Titel: Mérimée's Bericht über das in Rußland gebräuchliches Gärben des Leders.
Autor: Mérimée,
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. LII. (S. 188–196)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/ar027052

LII. Bericht des Hrn. Mérimée, im Namen des Ausschusses der chemischen Künste, über eine Abhandlung des Hrn. Grafen Kartzoff über das in Rußland gebräuchliche Verfahren bei dem Gärben des Leders.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. N. 280. S. 551.

Hr. Graf Kartzoff, correspondirendes Mitglied dieser Gesellschaft, versprach bei seiner Rükkehr nach Rußland uns Aufklärung über jeden beliebigen Zweig der Industrie seines Vaterlandes zu geben. Der Ausschuß der chemischen Künste benüzte das gütige Anerbiethen, und wünschte genaue Nachricht über die Behandlung der Häute. Hr. Graf |189| Kartzoff hat sein Versprechen treu erfüllt, und Alles, was wir zu wissen verlangten, ist in seiner Abhandlung klar entwikelt.

Diese Abhandlung ist nicht das Resultat verschiedener Auskünfte, die von mehr oder minder unterrichteten Individuen gegeben wurden; sie ist die Frucht eigener Beobachtungen des Verfassers, der absichtlich mehrere Gärbereien in der Nähe von Moskau, und in dem Inneren von Rußland besuchte. Die Kenntnisse des Beobachters sind uns Bürge, daß kein wichtiger Umstand vernachläßigt wurde.

Die Bearbeitung der Häute ist eine der ältesten Künste, die ihre Verbesserungen lediglich aus der Erfahrung allein erhalten hat; es darf uns also nicht wundern, daß das rußische Leder im Handel berühmt war, ehe noch die Gärbereien dieses Landes den mindesten Unterricht aus civilisirteren Ländern erhielten. Rußland hat jezt in seiner Bevölkerung beinahe alle Grade von Civilisation: man findet jezt daselbst Gärbereien mit allen Einrichtungen, welche eine höhere wissenschaftliche Aufklärung in die Werkstätten der Gärber in Deutschland und England allmählich eingeführt hat, und auch noch solche, wo man das Verfahren der Baschkiren aus den Zeiten der Kindheit der Gärberei angewendet und befolgt sieht. In einigen Gegenden des Ural-Gebirges „(so glauben wir wenigstens die contrées des monts Oukals übersezen zu müssen),“ werden die Häute noch heute zu Tage dadurch gefärbt, daß man sie eine lange Zeit über der Einwirkung des Rauches aussezt, und sie werden bei diesem rohen Verfahren so dicht, so undurchdringlich gegen Nässe, daß man sich derselben als Gefäße bedienen kann.

Undurchdringlichkeit für Nässe ist eine der Haupteigenschaften des rußischen Leders; es verdankt diese Eigenschaft nicht sowohl dem eigentlichen Gärben, das in Rußland von der gewöhnlichen europäischen Verfahrungsweise bei dieser Arbeit wenig abweicht, als den weiteren Kunstgriffen bei dem Zurichten des Leders. Man bedient sich hierzu des Seehund-Thranes (l'huile de veau marin), und des brennzeligen Oehles, welches man durch Destillation der weißen Birkenrinde erhält.

Man hat vor einigen Jahren in dem Bulletin unserer Gesellschaft ein Verfahren beschrieben, dieses Oehl auf eine sehr einfache Weise mittelst zweier eiserner Kessel per descensum zu bereiten.95) Das Verfahren des Grafen Kartzoff ist noch einfacher; es bedarf keiner Kessel, ja nicht einmahl des Brennens des Holzes. Man nimmt irdene Töpfe mit einem Loche am Boden, und sezt sie auf Kufen, die als Recipienten dienen. In diese Töpfe gibt man die weiße Birkenrinde, die man so fest einträgt, als möglich; zündet die Rinde an, |190| die leicht Feuer fängt: bedekt den Topf mit einem ähnlichen Topfe, dessen Boden gleichfalls mit einem Loche versehen ist, durch welches der dike Rauch ausfährt, während das empyreumatische Oehl nach und nach bei dem Loche an dem unteren Boden ausfließt.96) Bei dieser Verfahrungs-Weise geht allerdings Oehl durch den Rauch verloren;97) allein, da die Rinde so leicht zu haben ist „(in Bärenländern, aber nicht bei uns),“ so darf man eben nicht sparen.

