Titel: Hardcastle, über Englands Handel.
Autor: Hardcastle, Daniel
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. LXXX. (S. 301–310)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/ar027080

LXXX. Ueber Englands Handel. Verhältniß des amtlichen Werthes zum erklärten oder wirklichen bei allen aus England und Schottland (mit Ausnahme Irlands) nach allen Welttheilen vom J. 1814. bis 1826 ausgeführten Artikeln. Von Daniel Hardcastle.

Aus dem Recueil industriel, Decbr. 1827, S. 521.

Textabbildung Bd. 27, S. 301
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Textabbildung Bd. 27, S. 302

Hr. Daniel Hardcastle „(eigentlich Page de la Bourse)“ 159) erklärt zuvörderst, was man unter amtlichem Werth (valeur officielle) versteht. Dieser Werth wurde von der Regierung seit vielen Jahren als Durchschnitt (mittlere Proportionale) der Verkaufspreise angenommen, um als Vergleichungspunct bei der Ausgleichung der Ein- und Ausfuhr jeder Waare zu dienen und Daten zur Rechnung zu geben, durch welche man der Wahrheit so nahe als möglich kommen kann.

Da die Anwendung der Maschinen und Verbesserungen sowohl im Einzelnen als im Allgemeinen die alten Werthe der Waaren sehr veränderten, so figurirt der amtliche Werth, den die Regierung noch heute zu Tage in ihren Rechnungen aufzuführen fortfährt, nur als eine imaginäre Größe.

Man behauptet, sagt der Verfasser, daß der amtliche Werth über |303| die Menge der Ausfuhr Aufschluß gibt; für sich allein vermag er dieß aber eben so wenig, als der erklärte.

So sagt man es z.B. eben so wenig, wie viel Yards Leinwand im J. 1814 ausgeführt wurden, wenn man den amtlichen Werth derselben zu 1,524,457 Pf. Sterl. angibt, als wenn man den erklärten Werth zu 1,701,384 Pf. Sterl. hinschreibt.

Indessen ist der amtliche oder eingebildete (imaginäre) Werth doch nicht ohne allen Nuzen, indem er zeigt, ob die Menge der Ausfuhr zugenommen oder abgenommen hat.

Man seze z.B. den amtlichen Werth von 1,524,457 Pf. St. = 100 für die Menge der Ausfuhr im J. 1814, so wird, da die Ausfuhr vom J. 1826 zu 2,056,760 Pf. Sterl. 134 gibt, einen Ueberschuß für das leztere Jahr von 34 p. Cent zeigen.

Der erklärte Werth gibt keine Gewißheit, weil er auf keiner festen Basis beruht, und im Gegentheile nach einer Menge von Umständen sich ändert. Er kann also nie die Vermehrung oder Verminderung der Ausfuhr anzeigen; hat aber auf der anderen Seite den Nuzen, uns den wirklichen Maßstab des Productes unseres Absazes im Auslande zu geben.

Nach diesen Vergleichungs-Puncten können wir mit Sicherheit schließen, daß, obschon der amtliche Werth vom J. 1814 (24,439,684 Pf. Sterl.) sich im J. 1826 auf 32,399,174 Pf. Sterl. erhob, der wirkliche Werth des Ertrages unseres Verkaufes im Auslande von 28,788,940 Pf. Sterl. im J. 1814 bis auf 20,652,623 Pf. Strl. im J. 1826 herabging.

Hieraus folgt, daß der wirkliche Ertrag einer geringeren Menge im J. 1814 viel größer war, als der Ertrag einer weit größeren Menge im J. 1826. Um diesen Saz noch deutlicher zu machen, wollen wir ihn auf die Baumwollen-Fabrikate besonders anwenden.

Wenn wir annehmen, daß die Menge der Ausfuhr im J. 1814 nach dem amtlichen Werthe 100, und das Product des Ertrages 16,690,365 Pf. Sterl. war, und dieser amtliche Werth 17,395,796 Pf. Sterl. wirklichen oder erklärten Werthes gab, so übertrifft lezterer den ersten um 4 1/4 oder um 4 Pf. Sterl. 5,0.

