Titel: d'Arcet', Unterricht über das Feinmachen des Goldes und Silbers.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. I. (S. 1–10)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028001

I. Unterricht über das Feinmachen des Goldes und Silbers; abgefaßt von Hrn. d'Arcet im Namen des Gesundheits-Rathes der Stadt Paris und des Seine-Departements. Allgemeine Betrachtungen über den Zustand von Vollkommenheit, welche diese Kunst in Frankreich erreicht hat.1)

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die Kunst des Feinmachens (affinage) hat keinen anderen Zwek, als Gold und Silber, wenn beide entweder mit einander, oder mit anderen leichter oxydirbaren Metallen von geringerem Werthe verbunden sind, auf den höchsten Grad von Reinheit zurük zu führen. Diese Kunst war schon den Alten bekannt. Man schied in den ältesten Zeiten das Gold von den leichter oxydirbaren Metallen entweder durch lange anhaltendes Schmelzen, oder durch die sogenannte Cämentation, oder durch Anwendung des Schwefels und Salpeters; später bediente man sich des Spießglanzschwefels und des Sublimates zur Reinigung des Goldes. Das Silber reinigten die Alten dadurch von den demselben beigemengten leichter oxydirbaren metallischen Substanzen, daß sie dasselbe unter freiem Zutritte der atmosphärischen Luft lange im Fluße erhielten, oder mit Schwefel und Salpeter behandelten. Das Abtreiben auf der Kapelle (coupellation), das Saigern (liquation) wurde erst in späteren Zeiten zum Feinmachen des Silbers von geringerem Korne angewendet, und erst gegen das Ende des 14ten Jahrhundertes brachte man es dahin, Silber von dem Golde mit Salpetersäure durch die Quart zu scheiden. Dieses leztere Verfahren ist der wichtigste Fortschritt, den die Kunst des Feinmachens in den früheren Zeiten gethan hat. Sie sezte die sogenannten Probirer in den Stand, allen Bedürfnissen des Handels mit Gold und Silber zu entsprechen, und da diese Kunst nur unter der Aegide eines Privilegiums getrieben werden durfte, so wird man sich leicht erklären, wie sie Jahrhunderte lang getrieben werden konnte, ohne irgend einen weiteren Fortschritt zu thun.2)

Als im Jahre 1789 die Revolution die verderblichen Privilegien-Rechte zerstörte, ward die Ausübung der Kunst, reines Gold und |2| reines Silber darzustellen, das Recht eines jeden französischen Bürgers (Gesez vom 19. Brumaire, An VI. Article 112.). Dem Privat-Fleiße überlassen, vervollkommnete diese Kunst sich jezt schnell, und man fing bald an, Schwefelsäure statt der Salpetersäure bei der Behandlung der Verbindung des Goldes mit dem Silber anzuwenden.3) Die große Menge Platinna, die nach und nach in das Publicum kam,4) und die Fortschritte in der Kunst, Platinna zu hämmern,5) trugen endlich noch dazu bei, der Kunst des Feinmachens einen Grad von Vollkommenheit zu verschaffen, den man nicht voraussehen konnte, und der jezt noch schwer zu begreifen ist. Wir müssen uns hier in einiges Detail einlassen, damit das Andenken an eine so große Verbesserung im Gold- und Silberhandel erhalten wird, und jene Männer, die unserer Industrie diese Vortheile gewährten, eben so geehrt werden, wie die Wissenschaft selbst, die ihnen die Mittel hierzu dargebothen hat.

Im Jahre 1789 wurde eine Silberbarre von geringem Korne, welche Gold enthielt, auf folgende Weise fein gemacht.

