Titel: Dracine: eine neue Substanz im Drachenblute.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. XXXIX./Miszelle 6 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027039_6

Dracine: eine neue Substanz im Drachenblute.

Hr. Melandri fand, daß der Färbestoff im Drachenblute in Alkohol und Oehl auflösbar ist, und eben so in heißem Wasser, jedoch nur in geringer Menge. Die wässerige Auflösung schmekt bitter, zusammenziehend, und hat eine schöne Purpurfarbe; durch Erkalten wird sie undurchsichtig und roth. Mit Gallerte und schwefelsaurem Eisen geprüft, zeigt sie weder Gärbestoff noch Galläpfelsäure.

Ein Theil Drachenblutes wurde in starkem Alkohole aufgelöste, die Auflösung bis zur starken Concentrirung abgeraucht, und dann in kaltes Wasser geschüttet: es fiel eine schwammige Masse zu Boden. Diese wurde mit kaltem Wasser gewaschen, und hierauf mit Wasser gesättigt, welches 1/100 Schwefelsäure enthielt. Bei |156| ungefähr 61° Fahrenh. schien eine chemische Wirkung einzutreten. Der mit Wasser gehörig gewaschene Bodensaz war schön roth, mehr oder minder lebhaft, aber nach seinem Aggregations-Zustand; er war geruch- und geschmaklos, biegsam, und ward bei 131° Fahrenh. flüßig. Diese Substanz, die ihr Entdeker Dracine nennt, hat einige Aehnlichkeit mit den vegetabilischen Alkalien, obschon sie nur eine geringe Verwandtschaft zu den Säuren besizt. Man erhält eine schwefelsaure Verbindung derselben, wenn man Schwefelsäure mit Alkohol verdünnt, einer Alkohol-Auflösung der Dracine zusezt, die Mischung mit kaltem Wasser fällt, und dann etwas Wärme einwirken läßt. Die schwefelsaure Dracine sammelt sich auf dem Boden, und wird mit kaltem Wasser ausgewaschen bis Lakmuß-Papier durch das Waschen nicht mehr roth wird, worauf man sie in heißem Wasser auflöst. Die geringste Menge Alkali macht die Auflösung roth, so daß diese als sehr kräftiges Reagens auf Alkali wirkt. Dracine ist auch ein gutes Reagens auf Säuren, indem sie durch dieselben gelb wird. Man kann die geringste Spur von kohlensaurem Kalke auf dem Filtrir-Papiere mittelst schwefelsaurer Dracine entdeken, indem die gelbe Auflösung derselben dadurch augenbliklich roth wird. (Bullet. Univ. CXI. p. 157 im Philosoph. Magaz. Nov. 1827. S. 394.)

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