Titel: Ueber das Bersten der Dampfkessel
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1827, Band 24, Nr. CV./Miszelle 5 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj024/mi024105_5

Ueber das Bersten der Dampfkessel

las Caval. Morosi in der ersten dießjährigen Sitzung des Instituto I. R. di Scienze, L. ed. Arti zu Mayland eine interessante Abhandlung vor. Dieses Bersten scheint ihm nicht so sehr von der Spannung des in dem Kessel eingesperrten Dampfes, als von einer rükgängigen Bewegung desselben in dem Augenblike, wo der Stempel still steht, um die Richtung seiner Bewegung zu andern, herzurühren. Die ganze Dampf-Masse sagt er, wird dann in ihrer Bewegung aufgehalten, und stürzt mit Gewalt in |465| den Kessel zurük, wie im hydraulischen Widder das Wasser, und stößt, als fester Körper, an die Wände des Kessels. Nach seiner Berechnung ist dieser Stoß einer Wassersäule gleich, die den Kessel zur Grundfläche, und eine mit dem Druke des Dampfes gleichmäßige Atmosphären-Höhe hat, und mit gleicher Schnelligkeit sich bewegt. Es geschieht hier dasselbe, sagt er, was bei dem Bersten der Röhren durch Flüssigkeiten von hoher Höhe herab geschieht. Bei Dampfmaschinen von hohem Druke ist diese Gefahr weit größer; er findet, daß ein Kessel einer solchen Maschine, die nur mit einem Druke von 2 Atmosphären arbeitet, eine Stärke besizen muß, die einen Druk von 15 Atmosphären auszuhalten vermag, wenn er einem solchen Stoße widerstehen soll. Selbst die sogenannten Sicherheits-Klappen können, nach seiner Ansicht, sogar zur Veranlassung der Berstung beitragen, indem sie gerade in dem Augenblike den Dampf zurükjagen, wo er entweichen will. Die Metallplatten von leicht flüssiger Metall-Composition hält er deßwegen für unnütz, weil die Hitze des Dampfes nicht die Ursache der Berstung ist. Um den Unglüksfällen durch Berstung der Dampfkessel vorzubeugen, will er 1tens alle Dampfmaschinen mit hohem Druke, zumahl auf Dampfbothen, beseitiget wissen, indem dort noch mehrere Ursachen zur Berstung der Dampfkessel mitwirken. 2tens Sollen die Kessel nur aus reinem, guten, geschlagenen oder gehämmerten, nicht bloß durch Walzen gestrekten Eisen seyn. 3tens Soll ein großer Luftbehälter zur Aufnahme des zurükfallenden Dampfes, wie bei den hydraulischen Maschinen von großer Kraft, angebracht seyn. 4tens Sollte der Dampf nur nach und nach in seiner Bewegung gesperrt werden, damit er nicht so plözlich zurükfällt. 5tens Sollte in den Kesseln auf den Dampfbothen über der gewöhnlichen Höhe des Wassers eine horizontale durchlöcherte Scheidewand angebracht seyn, damit das Wasser in dem Kessel bei den Bewegungen des Schiffes nicht so mächtig schwanket. 6tens Sollten die Sicherheits-Klappen mit einem Flügel versehen seyn, damit sie sich nicht zu schnell schließen, wenn die Gewalt des Dampfes sie geöffnet hat, und dadurch einen Rükstoß desselben veranlassen. 7tens Sollte bei der Bedienung der Dampfmaschine mehr Ordnung im Dienste, und bei Verfertigung derselben mehr Genauigkeit eingeführt werden.

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