Man beschäftigt sich mit dieser Arbeit gewöhnlich im Frühjahre. Einige Birkenöhlbrenner nehmen auch dünne Reiser mit Birken-Knospen dazu, wodurch der Ausfluß des Oehles begünstigt und weniger Ruß erhalten wird.

Wenn man diese dünnen Zweige in einem gewöhnlichen Destillir-Apparate mit frischer Rinde und etwas Wasser destillirt, so erhält man ein sehr flüßiges, wenig gefärbtes, und angenehm riechendes Oehl, das beinahe wie Rosen riecht.

In den Regierungs-Bezirken von Archangel, Wologda, Novogorod, Wiatka, und in mehreren anderen beschäftigt man sich mehr oder minder mit dieser Oehlbrennerei; die Ausfuhr desselben ist bedeutend. Die Engländer kaufen viel solches Oehl zu Archangel.

Daher kann man sich auch erklären, warum man in England so viel Leder findet, das nach Juften riecht. Die Engländer sind zu kluge Kaufleute, als daß sie in Rußland zugerichtetes Leder kaufen sollten. Sie kaufen nur die Materialien, die man zur Zurichtung des Leders braucht, und erhalten dasselbe um einen höchst wohlfeilen Preis. (das Kilogramm zu 55 Centim. [„2 Pfund um etwas mehr als 14 Kreuzer.“]).

Wo man keine Eichenrinde hat, nimmt man Weidenrinde. Diese Rinde ertheilt dem Leder einen eigenen aromatischen Geruch, der sich nicht leicht verliert. Diesen Geruch findet man an dem dänischen und schwedischen Handschuhleder („das davon bräunlich wird“).

Hr. Graf Kartzoff schikte solche Weidenrinde,98) eine Flasche Birkenöhl, und eine Flasche Seehund-Thran etc.

Auszug aus der Abhandlung des Hrn. Grafen Kartzoff über das in Rußland gebräuchliche Verfahren bei dem Gärben des Leders. Von Hrn. Mérimée.

„Die wichtigsten Gärbereien Rußlands liegen in den Regierungs-Bezirken |191| Nischney-Novogorod, Orlow, Moskau, Perm, Kursk und Wladimir. Kasan besizt eine von Peter dem Großen gegründete ungeheuere Gärberei, die der Regierung gehört, und deren Leder zum Dienste der Flotte bestimmt ist.99) Was Bok- und Kalbfelle zur Bereitung des Maroquins und Buchbinderleders (Basane) betrifft, so hat Kasan sich dieses Zweiges der Industrie ausschließlich bemächtigt. Es sind vorzüglich Tartaren, die in den zahlreichen Werkstätten dieser Stadt arbeiten. Die Weise, wie sie die Ziegenfelle bearbeiten, weicht von den gewöhnlichen Verfahrungs-Weisen nur darin ab, daß sie sich saurer Stutenmilch bedienen, in welche sie die Häute nach dem Abhaaren bringen. Diese Bereitungsart gibt dem Maroquin jene Weichheit, die ihn so sehr auszeichnet, und zu dem verschiedenen Gebrauche, den man von demselben zu machen pflegt, so sehr eignet.

Wenn die Häute troken sind, taucht man sie in Wasser, damit sie weich werden. Der Grad ihrer Trokenheit und die Temperatur der Luft bestimmt die Dauer dieser Operation. Im Sommer läßt man sie ungefähr 4 bis 5 Tage lang im Wasser; im Winter zwei Mahl so lang.

Hierauf werden die Häute gewaschen, um sie vom Blute und von allen Unreinigkeiten auf ihrer Oberfläche zu säubern. Man zieht sie in dieser Hinsicht nach allen Seiten hinaus, und schreitet dann zum Abhaaren, welches auf folgende Weise geschieht.

