Titel: Ueber Bablah
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1827, Band 26, Nr. XLIII./Miszelle 20 (S. 177–179)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj026/mi026043_20

Ueber Bablah

ist jezt ein gewaltiger Krieg unter den Färbern in Frankreich. Wir haben den Bericht, den Hr. Roard im Bulletin de la Société d'Encouragement (Februar 1826) erstattete, im Polytechn. Journ. B. XXI. S. 190 mitgetheilt. Darüber waren nun die Kaufleute, die ihn einführten, höchst entrüstet, und es entstand ein Streit, der mit mehr Leidenschaftlichkeit und Erbitterung als Wahrheitsliebe geführt wurde; man machte der Société Vorwürfe, die sie wahrlich nicht verdiente. Hr. Robiquet übernahm es nun in einem eigenen Berichte (im Bullet. de la Soc. d'Encouragement, N. 276, S. 214) im Namen des chemischen Ausschusses der Gesellschaft 1) seinen Collegen zu vertheidigen, und 2) einen der heftigsten, und wirklich zuweilen unartigen, Gegner des Hrn. Roard, den Hrn. Lassobe in seinem Guide du teinturier moderne zu widerlegen.

Hr. Robiquet beweist sowohl durch seine eigenen Erfahrungen, als durch jene des Hrn. Achon (die in einem der Société de Pharmacie eingesandten Mémoire sur le Bablah enthalten sind), daß Hr. Lassobe sich sehr irrte, wenn er behauptet, Bablah enthielte kein Atom Gerbestoff. Er enthält allerdings Gerbestoff, wenn auch in geringer Menge, so daß man damit nicht gerben kann, und der demselben gegebene Namen: orientalischer Gerbestoff (tannin oriental) daher lächerlich wird. Er enthält auch nicht soviel Galläpfelsäure, als Hr. Lassobe angibt; denn der Absud desselben röthet das Lakmuß-Papier nur sehr schwach.

Hr. Robiquet bemerkt sehr richtig: „Wir kennen die wahre Natur des Gerbestoffes noch so wenig, daß wir von der geringen Wirkung desselben auf die Auflösungen thierischer Körper nicht auf seine gänzliche Abwesenheit schließen dürfen. So paradox diese Behauptung scheint, so richtig ist es, daß Gerbestoff, den man aus einer wässerigen Galläpfel-Tinctur mittelst basisch kohlensauren Ammoniums niedergeschlagen hat, desto mehr von seiner Eigenschaft, eine Auflösung thierischer Gallerte zu fällen, verliert, je mehr man ihn von der Galläpfel-Säure reinigt, die er enthält. Wäre es nun nicht vielleicht möglich, daß das Bablah einen Gerbestoff enthält, der so sehr von Galläpfel-Säure frei ist, daß er eine ähnliche Wirkung hervorbringt, und könnte er nicht gerade deßwegen besser zum Färben taugen?“

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„Man weiß, daß in der Färberei die Erscheinungen oft so sehr verwikelt sind, daß es schwer wird, sie genau zu erklären. So muß man bei dem einfachen Gallieren mehrere verschiedene Wirkungen genau kennen und unterscheiden, um sich gegen die einen zu schüzen und die anderen begünstigen zu können. Eine der wichtigsten ist, nach unserer Ansicht, die dem Körper, den man zum Gallieren nimmt, eigene Farbe, welche, nach Umständen, zuträglich oder nachtheilig seyn kann. Das Bablah hat z.B. einen hellgelbröthlichen Färbestoff, und gibt bei rothen Farben einen vortheilhaften Grund, während die Galläpfel dem zu färbenden Körper ein schmuziges Fahlbraun mittheilen, das dem Glanze der rothen Farbe nachtheilig ist, und Auffrischungen fordert, die der Stärke der Farbe schaden. Dieß könnte vielleicht, wie es uns wenigstens scheint, die Ursache seyn, warum Hr. Lassobe vom Bablah bei dem Färben des Türkisch-Roths so schöne Wirkung gesehen haben will: eine Wirkung, die wir durchaus nicht, wie er, der Abwesenheit des Gerbestoffes zuschreiben.“

„Eine andere Wirkung bei dem Gallieren zeigt sich vorzüglich bei der schwarzen Farbe. Wenn man zuviel von dem zusammenziehenden Stoffe nimmt, so wirkt er auf seine eigenen Verbindungen zurük, und macht die Farbe verarmen. Diese Bemerkung des Hrn. Chevreul zeigt vielleicht die trügerische Quelle der großen Vortheile, die man bei. dem Bablah zu haben glaubt, nur zu deutlich; denn man nimmt gewöhnlich zuviel Galläpfel, und dadurch kam vielleicht bei den Versuchen, die man mit Bablah und Galläpfeln anstellte, der Vorrang bald auf diese, bald auf jene Seite.“ Hr. Achon stimmt übrigens ganz mit Roard gegen Lassobe.

