Titel: Dumas und Boullay, über die zusammengesezten Aetherarten.
Autor: Dumas,
Boullay,
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. LIV. (S. 201–219)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028054

LIV. Ueber die zusammengesezten Aetherarten, von den HHrn. Dumas und Boullay, Sohn.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. Januar. 1828. S. 15.

(Im Auszuge.)

Die bis jezt bekannten Aetherarten zerfallen in drei verschiedene Classen: in die erste gehören der Schwefeläther, Phosphoräther und Arsenikäther, welche wie Hr. Boullay der Vater bewieß, einander identisch sind; die zweite umfaßt eine Classe von Verbindungen, welche durch die Vereinigung des öhlbildenden Gases (Kohlenwasserstoffgases mit der größeren Menge Kohle) mit verschiedenen Wasserstoffsauren |202| entstehen; die dritte umfaßt 'verschiedene Aetherarten, welche man nach den sehr merkwürdigen Versuchen des Hrn. Thenard und Hr. Boullay's Vaters, als Verbindungen von Alkohol mit einer Sauerstoffsäure betrachtet hat. Wir haben in einer früheren Abhandlung (polytechn. Journal Bd. XXVII. S. 448) den Schwefeläther untersucht. Die Zusammensezung der Aetherarten der zweiten Classe ist unserer Meinung nach, genau bekannt; es blieben also noch die übrigen Aetherarten in Hinsicht ihrer Zusammensezung zu untersuchen übrig; diese Untersuchung haben wir unternommen, und können nun der Akademie die Resultate derselben vorlegen.

Wir haben den Salpeteräther, Essigäther, Benzoëäther und Kleeäther, als die zu der von uns beabsichtigten Untersuchung geeignetsten, gewählt. Einige von diesen sind von sehr vielen Chemikern untersucht worden; die Versuche des Hrn. Thenard sind aber unter allen in dieser Hinsicht unternommenen Arbeiten, diejenigen, welche die meisten genauen Data geliefert haben. Wir haben so oft Gelegenheit gehabt, uns von ihrer Genauigkeit zu überzeugen, daß die Verschiedenheit der Schlüsse dieses berühmten Chemikers von denjenigen, welche wir aus unseren Versuchen abzuleiten genöthigt waren, uns veranlaßte, die Frage in jeder Hinsicht zu untersuchen, ehe wir ein Resultat annahmen, welches sehr sonderbar scheinen wird.

Die Versuche des Hrn. Thenard haben erwiesen, daß der Salpeteräther, Essigäther, Benzoëäther und Kleeäther, wenn sie mit reinem Kali behandelt werden, sich mehr oder weniger schnell in untersalpetrichtsaures, essigsaures, benzoësaures oder kleesaures Kali, und in Alkohol zersezen. Hr. Thenard hat daraus geschlossen, was auch nothwendigerweise alle Chemiker annehmen mußten, daß diese Aetherarten aus den Sauren bestehen, die sich in den erhaltenen Kalisalzen befinden, und aus dem Alkohol, welcher durch den Versuch in Freiheit gesezt worden war.

Diese Aetherarten waren also nach dieser Ansicht wahre Salze, worin der Alkohol die Stelle der Basis vertrat. Die mit starker Verwandtschaft begabten Alkalien verdrängten den Alkohol, und kein Umstand berechtigte dazu, den geringsten Zweifel in diese Schlüsse zu sezen, welche so streng aus Thatsachen abgeleitet waren.

Indessen verträgt sich die elementare Zusammensezung der genannten Aetherarten nicht mit dieser Betrachtungsweise. Der Kleeäther, zum Beispiel, enthält fast eben so viel Kohlenstoff als der Alkohol, während doch die Kleesäure davon viel weniger enthält. Aus dem Essigäther erhält man mehr Kohlenstoff als aus Alkohol, und dennoch enthält die Essigsäure weniger Kohlenstoff, als der Alkohol. Wir verwunderten uns sehr über diese Thatsachen, welche mit Thenard's |203| Theorie ganz im Widerspruche sind, und suchten uns daher gegen alle Umstände zu verwahren, welche uns in einen Irrthum hätten führen können.

Wir haben die Analyse des Alkohols wieder vorgenommen, und erhielten die in unserer vorhergehenden Abhandlung angegebenen Resultate, die sich sehr den Resultaten nähern, welche die Chemiker gegenwärtig als richtig annehmen. Wir haben auch die organischen Säuren nochmahls analysirt, welche in den von uns gewählten Aetherarten enthalten sind, und ebenfalls Resultate erhalten, welche mit den von Hrn. Berzelius bekannt gemachten, übereinstimmen. Die Schwierigkeit, womit die Reinigung unserer Aetherarten verbunden ist, hätte uns in der That in einen Irrthum führen können; sie wurden jedoch mit so großer Sorgfalt bereitet, daß diese Furcht uns nicht gegründet schien. Alle Chemiker, welche unsere Arbeit aufmerksam durchgegangen haben, werden, wie wir hoffen, unsere Meinung theilen.

Es blieb endlich keine andere Erklärungsart mehr übrig, als die sehr wenig wahrscheinliche Annahme, daß bei allen Versuchen des Hrn. Thenard ein constanter Irrthum sich immer wiederholte. Wir haben diese Versuche, nachdem wir sie bereits durchgegangen hatten, nochmahls geprüft, und fanden wieder, wie man es erwarten mußte, daß die angegebenen Salze entstehen, und Alkohol frei wird, der alle charakteristischen Eigenschaften dieses Körpers besizt.

Es blieb also nichts mehr übrig, als die Hypothese anzunehmen, welche allein diese widersprechenden Erscheinungen in Uebereinstimmung bringen konnte. Diese Hypothese hatte sich uns schon im Anfange dieser Untersuchungen aufgedrungen, und wir erstaunten über ihre Uebereinstimmung mit unseren Resultaten; wir wagten es aber nicht, uns auf sie zu verlassen, als bis sie durch alle Thatsachen, welche wir erhalten konnten, unterstüzt war. Sie besteht darin, daß man annimmt, daß die zusammengesezten Aetherarten, welche wir untersuchen, aus einer Sauerstoffsäure und Schwefeläther bestehen. Wenn man bei der Behandlung mit Kali, Alkohol erhält, so rührt dieses daher, weil der Schwefeläther in dem Augenblike, wo er aus seiner Verbindung frei wird, sich des Wassers bemächtigt, welches er nöthig hat, um in den Zustand des Alkoholes überzugehen.

