Titel: Ueber einen neu erfundenen Webestuhl von Hrn. C. R. Gullmann in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. LIX./Miszelle 6 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027059_6

Ueber einen neu erfundenen Webestuhl von Hrn. C. R. Gullmann in Wien.

1) Kann dieser Webestuhl durch Pferde oder Wasserkraft oder durch Dampfmaschinen in Bewegung gesezt werden.

2) Ist er zur Verarbeitung aller denkbaren Stoffe geeignet, es können auf demselben alle Artikel vom gröbsten bis zum feinsten Gespinnste und Gewebe erzeugt werden, nemlich in Baumwolle, vom ordinären Mouslin und Druk-Perkal, bis zum feinsten ostindischen Cambric von Nr. 300; alle Gattungen Organtin, alle Gattungen glatte und facionirte Perkals, englische Leinwanden, Nanquinets, glatte und gestikte Vapeurs, Manschester, feiner Sammt, Piqué vom geringsten bis zum feinsten, Barchent, Wallis, kurz alles, was man auf der Webemaschine zu erzeugen wünscht. Eben so in Seide, alle Gattungen glatten Taffent, Gros de tours Atlas, Brillantin, Sammet, und jeden anderen Artikel. – In Leinen, alle Gattungen Leinwand, von der gröbsten bis zur feinsten; die feinsten Battiste, alle Gattungen Tafelzeug, wie es verlangt wird. – In Tuchwaaren, alle Gattungen Tücher, Casimir, Merinos u.s.w.

3) Arbeiter dieser Stuhl ganz ohne menschliche Hülfe, und es ist dabei weiter nichts zu thun, als die allenfalls abreißenden Fäden wieder anzuknüpfen.

4) Da die Baumwollketten eine besondere Vorrichtung durch das Schlichten erfordern, so ist der Stuhl dazu mit einer eigenen Vorrichtung versehen, vermittelst welcher die Kette nach Verhältniß der Arbeit, und ohne dieselbe aufzuhalten geschlichtet werden kann, wodurch ein immer gleiches Fabrikat erzielt wird, und alle Uebelstände, welche aus zu trokener oder zu feuchter Witterung entstehen können, wegfallen. Durch diese an der Webmaschine angebrachte Schlichtvorrichtung hat solche vor allen anderen ähnlichen einen wesentlichen Vorzug.

5) Kann diese Vorrichtung auch auf einer besonderen Maschine zum Vorschlichten ganzer Ketten für gewöhnliche Webestühle angebracht werden.

6) Arbeitet diese Maschine mit einer solchen Schnelligkeit, wie sie der zu verarbeitende Stoff nur immer ertragen kann. Von ordinärem Mouslin liefert sie in einer Woche 200 Ellen; von feinen 5/4 breiten Calicos 150 Ellen; von 6/4 breitem Organtin aus Nr. 140 100 Ellen, und so im Verhältnisse nach Qualität und Breite der Waare. –

Die Preise dieser Webemaschinen sind folgende:

Für glatte Waare 400 fl. im 20 fl. Fuß.
Croisé oder gestreifte Waaren 500
facionirte 600

Folgende Uebersicht der Auslagen und Ergebnisse bei einer zu errichtenden Fabrik auf Baumwollengewebe dürfte für einige der Leser von Interesse seyn:

Die Regiekosten betragen bei 120 solcher Webemaschinen

1 Buchhalter, jährlicher Gehalt 800 fl. im 20 fl. Fuß.
1 Werkführer à 10 fl. pr. Woche 520
1 Leimer und 2 Schweifer à 4 fl. pr. Woche 624
6 Gesellen à 4 fl. pr. Woche 1248
72 Kinder à 30 kr. pr. Woche 1872
50 Spuhlerinen à 1 fl. 30 kr. pr. Woche 3900
Unbestimmte Ausgaben 536
–––––
9500 fl.

Diese auf 50 Arbeitswochen eingetheilt, kommen auf eine Woche 190 fl. im 20 fl. Fuß Fabrikauslagen.

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Angenommen, daß auf diesen Maschinen Gewebe gemacht werden, welche bei 4/4 oder 5/4 Breite in einem Wiener-Zoll 72 Fäden Schuß enthalten, so liefert ein Stuhl bei einer Geschwindigkeit von 90 Schuß in einer Minute 1 1/4 Zoll fertige Waare, also in einer Stunde 75 Zoll. Dieses beträgt in täglichen 12 Arbeitsstunden und 6 Arbeitstagen in einer Woche 183 3/59 Wiener Ellen, die Elle zu 29 1/2 Zoll berechnet. Um jedoch jede mögliche Störung im Voraus zu beachten, sollen hier nur 150 Ellen als ganz unfehlbar angenommen werden.

Bei 120 Maschinen kann man mit Sicherheit annehmen, daß wenigstens 100 in ununterbrochener Thätigkeit sind, diese liefern also, das Minimum von 150 Ellen angenommen, in jeder Woche wenigstens 15000 Ellen fertige Waare. –

Hierauf obige 190 fl. im 20 fl. Fuß vertheilt, kommen auf eine Elle 114/150 Kreuzer, also nicht einmal ein ganzer Kreuzer im 20 fl. Fuß Erzeugungskosten.

Hr. C. R. Gullmann eröffnet auf diese Webemaschine eine Subscription, wo jeder der Hrn. Subscribenten eine detaillirte Zeichnung und ausführliche Beschreibung um den Preis von 200 fl. im 20 fl. Fuß erhält, sobald sich eine hinlängliche Anzahl von Subscribenten dazu findet. Man wendet sich am besten unmittelbar an ihn selbst nach Wien.

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