Titel: Brod ohne Sauerteig. Eine Neuigkeit in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. LXXVII./Miszelle 33 (S. 364–365)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022077_33

Brod ohne Sauerteig. Eine Neuigkeit in Frankreich.

Wie ununterrichtet ein, selbst auf einer hohen Stufe von Cultur stehendes, Volk öfters in Bereitung seiner ersten Lebens-Bedürfnisse seyn kann, zeigt nicht bloß die Bäkerei und Brauerei und Kochkunst in England, sondern, wie wir jezt aus dem IX. B. der Brevets d'invention S. 256 und dem Bulletin des Sciences techn. September l. J. ersehen, selbst die Bäkerei in Frankreich. Ein Hr. Fechet ließ sich auf folgende Bereitung eines Brodes zu Caffe und Chocolat einen Erfindungs-Brief (Brevet d'Invention) ertheilen! Er nimmt 24 Pfund sehr feinen Mehles (die gewöhnlich 30 Pfund Teig geben) und sezt 4 1/2 Liter (ungefähr 9 Pf.) filtrirtes Seine-Wasser zu, welches er lau werden läßt, und dem er ein halbes Liter Bier-Hefen beimengt. Dieses Gemenge läßt er an einem Ende des Baktroges neben obiger Masse Mehles einlaufen, und mischt es nach und nach mit dem Mehle. Nachdem der Teig auf die gewöhnliche Weise sorgfältig bereitet wurde, theilt er ihn in so viele Theile, als man Brode machen will, legt dieselben, abgewogen, auf ein mit einem Tuche bedektes Brett, dekt sie mit diesem Tuche zu, und läßt dasselbe zwischen jeden zwei Broden eine Falte machen, so, daß die Brode dadurch eingeschlossen und abgesondert werden, und sich nicht berühren können. Dieses Brett mit den zugedekten – Broden wird an einen warmen Ort gestellt und vor Zugluft bewahrt, damit der Teig an der Oberfläche nicht troken wird. In einer Viertelstunde ist der |365| Teig unter dieser Behandlung gegangen, und wird dann in den Ofen gebracht, der so gehizt seyn muß, daß die Brode in 25 Minuten gar gebaken sind. „Uebrigens (sagt er uns als Neuigkeit) muß sich die Hize des Ofens nach der Größe der Brode richten: wenn sie zu groß ist, verbrennt das Brod oben, und bleibt unter der Kruste unausgebaken. Solches Brod schwelt nicht bloß sehr gut, sondern bleibt auch länger frisch, länger als Milchbrod, das oft sehr bald sauer wird, zumahl wenn es mit schlecht in Sauerteige bereitet ist.“ – Im ganzen südlichen Deutschland, in Schwaben, Bayern und Oesterreich bereitet man das feinere Brod zu Caffee, etc. seit undenklichen Zeiten auf diese Weise, die in Frankreich nun als Erfindung brevetisirt wird! Wahrscheinlich haben die französischen Feldbäker diese neue Erfindung von den alten Bäker-Meistern in Deutschland gelernt.

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