Titel: Ueber Labarraque's Desinfections-Flüßigkeit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. LXXXII./Miszelle 6 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027082_6

Ueber Labarraque's Desinfections-Flüßigkeit.

Dr. Granville las am 20. Hornung (wie wir bereits im polyt. Journ. B. XXIV. S. 375.) bemerkten) einen Aufsaz, über die Bestandtheile der Desinfections-Flüßigkeit des Hrn. Labarraque vor der Royal-Society zu London vor. Dieser Aufsaz wurde im Quarterly Journal of Science, April, abgedrukt. Nach Hrn. Granville wäre diese Desinfections-Natron-Flüßigkeit eine Mischung aus Natrum-Chlorid und aus chlorsaurem Kali.

Ehe Dr. Granville's Aufsaz erschien, habe ich in dem Philosophical Magazine, Mai, gezeigt, daß dieß unmöglich die Zusammensezung der in Frage stehenden Flüßigkeit seyn kann, indem 1) die Menge des von Hrn. Labarraque angewendeten Kochsalzes nicht Chlorine genug enthält, um das kohlensaure Natron in die von Granville angegebenen Salze zu verwandeln, und 2) es erwiesen ist, daß die Auflösung von kohlensaurem Natron-Chlorine verschlingt, ohne Kohlensäure zu entwikeln.

In der lezten Nummer des Quarterly Journal hat Hr. Faraday diesen Gegenstand mit seiner gewohnten Genauigkeit untersucht, und meine früher geäusserten Ansichten bestätigt, denen er noch verschiedene andere wichtige Thatsachen beifügte. Er fand, daß, wenn man nach Labarraque's Vorschriften in den von ihm angegebenen Verhältnissen arbeitet, „vom Anfange bis zum Ende der Operation keine Spur Kohlensäure sich aus der Auflösung des kohlensauren Natrons entwikelt, obschon Chlorine kräftig eingesogen wird.“ Hr. Faraday findet, wie auch ich angegeben habe, daß die Desinfections-Flüßigkeit bis zur Trokenheit abgeraucht werden kann, und doch noch Bleichkraft behält. „Er bemerkt, daß ungeachtet der vollkommenen Weise, in welcher Chlorine sich durch Krystallisation und langsames Verdampfen abscheiden läßt, es doch gewiß ist, daß man durch schnelles Verdampfen eine scheinbar ganz trokene Masse erhält, die noch starke bleichende Kraft besizt.“ Er betrachtet das kohlensaure Natron in seiner Wirkung mit der Chlorine als eine mehr einfache Substanz; wenn jedoch überschüßige Chlorine in eine Auflösung von kohlensaurem Natron kommt, wird Kohlensäure entwikelt, und salz- und chlorsaures Natron gebildet, ganz auf dieselbe Weise, wie wenn kaustisches Natron angewendet würde. In Hinsicht auf Dr. Granville's Meinung schließt Hr. Faraday mit der Bemerkung: „Es würde scheinen, daß ich Dr. Granville's Aufsaz in dem lezt erschienenen Bande dieses Journales S. 371 nicht kenne, wenn ich schließen würde, ohne desselben zu erwähnen. Unglüklicher Weise hat Dr. Granville Hrn. Labarraque's Vorschriften mißverstanden, und da er Chlorine „bis zur vollkommenen Sättigung“ durch die kohlensaure Natron-Auflösung ziehen ließ, statt sich der vorgeschriebenen Menge derselben zu bedienen, konnte er Labarraque's wirklich sonderbare und wichtige Flüßigkeit nicht erhalten. Alle seine Beobachtungen und Versuche, die an und für sich sehr richtig sind, beziehen sich demnach bloß auf seine Composition, nicht aber auf jene des Hrn. Labarraque.“ (Philosoph. Magazine, Novbr. 1827, S. 387.) Phillips.

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