Titel: Schultes's historische Notiz über das neue Schifffahrts-System unter Wasser.
Autor: Schultes, Joseph August
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. XXX. (S. 104–119)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/ar027030

XXX. Historische Notiz über das neue Schifffahrts-System unter Wasser mit Bothen, deren Boden man nach Belieben öffnen kann, und über eine neue Art zu tauchen und eine beliebige Zeit unter Wasser zu bleiben, ohne alle Verbindung mit der äußeren Atmosphäre.

Schreiben des Hrn. M. Dr. u. Profs. Jos. Aug. Schultes an den Herausgeber; dd. Landshuth den 1. Jäner 1827.

Ich habe Ew. Wohlgeboren vor zwei Jahren mit einem Aufsaze über meinen neuen Taucher-Apparat behelligt, den Sie in Ihrem Journale aufzunehmen die Güte hatten.44)

Ich war in dem Wahne, dadurch die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu erregen, der Beherzigung in jedem Staate verdient, oder am Meere gelegen ist, und ich wollte dadurch zugleich mein Eigenthum, meine Erfindung, vor fremden Eingriffen sichern.

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Mein Schreiben an die Redaction des Mechanics' Magazine, in welchem ich meine Ansprüche auf eine Vorrichtung zum Tauchen unter Wasser ohne Verbindung mit der äußeren atmosphärischen Luft, welche ein Hr. T. B. in N. 96, 1825, S. 185 einrüken ließ, geltend machte, und welches Sie in Ihrem Journale aufnahmen, wurde in demselben nicht aufgenommen. Da Ihr Journal in England gekannt ist, und Aufsäze und Zeichnungen aus Ihrem Journale in englische Journale aufgenommen werden, so würde man es wenigstens der Mühe werth gefunden haben, mich zu widerlegen, wenn man es vermocht hätte, da man unbillig genug war, mein Schreiben nicht einzurüken. Ich konnte mich indessen mit dem alten: qui tacet, consentire videtur, trösten.

Bis dahin war Alles nur auf dem Papiere.

Nun finde ich aber meinen Tauch-Apparat, mein Both, um mit demselben unter Wasser zu fahren, ausgeführt, ausgeführt so, wie ich es beschrieben habe, und derjenige, der es ausführt, der verschert, Alles gelesen zu haben, was über Taucherkunst geschrieben ist, auch die ausländischen Journale, mit einem Worte Alles, schreibt die Erfindung sich zu, und erwähnt meiner Wenigkeit mit keinem Worte. Er hat allerdings die Ehre, der Erste gewesen zu seyn, der meine Maschine ausführte, und die Richtigkeit meiner Theorie durch Versuche und Erfahrungen erprobte, und bei einem solchen Verdienste, das ihm Niemand rauben wird, hätte er auch dem wahren Erfinder seine Ehre lassen und ihn wenigstens nennen sollen. Allein, wenn er dieß gethan hätte, würde er sein Patent-Recht verloren haben, indem man kein Erfindungs-Patent auf das geben kann, was bereits früher erfunden wurde, meine Erfindung aber in Frankreich seit dem Jahre 1796 in dem Haufe des Grafen v. Fourcroy bekannt war, und nun seit 1825 öffentlich in der Welt bekannt ist.

Der gute Mann fürchtete vergebens, daß ich ihm sein Patent streitig machen würde, denn ich würde auf meine Erfindung nie und nimmermehr ein Patent genommen haben; 1) weil ich, nach meinen naturrechtlichen Grundsäzen, mit Kaiser Joseph dem Unsterblichen, jedes Patent und jedes Privilegium als crimen laesae humanitatis betrachte, und fest überzeugt bin, daß kein Mensch auf Erden das Recht hat, den anderen zu hindern, dasjenige zu thun, was er selbst thut, vorausgesezt, daß dieses etwas Gutes ist und der Gesellschaft Nuzen bringt: denn alle Menschen haben gleiche Rechte auf alles Gute. Es ist die Pflicht weiser Staatsverwaltungen, auf demselben Wege, den Kaiser Joseph ihnen vorzeichnete, das Gute zu fördern, im Volke, in der Welt zum Dienste der Menschheit zu verbreiten, nicht aber dadurch zu hindern und zu beschränken, daß sie einem einzelnen |106| Individuum für einige Stüke Geldes das ausschließliche Recht ertheilen Gutes zu thun, und Hunderttausende daran hindern und in Fesseln schlagen. „Kein Monopol! Keine Privilegien! Keine Patente!“ rief Kaiser Joseph, und künftige Jahrhunderte werden seinen Ruf erhören, wenn man in dem unsrigen taub gegen die Stimme der Menschheit bleiben will. 2) Weil ich aus Erfahrung weiß, und weil jeder, der es nicht weiß, sich durch die Geschichte der zahllosen Processe über Patent-Rechte in England und Frankreich sich hiervon überzeugen kann, daß kein Patent das Eigenthum einer Erfindung zu sichern vermag. Wenn Einer einen Nagel an einer Maschine, den der Erfinder links an derselben eingeschlagen hat, rechts einschlägt, und dieß eine Verbesserung zu nennen beliebt, so hat er das Recht, auf diese Verbesserung ein Patent zu nehmen, und der Erfinder ist um seine Erfindung und um das Geld, das er für Patentisirung derselben bezahlt hat, geprellt. Daher jezt der allgemeine, laute Wunsch aller Gewerbsleute in England um Aufhebung des alten Patent-Wesens, oder vielmehr Unwesens; daher die in beiden Kammern Frankreichs so oft schon vorgekommenen Anträge um Reform der Patent-Geseze, die so wie Alles, was in seiner Grundidee schlecht und fehlerhaft ist, keiner Reform fähig sind, sondern aufgehoben werden müssen. Man erfindet nicht immer etwas, um davon unmittelbar Nuzen zu ziehen; man erfindet auch etwas, um Wissenschaften und Künste zu fördern, und der Menschheit zu nüzen. Solche Erfinder, denen ihr Bauch nicht ihr Gott ist, und die nicht, wie gemeine Thiere, aus jedes Menschen Hand Brod fressen, lassen sich das, was ihnen angehört, durch kein Patent-Recht rauben; sie theilen jedem von dem Ihrigen mit, wenn man etwas davon von ihnen verlangt; man darf sie nicht fürchten; man darf sie kühn bei ihrem Namen rufen.

