Titel: Mallet Bericht über die mit dem Rade angestellten Versuche.
Autor: Mallet,
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. XXII. (S. 118–121)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028022

XXII. Bericht des Hrn. Mallet, im Namen des Ausschusses der mechanischen Künste, über die mit dem Rade des Hrn. de Thiville angestellten Versuche.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. N. 282. S. 426.

Die Gesellschaft beschloß nach dem im Jahre 1825 erstatteten vortheilhaften Berichte über dieses Rad ein solches bauen zu lassen, und mit demselben Versuche anzustellen.92)

Hr. Molard leitete den Bau; die Versuche wurden durch die Schwierigkeit ein Local zur Aufstellung des Rades zu finden verspätet.

Endlich verstand sich Hr. Poulain, Besizer einer Papiermühle am Ausflusse der Bièvre in die Seine, gegen Entschädigung, dieses Rad in seinem Rinsale laufen zu lassen.

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Das Local war ungünstig, und die Resultate, auf welche man sich verlassen kann, waren folgende.

Das Rad hat zwei Meter im äußeren Durchmesser. Es ist, im Werke, 46 Centimeter breit. Die Eimer am Umfange stehen zu 48, und der Ring, der sie einschließt, ist 16 1/2, Centimeter breit.

Das Rad ist in einem Gestelle aufgezogen, welches zwei Leitungen in Form von Eimern führt, durch welche das Wasser in den inneren Umfang gelangt, vorne an diesen Leitungen ist eine Art Behälters mit einem beweglichen Schuzbrette von 365 Millimeter Breite.

An der Achse des Rades wurde White's Dynamometer angebracht, und an der Verlängerung dieser Achse ein ähnlicher Zaum, wie jener dessen Hr. Prony sich bediente, bei Gelegenheit des Streites zwischen Hrn. Lecour und Hrn. Edwards. Dieser Zaum sollte den Widerstand bilden, und zugleich als Dynamometer dienen.

Eine Schnellwage von Hrn. Hanin wurde bald an White's Dynamometer, bald am Zaume angebracht, um den Druk zu messen. Hr. Geniey's, Ingenieur beim Brüken- und Wasserbaue, half uns bei dem Versuche, und zählte die Umdrehungen des Rades an einer guten Secunden-Uhr, während ich die Schnellwage beobachtete, und Hr. Molard das Wasser.

Der Hebelarm des Zaumes hatte, genau gemessen, 505 Millimeter Länge von der mathematischen Achse des Seiles, das ihn in Verbindung mit der Schnellwage brachte bis zum Mittelpuncte der Rolle dieses Zaumes.

Die Länge des Hebelarmes an White's Dynamometer, von der mathematischen Achse des hydraulischen Rades an, um welche dasselbe sich drehte, bis zur Achse des Seiles an der Schnellwage, war 365 Millimeter.

Man muß hier bemerken, daß, nach der Form von White's Dynamometer, die Achse seines Hebelarmes, die durch den Mittelpunct des Triebstokes läuft, auf einer Seite durch das Zahnrad, welches auf der Achse des hydraulischen Rades senkrecht steht, zur Bewegung gereizt wird, und auf der entgegengesezten Seite sich auf das andere Zahnrad stüzt, welches auf der Achse des Zaumes befestigt ist, der den Widerstand bildet. Hieraus folgt, daß, wenn dieser Hebelarm sich frei drehen könnte, er nur die Hälfte der Umdrehungen des hydraulischen Rades machen würde: ein Umstand, welchen wir bei unseren Rechnungen berüksichtigen werden.

Wir haben oben bemerkt, daß die Breite des Schuzbrettes, welches das Wasser liefert, 365 Millimeter beträgt. Dieses Schuzbrett wurde um 4 Centimeter gehoben. Die Höhe des Wasserstandes vom Spiegel bis auf die Sohle war 17 Centimeter.

