Titel: Ueber Verfertigung und Anwendung eines Gold-Firnisses auf Messing, Bronze, Silber und Zinn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. XCIX./Miszelle 4 (S. 454–455)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022099_4

Ueber Verfertigung und Anwendung eines Gold-Firnisses auf Messing, Bronze, Silber und Zinn.

Aus den Annales de l'Industrie N. 76. S. 65. (Im Auszuge).

Es gibt einen sogenannten englischen Gold-Firniß (vernis anglais). Der gegenwärtige ist ein französischer, und so gut, daß manche damit überzogene Bronze-Stüke für Gold angesehen wurden.

Er besteht aus Bernstein 91,70 Gramm ( 6 Loth).
Gummi-Lak in Körnen 91,70
Gumi Guttä – – 0,53 (10 Gran).
Drachenblut – – 0,53
Alkohol (von 36° Beaumé bei 12° Rèaum.)
1 Kilogramm, 84. (3 Pf. 24 Loth).
Gepülvertes Glas 61,14 ( 4 Loth).

Alle diese Materialien werden gestossen, auf dem Reibsteine abgerieben, durch ein seines Seiden-Sieb durchgeschlagen, und in einem Gefäße, das wenigstens vier Mahl soviel fassen könnte, in ein Sand- oder Wasserbad bei sehr mäßigem Feuer gestellt. Die Mündung des Gefäßes wird mit einem Stüke nassen Pergament verschlossen, das fest aufgebunden, und in der Mitte mit einer Nadel durchstochen wird, die man darin läßt. Von Zeit zu Zeit rüttelt man das Gefäß. Zuerst gibt man den Bernstein und das Glas und den Alkohol in das Gefäß, läßt dieses sich erwärmen, und rüttelt es, bis der Bernstein aufgelöst ist, und sezt dann unter Rütteln bis zur vollkommenen Auflösung die übrigen Materialien zu. Das Glas wurde nur zugesezt, um die Oberflächen zu vermehren, und zu hindern, daß die Harze sich nicht auf einander lagern, und anbrennen.

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Man wird sich mit Vortheile des Destillir-Apparates bedienen, den Tingry in seinem Traité theorique et pratique sur l'art de faire et d'appliquer les vernis, T. I. p. 272, beschrieben hat. Dieser Apparat ist bequem, mit einem Rührer versehen, und man kann im Großen ohne ihn nicht arbeiten.

Sobald die Materialien aufgelöst sind, ist der Firniß fertig. Zur Auflösung des Bernsteines im Alkohol braucht man gewöhnlich 5 Stunden, und ebensoviel zur Auflösung der übrigen Substanzen. Nach dieser Zeit läßt man die Mischung erkalten, und 4 bis 5 Tage lang ruhen. Man zieht die klare Flüßigkeit ab, und filtrirt das Trübe durch feine Leinwand. Die damit gefüllte Flasche wird sorgfältig zugestöpselt.

Dieser Firniß wird auf folgende Weise aufgetragen: hierin besteht die ganze Kunst, die schwieriger ist, als die einfache Bereitung des Firnisses.

Das Kupfer, welches damit überzogen werden soll, muß mehr als gewöhnlich polirt seyn, wenn es glänzend werden soll; die Theile, die matt bleiben sollen, müssen alle ohne Streifen bleiben. Vor dem Auftragen des Firnisses wird es, gleichförmig, allmählich bis zu dem Grade erhizt, daß man die Hand nicht mehr darauf erleiden kann. Man darf das polirte Stük, das mit reiner feiner Leinwand abgerieben werden muß, nicht mit den Fingern berühren, indem dadurch Fleken entstehen würden, die sich nicht mehr beseitigen lassen.

Man gießt etwas von obigem Firniß in einen kleinen Becher, taucht in denselben einen großen sehr feinen und weichen Pinsel von grauem Haare, den man am Rande des Bechers etwas ausstreicht, und überfährt damit das ganze Stük, ohne jedoch viel anzudrüken. Dieses Ueberziehen muß mit vieler Geschiklichkeit geschehen; denn man darf kein Absezen, keine Wellen-Linien, keine Fleken wahrnehmen: der Firniß muß so gleichförmig, als möglich, aufgetragen werden. Gedrehte Kupferstüke, die man noch auf der Drehebank warm firnißt, fallen am schönsten aus: bei einiger Uebung lernt man aber auch große Flächen gleichförmig überziehen.

Wenn sich Wellen zeigen, kann man dadurch, wenigstens zum Theile, abhelfen, daß man das Stük nahe an's Feuer bringt.

Wenn die Farbe höher und mehr dem Golde ähnlich seyn soll, kaum man zwei, drei und selbst vier Lagen Firniß auftragen; dann muß aber das Stük wärmer seyn, zumahl wenn es dik oder massiv ist.

Wenn man das Stük, entweder wegen seiner unregelmäßigen Form, oder weil es in seinen Theilen in Unordnung gerathen würde, nicht erwärmen kann, oder weil man fürchtete, daß es anliefe, kann man den Firniß auch ganz kalt auftragen, und dann das Stük dem Feuer nähern, damit es warm genug wird, der Firniß sich mehr gleichförmig verbreitet, und dem Stüke den gehörigen Glanz gibt.

Um ein flaches Stük von großem Umfange gehörig zu wärmen, ist, zumahl wenn Eintheilungen darauf vorkommen, wie an einem Graphometer, viele Vorsicht nöthig. Man verfährt hierbei auf folgende Weise. Man bringt vorne in einiger Entfernung ein Feuer an, so daß das Stük nur so heiß wird, daß man die Hand oder den Baken darauf leiden mag, übersirnißt dasselbe sodann mit aller Aufmerksamkeit, und bringt es wieder an das Feuer, um den Firniß desto besser zu verbreiten, und demselben alle Durchscheinenheit und allen Glanz zu geben.

Für diejenigen Stellen, die matt bleiben sollen, ist es gut, wenn man zwei bis drei besondere Firnisse hat, wovon der eine doppelte, der andere dreifache Dosis von Gummigutt und Drachenblut hat. Die beiden lezteren dienen zum Ueberfirnissen des Silbers und Zinnes.

Wenn die überfirnißten Gegenstände schmuzig werden, wäscht man sie mit lauem Wasser und feiner Leinwand; man darf sie aber nie mit einem Polir-Pulver, wie Spanisch-Weiß, Trippel, Bimsstein oder Röthel poliren wollen, die den Firniß wegnehmen würden, der dann ganz abgezogen und frisch aufgetragen werden müßte.

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