Ich hätte Ihnen eine lange tragisch-komische Geschichte zu erzählen, wenn ich Ihnen alle die Ergebnisse, alle die Aeußerungen und Urtheile, die ich im Verlaufe von 30 Jahren bei Mittheilung meiner Ideen an Freunde sowohl, als an Männer, die ich für besser unterrichtet hielt, als mich selbst, erfuhr, hier aufzählen wollte. Dem war die Sache so einfach, daß sie, wenn sie ausgeführt werden könnte, schon seit Erfindung der Windbüchsen hätte angewendet und benüzt werden müssen45); jenem war eine Windbüchsen-Flasche eine zu complicirte |107| Vorrichtung an einer Tauchergloke; ein Dritter – ein Mann, den ich höher als Alles achtete, und noch achte – wies mein Ansuchen um seine Hülfe zur Ausführung mit der Frage zurük: ob ich Frosch oder Fisch werden wolle? Ein anderer fürchtete, daß, wenn diese Maschine ausgeführt wird, der Seekrieg noch menschenfressender werden würde. Ein anderer bemerkte, daß die Regierungen der See-Staaten die Einführung dieser Maschine nie zugeben würden, indem dadurch das Schmugeln nur noch mehr betrieben würde, und so könnte ich Ihnen eine Iliade von Einwürfen und Zurückweisungen anführen. Ich fand überall, selbst bei denjenigen, die ich für meine Freunde hielt, statt Unterstüzung nur Gleichgültigkeit, Verachtung und sogar Hohn. Nur Fourcroy und Baron v. Cotta, der alles Gute fördert, nahmen, aber mit gleichem Erfolge wie ich, einigen Antheil an meiner Erfindung.

Indessen ist diese meine Maschine jezt ausgeführt. Es ist durch Versuche erwiesen, daß man mittelst eines Vorrathes von zusammengedrükter Luft in Windbüchsen Stunden lang ohne alle Verbindung mit der äußeren atmosphärischen Luft unter Wasser leben und arbeiten kann. Das Seeministerium in Frankreich hat die Sache von einer eigenen Commission prüfen lassen und gut gefunden. Das Ministerium des Inneren hat sogar ein Gratis-Patent!!! darüber ausgefertigt. Es hat sich bereits eine Gesellschaft gebildet, um von diesem Patente alle Vortheile zu ziehen. Soviel kann ich denjenigen, die, statt eine gute Sache zu fördern, dieselbe mit Verachtung und Hohn zurükweisen, zu ihrem Troste eröffnen: möchten sie darin dieselbe Beruhigung finden, die ich endlich auch ohne ihre Beihülfe gefunden habe: „daß ich der Thor nicht war, für den man mich gehalten.“

Ich sende Ihnen hier eine wörtliche Uebersezung der oben erwähnten

Notice historique sur le nouveau Systême de navigation sous-marine, avec des bateaux à fonds ouverts à volonté, par Mr. Beaudouin des Andelys, communiquée par un de nos correspondans im Recueil industriel, N. 10, S. 41,

mit einigen Anmerkungen, damit Sie, und wenn Sie davon öffentlichen Gebrauch machen wollen, das Publicum diese Notiz mit meinem früheren Schreiben vom J. 1825 vergleichen können.

Wer die Geschichte der Erfindungen kennt, weiß auch, daß man |108| bloß eine Erfindung bekannt machen darf, um alsogleich eine Menge Ansprüche auf dieselbe dadurch zu weken. Eine Erfindung, ein Verfahren, das Jahre lang vergraben lag, findet sich, in dem Augenblike, als sie an das Tageslicht tritt, in dem Kreise einer zahlreichen Familie von Brüdern und Schwestern. Jeder Erfinder will, um seinem Kinde Legitimität zu geben, der Erste gewesen seyn, und führt die Zeit an, wo er die erste Idee zu derselben empfing, wo der erste Keim derselben sich entwikelte, und nicht selten zankt man sich und führt Processe, ehe man sich überzeugte, ob die Erfindungen, über welche man streitet, auch nur die mindeste Aehnlichkeit unter einander haben. Wir sind weit entfernt, uns hierüber zu wundern: bei den einen ist es ein edles Gefühl, die Furcht für einen Plagiarius zu gelten, die sie hierzu treibt; bei den anderen ist es das höchste Interesse, Erhaltung seines Eigenthumes46). Aus dem einen wie aus dem anderen Grunde theilen wir hier diese Noriz mit. Ihr Zwek ist, das Publicum, und vorzüglich die Seeleute und Capitalisten aufmerksam zu machen:

1) Auf die Vorarbeiten des Hrn. Beaudouin von dem Augenblike, wo seine Ideen sich fest stellten bis zu dem Augenblike, wo er unentgeltlich ein Patent (Brevet) erhielt.

2) Auf sein Schifffahrts-System unter Wasser; nur in einer summarischen Beschreibung und in so weit sie nothwendig ist, um die Möglichkeit der Ausführung desselben zu zeigen.

3) Auf die Vortheile, die dieses System der Regierung, dem Handel, der Industrie gewährt, und die Anwendung, die man hiervon machen kann.

4) Auf die Reclamationen, die man in den Journalen über die Erfindung |109| des Hrn. Beaudouin machte, und auf die Antworten, die er seinen Gegnern geben kann.

5) Auf die Anstalten, die bereits von einer Gesellschaft getroffen wurden, um alle möglichen Vortheile von den vielen Anwendungen zu ziehen, die man von diesem neuen Systeme, nach dem günstigen Urtheile der von der Regierung hierzu abgeordneten Special-Commissäre, mit Recht erwarten kann.

