Titel: S. Brown, Verbesserungen an der Maschine.
Autor: Brown, Samuel
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. XCV. (S. 391–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028095

XCV. Verbesserungen an der Maschine zur Erzeugung eines leeren Raumes, um dadurch Kraft zu gewinnen, welche zum Heben des Wassers oder zum Treiben irgend einer Maschine verwendet werden kann, und auf welche Maschine sich Sam. Brown am 4. Dec. 1823 ein Patent ertheilen ließ227); das Patent auf diese Verbesserung derselben ist vom 25. April 1826.

Aus dem London Journal of Arts. März 1828.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Wir haben, sagt das London Journal, bei Anzeige des ersten Patentes bemerkt, daß diese Maschine keine Vergleichung mit der Dampfmaschine auszuhalten vermag, obschon Männer von Ansehen, welche die Sache besser hatten verstehen sollen, ihr allen Beifall schenkten. Die Maschine hatte gleich Anfangs wenig Kraft; seit ihrer ersten Erfindung ist sie noch immer mehr zurück, als vorwärts geschritten, und hat durch die späteren Zusätze und Abänderungen, die man Verbesserungen nannte, die wenige Kraft, die sie anfangs hatte, noch immer mehr verloren, so daß sie jetzt kaum mehr als Triebkraft betrachtet werden kann.

Bekanntlich beruht diese Maschine ursprünglich darauf, daß durch Entzündung des brennbaren Gases in einem geschlossenen Gefäße ein leerer Raum erzeugt wird, wodurch das Wasser über seinen natürlichen Stand in die Höhe gehoben wird. Der Gegenstand des gegenwärtigen Patentes (der neuen Verbesserung) ist nun 1) eine gewisse Methode, das durch den leeren Raum gehobene Wasser zum Treiben eines Eimer-Rades zu benüzen, welches eine mit der Achse desselben verbundene Maschine in Thätigkeit sezen soll. 2) in Verbindung eines Cylinders, in welchem sich ein Stämpel befindet, mit einer leeren Kammer, um den Stämpel so, wie an einer Luftpumpe, zu bewegen, und dadurch Triebkraft zu erhalten. Diese Verbindung geschieht mittelst einer Röhre.

Fig. 1 zeigt den Bau dieser Maschine nach dem ersten obigen Zweke, a, ist ein hohles, cylindrisches Gefäß, mit einer Kappe oder einem losen Dekel, b; am Boden dieses Cylinders, wo er gleichfalls offen ist, ist eine Röhre, c, angebracht, die mit einer gewöhnlichen Brunnenröhre in Verbindung steht, d, ist eine Röhre, die von einem Gasometer her läuft, und heberförmig gebogen ist. Durch diese Röhre strömt Gas in den Cylinder bei der schiebbaren Klappe, e, |392| ein. Die senkrechte Stange, f, dient zur Oeffnung der Klappen auf dieselbe Weise, wie an einer Dampfmaschine.

Ein kleines Eimer-Rad, g, ist auf einer Achse aufgezogen, und dreht sich durch einen natürlichen oder künstlich erzeugten Wasserstrom. An dem Ende der Achse dieses Wasserrades ist ein Triebstok, der in ein Zahnrad, h, eingreift, welches dadurch in Umtrieb gebracht wird, und auf der Achse dieses lezteren Rades, h, befindet sich eine Kurbel oder ein Wischer, der in einem langen Ausschnitte in der senkrechten Stange, f, spielt, wodurch die Stange, so wie das Rad sich dreht, auf und nieder geschoben wird.

Durch das Aufsteigen der Stange, f, wird der kürzere Arm des Hebels, i, gehoben, und dadurch die Kappe oder der Dekel, b, fest auf dem Cylinder angeschlossen: die Kanten sind nämlich vollkommen eben, und mit Kautschuk gefüttert, (der nach Hancok's Patent zugerichtet ist), so daß der Dekel dadurch luftdicht schließt. So wie die Stange, f, aufsteigt, öffnet ein kleiner, an der Stange befestigter, Klopfer die Schieberklappe, e, und läßt einen Strom Gases in das cylindrische Gefäß, a, gelangen. Beinahe in demselben Augenblike wird auf ähnliche Weise eine über, e, befindliche schiebbare Klappe gehoben, und eine Flamme einer brennenden Gaslampe, die an dieser Oeffnung angebracht ist, entzündet augenbliklich das Gas in dem Cylinder, und durch das Verbrennen desselben entsteht ein leerer Raum.

