Titel: Emil Dingler, über chromsaure Verbindungen.
Autor: Dingler, Emil Maximilian
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. XVI. (S. 44–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/ar027016

XVI. Zusammenstellung der neueren Versuche über chromsaure Verbindungen, die eine technische Anwendung gestatten, welche in dieser Zeitschrift noch nicht mitgetheilt wurden. Von Emil Dingler.

Chromsaures Kali.

Die Chromsäure gibt mit dem Kali ein neutrales, saures und basisches Salz. Das neutrale und basische Salz, welche eine citronengelbe |45| Farbe besizen, werden häufiger als das saure, welches tief feuerroth ist, in den Künsten angewandt und in den Handel gebracht. Der Chromeisenstein als das am häufigsten vorkommende an Chrom sehr reichhaltige Mineral wird allgemein zur Bereitung des chromsauren Kalis, mit welchem alle anderen chromsauren Salze dargestellt werden, angewandt.

Die vorzüglichsten Arten von Chromeisenstein sind der aus Sibirien und der aus dem Dept. Var in Frankreich. Dieses Mineral enthält das Chrom als Oxyd in Verbindung mit schwarzem Eisenoxyde, Kieselerde und Thonerde. Das sibirische enthält nach der Analyse von Laugier 53 Proc. Chromoxyd, 34 Eisen, 11 Thonerde und 1 Kieselerde; aus dem französischen Chromeisen erhielt Vauquelin 43 Procent Chromsäure, 34 Eisenoxyd, 20 Thonerde und 2 Kieselerde. Der Chromeisenstein, welcher im Serpentin vorkommt und sich durch eine glänzende eisengraue Farbe und seine körnige Struktur auszeichnet, kann sehr leicht daran erkannt werden, daß er mit Borax zusammengeschmolzen ein schön grünes Glas gibt, und, mit Salpeter verpufft, chromsaures Kali gibt, welches im Wasser sich mit gelber Farbe auflöst.

Das Dictionnaire technologique gibt Bd. V., S. 259 folgendes Verfahren zur Bereitung des chromsauren Kalis aus Chromeisenstein an: man fängt damit an, daß man dieses Erz so viel als möglich von seiner Gangart befreit, eine Arbeit, die nicht immer sehr leicht ist, indem der Gang oft dem Erze selbst sehr ähnlich und mit demselben innig verbunden ist: indessen erkennt man den Serpentin an seinem blätterigen Gefüge und dadurch, daß er sich immer fettig anfühlt. Das erhaltene Chromeisen wird fein gepülvert und mit der Hälfte Salpeter gemengt: man kann immer bis auf zwei Drittel steigen, wenn das Chromeisen gut ausgeschieden wurde; wenn aber viel Gangart dabei ist, so entsteht durch Vergrößerung dieses Verhältnisses der Nachtheil, daß das Alkali dieselbe angreift, und hat sie sich einmal mit dem alkalischen chromsauren Kali vereinigt, so wird es sehr schwer und kostspielig, sie davon zu trennen. Wenn nun die Mischung einmal geschehen ist, so bringt man sie in einen irdenen Tiegel, und bedekt diesen mit seinem Dekel. Mit der angegebenen Menge Salpeters kann man den Tiegel gänzlich vollfüllen, indem die Mischung nicht flüßig wird; ja man kann sogar zwei Tiegel mit ihren Oeffnungen auf einander, über einander stellen, und mit Draht fest auf einander binden, wo man dann in dem Boden des oberen Tiegels ein Loch anbringt, durch welches man die Mischung einträgt. Man sezt dieselbe hierauf mehr oder minder anhaltend einer Rothglühhize aus, je nachdem die Menge groß ist, welche man im Feuer |46| hat. Nachdem sie gehörig ausgeglüht wurde, nimmt man die Tiegel aus dem Feuer und zerschlägt sie, um die Masse, welche sie enthalten, herausnehmen zu können, und wirft diese, noch heiß, in Wasser, welches man in einem Beken aus Gußeisen hierzu bereit hält. Diese Masse ist grünlichgelb, sehr schwammig und zieht das Wasser begierig in sich; man erhält auf diese Weise eine sehr gesättigte Mutterlauge. Man siedet dieselbe und filtrirt sie und wäscht den Rükstand mit einer neuen Menge Wassers aus. Man wiederholt dieses Waschen so lang, bis alles ausgezogen ist: die lezten Waschwasser stellt man aber bei Seite, um wieder frisches chromsaures Kali mit denselben auszulaugen. Wenn die Operation gut geleitet und die Materialien gehörig gewählt wurden, so wird das Alkali vollkommen mit Chromsäure gesättigt seyn, was man deutlich durch den Geschmak erkennt. Wenn die Hize nicht stark genug war, so bleibt noch viel Salpeter übrig, der nach dem neutralen (eigentlich basischen) chromsauren Kali krystallisirt. Wenn man zuviel Salpeter genommen hat, so enthält die Lauge viele Thon- und Kieselerde, vorzüglich wenn das Chromeisen nicht rein war; in diesem Falle wird es nothwendig, das überschüßige Alkali mit der möglich kleinsten Menge Salpetersäure zu sättigen; es bildet sich dann eine bedeutende Menge gelbes Magma, welches man durch Filtriren von der Flüßigkeit absondert. Um aus derselben krystallisirtes chromsaures Kali zu erhalten, braucht man sie nur abzurauchen. Man sieht leicht ein, wie bei diesem Verfahren das chromsaure Kali gebildet wird; der Salpeter wird durch die Hize zersezt, sein Sauerstoff säuert das Chrom und verwandelt das Eisen in das rothe Oxyd; das freigewordene Kali aber verbindet sich mit der Chromsäure zu chromsaurem Kali, welches als in Wasser auflöslich leicht von dem Eisenoxyde getrennt werden kann.