Man fing damit an, daß man sie, öfters sogar mehrere Mahle, mit Salpeter schmelzte, um das Kupfer davon abzuscheiden. Man körnte hierauf dieses Silber, und behandelte es in Gefäßen von Steingut mit heißer Salpetersäure. Das nicht aufgelöste Gold wurde noch ein Mahl mit stärkerer Salpeter-Säure behandelt, und mit vielem Wasser gewaschen, getroknet, und mit Salpeter geschmolzen. Die, Flüßigkeiten wurden zusammengegossen, mit Kupfer gesättigt, und heiß mit Kupferplatten in Berührung so lange gebracht, bis alles Silber ausgeschieden war. Das im metallischen Zustande niedergeschlagene Silber wurde sorgfältig gewaschen, dann getroknet, und mit Salpeter und etwas Borax geschmolzen. Die Flüßigkeiten, welche alles salpetersaure Kupfer enthielten, wurden bis zur Syrup-Consistenz |3| eingedikt, in große Gefäße von Steingut gegossen, und in diesem einem Feuer ausgesezt, durch welches das salpetersaure Kupfer zersezt werden konnte. Auf diese Weise ging natürlich beinahe alle angewendete Salpetersäure verloren. Man mußte nun auch noch das Kupfer-Oxyd auf dem Boden dieser Gefäße in metallischen Zustand reduciren, und mit Kohlen in einem Wind- oder in einem sogenannten Aermel-Ofen schmelzen.

Man sieht, daß man bei diesem Verfahren sehr viel Salpeter brauchte; daß man sich der Salpetersäure bediente, die sehr theuer zu stehen kommt; daß die Gefäße, deren man sich bediente, sehr gebrechlich waren, und dem schnellen Wechsel der Temperatur nur sehr schlecht widerstehen können; daß beinahe alle Salpetersäure verloren ging, theils durch die Auflösung des Metalles, theils durch die Zersezung des salpetersauren Kupfers; daß man äußerst gefährliche, und für die Gesundheit verderbliche Gasarten erzeugte; daß man bedeutenden Abgang an dem angewendeten Kupfer erlitt; daß man viele Schlafen und Tiegeltrümmer erhielt, um daraus die Abfälle an Gold und Silber zu gewinnen; daß man endlich alle diese Kosten nur durch das Gold und Silber, als die einzigen brauchbaren Artikel, die man bei diesen Operationen erhielt, deken konnte.

Bei der neuen Verfahrungs-Art, deren man sich gegenwärtig zu Paris bedient, sind alle so eben angeführten Nachtheile beseitigt. Das Detail, welches wir sogleich angeben werden, wird, verglichen mit Obigem, hinreichen um zu beweisen, mit welchem Erfolge unsere Feinmacher alle Hülfsquellen der Chemie auf ihre Arbeiten anzuwenden verstanden.

Wir wollen nun annehmen, man hätte eine Silberbarre von geringem Korne, die etwas Gold enthält, fein zu machen. Nach dem neuen Verfahren wird nun der Arbeiter diese Barre schmelzen und körnen, ohne sie mit Salpeter zu treiben, um ihren Gehalt zu erhöhen, und das gekörnte Metall mit Schwefelsäure in Gefäßen von Platinna behandeln. Das von dem Silber abgeschiedene Gold wird noch ein Mahl mit neuer Säure behandelt, dann gewaschen, getroknet und mit etwas Salpeter geschmolzen. Das schwefelsaure Silber wird heiß zersezt, indem man Kupferplatten in dasselbe taucht, das Silber gewaschen und getroknet, und dann mit etwas Salpeter und Borax geschmolzen, und in eine neue Barre gegossen. Das aufgelöste schwefelsaure Kupfer wird gereinigt, indem man demselben noch heiß eine hinlängliche Menge Kupfer-Oxyd6) zusezt, dann bis zur |4| gehörigen Consistenz abgeraucht, und zur Krystallisirung7) bei Seite gestellt, wo man nach dem Erkalten schöne Krystalle von schwefelsaurem Kupfer erhält.

