Titel: Demesmay, über Kalköfen und Kalkbrennen.
Autor: Demesmay,
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CV. (S. 411–414)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028105

CV. Ueber Kalköfen und Kalkbrennen von Herrn Demesmay.

Aus dem Industriel. April 1828.

Mit Abbildungen auf Tab. IX.

Man bedient sich in den Niederlanden verschiedener Methoden, um mittelst Steinkohlen Kalk zu brennen. Eine der einfachsten und allgemeinsten in den Niederlanden besteht darin, daß man Kalk und Steinkohlen in abwechselnden Lagen zur Form eines abgestuzten Kegels übereinander aufschichtet, das Feuer von unten anzündet, und den Kalk nach vierzehn Tagen herausnimmt. Hier ist nun kein Ofen nöthig. Man braucht vielleicht etwas mehr Kohlen, doch dieser Nachtheil ist unbedeutend: wenn man das Feuer gehörig geleitet hat, ist dieser Kalk eben so gut, als derjenige, den man im kostbaren Ofen brennt.

Wo man den Kalk in Oefen brennt, ist die Form und Größe derselben in verschiedenen Gegenden sehr verschieden.

Das Brennmaterial ist eine trockene Steinkohle, die man in einigen Kohlengruben der Niederlande findet.231) Sie brennt, ohne sich zu klümpern, und hindert die Luft nicht während des Verbrennens einzudringen. Sie dient hier eben so, wie die Kohks bei Eisenhütten, wo sie gleichfalls benüzt werden könnte, wenn sie nicht so viel Schwefel enthielte, der jedoch beim Kalkbrennen nicht schadet.

Kalkbrennerei ohne Ofen in den Niederlanden.

Zu Ath, wo man die Festungswerke neu erbaute, fand man bei dem Ausgraben der Gräben ein Kalksteinlager, das man sprengte. Man schichtete diesen Kalkstein, den man in faustgroße Stücke zerkleinte, mit abwechselnden Lagen von Kohlen auf der Erde zu einem abgestuzten Kegel von 5 Meter Durchmesser an der Erde und 3,5 Meter an der Spize zu einer Höhe von 3 Meter auf. Außen legte man ringsumher die größeren und regelmäßigen Steine, ungefähr in der Richtung, wie in Fig. 6, 7, um dem ganzen Baue mehr Festigkeit zu geben.

Man läßt bei, s, eine Rinne, in welche trokenes Holz gelegt wird, bildet in der Mitte einen Kern, und verfährt übrigens bei dem Aufschichten und Brennen so, wie bei dem Verkohlen des Holzes, womit diese Arbeit große Aehnlichkeit hat. Nachdem der Kegel auf diese Weise fest gebaut ist, dekt man ihn auf der ganzen oberen Seite mit einer Deke von 5 bis 6 Centimeter Thon, und läßt nur |412| die unteren Stellen offen, von, b, nach, b', die aber auch bedekt werden, sobald die Kohlen roth glühen. Man zündet das trokene Holz an, und schüzt den Meiler mittelst Deken oder Brettern gegen den Anfall des Windes.

Nachdem die unteren ersten Schichten der Kohlen gehörig im Feuer stehen, dekt man auch diese, ohne jedoch der Luft den Zugang gänzlich abzuwehren, damit dadurch die noch nöthige weitere Verbrennung unterhalten werden kann. Der Brand geht dann von selbst von Schichte zu Schichte fort, und man verstopft die Riffe, die sich außen bilden. Das Feuer hört erst nach 6 oder 8 Tagen auf, wo man dann den Kegel erkalten läßt, und nach einigen Tagen einstürzt.

Die Steine, die außen lagen, und nicht gar gebrannt wurden, kommen bei dem nächsten Brande in die Mitte des Kegels.

Das Wichtigste, was bei dieser Arbeit zu thun ist, ist Schüzung gegen den Wind, und Verstopfung derjenigen Riffe, bei welchen die Verbrennung zu schnell von Statten geht. Zu starkes Feuer verglast den Stein, und hindert denselben in der Folge sich zu löschen; man muß indessen eine hinlängliche Menge Oeffnungen für den Zutritt der Luft und den Austritt der Gasarten, die sich beim Brennen des Kalkes und der Kohlen entwikeln, stets offen halten. Man läßt zuweilen den Kern in der Mitte ohne allen anderen Nachtheil, als den, daß das Feuer langsamer anbrennt, weg. Man nimmt auch fette Steinkohlen; es scheint aber, daß man mehr davon braucht. Man muß die Steine alsogleich nach dem Bruche brennen, denn sie brennen sich weit leichter, so lang sie noch vom Bruche her feucht sind.

Niederländischer Kalkofen.

Fig. 8 ist der Grundriß eines solchen Ofens, und Fig. 9 der Durchschnitt nach der Linie AB.