Der Alkohol und der Schwefeläther zeigen sich also hier unter einem neuen und merkwürdigen Gesichtspunkte, der einst ein großes Licht über verschiedene noch dunkle Erscheinungen in der organischen Chemie werfen kann.

Nachdem wir nun das Hauptresultat unserer Untersuchungen angegeben haben, wollen wir jezt die Beweise dafür liefern; denn wir |204| fühlen recht wohl, daß eine solche Folgerung nur dann angenommen werden kann, wenn sie sich auf die sichersten Grundlagen stüzt.

Wir wollen also jezt die vier Aetherarten, welche den Gegenstand unserer Untersuchungen ausmachen, und alle näheren Umstände ihrer Bereitung übergehen, wenn wir zu den Beobachtungen, welche Hr. Thenard bereits gemacht hat, nichts hinzuzufügen haben.128)

Wir haben diese vier Aetherarten immer in drei verschiedenen Beziehungen untersucht. Zuerst suchten wir ihre elementare Zusammensezung zu bestimmen. Wir haben die Dichtigkeit ihres Dampfes bestimmt; endlich haben wir zu größerer Sicherheit sie auch noch auf die Art analysirt, daß wir die Menge Säure und Alkohol, welche man daraus erhalten kann, zu bestimmen suchten. Aus allen diesen Resultaten zusammengenommen, ergab sich die von uns aufgestellte Meinung, und so sonderbar auch unsere Hypothese scheinen mag, so können wir sie doch nicht für ungegründet halten, da wir auf drei in Hinsicht der Methode und des Gesichtspunktes so verschiedenen Wegen immer zu demselben Resultate gelangten.

Bereitung und allgemeine Eigenschaften der Aetherarten, welche wir untersucht haben.

Salpeteräther. Wir haben zu den Details, welche Hr. Thenard über die Bereitung des Salpeteräthers angibt, nichts hinzuzufügen, als dieses, daß die Operation um so leichter zu leiten ist, mit einer um so geringeren Quantität man arbeitet, und daß man dann auch verhältnißmäßig mehr von dem Producte erhält; dieses begreift man leicht, wenn man sich erinnert, mit welcher Heftigkeit die anzuwendenden Körper auf einander einwirken. Wenn man z.B. 200 Grammen Salpetersäure mit 200 Grammen Alkohol von 40° in einer Retorte, welche drei Pinten faßt, digerirt, so braucht man die Retorte nicht abzukühlen, wenn man nur das Feuer unterdrükt, so bald die Einwirkung beginnt. Die Operation geht dann ruhig vor sich, und der Aether verdichtet sich ganz in der ersten kalt gehaltenen Woulfeschen Flasche, welche das Salzwasser enthält. Man kann also die anderen weglassen, was die Operation viel bequemer macht, indem der Apparat einfacher, und der Druk viel geringer ist.129)

|205|

Aus der oben angegebenen Quantität von Alkohol und Säure erhielten wir ungefähr 45 bis 50 Grammen Aether, der aus die gewöhnliche Weise gereinigt war.130) In diesem Zustande war er gelblichweiß, und röthete nicht das Lakmus; wir fanden seine Dichtigkeit bei + 4° C. und 0,760 Meter Druk, gleich 0,886.

Essigäther. Um alle Unsicherheit über die Reinheit dieses Körpers zu vermeiden, zogen wir es vor, ihn nach der alten Methode darzustellen, welche darin besteht, daß man ein Gemisch aus gleichen Theilen concentrirter Essigsäure und Alkohol, 12 oder 15 Mahl destillirt. Man erhält auf diese Art leicht einen mit Alkohol vermischten Essigäther, aber es ist außerordentlich schwierig, allen Alkohol davon zu trennen. Beschränkt man sich darauf, ihn zwei oder drei Mahl zu waschen, und ihn dann durch Destillation über Chlorcalcium zu entwässern, so erhält man einen Aether, dessen Dichtigkeit, in Dampfgestalt, 2,5 oder dieser Zahl sehr nahe ist. Wäscht man ihn hierauf neuerdings und entwässert ihn hierauf ganz, so vergrößert sich seine Dichtigkeit, und steigt bis auf 2,6 bis 2,7. Neues Auswaschen desselben bringt sie bis auf 2,8 bis 2,9, endlich auf 3,0.... 3,03.... 3,06, worauf sie dann nicht mehr zunimmt. Es ist ein 12 bis 15mahliges Auswaschen nöthig, um es bis auf diesen Punct zu bringen, und da das Wasser eine nicht unbedeutende Menge Essigäther auflöst, so reducirt sich das anfängliche, ziemlich große Product endlich auf einige Grammen. Man muß also, um eine etwas beträchtliche Menge davon zu erhalten, wenigstens ein Kilogramm (2 Pfund) von dem Gemische in Arbeit nehmen.

So bereitet und gereinigt, siedet der Essigäther bei 74° C. unter einem Druke von 0,76 Meter; seine Dichtigkeit und Tension konnten aus Mangel einer hinreichenden Menge desselben, nicht bestimmt werden.

Benzoëäther. Den Benzoëäther erhält man leicht nach dem von Hrn. Thenard angegebenen Verfahren. Es besteht bekanntlich darin, daß man einige Zeit lang ein Gemisch aus Alkohol, Salzsäure und Benzoësäure destillirt.131) Wenn die Hälfte der Flüßigkeit überdestillirt ist, cohobiren wir wieder, und wiederholen sogar diese Operation zwei oder drei Mahl. Der größte Theil des Aethers findet sich in dem Rükstande: man scheidet ihn durch Wasser ab, und einiges Auswaschen entzieht ihm größtentheils seine überschüssige Saure. Wenn man ihn über Bleiglätte kocht, bis sein Siedepunct beständig |206| wird, und alle freie Säure gesättigt ist, hierauf ihn vorsichtig destillirt, so erhält man ihn vollkommen rein und ganz farbenlos.

Durch das Verfahren, welches wir angegeben haben, verwandelt man die angewandte Säure fast ganz in Aether. Man findet davon kaum Spuren in dem Recipienten, wenn die lezte Destillation gut geleitet wurde.

So bereitet, siedet der Benzoëäther bei 209° C.; seine Dichtigkeit ist 1,0539 bei der Temperatur von 10,5° C.; seine Tension ist sehr gering.