Man sieht hieraus schon, daß man bei diesem Verfahren in einem gut eingerichteten Laboratorium weit weniger Ausgaben für Arbeitslohn, für Salpeter, für Säuren, für Tiegel, für Kohlen etc. hat; daß man weniger Abgang erleidet; daß man weniger Rükstände erhält, die man neuerdings bearbeiten muß; daß man viel an Zeit gewinnt, indem die Operation schneller von Statten geht; daß man endlich dadurch auch eine brauchbare Waare erhält, indem man, außer dem feingemachten Golde und Silber, auch krystallisirten Kupfervitriol bekommt, und so die Schwefelsäure und das Kupfer, welche man bei diesem Verfahren brauchte, so wie auch das Kupfer, welches dem Silber beigesezt war, am besten verwendet hat. Ueberdieß ist bei diesem Verfahren auch die Gesundheit weniger gefährdet, da sich während desselben nur schwefeligsaures Gas und etwas Schwefelsäure in Dampf verwandelt entwikelt, und selbst die wenigen hierdurch entstehenden Nachtheile lassen sich leichter beseitigen. Die unten beigefügte Uebersicht wird die so eben erwähnten Vortheile dieser neuen Verfahrungs-Weise noch mehr bestätigen. Wir könnten dieselben noch mehr herausheben; da wir aber nicht die Absicht haben, die ganze Kunst des Feinmachens zu beschreiben, so werden wir uns nicht in das Detail der bei derselben nothwendigen Handgriffe einlassen, und beschränken uns bloß darauf, dieses Verfahren in allen seinen Theilen für die Gesundheit gänzlich unschädlich zu machen.

Beschreibung eines Laboratoriums, in welchem man Gold und Silber ohne alle Gefahr für die Arbeiter, und ohne alle Ungelegenheit für die Nachbarschaft fein machen kann.

Die HHrn. St. André, Poizat und Comp., rue de la Fidélité N. 11, haben das hier beschriebene Laboratorium sich nach unserem Plane und nach unserer Weisung erbauen und einrichten lassen. Man fing am 1. April 1826 in demselben an zu arbeiten. Es ist groß genug, um täglich mehr als zwei Ztr. (100 Kilogramm) Silber fein zu machen. Man hat in demselben bereits 15,000 Kilogramm verarbeitet (im Werthe von 3,300,000 Franken), und 3,000 Kilogramm Gold, im Werthe von ungefähr 10,500,000 Franken. Man erzeugte in demselben noch überdieß 12 bis 15,000 Kilogramm krystallisirten Kupfer-Vitriol. Die Nachbarn, welche alle der Errichtung dieser |5| Fabrik sich widersezten, und dieselbe nicht in ihrer Mitte leiden wollten, haben indessen das ganze Jahr über nicht die mindeste Klage geführt; sie wußten sogar eine lange Zeit über nicht, daß die Fabrik bereits im Gange war, und sind gegenwärtig vollkommen über alle Möglichkeit eines für sie entstehenden Nachtheiles beruhigt. Folgende Zeichnung stellt den Bau und die Einrichtung dieser Fabrik dar.

Fig. 22. Grundriß des Laboratoriums zum Feinmachen des Goldes und Silbers.

b, b, Grundriß der Oefen, auf welche die fünf Kessel aus Platinna gestellt werden.

g, g, Schornstein, durch welchen die sauren Dämpfe und der Rauch der Oefen niedersteigt, um in den horizontalen Schornstein zu gelangen, g'', Fig. 23, 24., und aus diesem in den Hauptschornstein, g'', Fig. 22, 24. in der Mitte des Laboratoriums.

1, kleiner Rauchfang, der seinen Zug von dem Hauptschornsteine erhält.

Dieser Winkel ist zur Aufnahme der Platinna-Kessel vorgerichtet, wenn dieselben von ihren Oefen abgehoben werden, um unter diesem Rauchfange die sauren siedenden Flüßigkeiten abzugießen, ohne daß ungesunde Dämpfe sich in dem Laboratorium verbreiteten. Diese Dämpfe werden von dem Schornsteine, g, aufgenommen, in welchen sie der Luftzug hinreißt.