Wäre der wirkliche Werth derselbe im J. 1826 geblieben, wie im J. 1814, so würde man folgendes Resultat erhalten haben:

Da der amtliche Werth (unter der Annahme, daß er eine Menge = 100 ausdrükt) im J. 1814 = 16,690,365 Pf. Sterl. war, so würde der amtliche Werth von 21,445,565 im J. 1826 statt 100 eine Menge von 128,49 ausdrüken, und da der amtliche Werth = 100 im J. 1814 einen wirklichen Werth von 104,21 gab, so würde |304| der amtliche Werth von 128,49 einen wirklichen Werth von 132,70 geben.

Der amtliche Werth vom Jahre 1826 war aber 21,445,565 Pf. Sterl. und der wirkliche Werth nur 10,522,357 Pf. Sterl., so werden obige 132,70 auf 63,04 reducirt; oder deutlicher gesprochen, das Yard (3 Fuß, oder die Elle) das im J. 1814 ausgeführt wurde, gab dem Lande eben so viel Nuzen, als 2 1/8 Yards (oder 2 1/8 Ellen), die im J. 1826 ausgeführt wurden.

Eine solche Thatsache verdient reifliche Erwägung.

Denn, wenn der wirkliche Werth der erzeugten Baumwollen-Waaren in demselben, oder vielmehr in einem noch größeren Verhältnisse abnimmt, als die Menge der erzeugten Baumwollen-Waaren zunimmt, so muß die Verfertigung derselben aufhören dem Lande vortheilhaft zu seyn.

Baumwollen-Garn gibt, nach demselben Grundsaze, folgendes Resultat.

Die im J. 1814 ausgeführte Menge (= 100) hatte einen amtlichen Werth von 1,119,850 Pf. Sterl., die einen wirklichen von 2,791,249 Pf. Sterl. gaben. Folglich gaben 100 Pf. amtlichen Werthes 249,25 wirklichen Werthes, oder einen Ueberschuß von 149 Pf. Sterl. 5 Shill.

Wäre der wirkliche Werth vom J. 1814 noch im J. 1826 geblieben, so müßte der amtliche Werth des in diesem Jahre ausgeführten Baumwollengarnes von 3,748,526 Pf. Sterl. eine Größe von 334,73 betragen. Und da der amtliche Werth im J. 1814 für 100 den Werth von 249,25 gab, so müßte er im J. 1826 bis auf 834,31 gestiegen seyn.

Im J. 1826 war aber der amtliche Werth 3,748,526 Pf. St. und der wirkliche Werth 3,491,268 Pf. Sterl.; folglich lezterer nur 311,76 statt 834,31.

Während also die Menge der Ausfuhr vom J. 1814 bis zum J. 1826 von 100 auf 334,73 stieg, verminderte sich der Werth während eben dieser Zeit von 834,31 auf 311,76: der Gewinn an der Menge ward 62,51, der Verlust am Werthe 522,55.

Wir wollen noch eben diese Grundsäze auf den Gesammtbetrag der übrigen nicht einzeln angeführten Manufacturen anwenden.

Die Ausfuhr im J. 1814 = 100, gibt, bei einem amtlichen Werthe von 6,629,469 Pf. Sterl., und bei einem wirklichen von 8,603,895 Pf. Sterl. einen wirklichen Werth von 129,78, oder einen Ueberschuß von 29 Pf. Sterl. 15 Sh. 7 Pence über den amtlichen Werth.

Hätte der wirkliche Werth des Jahres 1814 sich noch im J. 1826 erhalten, so würde man folgendes Resultat finden.

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Der amtliche Werth der Ausfuhr von 1814, zu 100 angenommen, gibt, unter obiger Voraussezung, den Werth der Ausfuhr von 1826 zu 108,68. Da dieser Werth im J. 1814 einen wirklichen Werth von 100 auf 129,78 erhöht gegeben hat, so müßte, da der amtliche Werth im J. 1826 = 108,68 war, einen wirklichen Werth von 141,04 geben.

Nun war aber der amtliche Werth im J. 1826 = 7,205,083 Pf. Sterl., während der wirkliche Werth nur 6,638,998 Pf. Sterl. betrug; folglich ist lezterer von 141,04, was er seyn sollte, auf 100,14 herabgeschmolzen.

