Titel: Ueber den Widerstand der Luft gegen Körper, die sich darin bewegen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 27, Nr. CXXIV./Miszelle 4 (S. 457)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj027/mi027124_4

Ueber den Widerstand der Luft gegen Körper, die sich darin bewegen.

Nach den Goettingischen gelehrten Anzeigen (18. und 19. Stk., den 31. Jan. 1828.) hat Hr. Dr. Eduard Schmidt, Privatdocent der Mathematik an der Universität zu Goettingen, der königl. Societät der Wissenschaften eine Abhandlung vorgelegt, in welcher er die Theorie des Widerstandes der Luft gegen Körper, welche sich darin bewegen, auf eine passendere Art, als bisher geschehen ist, zu begründen sucht, und es folgt aus den darin angewendeten Schlüssen, daß die gewöhnliche Regel, nach welcher der Widerstand dem Quadrat der Geschwindigkeit des Projektils proportional gesezt wird, bloß dann anwendbar ist, wenn entweder die Geschwindigkeit sehr klein, oder das widerstehende Mittel mit einer unendlich großen Kraft comprimirt ist. In allen anderen Fällen gibt die neue Theorie ein viel größeres Verhältniß, als das der Quadrate, welches auch mit den Versuchen übereinstimmt, die man über die Geschwindigkeit der Kanonenkugeln angestellt hat. So verhalten sich z.B. die Widerstände auf eine Kugel nach der älteren und neuern Theorie bei 1300 Fuß Geschwindigkeit wie 1 : 1,44; bei 2000 Fuß Geschwindigkeit wie 1 : 2,40. Da nun die beiden oben angegebenen Fälle in den hauptsächlichsten Anwendungen der Theorie des Widerstandes der Luft, nämlich bei den Bahnen und Geschwindigkeiten der Kanonenkugeln und Bomben, nicht vorkommen, so erklärt sich hieraus, warum die bisher nach der älteren Theorie des Widerstandes berechneten Schußweiten, so wenig mit den gemachten Versuchen übereinstimmten, und die Artilleristen die theoretischen Bestimmungen der Bahnen nicht gebrauchen konnten. Durch diese neue Theorie wirb nun eine völlige Umarbeitung aller der zur Artillerie gehörigen ballistischen. Aufgaben nöthig, und sie hat den Vortheil, daß der Artillerist durch dieselbe in den Stand gesezt wird, für alle Elevationen die Schußweiten mit Gewißheit zu finden, so bald nur durch Versuche für eine bestimmte Elevation die Schußweite sich ergeben hat, während früher man sich bloß auf die Erfahrung zu verlassen genöthigt war. Die ausführliche Bearbeitung dieser Theorie und deren Anwendung auf die in der Artillerie vorkommenden Aufgaben, wird Hr. Dr. Schmidt in einem besonderen Werke bekannt machen.

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