1. Vorarbeiten.

Seit langer Zeit47) hat Hr. Beaudouin, Landsmann des Hrn. Brunel, eines französischen Baumeisters, auf dessen Besiz England zu unserem Verderben stolz ist, und des Aeronauten Blanchard sich Untersuchungen hingegeben, die ihn zur Ausführung seines Lieblings-Projectes leiten konnten. Fremde Journale, Schriftsteller, Mechaniker, Alles wurde von ihm gelesen und zu Rathe gezogen, um sich zu überzeugen, daß seine Mittel zu tauchen noch nicht bekannt waren48); denn in den sogenannten nüzlichen Künsten muß man vor Allem dafür sorgen, daß man dem Publicum nicht etwas auftischt, über welches die öffentliche Meinung oder die Erfahrung bereits entschieden hat. Man besiegt selten die eine, und wird die andere nie widerlegen können.

Unter den Mechanikern, welche Hr. Beaudouin zu Paris besuchte, befand sich Hr. Castéra. Er wußte, daß lezterer sich mit ähnlichen Untersuchungen beschäftigte, und schlug ihm daher vor, die Erfindung gemeinschaftlich zu benüzen, und mit vereinten Kräften zu arbeiten, um davon Vortheil zu ziehen. Hr. Beaudouin hat Zeichnungen, Plane und Mittel zur Ausführung Hrn. Castéra mit vollem Vertrauen geliefert.

Die gemeinschaftliche Benüzung sollte nur in dem Falle Statt haben, wenn Hr. Beaudouin unentgeldlich ein Patent erhielte. Dieser glaubte ein Recht hierauf zu haben, und da der Minister des Innern diese Bitte abschlug49), so hatte diese Verbindung keine weitere Folge.

Diese Thatsachen, aus welchen wir noch mehr folgern könnten, |110| sind durch den Briefwechsel des Hrn. Castéra erwiesen. Von diesem Augenblike an glaubte Hr. Beaudouin seinen Muth nicht verlieren zu dürfen, und entscheidende Versuche50) seinen früheren Mittheilungen an das Ministerium beifügen zu müssen, indem er dadurch neue Ansprüche zu gewinnen hoffte, um später von diesem Minister eine ehrenvolle Ausnahme zu erhalten.

Entbunden von jedem Versprechen, und Herr und Meister seiner Erfindung, von der er nun jeden Vortheil ziehen konnte, reiste Hr. Beaudouin nach Andelys, wo er am 8. und 9. Mai seine Versuche anstellte. Alle Journale haben davon gesprochen, und das von den Ortsbehörden hierüber aufgenommene Protokoll ist zu genügend, als daß wir es hier nicht mittheilen sollten.

13. Mai 1827.

„Wir, Maire und Adjunct der Stadt des Andelys, Hauptort des Bezirkes, Dept. de l'Eure, bezeugen und beurkunden für Alle, denen daran liegt, die Wahrheit und Richtigkeit folgender Thatsachen.“

„Hr. Beaudouin, der älteste Sohn, aus Andelys, Erfinder des Taucherbothes, le Dauphin genannt, hat uns eingeladen bei dem entscheidenden Versuche, den er in der Seine, unter dem Schloße Gaillard am 9. des laufenden Monates um 7 Uhr Abends anstellen wollte, gegenwärtig zu seyn, und wir haben seinem Ansuchen willfahren.“

„Punct sieben Uhr bestieg Hr. Beaudouin sein Both le Dauphin durch eine oben angebrachte Oeffnung. Alle Verbindung mit der äußeren atmosphärischen Luft wurde ihm auf der Stelle abgeschnitten. Das Untertauchen fing an. Es geschah regelmäßig und |111| mit kluger Langsamkeit, und dauerte 17 Minuten. Um 7 Uhr 14 Minuten war das Both vor den Augen der Behörde und den zahlreichen Zuschauern an den Ufern und auf den Schiffen verschwunden. Der Dauphin blieb 44 1/2 Minuten lang in einer Tiefe von 18 Fuß versenkt. Schon früher und lang hatte sich die äußerste Unruhe der Zuschauer auf die lebhafteste Weise zu erkennen gegeben: wir befahlen demnach den Bothsknechten, den Dauphin schnell wieder herauf zu fördern, der auch bald wieder erschien. Hr. Beaudouin antwortete, eingesperrt in seinem Bothe, mit lauter Stimme auf den Zuruf, der an ihn erging, und die allgemeine Angst hatte nun ein Ende. Als er aus dem Bothe ausstieg, beklagte er sich lebhaft, daß man ihn sobald zurükrief, da sein Luftvorrath noch lang nicht erschöpft war.“

„Hr. Beaudouin blieb also 61 1/2 Minuten lang ohne alle Verbindung mit der äußeren atmosphärischen Luft, von welchen er

13 1/2Minuten zum Untertauchen brauchte,
44 1/4Minuten vollkommen untergetaucht blieb,
3 3/4Minuten zum Aufsteigen, Oeffnen der oberen Klappe etc. brauchte. In Allem
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61 1/2Minuten.“

„Das Both le Dauphin fährt mit offenem Boden und ist in stäter Verbindung mit dem Flußbette. Der zur Erhaltung des Lebens seines Erfinders und Leiters (inventeur-directeur) nöthige Apparat ist in dem Inneren desselben angebracht.“

„Urkunde dessen haben wir Gegenwärtiges ausgefertiget.“

„Andelys, d. 13. Mai 1827.

Labour, Maire.
A. L. Michel, Adjoint.“

„Gesehen zur Legalisirung der Unterschriften Labour und Michel, Maire und Adjoint der Stadt d'Andelys.“

„Aux Andelys, d. 16. Mai 1827.

Der Unter-Präfect.
Der Graf De Boury.

„Aus dieser legalen und officiellen Urkunde erhellen demnach 5 merkwürdige Thatsachen: 1) daß Hr. Beaudouin mehr dann eine Stunde lang unter Wasser blieb; 2) daß er noch länger hätte unter Wasser bleiben können; 3) daß das Both, welches 160 Ztr. (16 Milliers) wog,51) 18 Fuß tief tauchte; 4) daß Hr. Beaudouin auch in dieser Tiefe nicht aufhörte mit äußeren Gegenständen in Verbindung zu bleiben, weil er mit lauter Stimme den an ihn gerichteten |112| Ruf beantwortete; 5) endlich, daß kein Hinderniß, kein Unfall Hrn. Beaudouin hinderte, alle seine Bewegungen und Manoeuvers auszuführen; daß er, nach Belieben, wieder über dem Wasser erschien, d.h. auf das wegen der Aengstlichkeit der Zuschauer gegebene Zeichen.“

Mit dieser Urkunde versehen kam Hr. Beaudouin wieder nach Paris, um vor den Behörden, die bei der Anwendung seines Systemes interessirt sind, zu erscheinen.