Wenn also die Menge der Ausfuhr von 100 im J. 1814 auf 108,68 im J. 1826 gestiegen ist, erhält man einen Gewinn an der Menge der Ausfuhr von 8,68, und einen Verlust an wirklichem Werthe von 40,90.

Wir müssen hier vorhinein dem Einwurfe begegnen, den man hinsichtlich der Verminderung des Geldwerthes seit 1814 machen kann.

Die Unze Goldes galt, im J. 1814, 5 Pf. Sterl. 1 Shill. 8 Pence. Der Werth einer Banknote von Einem Pf. Sterl. war 15 Shill. 4 Pence.

Pf. Sterl.
Wir sagen nun: die ausgeführten Baumwollen-Waaren betrugen im J. 1814 17,393,796
Da die Banknote nur 15 Shill. 4 Pence betrug, war der wirkliche Betrag dieser Ausfuhr nur 13,335,243
Und da der wirkliche Werth der Ausfuhr im J. 1826 nur betrug 10,522,357
–––––––––
so ist der Verlust am wirklichen Werthe 2,812,886
Der wirkliche Werth des im J. 1814 ausgeführten Baumwollengarnes war 2,791,249
was, auf Papier reducirt, beträgt 2,139,958
Der gesammte wirkliche Werth war im J. 1826 3,491,268
–––––––––
so ist der Gewinn am wirklichen Werthe 1,351,310
Der Werth der übrigen ausgeführten Artikel war im J. 1814 8,603,895
was, auf Papier reducirt, beträgt 6,596,320
Der gesammte wirkliche Werth betrug im J. 1826 6,638,998
–––––––––
folglich Vermehrung des wirklichen Werthes 42,678
Der Werth der Gesammtausfuhr der übrigen Artikel im J. 1814 war 14,658,432
Dieser Werth, auf Gold reducirt, gibt 11,238,132
Im Jahre 1826 war er 10,159,015
–––––––––
Also Verlust am wirklichen Werthe vom J. 1814 1,143,117
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Das Endresultat aus allem Obigen hinsichtlich der Ausfuhr ist:

Die Menge der ausgeführten Baumwollen-Waaren hat vom J. 1814 bis zum J. 1826 in dem Verhältnisse von 128,48 zu 100 zugenommen, und ihr wirklicher Werth ist von 100 auf 78,91 gefallen.

Die Menge des ausgeführten Baumwollengarnes ist, während dieser Zeit, von 100 auf 334,73 gestiegen, während der wirkliche Werth nur von 100 auf 163,15 stieg.

Die Menge der übrigen gewebten Artikel vermehrte sich von 100 auf 108,68; der wirkliche Werth derselben aber nur von 100 auf 100,65.

Die Menge aller übrigen Artikel hat sich von 100 auf 90,55 vermindert, und ihr wirklicher Werth von 100 auf 90,72.

Da endlich die amtliche Totalsumme aller im J. 1814 ausgeführten Gegenstände 33,200,580 Pf. Sterl. betrug, und eben diese Summe im J. 1826 bis auf 40,322,004 Pf. Sterl. stieg; der wirkliche Werth derselben im J. 1814 aber 33,309,652 Pf. Sterl., im J. 1826 nur 30,847,638 Pf. Sterl. betrug, so folgt, daß die Menge von 100 auf 121,48 zunahm, während der wirkliche Werth von 100 auf 92,61 fiel.

Also hat eine Menge Maaren = 92,61 im J. 1814 denselben Ertrag geliefert, den eine Menge Waaren = 121,48 im J. 1826 lieferte; folglich entstand ein Verlust bei den ausgeführten Waaren von 28,87 p. C.

Hieraus ergeben sich folgende Betrachtungen:

Es ist offenbar, daß die Maschinen und die Verbesserungen in der Fabrication beinahe alle Fabricationskosten verminderten. Diese Kosten vermindern heißt aber in demselben Verhältnisse den Werth des Fabrikates vermindern.

Es ist ferner offenbar, daß die Menge der Fabrikate nicht im Verhältnisse der Abnahme des wirklichen Preises derselben zugenommen hat; und obschon obige Tabelle nur die Ausfuhr bezeichnet, scheint es doch gewiß, daß dasselbe Resultat auch den inländischen Handel betrifft.