G, ist die Tafel, auf welche die Platinna-Kessel gestellt werden, wenn man die Schwefelsäure und das gekörnte Silber in dieselben bringt. Man wäscht daselbst auch das aus dem Kupfer und Silber ausgeschiedene feingemachte Gold.

2, sind die Kessel, in welchen man das Silber, nachdem es durch das Kupfer gefällt und gewaschen wurde, troknet.

3, Grundriß der drei Windöfen, in welchem man sowohl die unreinen Barren, die man körnen will, als das feingemachte Gold und Silber schmilzt.

4, bleierne Kessel, in welchen man das mit Wasser verdünnte schwefelsaure Silber mittelst der kupfernen Platten zersezt; man verdampft in denselben auch die Auflösungen des schwefelsauren Kupfers, um dieses Salz dann zu krystallisiren.

5, Behälter, in welchem man die Platinna-Kessel und alles Geräthe des Laboratoriums wäscht, das von schwefelsauren Silber benezt oder beschmuzt wurde.

6, Krystallisir-Gefäße, mit Blei ausgefüttert, in welche man die concentrirte Auflösung des schwefelsauren Kupfers gießt, um sie in denselben krystallisiren zu lassen.

|6|

7, Kessel, in welchem man die Mutter-Laugen der ersten Krystallisation des Kupfer-Vitrioles bis zur gehörigen Dike abraucht.

g'', Durchschnitt des Hauptschornsteines, der aus der Mitte des Laboratoriums aufsteigt und allen Rauch der Oefen; b, b, 2, 3 und 4, aufnimmt. Die in den Oefen, 2, 3 und 4, erzeugte Hize erwärmt vorzüglich den senkrechten Theil dieses Schornsteines, und erzeugt dadurch den anhaltenden und mächtigen Zug.

Fig. 23. Querdurchschnitt des Laboratoriums nach der Linie, A, B, des Grundrisses in Fig. 22. vom Puncte, C, aus gesehen.

Man sieht in, q, q, q, die Rollen, über welche die Ketten laufen, die zum Aufziehen und Niederlassen der Blech-Thürchen, p, p, p dienen, welche man, nach Belieben, ganz oder zum Theile schließen, und dadurch auch das vordere Ende des Rauchwinkels, in welchem sich die Platinna-Kessel befinden, die man in, c, c, c, c, c, sieht, ganz oder zum Theile absperren kann. Die Thüren der 5 Oefen sind mit s, die Thüren der Aschenherde mit t, bezeichnet.

1, ist der kleine Rauchwinkel, der gleichfalls in den Schornstein, g, seinen Abzug hat, und in welchem man alle Arbeiten verrichtet, welche in dem Laboratorium einen üblen Geruch verbreiten könnten.

g, ist jener Theil des Schornsteines, welcher den Rauch der 5 Oefen, auf welchen sich die Platinna-Kessel befinden, in den horizontalen Schornstein, g', leitet, und aus diesem in den Hauptschornstein, g'', Fig. 24. führt. Die sauren Dämpfe, welche aus den Platinna-Kesseln entweichen, wenn man sie öffnet, können sich nicht in dem Laboratorium verbreiten, sondern vermengen sich mit dem Rauche der Oefen, und ziehen mit diesem durch die Schornsteine, g, g', in den Hauptschornstein, g'', Fig. 24.

e, e, e, e, sind bleierne Röhren von 0,08 Meter im Durchmesser, welche die Platinna-Kessel mit der mit Blei ausgefütterten Kiste, m, im Keller, H, unter dem Laboratorium in Verbindung sezen. Die fünfte bleierne Rohre, e, dient zur Lüftung des Platinna-Kessels, der in der Mitte des Ofens steht, und läuft in den inneren Raum des Schornsteines, g', kann also in dieser Figur nicht dargestellt werden. Man sieht in, n, den Durchschnitt der bleiernen Röhre, welche die Dämpfe der Kiste, m, in die übrigen Theile des Apparates führt.

g', Durchschnitt, des Theiles des Schornsteines, welcher horizontal unter dem Boden des Kellers hinläuft, und in der Mitte des lezteren in den Hauptschornstein, Fig. 24. tritt.