Der Rükstand von dieser Operation besteht aus rothem Eisenoxyde, Thonerde und einer gewissen Menge Kieselerde, Manganoxyd und etwas wenigem noch unangegriffenem Chromeisen. Es ist schwer Vortheil von diesem Rükstande in ökonomischer Hinsicht zu ziehen; indessen ist es doch, wo das Chromeisen, wie dieß in den neuesten Zeiten der Fall war, sehr theuer zu stehen kommt, der Mühe werth, denselben weiter zu behandeln. In dieser Hinsicht verdünnt man denselben mit siedendem Wasser und sezt Salzsäure19) in geringem Ueberschusse zu, rührt die Mischung lebhaft um, und eilt die Flüßigkeit abzugießen, die sonst zu einer Gallerte stokt, so daß man nichts mehr aus derselben erhalten kann, außer wenn man alles troken werden läßt, was sehr hoch zu stehen kommt. Wenn man aber nichts versäumt, |47| so kann man auf diese Weise durch drei- bis viermahliges Waschen das Eisenoxyd, die Thonerde und selbst die Kieselerde entfernen. Dasjenige, was sich nicht auflöst, ist Chromeisenstein, welchen man neuerdings mit Salpeter behandelt. Wenn man zum Auflösen des Rükstandes Schwefelsäure statt Salzsäure nimmt, so erhält man durch Zusaz von etwas schwefelsaurem Kali Alaunkrystalle von schöner Rubin- oder Amethyst-Farbe, je nachdem man sie nämlich vor das Auge hält.

Man erhält neutrales chromsaures Kali, wenn man die auf obige Weise durch Schmelzen von Chromeisenstein mit Salpeter erhaltene Masse mit Wasser auszieht und die filtrirte Flüßigkeit mit Salpetersäure neutralisirt. Das neutrale Salz kann jedoch nur in der Auflösung bestehen; dampft man dieselbe bis zum Krystallisationspuncte ab, so erhält man zuerst saures chromsaures Kali und alkalische Mutterlauge; ist die größte Menge des sauren Salzes getrennt, so nimmt der rükständige geringe Antheil eine schöne und regelmäßigere Form an, nach dessen Trennung das Kali in der Flüßigkeit hinreichend hervortritt, um ihre Farbe in citronengelb zu verändern und bis zulezt ein alkalisches Salz zu liefern.