Es läßt sich mit Recht vermuthen, daß eine ähnliche Verminderung, obschon im geringeren Maße, bei den Erzeugungs-Kosten des rohen Materiales oder bei ihrer Einführung auf den englischen Markt Statt hatte.

Wir wollen nun sehen, ob es gegenwärtig noch so schwer ist, Gold und Silber zu erhalten, als im J. 1814, oder ob diese Schwierigkeit, im Falle, daß sie sich vermindert hätte, in demselben Verhältnisse geringer wurde, als die Fabrications-Kosten bei Erzeugung der Waaren sich verminderten.

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Um diese wichtige Aufgabe zu lösen, wollen wir Thatsachen sammeln, und die Preise der Silberwaaren erwägen.

Wenn man den Werth des Geldes auf jenen, den es im J. 1814 hatte, und zwar auf Gold reducirt, so wird man sich überzeugen, daß nicht nur alle Fabrikate, sondern auch beinahe alle rohen Materialien heute zu Tage wohlfeiler sind, als im J. 1814, und daß die Producte unseres Akerbaues „(des englischen!)“ wenigstens nach meiner Ansicht theuerer sind.

Wenn in der That alle, oder beinahe alle, Fabrikgegenstände jezt weniger kosten, als im J. 1814, so sind wir auf der anderen Seite überzeugt, daß die Kosten der Gelderzeugung sich nicht vermindert haben, es mag nun diese Verminderung verhältnißmäßig weniger groß seyn, als bei den übrigen Fabrikkosten, oder es mag die Schwierigkeit größer geworden seyn, edle Metalle an Tag zu fördern.160)

Man kann also hieraus folgern, daß, wenn Zunahme der Menge der erzeugten Fabrikate für die Verminderung des Werthes derselben nicht entschädigt, unser Fabrikreichthum gegenwärtig nicht so groß ist, als er im J. 1814 gewesen ist, wie obige Thatsachen erwiesen haben.

Indessen hängt unser Reichthum so sehr von unserer Ausfuhr ab, und diese steht in so inniger Verbindung mit unserem inneren Handel, ist so sehr in denselben verwebt, daß dieser mit jener steigen und fallen muß.

Wenn also dieselbe Menge Waaren jezt weniger Werth hat, als im J. 1814, so wird auch jezt weniger Geld als damahls auf denselben liegen. Nun ist es aber gewiß, daß gegenwärtig mehr Geld im Umlaufe ist, als damahls. Gegenwärtig circuliren in England (wenigstens war es so im Mai 1827) 55 Millionen Pf. Sterl.; im J. 1814 waren nur 43 Millionen Pf. Sterl. im Umlaufe.

Hieraus folgt

1) daß die Interessen fallen müssen;

2) daß es barer Unsinn ist, das Geld durch Bankzettel noch vermehren zu wollen, indem man ohnedieß mehr Geld hat, als man anzulegen weiß.

Ein Geld, das nicht mit Vortheil auf irgend etwas angelegt |308| werden kann, ist unnüz, und legt man es an, so muß nur der Werth der Fabrikate nothwendig dadurch) steigen.

Nun können wir aber den Werth der Fabrikate nicht erhöhen, ohne die Ausfuhr zu vermindern, wodurch eine bedeutende Verminderung unserer Renten aus allen Welttheilen entstehen würde, und endlich gar ein Deficit. Zuviel Geld schadet der Industrie, statt dieselbe zu fördern.

Mit einem Worte, wenn, während wir den Werth unserer Waaren nach Papier schäzen, das wir nach Belieben fabriciren können, das Ausland denselben nur nach Geld berechnet, welches nur durch Arbeit gewonnen werden kann, so kann offenbar diese verschiedene Art von Schäzung nur durch eine Reduction im Wechsel ausgeglichen werden, die einen Schreken erregen muß, dessen Resultat kein anderes seyn kann, als daß Alles höchst unsicher wird. Dieß ist dann ein neues Uebel, welches aus dem Ueberflusse des Geldes entsteht.