Der obere Theil dieses Ofens ist walzenförmig; der untere endet sich in einen abgestuzten Kegel, oder in eine Fläche mit doppelter Krümmung, z.B. in ein Kugel-Segment, wie in der Figur. Der Ofen ist ganz aus Ziegeln. Der Boden steht mit der Mitte des Ofens gleich hoch, so daß man einen sehr sanften Abhang zu dem Gange hinabsteigt, wo man den Kalk aus dem Ofen zieht.

Man gelangt zu diesem Gange durch die zwei Thüren, PP, die sich auf derselben Seite des Ofens befinden, und die die einzige ist, die gemauert ist. An den drei anderen Seiten bildet eine sanft abgedachte Erde die äußeren Wände. Gewöhnlich hat man zwei Oefen auf derselben Bühne, wodurch sehr viel bei dem Baue derselben erspart wird.

Um diesen Ofen in Gang zu bringen, schürt man unten trokenes |413| Holz ein, bedekt dasselbe mit einer leichten Schichte Kohlenstaub und zündet es an.

Wenn die Kohlen einmahl brennen, wirft man abwechselnd Steine und Kohlen, und zwar bei gleicher Größe derselben, in dem Verhältniße von vier Steinen auf Eine Kohle in den Ofen. Sobald man wahrnimmt, daß die lezte Schichte der Steine schwach glüht, wirft man neuerdings Kohlen und Steine in den Ofen, und fährt damit fort, bis der Ofen endlich ganz voll wird, wo man dann den Kalk unten aus dem Ofen herausnimmt. Man hat hierzu eigene eiserne Stangen, mit welchen man an den acht Arbeitslöchern arbeitet. Der Kalk fällt durch seine eigene Schwere heraus, so wie man ihn unten herauszieht; und so wie man oben ohne Unterlaß Kalk und Kohlen nach wirft, zieht man unten den gebrannten Kalk ohne Unterlaß heraus. Wenn man keinen Kalk mehr braucht, verschließt man die Arbeitslöcher, und dekt den oberen Theil mit Steinen und mit Thon zu. Die Kalksteine bleiben in dem Ofen länger als acht Tage lang roth glühend. Wenn man wieder Kalk braucht, räumt man den Thon und die Steine oben weg, und öffnet die Arbeitslöcher unten, ohne das Feuer unten neu anzuzünden, was man der Kosten und der Mühe wegen zu vermeiden sucht. Indessen läßt man doch einmahl im Jahre das Feuer ausgehen, räumt den Ofen, und sieht nach, wo die Mauer allenfalls der Ausbesserung bedarf. Jeder solche Ofen liefert des Tages mehr als hundert Hektoliter Kalk.

Zum Herbeifahren der Steine bedient man sich vierräderiger Wägen, deren Kasten auf der Hinteren Achse im Gleichgewichte ruht, und auf derselben, wie um seine Achse beweglich ist. Diese Wägen werden zur Bühne des Ofens hinaufgezogen, und daselbst dadurch sogleich ausgeleert, daß man den Zapfen ausschlägt, der die Schwankung des Kastens hindert. Diese Wägen verdienen Nachahmung. Zwei gute Pferde reichen hin, um ein starkes Kubikmeter Steine zu fahren.

Die Wägen, die den Kalk hohlen, kommen bis zu den Thüren PP, hinab. Man bringt den Kalk in Körben, die 50 Liter fassen, bis dahin.

Kalköfen um Lille.

Die Kalköfen um Lille sind nicht so gut, wie obige. Sie sind nicht kegelförmig, sondern nähern sich jener Form, die die Geometer Conoide de Wallis nennen.

Fig. 10 ist ein senkrechter Durchschnitt nach der rechten Erzeugerin des Konoides. Fig. 11 ist derselbe auf derselben.

Es sind hier nur zwei Arbeitslöcher: eines der Thüre, T, gegenüber, die man in der ersten Figur sieht.

|414|

Hier kann die Arbeit nicht ununterbrochen fortgehen. Man leert den Ofen beim Herausnehmen des Kalkes bis auf ein Viertel aus, und wartet, bis er neuerdings voll ist, um wieder Kalk heraus zu nehmen. Uebrigens ist dieselbe Vorsicht nöthig, man muß nie neuen Kalk und neue Kohle hinein werfen, bis nicht die oberste Lage roth glühend wird.

Man muß überdieß bei jeder Unterbrechung der Arbeit neuerdings anzünden, denn die Masse ist nicht groß genug, um die Hize lang zu unterhalten, wenn man auch die oberen Arbeitslöcher noch so genau verstopfte.

|411|

Es ist ein Anthracit, den man vorzüglich aus den Gruben von Fresnes erhält. A. d. O.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: