Titel: Luscombe's Bereitung eines Oehles aus gewissen vegetabilischen Substanzen.
Autor: Luscomb, Edmund
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. XVII. (S. 70–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028017

XVII. Bereitung eines Oehles aus gewissen vegetabilischen Substanzen und Anwendung desselben zur Leuchtgas-Fabrication und zu anderen Zweken; worauf Edm. Luscombe, Kaufmann in East Stonhouse, Devonshire, in Folge Mittheilung mehrerer im Auslande wohnender Fremden sich am 6. December 1825 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Decbr. 1827, S. 201.

Mit Abbildungen auf Tab. I.46)

Der erste Theil dieses Patentes besteht in einer Methode, Oehl aus Harz durch Destillation zu erzeugen; der zweite in einer Weise dieses Oehl zu zersezen und gekohlstofften Wasserstoff aus demselben zu bilden.

Fig. 17. stellt den hier vorgeschlagenen Apparat vor, den man zum Theile im Durchschnitte sieht, a, ist eine Retorte aus Gußeisen, die senkrecht in dem Ofen, d, steht. Diese Retorte wird ungefähr bis zur Hälfte mit Harz gefüllt, das in sehr kleine Stüke zerstoßen wird. Der Patentträger zieht Harz, das aus Terpenthin gewonnen wird, vor, obschon jedes andere vegetabilische Harz gleichfalls |71| hierzu dient. Auf jeden Zentner Harz in der Retorte kommen 14 Pfund Wasser, woraus, wenn die Retorte gehizt wird, eine Menge mit Gas gemengten Wasserdampfes sich entwikelt; wenn aber endlich die Retorte hinlänglich heiß wird, geht Oehlgas durch die Röhre, c, über, und wird in der Schlangenröhre oder in dem Wurme, d, verdikt.

Diese Schlangenröhre oder der Wurm, d, ist genau so eingerichtet, wie an gewöhnlichen Kühlgefäßen bei Destillirapparaten. Sie befindet sich in einem Kühlgefäße, welches aus der Cisterne, e, immerdar mit kaltem Wasser versehen wird, das in den Trichter, f, und aus diesem in den unteren Theil des Kühlgefäßes läuft. Wenn die Destillation des Harzes auf diese Weise geleitet wird, wird das Oehl in der Schlangenröhre verdichtet, und rinnt aus derselben in das unten hingestellte Gefäß, g.

Das zerkleinte Harz wird auf folgende Weise in die Retorte gebracht. Man öffnet die obere Mündung derselben, und verschließt sie, nachdem die Retorte hinlänglich gefüllt ist, mittelst einer Platte, die fest niedergeschraubt und am Rande verkittet ist. Oben an der Retorte ist eine Sicherheitsklappe angebracht, um der Möglichkeit einer Explosion vorzubeugen. Da aber die Retorte öfters gefüllt werden muß, sobald das Harz nämlich zersezt ist, so schlägt der Patentträger vor, das Harz unter gewissen Umständen in einem flüßigen Zustande, und zwar immer in einem sehr kleinen Strahle, nachfließen zu lassen. Diese leztere Methode scheint dem Patentträger jedoch nicht so vortheilhaft, als die erstere.

Man kann das Harz auch destilliren, ohne Wasser in die Retorte einzulassen; in diesem Falle wird das Oehl aber schlechter und dunkler. Wenn man das auf diese Weise erhaltene Oehl mit Mahlerfarben verbinden will, so muß aber das Wasser wegbleiben, und das dunkle Oehl läßt sich nur dadurch entfärben, daß man es durch Beinschwarz filtrirt.

Der Patentträger sagt, daß diese Destillation des Oehles aus dem Harze dadurch sehr erleichtert und beschleunigt wird, daß man sie unter atmosphärischem Druke vornimmt; er sagt aber nicht, wie man dieß angehen soll.