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Diese Höhe wurde so genau, als nur immer möglich war, unterhalten, und dafür gesorgt, daß die Geschwindigkeit des Wassers bei seinem Antritte an das Schuzbrett auf der Oberfläche immer nur so groß blieb, als nothwendig war.

Die Höhe des Falles, von der Oberfläche des Wassers, welches sich in den Leitungs-Eimern bewegt, bis unter das Rad, war 1,30 Meter.

Die nach diesen Angaben berechnete Menge des am Rade verbrauchten Wassers war, unter obigen Rücksichten,

Textabbildung Bd. 28, S. 120

woraus sich die Größe der disponiblen Thätigkeit ergibt.

Textabbildung Bd. 28, S. 120

Erster Versuch mit White's Dynamometer.

Zahl der Umdrehungen des Rades in Einer Minute = 10.
Anzeige an der Schnellwage – – – – = 70 Kil.

Wenn nun ξ = der erhaltenen Wirkung, so hat man

Textabbildung Bd. 28, S. 120

Verhältniß zwischen der Wirkung und der angewendeten Thätigkeit

Textabbildung Bd. 28, S. 120

Zweiter Versuch.

Man wollte sehen, ob man einen Vortheil hat, wenn man das Rad ersäuft, und brachte daher an dem Fluchtlaufe ein Brett an, welches das Wasser um 16 Centimeter in die Höhe trieb, so daß der Fall nur mehr

Textabbildung Bd. 28, S. 120
Zahl der Umdrehungen des Rades in Einer Minute 9,25
Anzeige an der Schnellwage – – – 65 Kil.
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Erhaltene Wirkung

Textabbildung Bd. 28, S. 121

Verhältniß zwischen der erhaltenen Wirkung und der verwendeten Thätigkeit 11,49/18 = 0,637.

Dieses Verhältniß war oben 0,66. Es gäbe also keinen Vortheil, wenn man das Rad ersäuft, wenigstens in der angegebenen Tiefe, die mehr als 1/10 des ganzen freien Falles betrug.

Dritter Versuch, mit Anwendung des Zaumes.

Bemerk. Das zufließende Wasser stand immer auf derselben Höhe vor dem Schuzbrette, und alle Umstände blieben dieselben.

Zahl der Umdrehung des Rades in Einer Minute 10
Angezeigter Druk auf der Schnellwage – – 22 Kil.

Erhaltene Wirkung

Textabbildung Bd. 28, S. 121

Die oben mittelst White's Dynamometer erhaltene Wirkung war

Textabbildung Bd. 28, S. 121

was so ziemlich dasselbe ist. Der kleine Unterschied mag von der etwas größeren Reibung herrühren, die dadurch entstand, daß die Rolle des Zaumes durch White's Dynamometer bewegt wurde.

Schluß.

Aus diesen Versuchen erhellt, daß Hrn. de Thiville's Rad die 0,66 Thätigkeit, die es erhält, nüzlich verwendet. Die Commissäre müssen jedoch bemerken, daß, da sie die Geschwindigkeit des Wassers nicht im gehörigen Verhältnisse zur Geschwindigkeit des Rades reguliren konnten, ein Theil des Wassers verloren ging, ehe dasselbe bis an das untere Ende des Falles kam; daß ferner die Angaben der Schnellwage, an White's Dynamometer wie am Zaume, durch die Reibung vermindert werden mußten, welche durch das Räderwerk entstand, das die Wirkung mittheilte. Sie stehen daher nicht an, das Product der Kraft des Rades auf 70 p. C. zu schäzen: wodurch die frühere vortheilhafte Meinung des Ausschusses über dieses Rad bestätigt wird.94)

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Siehe Bulletin 1825. S. 208. A. d. O. Polytechnisches Journal Bd. XIX. S. 401; und Romershausens Reclamation ebds. Bd. XX. S. 131. A. d. R.

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Man erinnert sich, daß die Länge des Hebelarmes an White's Dynamometer = 0,365 Meter war. A. d. O.

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Die Abbildung dieses Rades wird in einem der nächsten Bulletins gegeben werden. A. d. O.

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