Kleeäther. Wir haben diesen Körper nach dem von Herrn Thenard angegebenen Verfahren bereitet; aber man erhält dadurch nur eine so geringe Menge davon, daß man nach der zur Reinigung des Productes nöthigen Behandlung selten noch soviel zurükbehält, daß man seine Eigenschaften ausmitteln könnte. Nach einigen Versuchen blieben wir bei folgendem Verfahren stehen, welches uns diesen Körper in Menge verschaffte.

Man destillirt 1 Th. Alkohol, 1 Th. Kleesalz und 2 Th. Schwefelsäure. Zuerst geht Alkohol über, dann Schwefeläther, und endlich eine öhlartige Flüßigkeit, welche sich auf dem Boden des Recipienten sammelt. Man kann die Destillation so lange fortsezen, bis die Retorte keine geistige Flüßigkeit mehr enthält. Die lezten Producte werden am reichsten an Kleeäther seyn. Er macht das angeführte öhlartige Product aus. Man muß ihn von dem darüber schwimmenden Alkohol trennen und dann in ein Standglas gießen, welches Wasser enthält. Er schwimmt oft auf dieser Flüßigkeit, aber in dem Maße, als der Schwefeläther, womit er vermengt ist, verdampft, fällt er in starken Tropfen auf den Boden des Gefäßes. Wenn man in die Retorte wieder den Alkohol, welchen der Recipient enthielt, oder eine neue Menge Alkohol gießt, kann man noch ein Mahl eben so viel Kleeäther erhalten, als das erste Mahl. Eine dritte Destillation würde auch noch solchen geben, aber weniger. Wenn alle diese Operationen beendigt sind, muß man die geistigen Producte mit Wasser behandeln; es scheidet sich dadurch Kleeäther ab, welchen man mit dem vorigen vereinigt.

Der so bereitete Aether ist sehr sauer; er enthält außerdem noch Wasser, Alkohol und Schwefeläther. Um ihn zu reinigen, behandeln wir ihn mit gepulverter Bleiglatte, und lassen ihn über dieser Substanz sieden, bis sein Siedepunct, der anfangs gegen 90 oder 100° war, auf 183 oder 184° gekommen ist, worauf er sodann beständig ist. Wenn man diese Operation in einem Ballon mit kurzem Hals vornimmt, so werden das Wasser, der Schwefeläther und der Alkohol verflüchtigt, und die freie Säure bildet kleesaures Blei, welches leicht |207| so wie die überschüßige Glätte, durch Decantiren abgeschieden werden kann. Man gießt den Aether, welcher auf Lakmuspapier nicht reagiren darf, in eine recht trokne Retorte und destillirt ihn.

So bereitet ist er eine öhlartige Flüßigkeit, von 1,0929 Dichtigkeit bei 7,5°, welche zwischen 183 und 184° C. unter einem Druk von 0,76 M. siedet, und deren Tension sehr schwach ist. Sein Geruch ist aromatisch und manchmal dem von Knoblauch oder Phosphor ähnlich.

Wir haben kein Kali zu seiner Reinigung angewandt, weil er durch diese Basis so leicht zerstört wird. Wir waren auch genöthigt auf die Anwendung des Chlorcalciums zu verzichten, da auch dieser Körper zersezt wird und offenbar kleesauren Kalk bildet und zugleich ohne Zweifel leichten Salzäther, wenigstens nach dem Geruche zu artheilen.

Wir haben auch das Auswaschen mit Wasser unterlassen, weil schon das Wasser allein diesen Aether schnell zersezt. So haben wir einmal zwanzig bis dreißig Grammen davon acht Tage lang in einem Reagensglase unter Wasser gelassen: nach dieser Zeit war aller Aether verschwunden, das Wasser war nur eine gesättigte Auflösung von Kleesäure, und die Wände des Glases waren mit Krystallen von Kleesäure belegt, die sich durch ihre Größe und regelmäßige Form auszeichneten.

Man wird aus dem Verlauf dieser Abhandlung ersehen, welche Rolle die Mineralsäuren bei der Bereitung des Benzoë- und Kleeithers spielen. Einige Chemiker haben geglaubt, daß der Zusaz von Schwefelsäure in diesem Falle den Zwek hat, den Siedepunct der Flüßigkeit zu verzögern, wodurch dann die Verbindung zwischen der anderen Säure und dem Alkohol erleichtert würde, indem nach ihrer Hypothese diese Verbindung eine etwas erhöhte Temperatur erfordern würde, um Statt zu finden. Hr. Thenard nahm an, daß die Mineralsäuren den Alkohol concentriren und ihn dadurch geschikter machen, die Verbindung zu bilden, welche man hervorbringen wollte. Diese Meinung nähert sich sehr der unserigen, denn wir glauben, daß diese Säure den Alkohol, in Schwefeläther, die wirkliche Basis der zusammengesezten Aetherarten, umändert.

Bestimmung der elementaren Zusammensezung der Aetherarten, welche wir untersucht haben.

Diese Analysen wurden nach dem bekannten Verfahren mit Kupferoxyd angestellt. Wir haben im Allgemeinen den Apparat des Hrn. Gay-Lussac angewandt. Die Aetherarten wurden in kleine Kölbchen gebracht, und man zwang ihren Dampf, langsam über Kupferoxyd zu streichen, welches bis zur angehenden Rothglühhize erhizt war.

|208|

Untersalpestrichtsaurer Aether. Die Erscheinungen, welche bei der Bildung des Salpeteräthers Statt finden, machen es sehr wahrscheinlich, daß dieser Körper desoxydirte Salpetersäure enthält. Hr. Thomson hat jedoch seine Zusammensezung unter der Voraussezung berechnet, daß er aus Salpetersäure und öhlbildendem Gas besteht. Diese Hypothese war im Voraus durch die sehr genauen Versuche des Hrn. Thenard vernichtet, welcher den Salpeteräther durch Kali in untersalpetrichtsaures Kali und Alkohol verwandelt hat. Man könnte jedoch einwenden, daß die untersalpetrichte Säure und der Alkohol darin nicht als solche vorhanden sind, und erst durch die Einwirkung der Alkalien entstehen. Wir wollen diese Zweifel durch direkte Versuche aufklären.

Wir ließen Salpeteräther in Dampfgestalt über braunes Kupferoxyd streichen, welches bis zur anfangenden Rothglühhize erhizt war, und zwangen ihn hierauf durch eine lange Windung von Kupferdraht zu streichen, die ebenfalls rothglühend war. Bei jedem Versuche stellte man die zuerst mit Gas gefüllten Gloken bei Seite und war bemüht, die anderen auf Stikstoffoxydgas oder öhlbildendes Gas zu untersuchen. Vier Versuche zeigten evident, daß man durch diese Verbrennung 4 Vol. Kohlensäure auf 1 Vol. Stikstoff erhält.