Er widmete seine Entdekung dem Großadmirale Frankreichs unter den Auspicien des Seeministers, des Hrn. Grafen de Chabrol, welcher die Ernennung einer Commission befahl. Am 30. Mai antwortete ihm Sr. Exc., daß sie zu dieser Commission den Hrn. Rolland, General-Inspector des See-Geniewesens, Hrn. Boucher, Unterdirector der Hafen, und Hrn. Marestier, See-Ingenieur ernannt habe.

Man erkennt an dieser Wahl den aufgeklärten Schuz, welchen S. K. Hoh., Monseigneur le Dauphin, und Sr. Exc. der Graf Chabrol allem Nüzlichen ertheilen, und den Wunsch Sr. Exc., eine gründliche und helle Prüfung von diesen ausgezeichneten Officieren vornehmen zu lassen, um über die Vortheile dieses Systemes entscheiden zu können.

Den 18. Junius ließ dieser Minister Hrn. Beaudouin wissen, daß die Commission in ihrer Prüfung hinlängliche Anzeigen gefunden habe, um über den günstigen Erfolg dieses Apparates ein günstiges Urtheil vorläufig aussprechen zu können, daß sie jedoch, indem sie bisher ihre Meinung nur auf die Plane stüzen könne, die Ansicht habe, daß, um die Mittel zur Ausführung besser würdigen zu können, es gut wäre, wenn sie das Both selbst in allen seinen Theilen untersuchen und dasselbe arbeiten sehen könnte.

Der Minister fügte bei, daß er diese Ansicht theile und beschlossen habe, daß die Commission sich nach Andelys begeben und dort den neuen Versuchen beiwohnen solle, welche Hr. Beaudouin in ihrer Gegenwart zu wiederholen hat; daß er einstweilen dem Minister des Inneren geschrieben habe, um denselben zu vermögen, dem Erfinder ein Gratis-Patent (Brevet gratuit) zu ertheilen.

In Erwägung, daß die Commission die Wirklichkeit der vorteilhaften Resultate der ersten Versuche anerkannte; daß die Oeffentlichkeit, welche bei solchen Versuchen unvermeidlich ist, es dem Erfinder wünschenswerth machen muß, daß ihm das Eigenthum seiner Erfindung zum Voraus gesichert bleibe; daß dieses Both, welches unter Wasser fährt, sowohl der Regierung |113| als dem Publicum große Vortheile gewähren kann, stimmte endlich am 29. Junius 1827 der Hr. Graf Corbière dem gegründeten Ansuchen seines Collegen bei, und so hatte Hr. Beaudouin sein Eigenthum definitiv durch ein Patent gesichert, das er sich noch ehe verschaffen wollte, als er nach Andelys zurükkehrte, was nächstens geschehen wird, um durch neue Versuche vor der Commission den an ihn gemachten Forderungen schnell zu entsprechen.

Wir wollen jezt eine summarische Beschreibung seines Patentes mittheilen.

2. Summarische Beschreibung des Bothes, das unter Wasser fährt (bateau sous-marin).

Dieses Both hat die Form der gewöhnlichen Bothe. Oben an demselben ist eine große Klappe, die sich nach außen öffnet, mit einer Drukschraube schließt, und als Thüre zum Eingange dient.

Unten sind Klappen, die nach Belieben sich öffnen und schließen lassen, und mit dem Grunde des Wassers communiciren.

An beiden Enden rechts und links am Körper des Bothes sind zwei Arten von Kammern, die ein Magazin bilden. Sie füllen sich nach Belieben mit Wasser, und zwar mittelst Luftröhren, die die zusammengedrükte Luft, welche in diesen Kammern enthalten ist, entweichen und den flüßigen Ballast oder das Wasser dafür nach und nach eintreten lassen. Man begreift, daß man mittelst dieses Ballastes mit dem Bothe untertauchen kann.52)

Wenn man in diesen Magazinen oder Behältern einen leeren Raum erzeugen will, bedient man sich einer Saug- und Drukpumpe mit zwei Röhren, die einen Theil dieses Systemes ausmacht; indem das Both auf diese Weise leichter gemacht wird, erhält man dadurch ein Mittel, es wieder in die Höhe steigen zu lassen.53)

Diese Pumpe steht mit den beiden Magazinen mittelst zweier krummen Röhren in Verbindung.

Am Bothe sind Windbüchsen oder Behälter mit zusammengedrükter Luft angebracht54), die sowohl zur Unterhaltung des Lebens des |114| Schiffenden, als zur Bildung des leeren Raumes in den beiden Magazinen dienen, wenn man desselben bedarf.

Jeder dieser Behälter enthält eine hinlängliche Menge Luft, um einen Menschen wenigstens 6 Stunden lang in demselben athmen zu lassen. Sie sind mit Drukklappen versehen, durch welche sie mittelst Wasser und einer Queksilber-Basis geladen werden.55)

Die Luft kann in denselben auf einen Druk von 80 bis 100 Atmosphären zusammengedrükt werden.

Ein Zahnstok und ein Räderwerk erzeugt eine hin- und herlaufende Bewegung, wodurch das Steuerruder regiert wird.56)

Ueberdieß sind mehrere sogenannte Ochsenaugen (oeils de boeuf, sehr convexe Gläser) angebracht, um Licht in das Both zu lassen, in welchem man lesen, und sogar schreiben kann.57)

Wir übergehen das übrige Detail, indem man, um dasselbe gehörig zu verstehen, den Plan des Bothes vor Augen haben müßte.