Um das basisch chromsaure Kali zu erhalten, versezt man eine neutrale Auflösung von chromsaurem Kali mit der nöthigen Quantität Aezkali und verdampft sie hinreichend. Sezt man wenig Aezkali zu, so erhält man ein Gemenge von rothen Prismen des sauren Salzes und dem citronengelben alkalischen Salze. Bei einem hinreichenden Zusaze von Aezkali aber liefert die Verdampfung ein in rhomboïdalen Prismen regelmäßig krystallisirtes Salz, dessen Spizen nicht mit Pyramiden besezt sind. – Man kann sogar geringe Mengen Salpeter aus einer Chromkaliauflösung dadurch ziemlich leicht trennen, daß man ihr überschüßiges Kali zusezt. Bei der Krystallisation schießt dann aller Salpeter in ausgebildeten Prismen, an und bindet nur eine geringe Menge Chromsalz.20)

Das basisch chromsaure Kali krystallisirt, wie gesagt, in rhomboïdalen Prismen ohne Zuspizung von citronengelber Farbe und kühlendem und bitterem Geschmake. Diese geben in der Rothglühhize 32 Procent Wasser aus; bei einer viel höheren Temperatur schmelzen sie, und nehmen von etwas zersezter Säure eine leichte grüne Farbe an. Das Wasser löst etwa die Hälfte seines Gewichtes davon auf, Alkohol aber eine unmerkliche Quantität. Schwefelsäure, Salpetersäure u.s.w. schlagen mehr oder weniger schnell saures chromsaures Kali aus seiner Auflösung nieder.

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Saures chromsaures Kali erhält man, wenn eine angesäuerte Auflösung von Chromsalz gehörig concentrirt wird. Es hat eine tiefe feuerrothe Farbe, schmekt bitter, kühlend und metallisch und krystallisirt in breiten rechtwinkligen Tafeln; die Krystalle enthalten kein Wasser, sind luftbeständig, in concentrirtem Alkohol unauflöslich, und nur in ihrem 10fachen Gewichte Wasser von 17° C. auflöslich.21) Erhizt man dieses Salz in einem Platintiegel, so schmelzen die Krystalle beim ersten Erwärmen, werden schwärzlich und nehmen beim Erkalten eine lebhafte rothe Farbe an; wird die Hize verstärkt, so entstehen Bläschen, das Salz wird immer weniger flüßig und gibt dann mit Wasser eine orangegelbe schwach saure Auflösung mit Hinterlassung von grünem Chromoxyd.22)

Nach der Analyse von Tassaert (Schweigg. Journ. d. Chem. 1825, S. 439) besteht das basische chromsaure Kali aus:

Chromsäure 52,0;
Kali 48,0.

Daß saure chromsaure Kali besteht aus:

Chromsäure 67,0;
Kali 32,0.

Chromsaure Erd- und Metallsalze.

Das neutrale chromsaure Kali fällt die Auflösung des salpetersauren Silbers purpurroth, die des salpetersauren Queksilberoxyduls orange, die des salpetersauren Bleies hell citronengelb und die des salpetersauren Wismuths ebenso. Die Auflösung des alkalisch chromsauren Kalis aber fällt fast alle Erd- und Metallsalze, und zwar folgendermaßen:

Namen der Salze. Farbe der Niederschläge
Die Barytsalze23) strohgelb.
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Die Strontiansalze schwefelgelb.
Antimonoxydsalze perlfarben.
Platinoxydsalze schmuzigstrohgelb.
Silberoxydsalze purpurroth.
Queksilberoxydulsalze orangefarben.
Queksilberoxydsalze mennigroth.
Kupferoxydsalze röthlichbraun.
Wismuthoxydsalze hochcitronengelb.
Zinnoxydulsalze gelbbraun.
Zinnoxydsalze weiß.24)
Bleioxydsalze citronengelb.
Zinkoxydsalze hochschwefelgelb.
Eisenoxydulsalze haarbraun.
Eisenoxydsalze rostbraun.
Uranoxydsalze hochschwefelgelb.25)

Chromsaures Queksilberoxydul.