Mall legt die Häute in Wasser, welchem man vorläufig gelöschten Kalk zugesezt hat, und läßt sie mehr oder minder lang in dieser Kalkkufe, je nachdem die Kaltmilch mehr oder minder stark ist. Anfangs bringt man 80 Kilogramm Kalk in jede Kufe, und wenn man bemerkt, daß die Kalkmilch zu schwach geworden ist, sezt man neuen Kalk zu. Diese Kufen sind aus Tannen- oder Fichten-Holz verfertigt, und jede Kufe hält ungefähr 26 Decimeter im Durchmesser, und 22 Decimeter in der Höhe. Man beschlägt sie mit eisernen Reifen, und senkt sie einige Zoll tief in den Boden der Werkstätte, um sie dann mit Brettern umlegen zu können.

Diese Art Abzuhären (das Abpälen) wird bei den schweren Häuten nicht angewendet. Man bringt dieselben in Kasten, wo man sie übereinander ausbreitet, und, um die Gährung zu verhindern, mit Salz bestreut. Man bereitet auch, zumahl für dünnere Häute, ein saures Bad aus Roken-Kleie.

Man sieht öfters des Tages bei den Häuten nach, um den Augenblik nicht zu versäumen, wo die Haare anfangen abzugehen. Man nimmt diese zugleich mit der Oberhaut ab, indem man die Haut auf |192| einem halbwalzenförmigen Boke („dem Gärber- oder Schabebaume“) mittelst eines Messers mit zwei Griffen, dessen Schneide rund und stumpf ist, abschabt. Hierauf werden sie an der inneren oder Fleischseite mittelst eines scharfen Messers („des Streicheisens“) ausgestrichen, Ochsenhäute werden nicht ausgestrichen, weil man der Haut gern ihre ganze Dike beläßt; man begnügt sich Haare und Oberhaut abgeschabt zu haben.

Um den Kalk wegzuschaffen, der während des Enthaarens in die Häute eingedrungen ist, wäscht man sie mehrere Mahle aus. Zu diesem Ende bringt ein Arbeiter dieselben, eine nach der anderen, in eine seichte Kufe, tritt sie mit den Füßen, und kehrt sie dabei immer um, und begießt sie so lange mit heißem Wasser, bis dieses ganz klar wegläuft, worauf sie in kaltem fließenden Wasser einen oder zwei Tage lang eingehängt werden.

Auf das Enthaaren folgt das Gärben. Damit aber die auflösbaren Theile der Eichenrinde in die Haute eindringen können, öffnet man die Poren, indem man die Häute auftreibt. In dieser Absicht taucht man sie in eine, aus Mehl bereitete, saure Flüßigkeit („die Treib- oder Schwell-Farbe“). Für eine Kufe von obigem Durchmesser und halber Tiefe, werden bald 500 Kilogramm Rokenmehl und 2 oder 3 Kilogramm Salz in laues Wasser eingerührt; bald 200 Kilogramm Habermehl, 3 Kilogramm Salz und etwas Sauerteig; in einigen Gärbereien nimmt man an der Stelle obiger Brühen einen Aufguß von Gärberlohe in lauem Wasser. Sobald saure Gährung eingetreten ist, bringt man die Häute in die saure Flüßigkeit, und läßt sie 48 Stunden lang, oder noch länger in derselben. Auf eine Haut von mittlerer Größe nimmt man 8 Kilogramm (ungefähr 16 Pfund) Mehl.

Die auf diese Weise zur Gährung vorbereiteten Häute werden nun der Einwirkung eines schwachen Eichen- oder Weiderinde-Aufgusses ausgesezt: leztere zieht man vor, weil man sie für reicher an Gärbestoff hält.100) Nachdem die Häute aus dieser ersten Lohebrühe gekommen sind, werden sie auf einen hölzernen Rahmen in der Lohegrube, in welcher die Lohe sich befindet, mit der Narbenseite nach außen ausgebreitet. Man legt sie daselbst übereinander, indem man jede Haut gleichförmig mit einer Lage grob gestoßener Lohe überstreut, und in dem Maße, als der Haufen größer wird, läßt man den Rahmen immer tiefer in die Grube hinab, bis er endlich auf dem Boden aufstößt, den man vorläufig mit einer Schichte Lohe bedekte. Wenn die Grube endlich voll geworden ist, begießt man die Häute mit |193| Wasser, oder besser mit der Lohebrühe, die von der vorigen Arbeit übrig bleibt, bedekt sie dann mit Brettern, die man mit Steinen beschwert, oder mittelst senkrechter Stangen befestigt, die man gegen die Deke der Werkstätte stüzt. In diesem Zustande läßt man alles 14 bis 18 Tage, wo man dann die Häute herausnimmt, abkehrt, und die Lohe wechselt. Diese Arbeit wird, nach Art des Leders, drei bis sechs Mahl wiederholt: sehr dünne Häute dürfen bloß zwei Mahl gewechselt werden.

