förderungs-Mittel der Industrie in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LIII./Miszelle 3 (S. 264–265)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022053_3

Ueber die Förderungs-Mittel der Industrie in Frankreich.

Es sey uns erlaubt, aus dem Jahres-Berichte über die Arbeiten des Verwaltungs-Rathes der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale im J. 1825 folgende Stelle hier aus dem Bulletin dieser Gesellschaft N. 263. S. 142. wörtlich zu übersezen.

„Frankreich besizt zwar nicht, wie England, jene großen Massen von Capitalien, die ihm die ungeheueresten Unternehmungen, die Einrichtung von Fabriken in einem ganz riesenhaften Maßstabe, erlauben, es überschwemmt nicht durch seine Ausfuhr ganze Länder mit den Erzeugnissen seiner Werkstätten, es ist aber auch weniger den Gefahren kühner Unternehmungen bloß gestellt; es findet in dem Umfange seines inneren Verbrauches einen immer sicheren, nie unterbrochenen Absaz der Früchte seines Fleißes 93), der daher auch minder dem Wechsel der Ereignisse, und weniger den gefährlichen Schwankungen unterworfen ist. Es ist nicht jenen allgemeinen Krisen ausgesezt, die Fabriken still stehen machen, Schreken verbreiten, und den Arbeitern mit dem Hungertode, den Fabrik-Besizern mit dem Untergange drohen.“

„Wenn man unpartheiisch den gegenwärtigen Zustand der Industrie in Frankreich betrachtet, so wird man finden, daß mehrere Ursachen sich vereinigen, um derselben ein sicheres Fortschreiten zu verbürgen, das, wenn es auch langsam und unmerklich seyn sollte, doch wenigstens anhaltend und regelmäßig vordringen wird.“

„Eine der ersten Ursachen sind unsere gegenwärtigen Industrie-Geseze selbst; jene Geseze, die die Zünfte und Innungen von ihren tödtenden Fesseln befreiten, die ihnen volle Freiheit schenkten, und doch die Rechte des Eigenthumes und der Erfindung, die auch ein Eigenthum ist, kräftig zu schüzen wußten. Unter die Wohlthaten unserer Gesezgebung gehört dann auch noch die Einführung des einfachen, schnellen, wohlfeilen und billigen Handlungs-Rechtes unter den Fabrikanten, wo jeder von seines Gleichen, von Schiedsrichtern, von einem wahren Bürger- Geschwornen- Gerichte gerichtet wird.“

„Einen nicht minder wichtigen, wenn auch weniger unmittelbaren, wohlthätigen Einfluß äußern auch unsere Staats-Geseze, indem sie die Industrie in ihre Rechte wieder einsezten, Denkfreiheit und Preßfreiheit heiligten, jedem Talente feine Laufbahn öffneten, und dadurch, daß sie jedem, der durch seine Arbeiten nüzen will, dasselbe ehrenvolle Ziel vorstekten, allgemeinen Wetteifer verbreiteten. Wir freuen uns, daß die allgemeine Volksstimmung, die sich hier mit dem Geiste der Geseze vereint, und die Handhabung derselben sichert, dem Dienste, den man der Industrie erweiset, jenen Rang zu ertheilen weiß, den er in der öffentlichen Achtung verdient.“

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„Unsere Industrie findet Schuz und Aufmunterung in unserem Mauth-Tarife, welcher, in Allem, was nicht wesentlich Verbrauchs-Steuer (Consumo Zoll) ist, sich in den Sizungen unserer Kammer immer mehr und mehr von den rein fiskalischen Ansichten entfernt, und sich den wahren Grundsätzen anschmiegt, die den Zweck der Mauth nach dem Interesse unserer Industrie bestimmt.“

„Unsere Industrie findet eine kostbare Begünstigung in dem Schuze unserer Geseze für anonyme Gesellschaften, welche die Bildung großer Capitalien durch Anhäufung kleiner Beiträge fördern, und eine Menge von Leuten in den Bereich des Fabrikwesens ziehen, die demselben bisher immer fremd geblieben sind. Diese Gesellschaften vervielfältigen sich seit mehreren Jahren unter hundert verschiedenen Formen, und müssen sich noch in's Unendliche vermehren, wenn sie mehr gekannt seyn werden. Sie sind durch die Verordnungen des Codex geschüzt, welche die Teilnehmer der Actien schüzen, und den Actien Umlauf sichern.“

„Und was die schnelleren künftigen Fortschritte unserer Industrie auf eine noch mehr unmittelbare Weise sicher fördern muß, ist das rasche Fortschreiten der physischen Wissenschaften, die täglich mit den wichtigsten Entdekungen bereichert, mit einem so ehrenvollen Eifer betrieben, nach so zwekmäßiger Methode geleitet werden, daß schon jezt die Fakel der Beobachtung und Erfahrung die Werkstätten unserer Künstler erleuchtet, und sie mit täglich wachsendem Gewinne lohnt.“

Hr. Baron Degérando spricht nun von den Special-Unterrichts-Anstalten für Handwerker von Baron Dupin, die über ganz Frankreich sich verbreiten) „eine Schöpfung,“ sagt er, „die in der Geschichte unserer Industrie Epoche machen wird. – Gute Sitten, Geist der Ordnung, Verwendung, Unterricht, veredeln den Handwerker, und machen, daß er mehr und besser arbeiten kann; diese Vortheile wird man erst dann gehörig fühlen, wann die Einführung der Maschinen den Menschen feiner Bestimmung, als verständiges Wesen zu arbeiten, naher führen wird.“ Hr. Baron Degérando lobt endlich noch vorzüglich die Fabrikanten des Oberrheines, die Direktoren des Bergwerkes du Lardin, die Eigenthümer der Schmieden zu Fourchambault, welche ihren Arbeitern zugleich auch technischen Unterricht ertheilen, und segnet die Einführung der Spar-Kassen für Handwerker, unter welchen er vorzüglich jener der schönen Fabriken zu Wesserling im Ober-Rhein erwähnt.

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Der nie in Ländern gesichert ist, wo ausländische Fabrikate gegen Zoll eingeführt werden dürfen. A. d. Ueb.

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