Dieses Salz hat, wenn es ganz rein ist, eine schöne zinnoberrothe Farbe, und vielleicht könnte man von dieser Farbe in der Kattundrukerei Vortheil ziehen, wenn man ebenso wie bei dem Chromgelb verführe. (Vergl. weiter unten chromsaures Blei.) Wenn man das Salz glüht, so entwikelt sich der Sauerstoff der Chromsäure, das Queksilber verfliegt und es bleibt das reinste Chromoxyd zurük. Da mit dem Chromoxyde das schönste Grün in der Porcellan-Mahlerei hervorgebracht wird, so ist es sehr wichtig, daß man das chromsaure Queksilberoxydul in seiner größten Reinheit darstellen kann, wozu man folgendermassen verfährt:

Man löst Krystalle von salpetersaurem Queksilberoxydul in heissem, mit etwas Salpetersäure gesäuertem Wasser auf, nimmt eine Auflösung von 6- bis 8grädigem reinem chromsauren Kali, welche man theilweise in das saure salpetersaure Queksilber gießt, indem man lebhaft mit einem Glasstabchen umrührt. Es wird gut seyn, wenn man nicht so viel chromsaures Kali zugießt, daß die ganze Queksilberauflösung niedergeschlagen wird, denn sonst würde das chromsaure Queksilber etwas chromsaures Kali an sich ziehen, wodurch die Reinheit des chromsauren Queksilbers und folglich auch des Chromoxydes leiden würde, welches daraus bereitet wird. Wenn die Verhältnisse dieser |50| beiden Auflösungen gehörig genommen wurden, so bleibt die Flüßigkeit, welche auf dem Niederschlage schwimmt, vollkommen ungefärbt. Im Gegentheile enthält sie etwas chromsaures Queksilber und nimmt eine Amethystfarbe an. Dieß hat vorzüglich dann Statt, wenn das salpetersaure Queksilberoxydul zu sauer ist und Oxydsalz enthält, indem das chromsaure Queksilberoxyd, welches sich dann erzeugt, in Salpetersäure höchst auflöslich ist. Nachdem der Niederschlag sich vollkommen gesezt hat, seiht man die darüberstehende Flüßigkeit ab, wascht den Niederschlag wiederholt ab, und läßt die erhaltene chromsaure Verbindung troknen. Sie liefert beim Glühen 15 1/2 Proc. Chromoxyd. Da es, wie man leicht einsieht, sehr wichtig ist, daß das chromsaure Kali kein Chlorkalium enthält, weil dann bei der Fällung mit dem Queksilberoxydulsalze Calomel niederfiele, so bereitet mall sich das chromsaure Kali für diesen Zwek am beßten durch Neutralisation des sauren chromsauren Kalis mit kohlensaurem Kali, weil das saure Chromsalz wegen seiner Schwerauflöslichkeit leicht vollkommen rein erhalten werden kann.

Nach Hrn. Dulong's Beobachtungen wäre das reinste chromsaure Queksilberoxydul nicht das geeignetste zur Bereitung des Chromoxydes für die Porcellan-Mahlerei. Es ist nach diesem Chemiker nothwendig, daß dieses Oxyd noch etwas chromsaures Kali und Manganhyperoxyd (Braunstein) enthält, um eine grüne Farbe von schönem Tone zu liefern, vorzüglich auf solchen Stüken, die in starkes Feuer müssen. Reines Chromoxyd behält so ziemlich seine Farbe in der Muffel, allein einer größeren Hize ausgesezt, wird es blaß grünlichbraun (couleur de feuille morte). Es ist nicht bekannt geworden, in wie fern diese Meinung gegründet ist.

Chromsaures Blei.

Die Chromsäure gibt mit dem Bleioxyde ein neutrales, basisches und saures Salz. Wird salpetersaures Blei mit neutralem chromsaurem Kali gefällt, so ist der Niederschlag orangegelb, mit basischem Salze ist er gelbroth oder zinnoberroth, und mit saurem chromsaurem Kali ist er citronengelb. Die Farbennüance wechselt auch, je nachdem das Niederschlagen mit kalter oder warmer Auflösung geschieht, obgleich jedoch die dunklere Farbe, welche der Niederschlag in der Wärme annimmt, meistens verschwindet, während der Niederschlag kalt wird.

Neutrales chromsaures Blei, welches in der Natur, obgleich selten, vorkommt, und von den Mineralogen Rothbleierz genannt wird, ist in der Mahlerei ebenso wie das künstlich dargestellte, welches unter dem Namen Chromgelb im Handel vorkommt, häufig angewandt worden.