Diese Bothe sind mit Matrosen bemannt, die mit Allem, was zu ihrem Dienste unter Wasser nothwendig ist, gehörig ausgerüstet sind. Sie haben Helme von einer besonderen Form, an welcher sich zwei metallne Büchsen befinden, die mit zusammengedrükter Luft gefüllt sind, welche auf eine Stunde zum Athemhohlen hinreicht.58) Diese Matrosen verlassen, mit diesen Helmen bewaffnet, das Both, können um dasselbe herumgehen, und sich von demselben entfernen. Wenn sie wieder zu demselben zurükkehren wollen, befestigen sie sich an einer an dem Bothe angebrachten Schnur, die sie bei ihrer Rükkehr leitet.

Dasselbe System, welches wir hier beschrieben haben, läßt sich auch vollkommen an dem Gloken-Bothe anwenden, welches die Taucher-Gloke ersezen soll.

Es dürfen nur einige Theile in ihrem Baue etwas geändert werden; so erhebt sich z.B. oben ein mit einem Hute oder Dekel versehener Schornstein, in dessen Mitte sich die Eingangs-Klappe befindet.59) Durch diese Klappe werden die zum Wasserbaue nöthigen Materialien in dasselbe gebracht, ohne daß die Arbeiter, die im Grunde des Wassers arbeiten, dadurch gestört würden. Wenn es nöthig ist, daß einige Arbeiter sich wegen besonderer Arbeiten entfernen, so |115| erleichtert ihnen Hr. Beaudouin dieselbe dadurch, daß er sie mit einem metallnen Helme versieht.60) Dieser Helm besteht aus Büchsen, welche durch eine horizontale Röhre vereinigt sind. Sie enthalten so viel zusammengedrükte Luft, als nothwendig ist, den Arbeiter eine Stunde lang athmen zu lassen. Diese Röhre läuft aus den Büchsen in den obersten Theil des oben erwähnten Helmes mittelst einer mit einem Hahne versehenen Röhre. Dem Munde gegenüber befindet sich ein Mundstük, welches mit einer Ausathmungs-Röhre in Verbindung steht, die mit einer kleinen Klappe versehen ist.61) Vor den Augen ist in der Maske ein Stük Glas angebracht, wodurch der Arbeiter sehen, und seine Bewegungen leiten kann.

Dieser Helm wird mittelst Riemen, die zwischen den Füssen durchlaufen, und vorne geschnallt werden, befestigt.62)

Als Ballast dienen für den Arbeiter theils Gewichte, theils metallne Sohlen, die er leicht abwerfen kann.63)

3. Vortheile und Anwendungen des Taucher-Bothes und der Taucher-Gloke.

Mehrere Ministerien können, mit Recht, auf die verschiedenen Anwendungen der Entdekungen des Hrn. Beaudouin Anspruch machen.

Der See-Minister zur Untersuchung unserer Seeküsten, zur Sondirung der Flüsse, zur Korallen- und Perlen-Fischerei etc.64)

Der Minister des Inneren zum Aufsuchen verschiedener Gegenstände der Kunst, verschiedener Alterthümer, die im Grunde unserer Flüsse und Ströme begraben liegen; zur Aufführung von Wasserbauten ohne die sogenannten Kosten, wodurch der Wasserbau um vieles wohlfeiler würde.

Die unmittelbarste Anwendung aber, die die wichtigsten Resultate geben muß, ist das gänzliche oder theilweise Bergen der untergangenen Schiffe. Eine große Menge von Schiffen, die |116| Kostbarkeiten und große Schäze enthalten, liegt im Grunde des Meeres begraben. Es läßt sich mit Grunde vermuthen, daß, durch das Verfahren des Hrn. Beaudouin, diese vergrabenen Schäze eines Tages noch werden gehoben werden können, und es läßt sich leicht begreifen, wie sehr Handel und Industrie dabei betheiligt sind, daß solche Ausbeuten häufig und allgemein werden.

4. Prüfung der Reclamationen, die in den Journalen gegen diese Erfindung gemacht wurden.

Die erste, die in einem Journale bekannt gemacht wurde, ist vom 20. Junius 1827. Der Courrier français theilte dieses anonyme Schreiben mit, welches übrigens nichts Feindseliges gegen Hrn. Beaudouin enthält. Hr. A. C. nimmt gerichtlichen Beweis über die Untersuchungen, die er von seiner Seite anstellte. Wir wollen hier nur bemerken, daß Hr. A. C. die Erfindung des Hrn. Castèra anführt, und die seinige als eine Erfindung von höherem Interesse und weiterem Umfange, als jene, aufstellt, die noch neue Anwendungen darbiethet. Hier ist also schon ein Gegner, der die Verfahrungs-Weise des Hrn. Castèra vervollkommnete.

Die zweite Reclamation vom 24. Junius, mit der Unterschrift Castèra, findet sich im Constitutionnel vom 26. Junius 1827. Ueber dieses Schreiben müssen hier zwei wesentliche Bemerkungen vorgetragen werden; die erste betrifft die Priorität der Erfindung; die zweite die Aehnlichkeit der beiden Systeme.

Die erste Frage, die Priorität betreffend, haben wir bereits in dem ersten Abschnitte dieses Aufsazes gelöset. Wir haben gesagt, daß wir wußten, daß Hr. Castèra sich seit langer Zeit mit Taucher-Bothen beschäftigte.

Es können aber tausend Erfindungen auf denselben Gegenstand Bezug haben. Eine Menge von Systemen können auf denselben Gegenstand angewendet werden. Die einzige und wahre Frage bleibt also nur diese: sind die beiden Systeme ähnlich?

Um diese Frage zu lösen wird es genügen, ein Schreiben von der Hand des Hrn. Castèra selbst au Hrn. Beaudouin dd. 25. September 1826 anzuführen. Es dient als Antwort auf jenes vom 24. Jun. 23. Sept. 1826.65)

„Mein Herr.“

„Ich nehme die Uebereinkunft an, die sie mir vorgeschlagen haben, ihre Entdekung auf halben Theil zu benüzen, d.h., unsere Kräfte zu vereinigen, um daraus Vortheil zu ziehen. Für den Fall, daß sie kein unentgeldliches Patent (Brevet gratuit) erhalten, wo dann die |117| Unternehmung nicht Statt haben könnte, können Sie überzeugt seyn, daß ich mit aller Bescheidenheit von dem Zutrauen Gebrauch machen werde, das sie mir schenkten, hinsichtlich der Art, wie sie sich mit Luft versehen, indem sie dieselbe in Windbüchsen aufbewahren, so wie von der glüklichen Idee, die Sie hatten, ihr Both unten offen zu halten, und in stäter Verbindung mit dem Grunde des Wassers: Verfahrungs-Weisen, die nicht in meinem Systeme unter dem Wasser zu schiffen gelegen waren,66) obschon ich darauf Bedacht nahm, den Leuten in meinem. Taucher-Bothe Mittel zu verschaffen, nöthigen Falles aus demselben herauszugehen, was aber auf eine andere Weise und nicht zu demselben Zweke geschah.

