Titel: Ueber den neuen Einbruch des Stollens unter der Themse,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. LXXXII./Miszelle 4 (S. 318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027082_4

Ueber den neuen Einbruch des Stollens unter der Themse,

der bereits durch die Zeitungen bekannt gemacht wurde, enthält das Mechanics' Magazine, N. 230, S. 428 dd. 49. Jäner einen umständlichen Bericht. Es war am 42. Jäner l. J. um 6 Uhr Morgens, bei eintretender Fluth, daß, ohne alle vorausgegangene Anzeigen, die Erde plözlich anfing hereinzudrüken, und ein Loch sich bildete, durch welches das Wasser mit solcher Gewalt hereinbrach, daß der Arbeiter dadurch aus seiner Zelle hinausgeworfen wurde. Da man sich bald überzeugte, daß keine Hülfe möglich war, wurde den Arbeitern befohlen, sich zurük zu ziehen. Hrn. Brunel's Sohn blieb, mit noch 3 Arbeitern, zurük; kaum war er aber mit denselben einige 20 Fuß von dem Schilde weg, als das Wasser die Luft in diesem unterirdischen Gange mit solcher Gewalt verdrängte, daß alle Lichter ausgeblasen wurden. Indessen ging das Wasser den Zurükgebliebenen bald über die Mitte, und sie konnten nur durch Schwimmen sich retten. Hier fiel ein Theil des Gerüstes über sie ein. Hr. Brunel d. jüng. ward dadurch am Knie beschädigt, und zufällig durch das Wasser zu der Stiege hingeführt, wo er hinauf getragen werden mußte. Seine drei treuen Gefährten ertranken, nebst zwei Alten und einem Knaben. – Der Donner, den das einstürzende Wasser erregte, soll fürchterlich gewesen seyn.

Das Loch zeigte sich, als es Tags darauf von Hrn. Brunel d. Vater untersucht wurde, 9 Fuß lang und zwischen 4 und 5 Fuß breit.

Das Mechanics' Magazine bemerkt, daß Hr. Brunel darin fehlte, daß er seit des lezten Unfalles das Bett des Flusses nicht genauer untersuchen und keinen schüzenden Schild im Grunde desselben anbringen ließ; daß er zu leichtsinnig verfuhr etc. Nach geschehenem Unfalle weiß jeder zu tadeln. Der Fehler liegt, wie wir schon öfters bemerkten, darin, daß der Stollen nicht tief genug angelegt wurde, worin uns bereits Ein Bergmann beistimmte (polyt. Journal Bd. XXVI. S. 284.) und wohl alle beistimmen werden. Wenn dieser Bau verunglükt, so ist es kein Schaden (das Menschenleben der armen Arbeiter abgerechnet); er hat ja nur Lumpen (Banknoten) gekostet. Wenn aber dadurch, daß er verunglükte, auch die Idee, Wege unter den Flüssen durchzugraben, verunglüken, d.h. aufgegeben werden sollte, so läßt sich der Schaden, den Hr. Brunel anrichtete, nicht berechnen.

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