Eine andere Art, das Oehl aus der Schlangenröhre aufzusammeln, ist in Fig. 18. dargestellt, wo die Röhre aus dem unteren Theile derselben beinahe bis an den Boden des Kühlgefäßes reicht, das bis zu drei Viertel mit Wasser gefüllt ist. Das Oehl steigt dann an die Oberfläche des Wassers empor, und fließt von dort durch eine mit einem Hahne versehene Röhre in ein untergestelltes Gefäß. Der Vortheil bei dieser Vorrichtung besteht darin, daß alle gröberen |72| und schwereren Theile, die mit dem Oehle herüber kommen, sich auf dem Boden des Kühlgefäßes absezen, und von da mittelst eines Hahnes abgezogen werden können, wodurch dann das Oehl reiner wird.

Der Patentträger bemerkt selbst; daß dieser Apparat nicht ganz neu in seinen einzelnen Theilen ist, und nimmt nur die Verbindung derselben nach der hier angegebenen Weise und die Anwendung derselben zur Harzöhlbereitung als sein Patentrecht in Anspruch.

Der zweite Theil dieses Patentes befaßt sich mit der Gaserzeugung aus diesem Oehle, wozu der Apparat in Fig. 19. gehört, a, ist das Gefäß, welches dieses Oehl enthält, das aus der Röhre, b, in die unten stehende Retorte, c, fließt. Ehe das Oehl in den Behälter, a, kommt, wird es in einem eigenen Gefäße bis auf 130º F. erwärmt, wo dann eine gewisse Menge basisch kohlensaurer Soda calcinirt eingestreut und in dem Oehle solang umgerührt wird, bis es davon gesättigt ist; man rührt so lang, als noch ein Aufbrausen Statt hat.

Nachdem das Gefäß, a, mit Oehl gefüllt ist, wird der Ausfluß desselben mittelst eines Hahnes mit einem Zeiger auf der Mitte der Röhre regulirt, so daß mittelst des Zeigers die Menge, welche ausfließen soll, genau bestimmt werden kann. Die Retorte, c, liegt über einem Ofen. Die Hize zersezt das Oehl, sobald es in die Retorte herabgeflossen ist, und das auf diese Weise erzeugte Gas steigt durch die Röhre, d, in die Schlangenröhre des Kühlgefäßes, e. Hier werden die gröberen und schwereren von der Retorte aufsteigenden Theilchen verdikt, und fließen mit dem Gase durch eine kleine Röhre in das Gefäß, f, wo die verdichtete flüßige Masse sich zu Boden sezt, und das Gas durch die Röhre, g, in den Gasbehälter, b, aufsteigt, an welchem unten sich eine kleine Vertiefung befindet, i, in welcher alles dasjenige aufgenommen wird, was noch weiter zu Boden fällt.

Aus dem Gasbehälter, h, tritt das Gas durch die kleine Röhre, k, in eine Büchse oder Kammer, l, an welcher, mittelst Schraubengefügen, eine Menge Gefäße, m, m, m, angebracht werden, die sich mit Gas aus dem Gasbehälter füllen, und nachdem sie sich gefüllt haben, abgeschraubt und aufbewahrt, oder alsogleich an Lampen angewendet werden.

Ein wichtiger Theil dieses Apparates ist die Röhre, n, n, n,47) die von dem oberen Theile des Gasbehälters, h, in den oberen Theil des Oehlbehälters, a, läuft. Der Zwek dieser Röhre ist, das Gas aus dem Gasbehälter, h, in das Oehlgefäß, a, zu leiten, um durch den Druk |73| desselben auf die Oberfläche des Oehles in, a, zu wirken, und dieses durch die Röhre, b, unter demselben Druke herabsteigen zu lassen, unter welchem es in dem Gasbehälter, h, aufgenommen wird.

Der Patentträger nimmt die Zusammenstellung aller dieser Theile als sein Patentrecht in Anspruch.48)

Wir haben von diesem Patente bereits im 24. B. S. 67 unseres polyt. Journales aus dem Repertory of Patent-Inventions Nachricht gegeben: dort waren aber keine Abbildungen mitgetheilt. A. d. R.

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Es ist dieses die obere Röhre, an welcher im englischen Original sowohl als auch in unserer Abbildung die Bezeichnung durch die Buchstaben, n, n, n, aus Versehen unterblieb. A. d. R.

|73|

Dieser Apparat ist sehr sinnreich, nur schade, daß der Patentträger nicht angegeben hat, wie stark das Gas in den Flaschen, m, komprimirt wird. A. d. R.

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