Fig. 24. ist der Durchschnitt des Laboratoriums nach der Linie, C, D, des Grundrisses.

In dem oberen Theile der Tafel sieht man den Durchschnitt des Laboratoriums, in welchem gearbeitet wird. Der untere Theil stellt |7| den Durchschnitt des Kellers, H,8) unter dem Laboratorium dar, wo sich, in zwekmäßigen Apparaten, die Dampfe und schädlichen Gasarten verdichten und absorbirt werden, die sich bei der Einwirkung der Schwefelsäure auf das unreine Gold und Silber entwikeln. Diese Apparate wirken auf folgende Weise.

Der Platinna-Kessel, c, welcher so viel Metall und Schwefelsäure enthält, als er auf ein Mahl fassen kann, wird auf seinen Ofen, h, gestellt, dessen Aschenherd man in, i, sieht, und den Schornstein in, k, l, g, g', g''. Man bedekt diesen Kessel mit seinem Platinna-Hute, und verbindet sorgfältig seinen Hals, d, mit der Röhre, e, e, die aus Blei ist. Eben dieß geschieht mit den vier anderen Platinna-Kesseln. Man läßt die Blech-Thüren, p, p, p, Fig. 23. beinahe ganz herab, und schürt das Feuer unter den 5 Oefen an, deren Ofen- und Aschen-Thüren man bei, s und t, sieht.

Unter den Oefen, 2, 3, 4, in Fig. 22. wird zuerst Feuer gemacht. Die dadurch erhizte Luft in dem Hauptschornsteine, g'', g'', Fig. 24. erzeugt einen mächtigen Zug nach aufwärts, der alles der Gesundheit Gefährliche aus dem Laboratorium fortreißt, theils unter dem Rauchwinkel, b, der Oefen, auf welchem die Platinna-Kessel, stehen, theils aus dem Rauchwinkel, 1, (Fig. 22 und 23.), wo jede ungesunde Arbeit zu geschehen hat.

Sobald die Schwefelsäure auf das Silber und Kupfer einzuwirken anfängt, entwikelt sich schwefeliges Gas und Wasserdampf, der in Dämpfe verwandelte Schwefelsäure enthält. Der Zug in dem Hauptschornsteine macht, daß in jeden Platinna-Kessel einige Luft durch die Röhre, 8, Fig. 24. eintritt. Diese Luft, die sich mit der schwefeligen Säure und mit den Dämpfen verbindet, wird mit denselben in den Hals des Hutes hineingezogen, und kommt von da in die bleierne Röhre, e, e, e. Diese Dämpfe gelangen mit der schwefeligen Säure in die Bleikiste, m, in dem Keller, H; ein Theil verdichtet sich; der übrige Theil durchläuft nach und nach die Röhre, n; die zweite Bleikiste, m'; die Rohre, n'; die dritte Bleistifte, m'', in welcher sich endlich die lezten Dämpfe verdichten. Durch die Röhre, n'', geht dann beinahe reine schwefelige Säure über, und gelangt in die mit Kalk-Hydrat gefüllte Kiste, o, die mittelst eines Räderwerkes, u, und einer Kurbel, u', um ihre Achse gedreht, und so gehörig gerüttelt wird, um allen Kalk in Berührung mit dem schwefeligen Gase zu bringen. Auf diese Weise wird alles Gas leicht verschlungen, und es entweicht durch die Röhre, q, in den Schornstein, g'', nur jene |8| wenige atmosphärische Luft, die man durch die Tubulirung in den Platinna-Kessel eintreten ließ, um die Dämpfe aus demselben zu verjagen, und zu verhindern, daß sie sich nicht unter dem Rauchwinkel, b, der Oefen verbreiten. Wenn sich auch einige ungesunde Dämpfe in dem Rauchwinkel, b, oder unter dem sogenannten Mantel während der Arbeit, entweder in dem Augenblike, wo man die Kessel von dem Ofen wegnimmt, oder während der Arbeit, verbreiten, so können sie doch nicht aus diesem Winkel heraus, oder unter dem Mantel durch. Der in dem Hauptschornsteine, g'', hergestellte Zug würde sie nöthigen, zugleich mit der Luft, die unter den Blech-Thüren, p, Fig. 23. eintritt, in den Schornstein, g, zu treten, indem sie durch die Oeffnung, f, oben in dem Rauchwinkel, b, (Fig. 24.) in den Schornstein, g, treten, und dann dem horizontalen Schornsteine, g', folgend sich mit dem Rauche in dem Hauptschornsteine, g'', verbinden, der sie hoch in die Atmosphäre hinauf führt.