Bei allen Versuchen wurde das Stikstoffgas in Berührung mit Sauerstoff gebracht, wodurch es nicht röthlich wurde. Das Volum der beiden Gasarten wurde durch ihre Vermengung nicht verändert. Als wir sodann Wasserstoff zusezten und durch elektrische Funken hindurchschlagen ließen, konnten wir uns überzeugen, daß keine Kohlensäure entstand, und daß die Absorption in jedem Falle gerade so war, als wenn der Sauerstoff und Wasserstoff allein vorhanden gewesen wären.

Andererseits haben wir das durch diese Verbrennung gebildete Wasser gesammelt. Dieses Wasser, welches bald durch Chlorcalcium und in Rohren gesammelt wurde, die auf – 12° C. erkältet waren, wurde, wenn der Versuch gut geleitet wurde, niemahls weder sauer noch alkalisch befunden. Aus 100 Gr. Salpeteräther erhielt man 62 1/2 Gr. Wasser. Der Salpeteräther besteht also aus:

Kohlenstoff 32,69;
Stikstoff 19,00;
Wasserstoff 6,85;
Sauerstoff 41,46.
––––––
100,00.

In Raumtheile verwandelt, gibt dieses Resultat:

4 Vol. Kohlenstoffdampf;
1 Stikstoff;
|209|
5 Vol. Wasserstoff;
2 Sauerstoff.

Unter einem anderen Gesichtspuncte betrachtet, gibt diese Analyse für die Zusammensezung des Aethers offenbar:

4
5
1/2
Vol.

Kohlenstoffdampf,
Wasserstoffgas,
Sauerstoffgas
1. Vol. Aetherdampf.
1
1,5
Vol.
Stikstoff,
Sauerstoff
1 Vol. untersalpetrichte Säure?

Dieses unerwartete Resultat wird vollkommen durch die folgenden bestätigt.

Essigäther. Wir fanden für seine Zusammensezung, indem wir Aetherarten von verschiedenen Operationen in Arbeit nahmen, und uns auf die am meisten abweichenden Resultate beschrankten:

Kohlenstoff 54,820 53,06 53,95;
Sauerstoff 36,425 39,25 37,33;
Wasserstoff 8,755 8,69 8,72
––––––– –––––– ––––––
100,00 100,00 100,00;

diese Resultate deuten offenbar auf:

16 Vol Kohlenstoffdampf;
16 Wasserstoff;
4 Sauerstoff.

Der Essigäther kann also durch Ein Atom Schwefeläther (H¹⁰CO) und Ein Atom Essigsäure (HCO³) ausgedrükt werden.

Man wird bemerken, daß der Essigäther 54 Procent Kohlenstoff enthält, der Alkohol aber nur 52, und die Essigsäure höchstens 49.

Benzoëäther. Die Analyse dieses Aethers ist mit einiger Schwierigkeit verbunden. Da die Dichtigkeit seines Dampfes sehr groß und sein Gehalt an Kohlenstoff und Wasserstoff beträchtlich ist, so geschieht es sehr oft, daß ein Theil der Zersezung entgeht; dieses erkennt man aber sehr leicht an dem Geruch, welchen die Gasarten oder das verdichtete Wasser annehmen, und oft auch an der Erscheinung öhlartiger Streifen in den kalten Theilen der Röhre. Diese Erscheinungen treffen immer mit einer zu kleinen Menge von Kohlenstoff zusammen. Wenn sie sich nicht einstellen, bleibt die Menge des Kohlenstoffs constant, und so wie sie sich aus der über die Zusammensezung der vorhergehenden Aetherarten abgeleiteten Theorie ergibt. Die Resultate unserer Analyse sind:

Kohlenstoff 73,32
Sauerstoff 19,10;
Wasserstoff 7,87.
––––––
100,29.
|210|

Wie bei den vorhergehenden Aetherarten wird diese Zusammensezung durch Ein Atom Benzoesäure (H¹² C³º O³) und Ein Atom Schwefeläther (H¹º CO) ausgedrükt. Wenn man die Data der Analyse in Raumtheile verwandelt, so erhält man:

38 Vol. Kohlenstoffdampf;
22 Wasserstoff;
4 Sauerstoff.

Kleeäther. Die Analyse dieses Aethers haben wir öfters angestellt. Er ist in der That am meisten geeignet, um das allgemeine Resultat dieser Arbeit außer Zweifel zu sezen, weil man ihn so leicht mit Kali analysiren kann, wie man in der Folge sehen wird. Wir haben darin immer fast eben so viel Kohlenstoff gefunden, wie in dem absoluten Alkohol; dieses wäre aber ganz unmöglich, wenn er aus Säure und Alkohol bestehen würde, weil die Säure 0,33 und der Alkohol 0,52 Kohlenstoff enthält. Unsere Resultate sind:

Kohlenstoff 49,61 48,95;
Wasserstoff 43,77 44,09;
Sauerstoff 6,62 6,96.
–––––– ––––––
100,00 100,00.

Verwandelt man diese Zahlen in Raumtheile, so erhält man offenbar:

12 Vol. Kohlenstoffdampf;
10 Wasserstoff;
4 Sauerstoff.

Die Zusammensezung des Kleeäthers muß also ausgedrükt werden, durch Ein Atom Schwefeläther (H¹⁰ CO) und Ein Atom Kleesäure (CO³).132)

Wir wollen, indem wir diese Abhandlung schließen, einige Ansichten |211| auseinandersezen, welche theils daraus folgen, theils sich an dieselbe anreihen.

Das allgemeinste Resultat unserer Untersuchungen besteht darin, den Schwefeläther als eine salzfähige Basis, und den Alkohol als ein Hydrat des Aethers zu betrachten. Man erhält dann für die Zusammensezung dieser beiden Körper:

1 Vol. Aetherdampf, 2 Vol.
1 –
öhlbildendes Gas.
Wasserdampf.
1 Vol. Alkoholdampf, 1/2 Vol.
1/2 –
Aetherdampf.
Wasserdampf.

Für den untersalpetrichtsauren Aether, den Essigäther und Benzoëäther, welche wir so eben untersucht haben, ist es sehr wahrscheinlich, daß sie bestehen aus:

1/2 Vol. Schwefelätherdampf.
1/2 Säuredampf.