Ich habe die Ehre, Sie, mein Herr, mit Hochachtung zu grüßen.

Unterzeichnet, Castèra.

Es ist also durch diesen Brief erwiesen, 1) daß, nach getroffener obenerwähnter Uebereinkunft zwischen Hrn. Castèra und Hrn. Beaudouin, dieser jenen mehrere Verfahrungs-Weisen lehrte, an welche Hr. Castèra durchaus nicht dachte.67) 2) daß das System des Hrn. Castèra in mehreren Puncten von jenem des Hrn. Beaudouin abweicht.

Dieß wird jedem Unparteyischen genügen, um ihn zu überzeugen, daß Hr. Castèra so wie Hr. Beaudouin, jeder für sich das Recht hat, ein Patent auf seine Erfindung zu nehmen. Es ist kein Verrath des geschenkten Zutrauens, kein Plagiat, wenn Hr. Castèra, nachdem er sein Patent in Anspruch nimmt, sich, wie Hr. Beaudouin es gethan hat, in seine, ihm angehörige Vorrichtung einschließt, wie Hr. Beaudouin dieß in seiner Vorrichtung that, die er wirklich selbst ausgedacht hat.

Industrie ist ein fruchtbares Feld, wo jeder eine mehr oder minder reichliche Ernte machen kann; die einzige Vorsicht, die hierbei nöthig ist, ist diese, daß man nicht des Nachbars Garbe einführt.68)

Die dritte Reklamation endlich, im Courrier français vom 6ten |118| Julius, und im Constitutionnel vom 13ten ist nichts anderes, als ein Vorbehalt, eine Verwahrung von Seite des Unterzeichneten M. Dr. Fournier de Lampdes, ähnlich dem Acten-Stüke des Hrn. A. C., welche der Erfindung des Hrn. Beaudouin keinen Eintrag bringt.69)

5. Anstalten, welche bereits von einer Gesellschaft getroffen wurde, um das Patent des Hrn. Beaudouin zu benüzen.

Bei dieser Lage der Sache und dem gegenwärtigen Stande der Dinge hielten mehrere Personen es für räthlich eine Gesellschaft en commandite zu errichten, um die großen Vortheile des Patentes des Hrn. Beaudouin zu benüzen. Die Verwaltung derselben, an deren Spize sich der Erfinder befindet, ist organisirt. Die Errichtungs-Urkunde ist bei dem Notarius, Hrn. Clairet, niedergelegt, und ein im Publicum vertheilter General-Prospectus zeigt die Statuten und die Vortheile der Gesellschaft.

Es ist nicht in unserem Zweke gelegen, hier weiter zu gehen. Wir wollten das Publicum durch diese historische Notiz über das, was dem Prospectus vorausgegangen ist, aufklären, und wenn der Leser uns einige Aufmerksamkeit schenkte, wird er mit uns folgende Thatsachen, als erwiesen, annehmen.

1) Die Versuche des Hrn. Beaudouin zu Andelys, die von der Behörde bezeugt wurden, lassen keinen Zweifel über die Möglichkeit der Ausführung des Systemes des Hrn. Beaudouin, unter dem Wasser zu schiffen.

2) Der See-Minister ließ, durch eine Special-Commission, die Erfindung des Hrn. Beaudouin prüfen, und beschloß, nach dem vortheilhaften Berichte derselben, daß neue Versuche vor der Commission angestellt werden, einstweilen es aber räthlich ist, bei Sr. Exc. dem Minister des Inneren zu veranlassen, ein Gratis-Patent auszufertigen.

3) Der Minister des Innern hat, nachdem ihm der Bericht der Commission mitgetheilt wurde, in Erwägung, daß, auf der einen Seite, die Commission die Wirklichkeit der vortheilhaften Resultate des Versuches anerkannte, auf der anderen, das Both des Hrn. Beaudouin der Regierung und dem Publicum nüzlich werden kann, ein Gratis-Patent ertheilt.

4) Die Vortheile und die Anwendungen dieses Systemes sind sehr mannichfaltig; die vorzüglichsten sind: das gänzliche oder theilweise Bergen der zu Grunde gegangenen Schiffe; das Aufsuchen der Gegenstände der Kunst und des Alterthumes im Grunde der Flüsse; die Korallen- und Perlen-Fischerei; die Untersuchung der Seeküsten; die Sondirung der Flüsse; die Wasserbauten etc.

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5) Die verschiedenen Reclamationen in den Journalen haben mit der Erfindung des Hrn. Beaudouin nichts zu schaffen; sie können auf keine Weise ihn hindern, ein Recht auszuüben, wozu sein Patent ihn privilegirt.

6) Die Anwendungen und Vortheile dieses neuen Systemes, unter Wasser zu schiffen, waren dem Publicum ziemlich einleuchtend, um eine Commanditen-Gesellschaft zu errichten, die ihre Statuten hat, und Capitalisten, Handelsleute und Freunde der Industrie einlud, um an den Erträgnissen Theil zu nehmen, welche die bereits angestellten Versuche zu sichern scheinen.