Wenn das Leder aus der Lohgrube kommt, hat es eine gewisse Steifheit, welcher man dadurch abzuhelfen sucht, daß man es 24 bis 38 Stunden lang in eine Flüßigkeit taucht, die aus 60 Kilogramm Habermehl und 4 Kilogramm Salz in Wasser bis zur Consistenz eines dünnen Breies eingerührt einweicht. Diese Masse reicht für 150 Häute von mittlerer Größe hin. Hierauf werden die Häute ausgewaschen, und man läßt sie abträufeln, um ihnen die lezte Zurichtung, das Fett, zu geben.

Seehunde-Thran101) und reiner Birkentheer oder Birkenöhl sind die Substanzen, deren man sich zur Zurichtung des Leders bedient. Sie werden auf folgende Weise angewendet.

Das noch nasse Leder kommt verkehrt auf einen großen Tisch. Der Arbeiter taucht seine Hand in die Mischung, fährt mit derselben über das Leder, und verbreitet sie darüber so gleichförmig, als möglich.

Das Gelingen dieser Arbeit hängt vorzüglich von der Uebung und Geschiklichkeit des Arbeiters ab. Das Verhältniß des Birkentheeres zum Thrane ist nach der Natur und Eigenschaft des Leders verschieden. Gewöhnlich nimmt man Ein Drittel Theer, und zwei Drittel Thran. Zuweilen nimmt man zwei Drittel Theer, und trägt noch eine zweite Lage auf die äußere Oberfläche auf, um sie dem Wasser noch mehr widerstehen zu machen. In einigen Werkstätten, wo man dem Leder so viel Weiße, als möglich zu erhalten wünscht, begnügt man sich mit reinem Oehle, und sezt demselben etwas Rindfett zu. Ein halb Pfund reicht auf eine Haut von mittlerer Größe hin.

Nachdem die Häute eingefettet worden sind, werden sie auf einem luftigen Hängeboden aufgehängt, wo sie so lange bleiben, bis sie vollkommen troken geworden sind. Im Winter läßt man sie frieren, wodurch sie sehr weiß und schön werden.

Die Baschkiren und Kirgisen bedienen sich des Rauches zur Bereitung ihres Leders, der ihnen gewisser Massen statt des Gärbestoffes |194| dient. Sie spannen die Häute, während sie noch grün sind, zwischen Pfählen aus, die in die Erde eingetrieben sind, und nehmen hierauf das Haar mittelst einer gebrochenen Sichel weg, die sie in ein Stük Holz in Form eines Böttcher-Messers einpassen. Die in der Sonne getrokneten Häute werden bis zum nächsten Frühjahre aufbewahrt.

Bei Wiederkehr der schönen Jahreszeit gräbt man eine Grube von solcher Größe, wie die Anzahl der Haute sie fordert, in die Erde, und zieht darüber Strike oder Stangen parallel gegen einander, die mit ihren Enden auf dem Rande der Grube ruhen. Hierauf wird, in Entfernung von 1 1/2 Meter, ein rundes Loch gegraben, welches mittelst eines Canales mit der Grube in Verbindung steht. In das Loch kommt das Brennmaterial, vorzüglich faules Holz, das viel Rauch gibt.