Eben dieß gilt auch von den schädlichen Dämpfen, die sich in dem Rauchwinkel, 1, entwikeln (Fig. 22 und 23.); und auf diese Weise läßt sich leicht diese Arbeit der Gesundheit vollkommen unschädlich machen. Was die Gewinnung des schwefelsauren Silbers und die Verdampfung der Auflösung des schwefelsauren Kupfers betrifft, so ist es genug, wenn man, um diese Arbeit unschädlich zu machen, diese Auflösungen nicht mit einer zu hohen Temperatur behandelt, ehe man sie auf den neutralen Zustand gebracht hat, was immer leicht geschehen kann, wenn man sich des gepülverten kohlensauren Kupfer-Oxydes bedient, und damit die Auflösung sättigt.

In einigen besonderen Fällen, wo man sich des Eisens oder Zinkes, statt des Kupfers, bedienen kann, um das Silber oder Kupfer niederzuschlagen, aus Auflösungen, die überschüssige Schwefelsäure9) enthalten, muß diese Arbeit in einer bedekten Kufe verrichtet werden, die wie in den Berlinerblau-Fabriken vorgerichtet ist.10) In diesem Falle muß das Wasserstoffgas, welches sich entwikelt, durch eine Röhre von gehörigem Durchmesser in das Innere des Schornsteines, g'', über der Oeffnung, I, geleitet werden, damit dieses Gas in keinem Falle sich entzünden kann. Man sieht in y, Fig. 24., daß die Blei-Kiste, m, den Boden nicht berührt; sie steht zugleich auf allen Seiten frei. Dadurch kann sie leichter abkühlen, und folglich können die dahin geleiteten Dämpfe sich leichter verdichten.

|9|

Man sieht in E, den Durchschnitt des bleiernen Kessels, E, im Grundrisse, Fig. 22. Der Buchstabe, F, zeigt den Aufriß der Krystallisations-Gefäße im Grundrisse, so wie G, den Tisch, G, zeigt.

Die Oeffnung, I, im Schornsteine, g'', dient als besonderer Schornstein für die Oefen, 2, Fig. 22, 24.11). Die Buchstaben, x und x' bezeichnen den Durchschnitt des Mauerwerkes der Oefen, auf welchen die Bleikessel, 4, 4, 4, 4, Fig. 22. aufgestellt sind.

Alle Dekel auf den Blei-Kisten und allen übrigen Apparate müssen genau verkittet werden; dann, wenn diese äußere Luft zwischen den Fugen eintreten, würde, würde der Zug durch den Schornstein, g'', weniger auf die Tubulirungen der Platinnen-Kessel wirken, und nicht die verlangte Kraft äußern. Immer müssen zuerst auch die Oefen, 2, 3, und 4, in Fig. 22. geheizt werden, damit die schädlichen Dämpfe aus b und 1, vertrieben werden können, und, wie gesagt, alle gefährlichen Arbeiten müssen in diesen Rauchwinkeln oder unter diesen Mänteln verrichtet werden. Man muß auch dafür sorgen, daß immer frische Luft genug in das Laboratorium gelangen kann; theils damit die Oefen ziehen können, theils damit durch die Gitterbedachung die Dämpfe aus den Abrauch-Kesseln leichter ihren Ausweg finden; denn sonst würde für die Kessel in der Mitte des Laboratoriums eine andere Ventilation nothwendig werden.12)

Verschiedene Tarife über die Kosten des Feinmachens in Frankreich seit der Zeit, als diese Kunst frei gegeben wurde. (Im Auszuge.)