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Basisch chromsaures Blei wird nach Hrn. Badams erhalten, wenn 3 Th. neutrales chromsaures Blei mit 2 Th. geschlämmtem Bleioxyde digerirt, oder wenn es mit einer sehr verdünnten Auflösung von kaustischem Alkali behandelt wird, oder endlich, wenn das Salz aus salpetersaurem Blei durch eine mit einem Ueberschusse von Alkali gemengte Auflösung von chromsaurem Kali gefällt wird. Der Niederschlag ist, wie schon bemerkt wurde, schön zinnoberroth, und gibt mit Oehl abgerieben eine sehr schöne markige Farbe. Sie verliert nicht, wie der Vermillon-Zinnober, durch zugeseztes Bleiweiß, mischt sich gut mit anderen Farben und ändert sich nicht an der Luft. Als Wasserfarbe hat man sie aber noch nicht so oft versucht, um mit Bestimmtheit sagen zu können, daß sie sich nicht schwärzt.

Anwendung der chromsauren Bleisalze, um in der Färberei und Drukerei verschiedene gelbe und Orangefarben hervorzubringen.

1) Citronengelb. Die Anwendung des chromsauren Bleies zur Hervorbringung dieser Farbe auf Seide, Leinen und Kattun wurde zuerst von Lasaigne gemacht. Man findet sein Verfahren im III. B. des polyt. Journ. S. 354 beschrieben. Um ein schönes Citronengelb darzustellen, löst man 1 Theil essigsaures Blei (Bleizuker) in 3 Theilen Wasser auf und imprägnirt damit die Gespinnste oder Gewebe, erstere mittelst einer Grundir- oder Pflatschmaschine, worauf man sie zuerst an der Luft und dann in der warmen Trokenstube noch vollends austroknet. Die gebeizten Gespinnste werden nun im Flußwasser geschweift und ausgewaschen, die Gewebe aber ausgewalkt oder gepanscht, worauf beide zum Färben vorbereitet sind. Zum Färben nimmt man auf jedes Pfund der Gespinnste oder Gewebe 1 Loth basisches chromsaures Kali und 1/4 Loth gewöhnliche Salpetersäure nebst der nöthigen Menge Wasser, worauf man die Gespinnste über den Farbstöken und die Gewebe über einem Haspel so lange in der Flüßigkeit behandelt, bis die gelbe Farbe gehörig zum Vorschein gekommen ist, worauf beide gut gewaschen und im Schatten getroknet werden. Hellere Nüancen erhält man durch Verdünnung der Bleizukerauflösung mit Wasser. Wenn die Farbe nicht gut anfällt, dann sezt man noch etwas Salpetersäure hinzu. Wenn 1 Theil Bleizuker und 1 Theil gebrannte Stärke in 2 Theilen Wasser mittelst Erhizens aufgelöst werden, so erhält man einen Mordant zum Druken, um das Gelb in Dessins auf Zeugen hervorzubringen.

2) Goldgelb. Wenn bei gleicher Verfahrungsweise, statt der Bleizukerauflösung, basisches essigsaures Blei (Polyt. Journ. Bd. V. Anm. 99, S. 217) zum Imprägniren der Gespinnste oder Gewebe angewandt und dieselben nach dem Färben mit chromsaurem Kali durch |52| ein aus Einem Theile Essig und sieben Theilen Wasser bereitetes Bad gezogen werden, so erhält man, wie auch Berthier a. a. O. sagt, eine schöne goldgelbe Farbe.

3) Orange. Berthier bemerkt ebendaselbst, daß Ammoniak obige goldgelbe Farbe in ein mehr oder weniger röthliches Orange überführt. Diese Beobachtung wurde zuerst von den Engländern benuzt, welche jezt sehr geschmakvolle Fabrikate in diesem Chromorange liefern. Um es darzustellen, bereitet man sich zuerst eine Auflösung von basischem essigsauren Blei aus 7 Theilen Bleiglätte, 18 Theilen Bleizuker und 48 Theilen Wasser nach der im polyt. Journ. B. V. S. 217 angegebenen Verfahrungsweise.