Wenn das Holz angezündet worden, wird das Loch zugemacht; der Rauch tritt durch den unterirdischen Canal in die Grube, und verbreitet sich über den Häuten. Wenn diese Räucherung 12 bis 14 Tage lang unterhalten wurde, sind die Häute hinlänglich mit den flüchtigen Producten der Verbrennung durchdrungen, um einige wesentliche Eigenschaften des gegärbten Leders zu erhalten; sie werden sogar dadurch für Nässe undurchdringlicher, als europäisches Leder; denn die Baschkiren bedienen sich dieses Leders nicht bloß zu Schuhen, sondern sie verfertigen daraus sogar Gefäße und Schläuche.102)

Das Zurichten des Leders geschieht in Rußland auf die überall gewöhnliche Weise, nur daß das Leder mit einer 7–8 Zoll langen, und 3 Zoll breiten kupfernen gefurchten Platte gestrichen wird, auf welche der Arbeiter sich mit der Hand stüzt. Dadurch wird die Oberfläche außerordentlich körnig.

Die Seehunde, die den Thran zur Lederbereitung liefern, finden sich im caspischen Meere in sehr großer Menge. Man siedet dieses Fett in Kesseln aus Gußeisen aus, und gießt es in Fässer. In diesem Zustande kann es nur mehr bei einer Temperatur von 12° am hundertgradigen Thermometer stoken, und wird so im Handel unter dem Namen Seehunde-Thran oder Seehunde-Oehl (huille de veau marin) verkauft. Man bereitet es zu Kaluma, und sezt dort gewöhnlich noch das Fett eines Fisches zu, der Beluga heißt.103) Im Fasse wird dieser Thran nie vollkommen klar; wenn man aber denselben in einer Flasche der Einwirkung der Sonnenstrahlen aussezt, so bildet sich nach ungefähr 24 Stunden ein leichter Bodensaz, der Thran wird sehr klar, und färbt sich nach und nach.

|195|

Ein anderer Thran zu demselben Gebrauche wird aus verschiedenen Seehunden bereitet, die man im Eismeere fängt, und nach Archangel führt. Man nimmt zwei verschiedene Operationen mit demselben vor. Die erste, das rohe Schmelzen (fonte crue) geschieht in freier Luft mittelst Sonnenwärme in großen hölzernen geneigt liegenden Rinnen, in welchen das von der Sonne geschmolzene Fett abläuft; die zweite, das Aussieden (fonte cuite) geschieht in kupfernen Kesseln.

Den Birken-Theer, der um 55 Centimen das Kilogramm verkauft wird, muß man so rein als möglich zu erhalten suchen. Man erhält dieses flüchtige Oehl aus der korkartigen Oberhaut der Birke, die man von dem darunter gelegenen rindenartigen Theile des Baumes ablöst, und dann destillirt.“

(Nun wird die Destillatio per descensum in diesem Auszuge mit denselben Worten, wie oben im Berichte, beschrieben, die wir nicht wiederholen wollen.)

„Dieses Verfahren ist noch einfacher, als jenes, welches Joh. Fischerström beschrieben hat, und welches sich im Bulletin de la Société d'Encouragement November, 1822, S. 374 befindet; es gibt aber weniger.

In den Provinzen, in welchen man sich dieses Verfahrens im Großen bedient, wie in den Regierungsbezirken von Archangel, Wologda, Novogorod, Wiatka, bedient man sich hierzu vorzugsweise gegossener eiserner Kessel.

Da man bei Anwendung der Reiser mit der Rinde zugleich weniger Ruß und weniger dunkel gefärbten Theer erhält, so zieht man aus eben diesem Grunde frische Rinde auch der troknen vor.

Man erzeugt in Rußland nicht bloß so viel Birkenöhl, als man braucht, sondern führt auch davon noch aus.104)

|189|

Polytechn. Journ. Bd. VII. S. 181. und Bd. VIII. S. 386. A. d. R.

|190|

Es ist sonderbar, daß weder der Hr. Graf Kartzoff, noch der gelehrte Hr. Mérimée bemerkt, daß der alte ehrliche Schwede Kalm diese Methode in seiner Westgothischen Reise schon vor bald 100 Jahren beschrieben hat. (Vergleiche Böhmer's techn. Gesch. d. Pfl. 2. Th. S. 400. A. d. Ueb.

|190|

Kalm a. a. O. lehrte diesen Verlust vermeiden. A. d. Ueb.