Die beiden lezt erwähnten Klappen schließen sich nun durch ihre Schwere, und verwehren der atmosphärischen Luft den Zugang. Der Druk der atmosphärischen Luft, der auf das Wasser in dem kleinen Behälter, k, Statt hat, macht, daß ein Stromwasser durch die Röhre, l, in das luftleere Gefäß, a, hinaufsteigt, und daselbst den Dampf verdichten hilft. Der leere Raum wird dadurch vollkommener ausgebildet, und das Wasser steigt in der Hauptröhre, c, empor, und füllt den Cylinder.

Die Lage des Streichers auf der Achse des Rades, h, hat nun, während der Umdrehung desselben, der Stange, f, erlaubt, niederzusteigen, und dadurch wird ein mit der kleinen Stange, m, verbundener Hebel niedergedrückt, und die Klappe, n, geöffnet, um atmosphärische Luft in den Cylinder zu lassen, wodurch die Klappe, b, von dem Druke der äußeren atmosphärischen Luft befreit, und folglich also gleich durch das Gewicht, o, gehoben wird, welches an dem untern Ende der Stange, f, angebracht ist. Das Wasser in dem Cylinder läuft nun durch einen Trog, p, in die Schütte, q, und von dieser auf das Eimer-Rad, r, welches auf diese Weise, |393| wie ein oberschlächtiges Rad getrieben wird, und so irgend eine Maschine treibt.

Der Patent-Träger schlägt vor zwei Gefäße, a, neben einander anzubringen, die abwechselnd wirken, und so einen ununterbrochenen Strom auf das Rad, r, unterhalten.

Der zweite Zwek der Verbesserung ist in Fig. 2 dargestellt, a, ist ein cylindrisches Gefäß, welches luftleer werden soll. b, ist die bewegliche Kappe desselben, c, die Röhre, durch welche das brennbare Gas herbeigeleitet wird. d, der Cylinder, welcher den arbeitenden Stämpel enthält, e, die Achse der Kurbel, an welcher die Stämpelstange angebracht ist. Die Klappen können auf verschiedene Weise, wie bei Dampfmaschinen in Gang gebracht werden.

Nachdem die Kappe, b, fest geschlossen wurde, wird ein Gasstrom durch die Röhre, c, in den Cylinder gelassen, was durch Oeffnung der Klappe, f, geschieht, worauf eine andere Klappe sich öffnet, und das Gas durch einen brennenden Strom einer Gaslampe entzündet wird. Durch das Verbrennen des Gases bildet sich ein leerer Raum, und Wasser strömt durch die Röhre, g, aus dem Behälter von unten ein, und verbreitet sich durch einen Brauseknopf, wodurch der Dampf abgekühlt und verdichtet wird.

Da die Verbindung zwischen dem untern Theile des Gefäßes, a, und dem Cylinder, d, mittelst der biegsamen Röhre, h, offen ist, so wird die Luft, welche das Innere des Cylinders füllt, durch die Röhre, h, mittelst der Klappen-Büchse, i, in das leere Gefäß, a, gezogen, und wenn Luft durch die Klappe, i, an das andere Ende des Cylinders gelangt, fällt der Stämpel augenbliklich, und führt die Stange und Kurbel, e, mit welcher er verbunden ist, mit sich hinab. Durch diese Bewegung der Kurbel wird das Zahnrad, k, auf der Kurbelachse, e, gedreht, und dadurch das Rad, l, getrieben. Auf der Achse dieses Rades finden sich die Streicher, die die Hebel heben, durch welche Kappe und Klappen auf obige Weise in Bewegung gesetzt werden.

Der Patentträger schlägt drei solche Cylinder, a, neben einander vor, und drei Cylinder, d, deren Stämpelstangen an einer dreifachen Kurbel angebracht seyn sollen, um die Bewegung zu verstärken und anhaltender zu machen.

Die Cylinder, d, sind nicht fest, sondern hängen auf Zapfen, auf welchen sie sich schwingen können, so daß sie sich nach der Bewegung und Länge der Stämpelstangen während der Umdrehungen der Kurbel fügen. An dem untern Theile der Exhaustionskammer ist eine Röhre mit einer nach auswärts sich öffnenden Klappe, um das |394| durch die Brause eingesprizte Wasser in die darunter befindliche Cisterne ablaufen zu lassen.

Die Röhre, h, ist aus Kautschuk nach Hancock's Art.

Der Patentträger bediente sich ehemahls des reinsten gekohlstofften Wasserstoffgases; mengt aber jezt etwas atmosphärische Luft bei, um ein reineres Vacuum zu erhalten, und zwar ungefähr die Hälfte, wenn Kohlengas genommen wird. Statt des lezteren nimmt er auch Terpentin- oder Alkoholdämpfe.

Vergleiche polytechnisches Journal Bd. XV. S. 124.

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