Nach Titel IX. Sect. 2. Art. 135 des Gesezes 19. Brumaire J. VI. (9. Nov. 1797.) konnte der Feinmacher der Regierung als Kosten für seine Arbeit anrechnen:

1) Wenn die Barren mehr als die Hälfte ihres Gewichtes Gold enthielten, 24 Fr. 35 C. von jedem Kilogramm feinen Goldes, das er aus diesen Barren schied.

2) Wenn die Barren weniger als die Hälfte Goldes hielten, 10 Fr. 22 C. für jedes Kilogramm, das die unreine Barre vor der Scheidung wog.

|10|

3) Für Silber-Barren, 3 Franken 27 C. für jedes Kilogramm reinen Silbers in diesen Barren.

Nach dem Geseze vom 4. Prairial Jahr XI. (24. Mai 1803.) wurde für Gold 32 Franken für jedes Kilogramm Fein als Taxe für das Feinmachen bestimmt.

Für Silber wurde diese Taxe nach dem Korne berechnet: für Barren von 890 oder 899 Tausendtheilen kamen 4 Franken 10 C. für jedes Kilogramm: für Barren unter 200 aber 14 Franken für das Kilogramm.

Diese Taxen fordert man noch heute zu Tage an den Wechsel-Büreaux der Münze, wenn man daselbst Gold oder Silber unter 0,09 umsezen will.

Die Kunst ist seit der Zeit, als dieses Gesez fabricirt wurde, so weit fortgeschritten, daß dem Feinmacher jezt jede Barre für Gold-Barre gilt, die mehr als ein Zehntel ihres Gewichtes Gold enthält. Wenn sie das Gold aus solchen Barren zu scheiden haben, erstatten sie dem Eigenthümer alles darin enthaltene Gold und Silber, behalten nur das Kupfer für sich, das derselben beigemengt war, und verlangen nur 5 Franken 50 C. Kosten-Ersaz für das Feinmachen für jedes Kilogramm.

Wenn man eine Silber-Barre fein machen läßt, die weniger als 100 Tausendtheile Gold enthält, so behält der Feinmacher Ein Tausendtheil Gold und alles Kupfer in dieser Barre für sich; alles übrige Gold und Silber, welches in der Barre enthalten war, gibt er dem Eigenthümer, und noch eine Vergütung, die jezt 75 Cent, für das Kilogramm beträgt. Will der Eigenthümer aber alles Gold und Silber in der fein zu machenden Barre, so verlangt der Feinmacher 2 Franken 68 C. für jedes Kilogramm, und behält nur das Kupfer für sich. Bei Barren von sehr schlechtem Korne ist der Feinmacher durch das Kupfer allein hinlänglich bezahlt; er gibt dem Eigenthümer gern alles Silber, was die Barre enthielt, zurük. So sehr hat die Kunst des Feinmachens sich vervollkommnet!

Die Vortheile hiervon für den Handel sind nicht zu berechnen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Aufhebung der schändlichen Privilegien, daß Concurrenz und Wissenschaft diese Kunst noch weit mehr vervollkommnen, und noch genügendere Resultate liefern wird.