|190|

Man weiß in Deutschland längst, daß Weidenrinde ein gutes Gärbe-Material ist. Böhmer, Beckmann, Burgsdorf, und auch Pallas haben uns dieß vor 50 Jahren gelehrt. A. d. Ueb.

|191|

Das ist eine schlechte Wirtschaft. Staaten sollen keine Fabriken auf ihre Rechnung betreiben. A. d. Ueb.

|192|

Dieß ist zuverläßig nicht der Fall. Sie dient aber deßwegen besser, weil sie weniger Gärbestoff enthält. Der Hr. Verf. wünscht ja selbst, wie gewiß jeder Gärber mit ihm, einen schwachen Aufguß, eine schwache Lohbrühe zum ersten Gärben der Häute. A. d. Ueb.

|193|

Das wissen wir längst aus dem alten Ritschkow. Sonderbar ist es indessen, daß ein Drukfehler in der deutschen Uebersezung Ritschkow's in alle Handbücher der Technologie, selbst in Beckmann's, überging. Der unsterbliche Beckmann konnte nicht begreifen, wie „Schundefett“ zu Juften kommt. Das Schundefett ist Seehundefett. A. d. Ueb.

|194|

Dieses Verfahren ist in dem Bulletin de la Soc. d'Encour. XII. Jahrg. S. 211. umständlich beschrieben. A. d. O.

|194|

Beluga ist nichts anderes als der Hausen, Acipenser Huso. A. d. Ueb.

|195|

Unsere deutschen Gärber und Leder-Fabrikanten werden aus dieser Abhandlung des Hrn. Grafen Kartzoff nichts gelernt haben, gar nichts, was sie nicht schon wüßten, oder aus Beckmann, Böhmer etc. wissen könnten. Indessen ist es nichts weniger als ausgemacht, daß das rußische Leder und vorzüglich Juften auf die hier angegebene Weise bereitet wird. Die Berichte über Juften-Bereitung, welche uns Ritschkow, Pallas, Lepechin u.a. gegeben haben, weichen so sehr von einander ab, daß wir hierüber noch nichts weniger als im Reinen sind. Graf Kartzoff gibt das von Ritschkow längst beschriebene Verfahren an. Lepechin läugnet aber, daß man Birkenöhl, oder auch Post (Ledum palustre), wie einige sagen, zur Bereitung braucht. Wer hat nun Recht? So viel wissen wir indessen mit Gewißheit, daß es rußischen Schriftstellern ehemahls nicht erlaubt war, die Wahrheit über gewisse Gegenstände der Industrie und des Handels zu schreiben, und daß ihre Manuscripte gottlos durchstrichen, und sogar verfälscht wurden. Das war die ehemahlige rußisch-chinesische Politik; ob sie jezt noch so ist? Auffallend war es uns hier in einer Abhandlung über Gärberei kein Wort über die Häute selbst zu finden, aus welchen doch eigentlich das Leder wird. Wenn die Buenos-Ayres-Häute immer ein besseres Leder liefern werden, als die Häute unserer Mast-Ochsen und unseres verkrüppelten Stallviehes, deren Häute so schwammig sind, wie ihr Fleisch, so |196| läßt sich, wie es scheint, mit Recht vermuthen, daß auch der russische Ochs, der, zumahl im südlichen Rußland, so wie der ungarische Ochs, den größten Theil seines Lebens über unter freiem Himmel und seiner Ochsennatur gemäßer lebt als unser Stallvieh, eine stärkere und kräftigere Haut bekommen wird, als dieses; eine Haut, die jener der Ochsen in Südamerica, die, so zu sagen, im Ochsenparadiese auf Erden leben und nie unter Dach kommen, weit näher kommt, als die Häute unseres verkrüppelten Hornviehes. Nur diejenigen Länder, in welchen die Cultur noch auf der niedrigsten Stufe steht, und wo die Thiere ihrer Natur gemäß leben können, können uns gute Häute liefern, die, selbst bei schlechterer Gärbung, besseres Leder liefern werden, als unsere verzärtelten Rinder bei der höchsten Gärbekunst. A. d. U.

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