Man wendet sich um weitere Berichte

à Mr. Clairet, Notaire, boulevard des Italiens, N. 18.70)

und, in industrieller Hinsicht

au bureau du Recueil industriel, chez Mr. de Moléon, rue Tait-bout, N. 6.“

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„Wir theilen diese Notiz mit einer Art von Vertrauen mit, weil äußerst glükliche Umstände, die man beinahe dem Zufalle verdankt, und worüber man den Mitgliedern der Gesellschaft Bericht erstatten wird, Urkunden an das Tageslicht brachten, in welchen genau die Orte in der Seine bezeichnet sind, an welchen sich Schäze von sehr großem Werthe befinden, und deren Förderung der Gegenstand der ersten Versuche seyn wird. Es kommt viel darauf an, bei den ersten Versuchen nichts dem Zufalle zu überlassen, und das Taucherboth nur an solchen Orten zu verwenden, die man aus früheren Untersuchungen genau kennt, die nicht ohne Erfolg geblieben sind. Das Interesse der Unternehmung macht es zu unserer Pflicht, die künftigen Ergebnisse anzuzeigen; die Klugheit gebiethet uns aber, uns nicht mehr in's Detail einzulassen.“

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Polytechn, Journ. B. XVIII. 2. H. S. 176.

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Es ist in der That sonderbar, daß, je einfacher und klarer eine Idee ist, durch welche man einer Sache so zu sagen auf den Grund sehen kann, desto mehr die meisten Menschen vor derselben zurükbeben. „Nein! Das ist gar zu einfach! Das kann nicht seyn!“ Dieß ist der Ausruf, mit dem so oft das Siegel der Wahrheit, das Simplex veri sigillum, zerbrochen, statt gelöset wird. Ich habe jezt seit ungefähr viertehalb Jahren in einem öffentlichen Krankenhause öffentlich an 600 Kranke behandelt, unter welchen viele sehr schwer und gefährlich darnieder lagen. |107| Es starb nur, die sterbend überbrachten und Lungensüchtigen mit eingerechnet, der vierzigste, und ich brauchte an Arzeneien für jeden Kranken nur 3 kr. täglich. Nein, das ist zu einfach! rufen die Aerzte, in deren Spitälern jeder zwölfte Kranke stirbt, und jeder Kranke an Arzeneien täglich 24 kr. kostet!

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Sie werden vielleicht ohne meine Bemerkung bemerken, daß dieser Eingang zur Beschreibung einer Erfindung einer Excusatio non petita gleich steht. Es ist nicht die Sprache, nicht die Sicherheit des Ausdrukes eines Erfinders. Wer die Geschickte der Erfindungen kennt, weiß nicht bloß das, was der Korrespondent des Industriel oben anführt, sondern auch das, daß die wenigsten Erfinder einer im Großen wahrhaft nüzlichen Sache irgend einen Lohn für ihre Erfindung hatten. Die meisten starben im Elende. Es geht ihnen, wie dem armen Bergmanne, der das Gold aus dem Schoße der Erde fördert, wie dem armen Neger, der in Brasilien Demanten graben muß, und kaum Brod dabei gewinnt; für ihn hat Gold und Demant keinen Werth; was er ausgrub, erhält erst in jenen Händen Werth, und bringt erst denen Genuß, die nie gegraben haben. Der wahre Erfinder kann nie daran denken, daß es möglich ist, ihn für einen Plagiarius zu halten; denn er weiß nur zu wohl, daß das Ding selbst aus ihm hervorgegangen ist, und daß kein Gott ihm das Nehmen kann, was er erfunden hat. Ich fordere jeden auf, mir nachzuweisen, daß vor dem Jahre 1792 ein Mensch daran dachte, Windbüchsen zum Tauchen zu verwenden. Daß ich damahls aber mich damit beschäftigte, dafür kann ich stündlich zwei Zeugen stellen: Hrn. Dr. J. U. Handschky zu Wien, und Hrn. Dr. Gegenbauer, Badearzt zu Töplitz. Hr. Beaudouin hat zu erweisen, daß er Ao. 1792 diese Idee hatte, und sich mit ihrer Ausführung beschäftigte.

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Seit wie viel Jahren? Ein ordentlicher Künstler schreibt unter seine Werke die Jahrzahl wenigstens, wenn nicht den Tag.

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Wenn Hr. Beaudouin „fremde Journale und Alles“ (journaux étrangers- tout) zu Rathe gezogen hat, so mußte ihm auch das Mechanics' Magazine, in welchem man meine Idee zuerst aufführte, und Dingler's Journal nicht fremd geblieben seyn, in welchem seine Erfindung schon im J. 1825 deutlich beschrieben ist. Es ist also entweder unrichtig, daß er Alles gelesen hat, oder daß Er diese Erfindung gemacht hat; eines von beiden ist unwahr.

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Es muß sehr tröstlich für gewisse Minister seyn, Ihren Hrn. Collegen in Frankreich in demselben Falle zu sehen, in welchem sie sich selbst oft befinden, nämlich das Gute, der Majestät des Königes und den Kammern zum Troze, mit aller ministeriellen Gewalt zu hindern.

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Dieß wird Hrn. Beaudouin zu ewiger Ehre gereichen, und nichts wird ihm den Ruhm streitig machen, dasjenige glüklich ausgeführt zu haben, was andere nur als ausführbar vorlegen konnten, indem es ihnen unmöglich war, Versuche anzustellen. Als ich noch zu Wien lebte, wo ich Künstler zu Gebothe hatte, wollte ich, solang der Krieg währte, keinen Versuch anstellen, theils weil ich erwartete, Fourcroy oder seine Freunde würden Versuche anstellen lassen, theils weil ich besorgte, daß bei der Einfachheit meiner Vorrichtung, die jeder Pontonnier beim ersten Blike begreifen muß, Mißbrauch davon gegen die Alliirten meines ursprünglichen Vaterlandes gemacht werden könnte. Als ich später in mein Vaterland zurük kehrte, fand ich in der Stadt, in der ich 18 Jahre lang lebte, nicht einen Klempner, der eine luftdichte Kugel, viel weniger eine, die einen Druk von 80 bis 100 Atmosphären auszuhalten vermag, verfertigen konnte; in der Hauptstadt selbst keinen Künstler, der einen tragbaren Gasapparat verfertigen konnte. Ich war an meine Theorie geschmiedet, wie Prometheus an den Fels am Kaukasus, und die Männer, die ich zur Prüfung meiner Theorie durch Versuche aufforderte, die ihnen nichts gekostet hätten, würdigten mich nicht ein Mahl einer Antwort. Hr. Beaudouin hat durch Versuche die Richtigkeit meiner Theorie erwiesen, und dafür bin ich ihm den herzlichsten Dank schuldig, den ich ihm mit Vergnügen auch dann zollen würde, wenn ich wüßte, daß er meine Ideen für die seinigen ausgibt. Es ist möglich, daß er dieselben Ideen hatte, ohne von den meinigen etwas zu wissen; (les beaux esprits se rencontrent toujours, sagen seine Landsleute) aber dann hat er sie nicht früher gehabt, und hat nicht, wie sein Advocat sagt „Alles“ gelesen.