Aus den Annales mensuelles. Mai 1827. S. 131.

|1|

Wir betrachten hier das Feinmachen (l'affinage) nicht in der weitesten Bedeutung dieses Wortes, sondern bloß in Hinsicht auf Gold und Silber, d.h., bloß um die Verbindungen des Goldes und Silbers mit einander und mit anderen Metallen zu behandeln. A. d. O.

|2|

Man vergleiche über Anwendung der Schwefelsäure bei dem Feinmachen die Abhandlung von d'Arcet, neveu, vom J. 1802 im LV. Bd. des Journal de Physique p. 259, und die Antwort hierauf von Dizé, Ebendas. p. 437, 440. Hr. d'Arcet, neveu, wendete zuerst Kessel von Platinna an, um Verbindungen von Gold und Silber fein zu machen. A. d. O.

|2|

Hämmerbare Platinna galt die Unze 36 Franken, als die HHrn. Cuvq und Couturier eine bedeutende Menge dieses Metalles nach Frankreich brachten, und Hrn. Bréant zur Bearbeitung überließen. Dadurch gaben sie die erste Veranlassung zur besseren Behandlung der rohen Platinna, zu den glüklichen Erfolgen, welche Hr. Bréant erhielt, und zu der mächtigen Herabsezung des Preises, die die Platinna damals erlitt. Dadurch konnte dieses Metall nur häufiger zum Fabrik-Gebrauche angewendet werden. Die HHrn. Cuoq und Couturier fahren noch jezt fort diesen Zweig der Industrie zu betreiben. Die Gefäße, die lezterer verfertigt, werden rue de Lulli, N. 1. verkauft. A. d. O.

|2|

Hr. Bréant, vérificateur général des essais des monnaies, ließ die Platinna-Gefäße verfertigen, die wir in dem unten beschriebenen Laboratorium anwenden. Er hat seine Fabrik, rue Montmartre, N. 64, wo alle Gefäße zur Concentrirung der Schwefelsäure, zur Scheidung des Goldes von dem Silber etc. verfertigt werden. A. d. O.

|3|

Vergl. Hrn. Gay-Lussac's Abhandlung im 49. Bd. d. Annales de Chimie, p. 25. A. d. O.

|4|

Vergl. hierüber Descroizilles, über Erzeugung des Kupfervitrioles und die Krystallisation dieses Salzes in den Mèmoires de l'Acad. de Rouen, année 1807, p. 63. A. d. O.

|7|

In dem hier beschriebenen Laboratorium ist jener Theil des Kellers, welcher hier mit H, bezeichnet ist, ein Pochwerk und zusammenhängendes Mühlenwerk, in welchem die Abfalle des Laboratoriums mit Queksilber behandelt werden. A. d. O.

|8|

Eisen und Zink kann man dann zur Zersezung des schwefelsauren Silbers und Kupfers anwenden, wann es sich nur um Ausscheidung des Goldes aus seinen Verbindungen mit Silber und Kupfer handelt. Die Münz-Directoren, die nur Silber von 0,009 brauchen, könnten sich dieser Methode mit großem Vortheile bedienen. A. d. O.

|8|

Die Beschreibung dieses Apparates findet sich im 82. Bd. der Annales de Chimie, p. 165. A. d. O.

|9|

Man muß die Oeffnung, i, ganz oder zum Theile, nach Belieben, schließen können. Eben dieß gilt auch von den Schornsteinen der Oefen, die in Fig. 22. durch, b, b, 3, 4, und 7, bezeichnet sind. Alle diese Schornsteine müssen mit guten Schiebern (Registern) versehen seyn, damit man den Zug gehörig reguliren kann. A. d. O.

|9|

Wenn man anderswo kein Gitterdach errichten könnte, so müßten über den Kesseln um den Hauptschornstein, g'', Rauchwinkel oder Mantel aus Brettern, oder aus leichtem Mauerwerke errichtet werden, die man mit dem Hauptschornsteine in Verbindung bringt. Wenn man diese Rauchwinkel mit Vorhängen versieht, und sich so benimmt, wie bei dem Vergolden, wird man allen Dampf leicht in den großen Schornstein führen, und auch auf diese Weise das Laboratorium gesund machen können. A. d. O.

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