Titel: Skizzen unserer Kenntnisse über Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 22, Nr. CXI./Miszelle 5 (S. 504–505)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj022/mi022111_5

Skizzen unserer Kenntnisse über Eisenbahnen.

In diesem im Edinburgh New Philosoph. Journal, N. I. S. 23. von dem hochw. Hrn. Jak. Adamson mitgetheilten interessanten Aufsaze (den wir Mathematikern empfehlen) heißt es sehr richtig:

„Ehe wir mit irgend einiger Sicherheit das, was eine Maschine zu leisten vermag, in Voranschlag bringen können, müssen wir wissen, wieviel von der dieselbe bewegenden Kraft zur Erzeugung der ihr eigenen Verrichtungen, abgesehen von jener, die sie auf den Gegenstand ihrer Kraft-Aeußerung verwendet, aufgewendet wird. Ich besorge, daß dasjenige, was wir hierüber bei unseren meisten Maschinen wissen, sehr mangelhaft ist, indem die Art der Wirkung, zu deren Erzeugung man sich derselben bedient, es sehr schwierig macht die Kraft zu schäzen, die dabei verloren geht. Wir wollen hoffen, daß die hohe Wichtigkeit dieses Gegenstandes fortan die Aufmerksamkeit mehr auf denselben lenken wird, indem sich die Vortheile dieser oder jener Form einer Maschine vergleichungsweise nur dadurch bestimmen lassen, daß man den verhältnißmäßigen Betrag der Kraft zur Erzeugung der Bewegung an derselben kennt. Es ist nicht leicht, Mittel zur Erreichung dieses Zwekes anzugeben, selbst bei Maschinen, die ganz unter unserer Gewalt stehen, und wir sind daher Hrn. Wood Dank schuldig, daß er uns einige neue Quellen öffnete, durch welche wir wahrscheinlich zu einer ziemlichen Kenntniß und Gewißheit über diesen Gegenstand gelangen können. Die durch Dampfmaschinen bewegten Wagen (locomotive Engines 157)) sind ganz eigene gelenkige Dinge, deren Theile alle leicht in Bewegung zu sezen sind, ohne daß man die gewöhnliche Bewegungs-Kraft derselben hierzu braucht, und die Kraft, die nothwendig ist, sie in Bewegung zu bringen, läßt sich leicht bestimmen. Hr. Wood hat uns gelehrt, von diesem Vortheile Gebrauch zu machen, und obschon wir in dem Detail seiner Versuche noch kein Mittel finden, alle unsere Fragen genügend gelöset zu sehen, dürfen wir doch wichtige Folgen von dem weiteren Verfolge der von ihm angezeigten Methode erwarten. Was wir vorzüglich zu bedauern haben, ist die geringe Anzahl von Versuchen, auf welche wir bei dieser Untersuchung fußen können.“

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Hr. Adamson findet leichte Dampfwagen und hohe Schnelligkeit am Vortheilhaftesten: bisher fuhr aber keiner schneller, als 6 engl. Meilen in Einer Stunde. Bei einem Versuche brachte man es jedoch einmahl auf das Doppelte. Aus einer vergleichenden Berechnung, die er zwischen den Vortheilen eines Dampfwagens, und einer feststehenden Dampfmaschine, die Wagen von einem Orte zum anderen zieht, anstellte, fällt aller Vortheil auf die Seite der Dampfwagen, die er um nichts gefährlicher findet, ob schon sie Dampfmaschinen mit hohem Druke haben müssen, wo aber die Klappe geändert und eine Kugel-Klappe angebracht, und der Kessel von innen durch eine durchziehende Röhre geheizt werden, der Kessel selbst aber eine Ellipse seyn müßte, die nothwendig an einer Stelle früher nachgeben würde, wenn Gefahr des Berstens droht, und eben dadurch eine Klappe öffnete, durch die der Dampf entweichen kann.

Die Ausgaben für einen Dampfwagen auf einer Eisenbahn scheinen Hrn. Adamson noch viel zu hoch, wenn man dieselben mit den Kosten der Pferde auf Eisenbahnen vergleicht. Die jährlichen Ausgaben für einen Dampfwagen, wo die Tonne Kohlen 10 Shill. (6 fl.) beträgt, belaufen sich auf 330 Pf., und man kann damit höchstens 198,000 Tonnen in 312 Tagen eine (engl.) Meile weit fördern. Vier Pferde würden ungefähr dasselbe leisten. Wenn man die Geschwindigkeit der Dampfwagen vermehrt, dann können sie vortheilhafter als Pferdewagen werden: denn wenn ein Dampfwagen bei der Schnelligkeit von 2 Meilen in Einer Stunde soviel leistet, als vier Pferde, so wird er bei einer Geschwindigkeit von 6 Meilen in Einer Stunde für 12 Pferde arbeiten. Wo es sich nicht um Schnelligkeit handelt bei dem Transporte, ist ein Canal jeder anderen Art von Transport vorzuziehen.

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Wir werden sie fortan der Kürze wegen Dampfwagen nennen. A. d. U.

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