Der Kleeäther macht eine Ausnahme, und enthält:

1 Vol. Schwefelätherdampf.
1 Säuredampf.

Die einen wie die anderen unterscheiden sich aber, wenn man sie mit dem Alkohol vergleicht, von ihm nur darin, daß das Volum des Säuredampfs 1 gleiches Volum Wasserdampf ersezt.

Man kann jedoch die Zusammensezung dieser Körper noch unter einem anderen allgemeineren Gesichtspunkte betrachten. Er besteht darin, auf das öhlbildende Gas selbst den alkalischen Charakter zu übertragen, und man erhält dadurch den Vortheil, mit einem Blik die verschiedenartigsten Verbindungen dieser Klasse umfassen zu können; wir legen einige Wichtigkeit auf diese Betrachtungsweise, und geben ihr wegen ihrer Einfachheit den Vorzug vor der so eben angeführten.

Es handelt sich also darum, zu erfahren, ob das öhlbildende Gas |212| in der That den alkalischen Charakter besizt, welchen wir ihm beilegen. Folgende Beweise scheinen uns keinen Zweifel über diesen Punct übrig zu lassen.

Das Salz, welches wir bei der Behandlung des Kleeäthers mit Ammoniak erhielten (vergl. die Anmerkung) enthält 2 Vol. Ammoniak und 2 Vol. öhlbildendes Gas, welche 2 Vol. Ammoniakgas ersezen, die nöthig wären, um das neutrale kleesaure Ammoniak zu completiren. Das öhlbildende Gas hat also genau dieselbe Sättigungscapacität, wie das Ammoniak.

In dem Chlorwasserstoffäther und Jodwasserstoffäther ist 1 Vol. gasförmiger Säure durch 1 Vol. öhlbildendes Gas neutralism, so wie in dem neutralen chlorwasserstoffsauren und jodwasserstoffsauren Ammoniak die Säure und die Basis Volum gegen Volum verbunden sind. Die Sättigungscapacität ist hier noch dieselbe.

Ein Atom untersalpetrichte Säure, Essigsaure, Benzoësäure, Kleesäure sättigt 4 Vol. Ammoniak: nun sättigt aber in den durch diese Säuren gebildeten Aetherarten, 1 Atom jeder von ihnen auch genau 4 Vol. öhlbildendes Gas. Die Sättigungscapacität ist also auch bei diesem Umstande wieder gleich. Endlich findet man, daß in den schwefelweinsauren Salzen, welche man nach Belieben entweder als aus Unterschwefelsäure, süßem Weinöhl und einer Basis, oder aus Schwefelsäure, öhlbildendem Gas und einer Basis, zusammengesezt betrachten kann, nach lezterer Hypothese, Ein Atom Schwefelsäure genau durch vier Vol. öhlbildendes Gas gesättigt wird, so wie sie durch 4 Vol. Ammoniak gesättigt würde. Auch in diesem Falle ist also die Sättigungscapacität für beide dieselbe.

Wenn wir die Vergleichung des öhlbildenden Gases mit dem Ammoniakgase fortsezen, so finden wir, daß leztere Basis, wenn sie sich mit Wasserstoffsauren verbindet, immer wasserfreie Salze gibt, während sie mit den Sauerstoffsäuren immer Salze gibt, die Krystallwasser enthalten, wovon man sie nur sehr schwer befreien kann, ohne daß sie eine anfangende Zersezung erleiden.

Wir finden dieselben Eigenschaften bei den Verbindungen des öhlbildenden Gases mit den Säuren. Die Wasserstoffsäuren bilden alle wasserfreie Aetherarten, das heißt Verbindungen von reiner Säure und öhlbildendem Gas. Davon kennt man bis jezt den Chlorwasserstoff- und Jodwasserstoffäther.

Die Sauerstoffsauren bilden hingegen hydratische Aetherarten, das heißt, Verbindungen von öhlbildendem Gas, Säure und Wasser.

Lezterer Gesichtspunct umfaßt, wie man sieht, Verbindungen, die anscheinend sehr unähnlich sind. Unglüklicherweise hat man heute zu Tage nicht viele Mittel, ihren Werth direct zu bestimmen. Da |213| das öhlbildende Gas in Wasser nicht auflöslich ist, so kann es auf den Färbestoff des Lakmus und den der Veilchen, welche gegenwärtig als Reagentien auf Alkalien dienen, nicht wirken. Man könnte noch einwenden, daß die Aetherarten als Salze betrachtet, mit den gewöhnlichen Salzen doppelte Zersezungen geben müßten, die man jedoch niemals beobachtet; diese Erscheinungen sind aber viel zu wenig im Detail bekannt, als daß sie einen gegründeten Einwurf abgeben könnten; denn daß keine Reaction Statt findet, kann daher rühren, daß auflösliche, den schwefelweinsauren Salzen analoge Verbindungen entstehen.

Wir wagen uns aber dessen ungeachtet zu schmeicheln, daß die von uns hier besprochene Meinung angenommen werden wird; denn ist die am meisten characteristische Eigenschaft der Vasen nicht diese, daß sie die Eigenschaft haben, die sauren Körper, womit sie sich verbinden, zu neutralisiren? und könnte man viele Salze anführen, welche offenbar mehr neutral sind, als die Aetherarten? Ueberdieß hat ihr flüßiger oder gasförmiger Zustand auf die Frage keinen Einfluß, denn es gibt Ammoniaksalze, welche flüßig sind, und das blausaure Ammoniak ist von dem gasförmigen Zustande nicht entfernt.

Die merkwürdigen von uns beobachteten Verwandlungen des Alkohols in Aether und des Aethers in Alkohol würden wahrscheinlich nicht ohne Widerspruch zugestanden werden, wenn wir sie nicht durch ein auffallendes und unverwerfliches Beispiel unterstüzen könnten. Wir finden es in den so merkwürdigen Untersuchungen des Herrn Chevreul über die fetten Körper.

Diese Körper scheinen uns viele Eigenschaften mit den von uns untersuchten zusammengesezten Aetherarten gemein zu haben, wie sie bestehen sie aus einer organischen Basis und einer Säure; wie sie, zersezen sie sich durch den Einfluß der Alkalien; wie sie endlich, haben sie eine Substanz zur Basis, welche, wenn sie sich von der Säure trennt, Wasser absorbirt, welches man ihr sodann nicht mehr entziehen kann.

Diese Annäherung war dem Scharfsinn des Hrn. Chevreul nicht entgangen, aber sie erhält durch unsere Versuche mehr Gewißheit und Interesse, weil das Wasser, wie bei der Seifenbildung, so auch hier unter denselben Umständen, festen Zustand annimmt.