Zu hellen und mittelhellen Nüancen verdünnt man diese Bleiessigauflösung mit einem Drittel oder der Hälfte Wasser; für Dunkel-Orange wird sie aber von der angegebenen Stärke angewandt. In dieser Flüßigkeit werden die Callicos auf der Grundir- oder Pflatschmaschine grundirt, ohne daß sie hierzu verdikt wird. Die Callicos müssen nun zuerst an der Luft und dann im Trokenzimmer gut getroknet und darauf entweder durch ein schwefelsaures Wasser oder ein alkalisches Bad gezogen werben; für ersteres werden nebst der nöthigen Menge Wasser 12 Loth Schwefelsäure, für lezteres 1/4 Pfund kohlensaures Kali (Potasche) angewandt. Nach mehrmaligem Hin- und Herhaspeln werden dieselben dann gut ausgewaschen und durch Walken oder Pflatschen vollkommen gereinigt. Die so vorbereiteten Callicos werden nun warm in einem kupfernen oder bleiernen Kessel gefärbt, wobei man auf einen Callico von 22 Stab 10 bis 12 Loth basisches chromsaures Kali und 8 bis 10 Loth starken Salmiakspiritus (Aezammoniak) nebst der nöthigen Menge Wasser zu nehmen hat. Man haspelt die Callicos so lange in der heißen Flüßigkeit hin und her, bis die erwünschte Nüance hervorgekommen ist. Durch Vermehrung des Salmiakspiritus und Erhöhung der Temperatur kann man die Farbe ganz in das Röthliche überführen. Durch Aufdruken einer Säure werden helle Nüancen in dem dunklen Orange hervorgebracht. Man erreicht den Zwek, wenn man auf 4 Pf. verdiktes Wasser 12 Loth Weinsteinsäure anwendet; es kann auch jede andere Säure dazu genommen werden.

Das Zinnsalz zerstört das Chromorange. Ueberdrukt man daher die chromorange gefärbten Zeuge mit einer mit Zinnsalz versezten Verdikung, dann kommen die bedrukten Stellen nach dem Auswaschen weiß zum Vorscheine. Auch kommen die verdikten und mit Zinnsalz entwikelten Pigmente, wenn solche als Tafeldrukfarben auf Chromorange gedrukt werden, nach dem Auswaschen eben so rein zum Vorscheine, |53| wie auf ungefärbte Zeuge gedrukt, was für das Colorit eine große Mannigfaltigkeit darbietet.

Wie Chromgelb auf türkischroth gefärbten Callicos, auf Lilas und anderen soliden Farben hervorgebracht wird.

Die Darstellung dieser Farbe ist zwar den meisten Fabrikanten schon bekannt; das Verfahren hiebei wurde aber noch von Niemand ausführlich beschrieben und soll daher hier der Vollständigkeit wegen mitgetheilt werden. Man fängt damit an, eine sogenannte Aezreservage (Enlevage) zu bereiten, indem man 3 Pfund geflossenes krystallisirtes salpetersaures Blei, 2 Pfund gestossene Pfeiffenerde und 24 Loth Stärke in einer kupfernen Pfanne mit 6 Pfund Wasser anrührt und unter beständigem Umrühren das Ganze durch Aufkochen verdikt, dann in ein steinernes Gefäß, worin 2 1/2 Pfund gestossene Weinsteinsäure enthalten sind, ausgießt, gut umrührt, und nach dem Erkalten durch ein Haarsieb oder Beuteltuch treibt. Wird diese Reservage mit Drukformen oder dessinirten Walzen auf türkischrothe Gründe, oder auf Lilas oder andere Krappfarben aufgedrukt und die Zeuge nach dem Troknen auf einen Haspel gespannt und in die Chlorkalkküpe getaucht, so werden nach wenigen Minuten die bedrukten Stellen entfärbt und erscheinen weiß. Die so behandelten Callicos hängt man nun in Flußwasser, worin man sie hernach gut ausschlägt, worauf sie in einer schwach gesäuerten Auflösung von chromsaurem Kali so lange herumgehaspelt werden, bis die bedrukten Stellen von einer recht satten citronengelben Farbe zum Vorscheine kommen.

Wie das Chromgrün auf türkischroth gefärbten Callicos, auf Lilas und anderen Krappfarben hervorgebracht wird.

Die Bereitung einer Aezreservage zur Hervorbringung einer grünen Farbe ist dieselbe wie für das Citronengelb, nur bleibt die Pfeiffenerde weg, und man sezt derselben (je nachdem man ein helles Mittel- oder Dunkelgrün hervorbringen will) 12 bis 20 Loth vorher mit Wasser feingeriebenes Berlinerblau zu. Die weitere Behandlung unterscheidet sich nicht von der für die Production des Citronengelb angegebenen.

