Titel: Patent-Unwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. XXIII./Miszelle 3 (S. 70)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027023_3

Patent-Unwesen.

Das December-Heft des Repertory of Patent-Inventions 1827 liefert uns in seinen lezten Blättern S. 368–382 einen wahrlich traurigen Beweis, wie weit es mit dem Patent-Wesen in England gekommen, und wie tief der alte klare englische Geist gesunken ist. Ein Hr. Machett ließ sich ein Patent auf eine Lampe geben, die zwar sehr sinnreich ist, die aber außer ihm kein Mensch wird puzen können, und die man höchstens als physikalischen Luxus in seinem Zimmer haben kann. Ein Hr. Mill's hat eine Verbesserung an Flinten angebracht, durch welche man. einen weit mehr sicheren Schuß erhalten soll, das Gewehr selbst aber mit einer Menge unnüzen Zeuges überladen wird, und auch auf diese Verbesserung gleichfalls ein Patent genommen. Ein Hr. Dickinson zahlte ein Patent für eine Glasur, mit welcher er verzinntes Blech überziehen will, die aus Zinn, Zink, Borax und gepülvertem Glase besteht, wobei zulezt ein Ueberzug aus gepülvertem Glase und Leinöhl empfohlen wird, so daß, bis dieses Glas in den Fluß kommt, der Zink längst verflüchtigt seyn muß. Ein Hr. Friedr. Andrews ließ einen Dampfwagen patentisiren, an welchem er die beiden Cylinder unter dem Wagen horizontal hinlaufen läßt und den Kutscher vorn zwischen die beiden Dampfkessel sezt, so daß, während die Passagiers von der Dampfhize im Wagen gesotten werden, der Kutscher buchstäblich gebraten wird.

Ein Hr. Freeman nahm ein Patent auf neue Kummten für Pferde und andere Zugthiere, beschreibt aber seine Verbesserung so undeutlich, daß, da er keine Abbildungen hierzu lieferte, die Redaction des Repertory ihn selbst nicht versteht. Zulezt bringt das Repertory noch ein Patent der HHrn. Joh. William's und Joh. Doyle, welche beide Seewasser dadurch trinkbar machen wollen, daß sie dasselbe in bleiernen und kupfernen Gefäßen durch Sand und Wolle und Roßhaar filtriren. Er bemerkt selbst, daß es ihm unbegreiflich scheint, wie bei den gegenwärtigen Bemühungen, wenigstens einige physische und chemische Kenntnisse unter dem Volke zu verbreiten, noch so grobe Unwissenheit in irgend einem Kopfe nisten kann, daß man sich einbilden dürfte, Seewasser könne durch filtriren in trinkbares Wasser verwandelt werden, und daß man, zu dem hier empfohlenen Filtrir-Apparate, Kupfer und Blei wählen konnte. Wahrlich diese sechs Patente geben kein glänzendes Bild von dem Zustande des Patent-Wesens und der physischen und mechanischen Kenntnisse der Patent-Nehmer und Ertheiler in England am Ende des Jahres 1827.

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