Wenn man noch einige Zweifel über die salzartige Natur der Oehle und Fettarten hegen könnte, so müßte die von uns so eben angestellte Vergleichung nach unserer Meinung hinreichen, sie zu vernichten. Bis auf den Umstand, daß man zur Zeit die Oehle nicht aus den Sauren und der Basis, welche man daraus erhält, zusammensezen kann, stimmen alle ihre chemischen Charaktere mit denjenigen, welche wir bei den Aetherarten fanden, überein. Es ist interessant, |214| in dieser Hinsicht den Verseifungsproceß, z.B. des Wallraths und die Behandlung des Kleeäthers mit Kali zu vergleichen. Die fetten Säuren und die Kleesaure absorbiren, wenn man sie isolirt, Wasser, welches man ihnen nicht mehr anders entziehen kann, als wenn man sie mit einer Basis behandelt. Das Wallrath enthält Doppeltkohlenwasserstoff, welcher sich während der Verseifung mit Wasser verbindet und Aethal bildet (vergl. polyt. Journ. Bd. XXIII. S. 516); der Kleeäther enthält Schwefeläther, welcher während der Einwirkung des Kalis sich mit Wasser verbindet und Alkohol bildet. Die Aehnlichkeit läßt nichts zu wünschen übrig.

Endlich scheint der Gesichtspunct, welcher sich aus unseren Resultaten ergibt, viel Licht über den Proceß der geistigen Gährung zu verbreiten. Diese merkwürdige Verwandlung des Zukers hat bekanntlich eine Menge Untersuchungen veranlaßt, und die meisten Leser werden wissen, daß es Hrn. Gay-Lussac gelang, ihre Producte auf eine sehr einfache und elegante Weise zu versinnlichen.133) Nach diesem berühmten Chemiker kann die Zusammensezung des Zukers durch Alkohol und Kohlensäure repräsentirt werden. Die Gährung würde seine Elemente auf eine solche Weise trennen, daß er in diese beiden Producte zerfiele. Damit aber diese Hypothese angenommen werden kann, muß man voraussezen, daß der Zuker 4 oder 5 Procent Kohlenstoff enthält, welche nicht wirksam sind oder auf eine unbekannte Weise daraus entfernt werden; denn man kann nicht glauben, daß bei der Analyse des Zukers ein Irrthum obwaltet. Die von den HHrn. Gay-Lussac und Thenard, Berzelius, Th. v. Saussure und einem von uns angestellten Versuche stimmen alle zu gut überein, als daß ein solcher Irrthum im Geringsten wahrscheinlich wäre.

Die von Hrn. Gay-Lussac aufgestellte Theorie der Gährung läßt also noch etwas zu wünschen übrig; dieß ist aber nicht mehr der Fall, sobald man in der theoretischen Zusammensezung des Zukers den Alkohol durch Aether ersezt. Es wird dann zwischen der Theorie und der Erfahrung die vollständigste Uebereinstimmung hergestellt, wovon man sich folgendermassen überzeugen kann. Nach der Analyse des Hrn. Berzelius besteht der wasserfreie Zuker aus:

6 Vol. Kohlenstoffdampf:
5 Wasserstoff;
2 1/2 Sauerstoff;

der Schwefeläther enthält:

4 Vol. Kohlenstoffdampf;
5 Wasserstoff;
1/2 Sauerstoff;

es bleiben also übrig:

2 Vol. Kohlenstoffdampf;
2 Sauerstoff;

d.h. der Zuker kann durch Ein Vol. Aetherdampf und zwei Vol. Kohlensäure repräsentirt werden; daraus folgt, daß bei seiner Gährung das Vol. Aetherdampf Ein Vol. Wasserdampf aufnehmen muß, um in Alkohol überzugehen. Wenn dieses so Statt findet, muß die Gewichtszunahme merklich und bestimmbar seyn; wir nehmen uns auch vor, diese Erscheinung neuerdings mit der Aufmerksamkeit, welche sie verdient, und mit Hülfe der analytischen Methoden zu untersuchen, welche Lavoisier und Hrn. Thenard, als sie sich damit beschäftigten, fehlten.

Einstweilen sey es uns erlaubt zu bemerken, wie weit unsere Erklärung den analytischen Datis treu ist. Der einzige Unterschied zwischen den von uns angenommenen und den von Hrn. Berzelius gefundenen Zahlen findet bei dem Wasserstoff Statt. Nach ihm würde der Zuker aus 24 Vol. Kohlenstoffdampf, 10 Vol. Sauerstoff und 21 Vol. Wasserstoff bestehen. Wir nehmen nur 20 von lezterem Körper an und stüzen uns dabei auf die Versuche der HHrn. Gay-Lussac und Thenard, und auf diejenigen vieler anderen Chemiker, welche in dem Zuker den Sauerstoff und Wasserstoff in dem zur Bildung von Wasser erforderlichen Verhältniß fanden. Wir können auch noch anführen, daß dieser Irrthum eines 21stel bei dem Wasserstoff ziemlich demjenigen entspricht, welchen dieser so genaue Chemiker bei seiner Analyse der Kleesaure gemacht hat. Diese Betrachtungen können die von uns gemachte Correction rechtfertigen, und es sind deren nicht zu viele, wenn es sich von den Analysen des Hrn. Berzelius handelt, Analysen, deren ausgezeichnete Genauigkeit sich jeden Tag bestätigt, und welche eine so wichtige Epoche in der Geschichte der Chemie machen.

Der Trauben- und der Stärkezuker scheinen hauptsächlich dadurch von dem Rohrzuker verschieden zu seyn, daß sie auf solche Art zusammengesezt sind, daß man sie wirklich durch Kohlensäure und Alkohol repräsentiren kann.

In der That enthalten diese Zukerarten nach der Analyse des Hrn. Th. v. Saussure CHO³ 1/2, was wir durch HCO³ + HO 1/2 ausdrüken, indem wir dieses halbe Atom Wasser als Krystallwasser betrachten. Es bleibt alsdann noch übrig:

HCO³ = C²O² + (HC⁴ + H²O),

|216|

das heißt, der Stärkezuker kann durch gleiche Vol. Kohlensäure und Alkohol ausgedrükt werden.

Wenn man diese Betrachtungsweise annimmt so können der Traubenzuker und der Stärkezuker als kohlensaure Salze des Doppeltkohlenwasserstoffs (öhlbildenden Gases) betrachtet werden, und sie unterscheiden sich bloß dadurch, daß der erstere zwei Mahl weniger Krystallwasser enthält, als der zweite.