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Das ist viel zu schwer! Das Both könnte füglich zehn Mahl leichter seyn.

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Diese Vorrichtung ist überflüßig. Sobald die specifische Schwere des Bothes einmal bestimmt ist, kann man ohne alle diese kostbaren und müheseligen Umständlichkeiten das Both sinken und steigen machen. Diese von dem Nautilus entlehnte Einrichtung ließe sich nur dann mit Vortheil anbringen, wenn der Taucher mittelst meines Apparates frei und weit herumschwimmen und sich unter feindliche Schiffe legen wollte, um sie anzubohren.

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wie 52.

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Dieß ist die Hauptsache, und darin besteht meine Erfindung, wie Sie und jeder Ihrer Leser sich aus meinem Schreiben an Sie dd. 23. Sept. 1825 in Ihrem polytechn. Journ. B. XVIII. S. 181, Zeile 17 von unten, überzeugen kann.

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Wir wissen nicht in wiefern diese Weise, die Windbüchsen oder Luftbehälter zu laden, bequemer ist, als die gewöhnliche gemeine.

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Die gewöhnliche Nuß-Vorrichtung und eine Schlußbüchse thut dasselbe.

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Dieß ist die uralte, eben so notwendige als treffliche, Vorrichtung, mittelst welcher Halley schon seinen Horaz in seiner Tauchergloke las.

|114|

Ich sagte a. a. O. beinahe mit denselben Worten S. 182: „so wird ein Heim aus verzinntem Eisenbleche oder Kupfer, in welche der Taucher-Kopf und Hals stekt, die mit einer hinlänglichen Menge von Luftmagazinen etc.“

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Dieses ist ganz überflüßig.

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Wie oben Note 58.

|115|

Ist ganz überflüßig.

|115|

„Dieser Helm wird mittelst Riemen etc. gehörig befestigt,“ schrieb ich a. a. O. S. 132, Zeile 5 von unten.

|115|

Das ist eine allen Tauchern bekannte, und in alten Taucherbüchern abgebildete Vorrichtung.“

Hr. Beaudouin hat, wie er sich und die Commission später gewiß selbst überzeugen wird, seine Vorrichtung überladen. Er wird sich überzeugen, daß die Hauptsache in der zusammengedrükten Luft in den Windbüchsen und in den damit versehenen Helmen besteht. Die Sache ist so einfach, daß sich nicht begreifen läßt, wie man sie compliciren kann.

|115|

Es ist doch sonderbar, daß Hr. Beaudouin des Seekrieges hier mit keiner Sylbe erwähnt: in diesem werden die Bateaux sous-marins (die Untersee-Bothe, wenn man sie so nennen darf), ehe noch zehn Jahre herum seyn werden, eine eben so wichtige Rolle spielen, als jezt die Brander. Vielleicht sprach er absichtlich nicht davon, indem er wohl eingesehen haben wird, wie leicht und bequem es ist, mit einem Untersee-Bothe, das sich am Kiele anlegt, ein Linien-Schiff in die Luft zu sprengen.

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Oben hieß es im Originale 25ten, hier heißt es eben daselbst: 23sten.

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Hr. Castèra erklärt sehr männlich und schön, daß ihm die Weise, die Luft in Windbüchsen zusammengedrükt aufzubewahren, neu war; wie er aber die Idee, das Both unten offen zu halten, glüklich nennen kann, sehen wir nicht ein, da es ja nur eine anders gestaltete Tauchergloke ist, die unten immer offen seyn mußte. Sollte es jedoch im Seedienste Fälle geben, in welchen das Both Stunden weit und schnell mit der Fluth unter Wasser zu schiffen hätte, so würde der offene Boden höchst nachtheilig und überflüßig seyn. Ein tragbares luftdichtes Eskimo-Both mit einigen Duzenden Windbüchsen-Flaschen reicht hin.

|117|

Nämlich meine Erfindung.

|117|

Im Felde der Industrie ist aber der Kamtschadale so gut Nachbar des Parisers, als die heiligen Väter in Montrouge. Wo es sich um nüzliche Erfindungen handelt, mischt sich nicht bloß Privat-Interesse, sondern National-Ehre mit in's Spiel. Man lese nur Beckmann's und White's Geschichte der Erfindungen.

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Hiervon haben Sie in Ihrem Journale Bd. 26. S. 173. Nachricht gegeben.

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Wahrscheinlich ist Hr. Clairet der Verfasser dieser Notiz, die, so scheint es mir wenigstens, das Unglük hat, einen Advocaten-Zuschnitt zu haben. Es ist nicht der Mann, der spricht, sagten die alten Franzosen von solcher Arbeit, es ist die Perruke. Das Ende scheint uns, wie der Anfang, mehr Mißtrauen als Zutrauen für das schöne Resultat zu erweken, das Hr. Beaudouin am 23. Mai zu Andelys erhalten hat. Man wird indessen in Italien, wo man Borelli's, in dem ehrwürdigen Schweden, wo man Teichmeyer's Verdienste um die Taucherkunst nicht vergessen haben wird; in Holland, wo man des alten, so oft verschrieenen, Drebbel's Ehre gerettet sehen wird; in Nord-America, wo man, wie Hr. Church sagte, bereits Untersee-Bothe besizt; vielleicht auch in dem stolzen England der Anwendung der Windbüchsen in der Taucherkunst endlich seine Aufmerksamkeit schenken, und wenn man den Franzosen die Ehre der Erfindung der Aeronautik, der Luft-Ballons, ewig mit Dank zugestehen wird, so wird man auch den Deutschen die Ehre nicht rauben, die Kunst in die Tiefe zu tauchen vervollkommnet zu haben.

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