So lang die Bank in Gold bezahlen wird, ist es unmöglich, daß durch, die Wechsel-Reduction im Auslande die Erhöhung des Preises unserer Fabrikate ausgeglichen wird, wenn wir eine zu große Menge Geldes zur Erzeugung derselben anwenden müssen. In gewöhnlichen Fällen geht also jeder Wechsel-Reduction entweder eine Verminderung unserer Ausfuhr oder eine Vermehrung der Einfuhr voraus, und öfters hat beides zugleich Statt.

Eine Vermehrung der Geldmenge, in der Absicht den Preis unserer Waaren dadurch zu erhöhen, ist also eine eitle und unnüze Maßregel, und wenn sie gelingt, so erzeugt sie nur Schaden.

Wenn man sagen wollte (wie einige behaupten), daß man zu niedrigen Preisen ausführen und die Artikel zu innerem Verbrauche in höheren Preisen halten könnte, so müßte man zu Prämien seine Zuflucht nehmen; denn sonst wäre ein solcher Vorschlag lächerlich. Wo der Handel frei ist, ist es unmöglich, denselben Gegenstand zu zwei verschiedenen Preisen zu verkaufen, oder vielmehr, es ist gewiß, daß dort, wo der Ueberfluß an Waare nur durch Ausfuhr seinen Ausweg finden kann, der Preis, zu welchem ausgeführt wird, auch den Weis für den inneren Bedarf bestimmt.

Bis auf den Grad von Narrheit ist es bei uns noch nicht gekommen, daß man eine neue Steuer vorzuschlagen wagte, um mittelst derselben solche Prämien zu deken, und dieß zwar nur aus dem Grunde, um noch mehr Papiergeld in Umlauf sezen zu können.

So wie durch Erhöhung des Preises der Fabrikate nur Unheil entstehen kann, so läßt sich auch kein Vortheil von Erhöhung desselben bei den rohen Artikeln erwarten, aus welchen dieselben verfertigt werden.

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Der höhere Preis der einen theilt sich den anderen mit, deren Ausfuhr dadurch abnimmt, und das Ausland, das uns beinahe alle seine rohen Artikel verkauft, würde allen Vortheil der Erhöhung des Preises derselben uns vor unseren Augen wegnehmen.

Wenn es nur mehr eine Classe von Producten gibt, auf welche man die überflüßige Menge Geldes legen kann, um durch Aufkauf den Preis derselben zu erhöhen, nämlich die Lebensmittel, so werden bei dieser Speculation die verderblichsten Folgen sicher nicht lang ausbleiben können.

Unsere Fabrikarbeiter zahlen ohnedieß schon jeden Bissen Brod zwei Mahl so theuer, als auf dem festen Lande „(sechs Mahl so theuer)“, und ich darf es daher jedem Manne, der frei von vorgefaßten Meinungen denkt, überlassen, die Folgen einer Erhöhung des Brodpreises zu berechnen. Der Fabrikant, der weder in der Erhöhung der Preise seiner Waaren Entschädigung findet, noch das Gleichgewicht zwischen Gold und Papier herzustellen vermag, würde am Ende gezwungen seyn, mit seinen Waaren zu den niedrigsten Preisen ausländisches Getreide um die höchsten Preise bezahlen zu müssen.

Es ist also Geboth der höchsten Weisheit, unsere Korngeseze einer Reform zu unterziehen. Denn, wenn der Fabrikant gezwungen ist, seine Waaren wohlfeil zu verkaufen, so muß er auch sein erstes Lebensbedürfniß, Brod, um einen billigen Preis erhalten können.

Zu diesem Schlusse muß es kommen. Der gegenwärtige Zustand des Landes macht eine schnelle Abhülfe unentbehrlich. Ein verabscheuungswürdiges Finanzsystem in Bezug auf Geld hat bereits Unheil und unermeßlichen Verlust an Capitalien genug erzeugt, wovon Niemand Vortheil zog, als diejenigen, die betrügerischer Weise ihr Papiergeld in Umlauf sezten.

Unser gegenwärtiges System nährt diese verderblichen Papier-Speculationen und ermuthigt zu denselben, zwingt manche zur Verzweiflung und nöthigt sie, sich in den Abgrund derselben zu stürzen, und führt die Regierung selbst zu einer Verschwendung, die bis zur Ausschweifung hinansteigt.