Wir glauben und hoffen es auch bald beweisen zu können, daß diese Ansicht mehr als jede andere geeignet ist, die ausgezeichneten Eigenschaften dieser beiden Zukerarten zu erklären; sie scheint uns außerdem auch besser als jede andere zum Anhaltspunct bei Versuchen über die chemischen Eigenschaften und bei der Erklärung der dabei erhaltenen Resultate dienen zu können. Uebrigens wird man das Gesagte erst dann besser würdigen können, wenn wir der Akademie die Arbeit über die Zukerarten und die Währung, womit wir uns beschäftigen, vorlegen werden.

Wir haben alle Thatsachen, welche diese Abhandlung enthält, in der folgenden Tabelle zusammengestellt, und durch atomistische Formeln ausgedrükt, um sie gedrängter darstellen zu können. Man wird darin eine solche Aehnlichkeit zwischen dem Ammoniak und dem Doppeltkohlenwasserstoff finden, daß wir Grund haben zu hoffen, man werde unsere Ansichten als aus Thatsachen nothwendig folgend betrachten. Wir wollen damit nur den Chemikern bei dem Nachdenken über diese Thatsachen und die daraus gezogenen Folgerungen einen Leitfaden geben; wenn wir uns geirrt haben, werden Zeit und Erfahrung unsere Irrthümer rechtfertigen; bei der jezt befolgten Betrachtungsweise aber scheinen unsere Folgerungen uns fast unumgänglich nothwendig.

Vergleichung der Verbindungen des Doppeltkohlenwasserstoffs (öhlbildenden Gases) und derjenigen des Ammoniaks.

Name der Verbindung Basis Säure Wasser
Chlorwasserstoffsaures Ammoniak Az H³ 2 H Ch
Chlorwasserstoffsaurer Doppeltkoh-
lenwasserstoff (leichter Salz-
äther
)
2 H²C² 2 H Ch
Jodwasserstoffsaures Ammoniak Az H³ 2 H J
Jodwasserstoffsaurer Doppeltkohlen-
wasserstoff (Jodwasserstoff-
äther
)
2 H²C²
Untersalpetrichtsaures Ammoniak-
Hydrat
2 Az H³ z Az H
|217|
Untersalpetrichtsaures Doppeltkoh-
lenwasserstoff-Hydrat (Salpe-
teräther
)
4 H²C² z Az H
Essigsaures Ammoniak-Hydrat 2 Az H³ H⁶C⁴O³ H
Essigsaures Doppeltkohlenwasser-
stoff-Hydrat (Essigäther)
4 H²C² H⁶C⁴O³ H
Benzoesaures Ammoniak-Hydrat 2 Az H³ H¹²C³ºO³ H
Benzoesaures Doppeltkohlenwasser-
stoff-Hydrat (Benzoeäther)
4 H³C² H¹²C³ºO³ H
Kleesaures Ammoniak, krystallisirt
und troken
2 Az H³ C⁴O³ H
Kleesaures Doppeltkohlenwasser-
stoff-Hydrat (Kleeäther)
4 H²C² C⁴O³ H
Doppeltschwefelsaures Ammoniak 2 Az H³ 2
Doppeltschwefelsaurer Doppeltkohlen-
wasserstoff (Schwefelwein-
säure
)
4 H²C² 2
Doppeltkleesaures Ammoniak 2 Az H³ 2 C⁴O³
Doppeltkleesaurer Doppeltkohlen-
wasserstoff (Kleeweinsäure)
4 H²C² 2 C⁴O³
Doppeltkohlensaures Ammoniak-
Hydrat
2 Az H³ 4 H
Doppeltkohlensaures Doppeltkoh-
lenwasserstoff-Hydrat (Rohr-
zuker
)
4 H²C² 4 H
Doppeltkohlensaures Doppeltkoh-
lenwasserstoff-Doppel-Hydrat
(Traubenzuker)
4 H²C² 4 H
Hydrat des achtfachbasischen Dop-
peltkohlenwasserstoffs (Aethal)
16 H²C² H
Hydrat des doppeltbasischen Dop-
peltkohlenwasserstoffs (Schwe-
feläther
)
4 H²C² H
Doppeltkohlenwasserstoff-Hydrat
(Alkohol)
4 H²C² 2 H
Flüßiges Ammoniak Az H³ 2 H

Man sieht aus dieser Tabelle, daß alle Verbindungen, welche darin aufgeführt sind, unbeschadet der Hydrate, genau unter einander übereinstimmen. Ueberall dieselben Quantitäten Säure, Basis und Wasser.

Das flüßige Ammoniak enthält hingegen zweimal mehr Wasser |218| als der Alkohol; daraus kann man schließen, daß man bei dem mit Wasser verdünnten Alkohol irgend eine Eigenschaft wird entdeken können, die geeignet ist, eine dem stößigen Ammoniak entsprechende Grenze festzusezen.

Es wäre sehr wünschenswert!), da sich jezt Gelegenheit dazu darbietet, daß die Chemiker die systematischen Namen anerkennen würden, welche wir den Aetherarten beigelegt haben. Dadurch wäre für die Vervollkommnung der organischen Chemie ein großer Schritt gethan. Diese Namen haben zwar das Unangenehme, daß sie ein wenig länger sind, als die alten, aber sie haben auch den Vortheil, ein treues und deutliches Bild der Verbindungen darzustellen, welchen sie angehören. Jeder, welcher die organische Chemie studirt hat, hat einsehen müssen, daß dieses Studium nur durch den Mangel des Zusammenhangs zwischen der Zusammensezung und den Namen so verwikelt und mühselig wird; dadurch wird man immer verhindert, den Faden einer Reihe von Erscheinungen mit Leichtigkeit verfolgen zu können.

Die Chemiker werden sich erinnern, daß es Hrn. Faraday gelang, das Doppeltkohlenwasserstoffgas direct mit der concentrirten Schwefelsäure zu verbinden. Sie werden sich auch erinnern, daß dieser Chemiker zuerst die Meinung aufgestellt hat, daß dieses Gas, oder die ihm analogen, die Schwefelsäure neutralisiren; aber man muß billigerweise beifügen, daß diese Hypothese die von Hrn. Faraday selbst beobachteten Thatsachen und gemachten Analysen nicht so gut erklärte, wie die von Hrn. Gay-Lussac aufgestellte: aus diesem Grunde betrachten wir auch die Resultate dieser Analysen als den wichtigsten Einwurf, den man gegen unsere Ansichten machen kann. Das heißt, wenn man leztere annehmen sollte, so glauben wir mit Recht behaupten zu können, daß der Beweis derselben in der That uns angehört.