––––––––––

Ohne Zweifel werden nach und nach sehr viele von den oben angegebenen Niederschlägen, welche das basische chromsaure Kali in den Metallsalzen hervorbringt, auf die Zeuge befestigt werden, und das Verfahren hiebei kommt immer darauf zurük, daß man das Zeug mit einem solchen Salze des Metalloxydes beizt, welches zur Faser Verwandtschaft hat, oder sich damit verbindet, und hierauf in der basischen Chromkalilösung ausfärbt. Eisenoxydul-, Queksilberoxydul-, Silberoxyd- und Wismuthoxydsalze dürften vor allen anderen jezt auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden.

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Doppelsalze des chromsauren Kalis.

Das Dictionn. technol. bemerkt Bd. V. S. 261, daß sich das basisch chromsaure Kali mit anderen Salzen wie die schwefelsaure Thonerde zu verbinden scheine; wirklich habe die Habsucht bereits Gebrauch von dieser Eigenschaft gemacht: denn man finde im Handel chromsaures Kali, das bis 40 pCt. schwefelsaures Kali enthält. Die vorherrschende Form der Krystalle scheint jene des schwefelsauren Kalis zu seyn: öfters sind die Krystalle sehr abgeplattet und ihre sechsseitige Pyramide ist sehr zugespizt. Man erkennt sie an einer blaßeren Farbe und vor Allem daran, daß ihre sehr verdünnte Auflösung mit salzsaurem Baryt einen in Salzsäure nur zum Theile auflöslichen Niederschlag gibt.

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Dieß wird nur dort angehen, wo man aus Sodafabriken die Salzsäure zu einem äußerst billigen Preise erhält.

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Dieses bewies zuerst Hr. Tassaert d. Sohn. (Schweigger's Journal 1825, S. 429.)

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Dieses Salz ist in der neuesten Zeit, besonders in Frankreich, oft dargestellt und angewandt worden, weniger in Deutschland.

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Hr. A. Maus hat dieses Salz unlängst zur Bereitung von reiner Chromsäure angewandt, zu welchem Ende er die heiße concentrirte Auflösung desselben mit Kieselflußsäure zersezt, die Flüßigkeit abfiltrirt und das kieselflußsaure Kali abspült. Hierauf verdampft er die Flüßigkeit (am beßten geschieht es in einem Platingefäße) zur Trokne, löst die Säure in der möglich kleinsten Menge Wasser auf und gießt die klare Lösung von dem sandigen Pulver ab, welches das wenige kieselflußsaure Kali ist, welches sich noch aufgelöst hatte. Filtriren darf mqn diese Lösung nicht, weil sie das Papier wie Schwefelsäure zerstört. Die durch Abgießen erhaltene klare Auflösung der reinen Chromsäure kann man übrigens abdampfen, wenn man will. Um die Kieselflußsäure zu bereiten, nimmt Hr. Maus eine sehr geräumige langhalsige Retorte, bringt das Gemenge von Flußspath und Glas hinein, gießt 3mahl soviel Schwefelsäure als Flußspath auf ein Mahl darauf, und schüttelt das Gefäß, damit sich das Ganze gleichförmig mengt. Nun legt er einen recht weiten langhalsigen Kolben ohne Verkittung vor, in welchen die nöthige Menge Wasser gegossen wird, und dessen Wände durch öfteres Schütteln feucht zu erhalten sucht. (Poggendorff's Annalen d. Phys.u. Chem. 1827, St. 9., S. 85.)

|48|

Diese Niederschläge des basischen chromsauren Kalis sind hier aus der Schrift |49| des Hrn. Moser (Chemische Abhandlung über das Chrom. Wien 1824) entnommen; man sucht sie vergebens in den neuesten Lehrbüchern der Chemie.

|49|

Die Auflösung des krystallisirten salzsaureu Zinnoxydes gibt mit bas. chroms. Kali keinen Niederschlag. Hr. Moser muß sich also hier getäuscht haben.

|49|

Die Auflösung des ganz reinen salpetersauren Uranoxydes gibt mit dem bas. chroms. Kali einen hochschwefelgelben Niederschlag. Hr. Moser gibt einen okergelben an; seine Uranauflösung dürfte daher nicht ganz rein gewesen seyn.

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