Dieses verderbliche System wirkt auf die nachtheiligste Weise bald auf die Interessen der Capitalien, bald auf die Preise der Waaren, bald auf beide zugleich.

Wenn man einem Stüke Lumpen einen Werth beilegt, der nur in edlen Metallen gegründet seyn kann, so richtet man jene achtbaren Häuser zu Grunde, die wirklich Capitalien in Gold besizen; man stiehlt jedem rechtlichen Manne den lezten Silberpfennig aus der Tasche. Niemand kann fortan mehr seine Speculation mit Sicherheit leiten. Mag der hellste Verstand den Plan zu einer Unternehmung entwerfen |310| mag die höchste Klugheit denselben ausführen, das Resultat, der Erfolg hängt von den 24 Direktoren der Bank ab. Sie mögen Ehrenmänner seyn, wie sie es auch sind; sie verfehlen aber bei den besten Absichten für das allgemeine Wohl in der Regel ihren Zwek, so daß die höchste Ehrlichkeit, vereint mit Mangel an nöthigen Kenntnissen, bei ihnen dasselbe Resultat gibt, was bei anderen die durchtriebenste Diebskunst.

Mit einem Worte, unser Cirkulationssystem untergräbt das allgemeine Beste in seinen tiefsten Grundfesten.

Welches Mittel läßt sich gegen ein solches Uebel ergreifen? Es gibt nur Eines, das man schon so oft vorgeschlagen hat.

Die Regierung muß sich nach und nach mit der Bank ausgleichen und dann alle Verbindung mit derselben aufgeben.

Diese muß alle ihre kleinen Banknoten, diese brennenden Lunten in der Pulverkammer des Staatsgebäudes, einziehen, und keine Banknoten unter 20 Pf. Sterl. mehr ausgeben, wir wollen nicht mit Mushet sagen, unter 50 Pf., obschon Lezteres noch weit besser wäre.

Dieß ist das einzige Mittel, und es ist reine Narrheit in ihrem wenn man kleine Bankzettel zu 1 Pf. Sterl. für dieses Mittel hält. Das Gute, was durch lezteres allenfalls erreicht werden könnte, ist so unbedeutend, daß ein erfahrner Financier sich schämen würde, es in seine Rechnung aufzunehmen.161)

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Der wahre Name ist Page de la Bourse, eines sehr geistreichen Finanzmannes nach der Bemerkung des Industriel.

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Lezteres scheint nicht der Fall. Wir würden zwar keine Actien an den Gold- und Silberbergwerken von Mexico und Potosi nehmen, sind aber überzeugt, daß deutscher Fleiß und englischer Unternehmungsgeist mehr Gold und Silber aus diesen Bergen fördern wird, als Inquisitions-Stupidität nicht daraus fördern konnte. Die jährliche Ausbeute der neuen Goldbergwerke Rußlands ist nicht unbedeutend. Gold und Silber wird und muß im Werthe fallen, wie es seit der Entdekung von Amerika von Jahrzehend zu Jahrzehend der Fall war, und folglich muß der Werth der Gründe und ihrer Producte, nach dem Nennwerthe des Geldes, in dem Maße steigen, als dieser Nennwerth fällt. Wer Geld hat, und für seine Nachkommen arithmetisch sorgen will, wird liegende Gründe kaufen. A. d. U.

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Diese Abhandlung über den britischen Handel scheint uns von hohem Interesse für Regierungen, Handelskammern und für Staatswirthe, sagt die Redaktion und finden in dieser Abhandlung nichts anderes, als einen neuen Beweis, wie gefährlich es ist, die ganze Last des Staates auf Industrie und Handel zu stüzen. Unsere kleindeutschen Staatswirthschäftler mögen hieraus entnehmen, woher es kommt, daß man jezt in England für Handelsfreiheit zu predigen beginnt, indem diese der lezte Anker ist, der das sinkende England noch einige Stündchen vor dem Untergange zu sichern vermag, in welchen es alle jene anderen Staaten, als seine Hülfsbothe, mit sich reißen wird, die nicht Frankreichs, Oesterreichs, Rußlands System, Industrie mit Akerbau zu vereinigen, und erstere durch Einfuhrverbothe zu schüzen, bei Zeiten befolgen lernen. A. d. R.

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