„Wenn Sumach“ (beim Schön-Schwarzfärben) „und Bablah in einigen Fällen den Vorzug vor den Galläpfeln verdienen, so kann dieß davon herrühren, daß der zusammenziehende Stoff sich in denselben mehr verdünnt, und vielleicht auch mehr mit anderen Stoffen verlarvt befindet, die seine Wirkung modificiren und gewisser Maßen schwächen können. Wir vermuthen, daß sich dasselbe auch mit den Galläpfeln erreichen ließe, wenn man sie in geringerer Menge anwendete, und ihnen noch andere Stoffe zusezte, welche die mit dem Bablah auf natürliche Weise verbundenen Körper ersezten.“

Hr. Lassobe meint, die Ursache, warum mehreren Färbern das Bablah nicht so gute Dienste leistete, wie die Galläpfel, läge darin, daß sie dasselbe in seiner Abkochung liegen ließen, wo es sich dann der Stoffe wieder bemächtigt, die ihm durch das Kochen entzogen wurden; und daß man folglich nicht mehr dieselbe Wirkung von der Abkochung erhält, sobald man das Bablah in derselben läßt.

„Dieses Phänomen, welches Hr. Lassobe als eine Eigenheit des Bablah betrachtet, ist auch anderen Farbestoffen eigen. Es ist nur ein einfaches Spiel der Verwandtschaften, welches bald die Flüßigkeit, bald den Körper in derselben begünstigt: so daß es sich hier wie bei der Krystallisation eines Salzes verhält, dessen Masse zu oder abnimmt, je nachdem die Menge des Auflösungs-Mittels oder die Temperatur zu, oder abnimmt. Höchst wahrscheinlich verhält es sich mit den Galläpfeln eben so, wie mit dem Bablah, nur daß man bei den Galläpfeln es nicht so leicht bemerkt, indem sie weit reicher an Gehalt sind, und noch genug in der Brühe übrig lassen, wenn auch das Mark derselben noch so viel wieder aus derselben angezogen hat.“

„Man hat bisher noch keine bestimmte Thatsache für die Behauptung, daß Galläpfel-Säure für sich allein zum Schwarzfärben besser taugt, als in Verbindung mit dem sogenannten Gerbestoffe, und wenn dieß der Fall wäre, so wäre es auch sehr leicht von dem reichlichen Vorrathe der Galläpfel-Säure in den Galläpfeln Vortheil zu ziehen: man dürfte sich nur Braconnot's Verfahrens hierzu bedienen. Dieses besteht darin, daß man auf ganze Galläpfel so viel Wasser gießt, als nöthig ist sie mit demselben ganz zu bedeken, und dieselben so unter Wasser in einer Temperatur von 25 bis 30° einige Tage über stehen läßt. Die Galläpfel saugen das Wasser ein, schwellen nach und nach an, und treten hierauf in eine Art von, Wein-Gährung, |179| wenigstens nach dem Geruche zu urtheilen, den sie verbreiten. Nachdem diese innere Thätigkeit derselben aufgehört hat, gibt man die Galläpfel in ein Tuch und preßt sie aus; den ausgepreßten Rükstand behandelt man mit siedend heißem Wasser, und man wird finden, daß die Gährung den Extractivstoff und zusammenziehenden Stoff in den Galläpfeln so zerstört hat, daß die Abkochung des ausgepreßten Rükstandes, gehörig abgeraucht, durch bloßes Erkalten sich häufig und leicht in Galläpfel-Säure krystallisirt, was nicht geschehen könnte, wenn die vielen schleimigen Theile, welche hier durch die Gährung zersezt wurden, in die Abkochung übergegangen wären.“

„Wenn es also erwiesen wäre, daß man in einigen Fällen in der Färbung mit mehr Vortheil einen Färbestoff anwenden könnte, der reicher an, Galläpfel-Säure als an adstringirendem Stoffe ist, so würden wir obige Methode die Galläpfel zu benüzen empfehlen.“

„Der Ausschuß erklärt, daß er, obschon man die Eigenschaften des Bablah sehr übertrieben hat, doch der Meinung ist, daß dieser neue Färbestoff in der Färberei einige Dienste leisten kann, und in dieser Hinsicht Aufmerksamkeit verdient; daß man aber bisher noch nicht genug Versuche mit demselben angestellt hat, um über die Vörtheile und Nachtheile dieses Färbestoffes ein bestimmtes Urtheil fällen zu können. Die Färber sollen Versuche damit anstellen, und die Resultate derselben bekannt machen: dieß wird nüzlicher seyn, als Diatriben über Bablah schreiben.“

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