Folgerungen.

Aus den in dieser Abhandlung enthaltenen Thatsachen kann man unserer Meinung nach Folgendes schließen:

1) Daß das Doppeltkohlenwasserstoffgas die Rolle eines sehr mächtigen Alkalis spielt, welches eine mit dem Ammoniak gleiche Sättigungscapacität besizt; daß es auch wahrscheinlich die meisten Reactionen desselben darbieten würde, wenn es, wie dieses, in Wasser auflöslich wäre;

2) Daß der Alkohol und der Schwefeläther Hydrate des Doppeltkohlenwasserstoffs sind;

3) Daß die zusammengesezten Aetherarten Salze des Doppeltkohlenwasserstoffs sind; daß diese Salze, wenn sie durch Wasserstoffsäuren gebildet sind, wasserfrei sind, aber hydratisch, wenn sie durch Sauerstoffsäuren gebildet sind.

|219|

4) Daß mehrere Säuren mit dem Doppeltkohlenwasserstoff Doppelsalze bilden können, welche den schwefelweinsauren Salzen entsprechen;

5) Daß der Aether in dem Augenblike, wo er aus einer Verbindung frei wird, sich oft in Alkohol unter verschiedenen Umständen verwandeln kann, indem er unter denselben sich mir Wasser verbindet, oder auch Doppeltkohlenwasserstoff verliert.

6) Daß offenbar eine Aehnlichkeit zwischen der Zusammensezung der fetten Körper und derjenigen der Aetherarten Statt finde, wie dieses schon Hr. Chevreul bemerkt hatte;

7) Und daß endlich, wenn man den Rohrzuker und den Traubenzuker als Verbindungen von Kohlensäure mir Doppeltkohlenwasserstoff und Wasser betrachtet, alle Erscheinungen bei der Gährung mit den Analysen übereinstimmen, indem der Rohrzuker als kohlensaurer Schwefeläther und der Traubenzuker als kohlensaurer Alkohol betrachtet werden kann.

|204|

Die Untersuchungen des Hrn. Thenard finden sich im 1sten und 2ten Band der Mem. de la Société d'Arcueil; sie sind im 4ten Band von Gehlen's Journal für Chemie und Physik im Auszuge übersezt. A. d. R.

|204|

Thenard erhizt in einer Retorte, welche mit 5, zur Hälfte mit Salzwasser gefüllten, und mit Salz und Eis umgebenen Woulfeschen Flaschen in Verbindung steht, gleiche Theile Weingeist von 35° Beaumé und Salpetersäure von 32° B.; so wie die Einwirkung zu lebhaft wird, erkaltet er die Retorte durch Ueberschütten mit Wasser, wobei der Proceß fortgeht, bis er sich von selbst endigt; die über dem Salzwasser schwimmenden Aetherschichten werden durch den Scheidetrichter abgetrennt. A. d. R.

|205|

Dieses Reinigen des Aethers geschieht durch Schütteln mit verdünntem wässerigem Kali, bis er nicht mehr sauer reagirt, und nachherige Destillation. A. d. R.

|205|

Auf 4 Th. Alkohol werden 2 Th. Benzoësäure und 1 Th. concentrirte Salzsäure angewandt. A. d. R.

|210|

Die HHrn. Dumas und Boullay haben, um die von ihnen erhaltenen Resultate noch vollends außer Zweifel zu sezen, die Dichtigkeit des Dampfes der von ihnen untersuchten Aetherarten bestimmt. Sie fanden die des Salpeterätherdampfes = 2,628 bei der gewöhnlichen Temperatur unter einem Druk von o,78 Meter, die der Luft als Einheit angenommen. Wenn man annimmt, daß der Salpeteräther aus Alkohol und untersalpetrichter Säure besteht, so läßt sich das Resultat der Analyse mit der Dichtigkeit seines Dampfes nicht in Uebereinstimmung bringen. Nimmt man hingegen an, daß der Salpeterather aus Schwefeläther und untersalpetrichter Säure in den oben angegebenen Verhältnissen besteht, so findet man

2 Vol.Schwefelätherdampf= 5,1664;
3 –Sauerstoff= 3,3078;
2 –Stikstoff= 1,9514.
––––––––
10,4256

10,4256/4 = 2,6064. Der Versuch ergab 2,628, woraus man schließen muß, daß der Salpeterather aus 4 Vol. Schwefeläther und wahrscheinlich 4 Vol. untersalpetrichter Saure ohne Verdichtung besteht. Für den Essigäther fand sich bei 0° Temp. und 0,76 Meter Druk die Dichtigkeit seines Dampfes = 3,067; für den Benzoëäther = 5,409 und für den Kleeäther = 5,087; alle diese Dichtigkeiten |211| stimmen mit den aus den Datis der vorhergehenden Versuche berechneten sehr nahe überein. – Zum Ueberfluß haben die HHrn. Dumas und Boullay sich auch noch bemüht, die von ihnen untersuchten Aetherarten mittelst Kalis zu analysiren. Diese Methode läßt sich aber fast nur bei dem Kleeäther anwenden, welcher sich in Berührung mit einer concentrirten Auflösung von kaustischem Kali schnell zersezt. – Die Verfasser beschreiben bei dieser Gelegenheit ein sehr merkwürdiges kleeweinsaures Ammoniaksalz (oxalo-vinate d'ammoniaque), welches weder die Kalk- noch die Bleiauflösungen fällt, und aus

Kleesäure49,28
Oehlbildendem Gas19,24
Ammoniak11,75

besteht. Dieses Salz ist den schwefelweinsauren Salzen analog; man erhält es, wenn man Kleeäther in eine tubulirte Retorte bringt, durch deren Tubulus eine kleine Röhre geht, wodurch troknes Ammoniakgas auf den Aether geleitet wird. Wenn das Gas lange genug auf den Aether geleitet worden ist, wird die Retorte im Marienbade erwärmt, bis sie gut ausgetroknet ist. – Die HHrn. Dumas und Boullay werden die Kleeweinsäure und ihre Verbindungen zum Gegenstande einer besonderen Untersuchung machen.

|214|

Die Uebersezung seiner Abhandlung ist in Schweigger's Journal d. Chem. Bd. 2, S. 190 enthalten. A. d. R.

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