Titel: d'Arcet, die französische Methode, Bronze etc. zu vergolden.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CXXII. (S. 464–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/ar028122

CXXII. Ueber die französische Methode, Bronze und andere Gegenstände zu vergolden. Von Herrn d'Arcet.

Aus dem Franklin-Journal und dem Dictionaire technologique, in Gill's technical Repository. März 1826. S. 149.

Diese Art von Vergoldung, die die Engländer Wasser-Vergoldung (water gilding) (wir Deutsche Feuer-Vergoldung) nennen, wird zum Vergolden verschiedener Metalle und Compositionen, vorzüglich des Silbers, Kupfers, Messings und Pintschbecks angewendet; lezteres ist eine Mischung aus Kupfer und Messing, oder aus Kupfer und weniger Zink, als zu Messing genommen wird. Die Franzosen nennen dieses sowohl als das Stükgut (Kupfer und Zinn) Bronze, während wir (Engländer) die Verbindungen aus Kupfer und Zinn allein mit dem Namen Bronze bezeichnen. Bei dem Vergolden dieser Metalle hängt die Schönheit, Farbe und die Menge des Goldes, die dazu nöthig ist, großten Theils von der Natur des Metalles oder der Composition ab. Was wir hier Bronze nennen, ist Stükgut, Kupfer und Zinn.

Vergolden auf Bronze. Herr d'Arcet hat die Kunst auf Bronze zu vergolden, im Jahre 1818 in einer Abhandlung beschrieben, welche von der Academie des Sciences den Preis erhielt.

Aus dieser Abhandlung wollen wir das, was für den Arbeiter in dieser Kunst zu wissen nothwendig ist, zugleich mit den Verbesserungen, die Herr d'Arcet bei dieser Arbeit eingeführt hat, ausheben, und den Leser, der sich hierüber noch mehr unterrichten will, auf die Original-Abhandlung selbst verweisen.

Die Kunst des Vergoldens auf Bronze besteht in Anwendung des Geldes aus die Oberfläche desselben mittelst Queksilbers, welches mit lezterem amalgamirt ist. Das Queksilber wird mittelst der Hize verflüchtigt, und das Gold bleibt auf dem Bronze zurük. Lezteres wird dann polirt oder matt gelassen, ganz oder zum Theile, je nachdem der vergoldete Artikel es fordert.

Das Gold muß rein oder beinahe rein seyn; es muß sehr dünn entweder mittelst des Hammers oder mittelst der Plättmühle gestrekt werden, so daß es dem Queksilber bei seiner Auflösung eine breite Oberfläche zur Beschleunigung der Auflösung selbst darbietet. Auch |465| das Queksilber selbst muß rein seyn, indem sonst die Uneinigkeiten desselben zugleich mit dem Golde auf der Oberfläche des Bronzes sizen bleiben, und die Vergoldung verderben.

Bereitung des Gold-Amalgames. Nachdem das feine Gold, welches man zum Amalgam bestimmte, abgewogen wurde, gibt man es in einen kleinen Tiegel, welcher auf dem Heerde einer Esse in Holzkohlenfeuer licht-roth gehizt wird, und gießt dann die nöthige Menge Queksilbers in denselben. Man rührt die Mischung mit einem kleinen, eigens hierzu gekrümmten, eisernen Stäbchen, und läßt den Tiegel noch einige Minuten über im Feuer, bis man sieht, daß die Verbindung zwischen dem Golde und dem Queksilber gehörig erfolgt ist, worauf man das Amalgam in eine kleine, mit Wässer gefüllte Pfanne gießt, und dasselbe darin vollkommen abwäscht. Man drükt es mit dem Daumen gegen die Ränder des Gefässes, so daß alles darin noch enthaltene flüssige Queksilber, welches auf diese Weise ausgeschieden werden kann, beseitigt wird. Das Amalgam, welches zusammenhängt, und dem Druke des Fingers zu widerstehen vermag, muß vor Staub bewahrt werden, indem es derjenige Theil ist, dessen man sich zur Vergoldung bedient.

Je mehr Queksilber in dem Amalgame enthalten ist, desto dünner wird die Lage Goldes, die sich auf dem zu vergoldenden Artikel absezt, und umgekehrt. Es ist offenbar, daß man Amalgame verfertigen kann, in welchen das Gold in verschiedenen Verhältnissen vorkommt: das gewöhnliche Amalgam besteht aus acht Theilen Queksilber und einem Theile Gold. Das Queksilber ist hierin offenbar im Ueberschüsse vorhanden; denn, nachdem man dasselbe durch Gemsleder durchgepreßt hat, geht soviel Queksilber durch, daß in hundert Theilen 33 Queksilber und 67 Gold (=100) zurükbleiben.

Das flüssige Queksilber, welches durch den Druk mit dem Finger abgeschieden wird, enthält eine bedeutende Menge Goldes aufgelost. Es ist ein Amalgam mit einer großen Menge überschüssigen Queksilbers, und wird entweder zur Bereitung eines frischen Amalgames, oder zum Vergolden von solchen Artikeln aus Messing verwendet, die nur leicht vergoldet werden sollen.

Damit der Arbeiter bei diesen Arbeiten nicht leidet, muß er, nebst Beachtung der übrigen Vorsichtsmaßregeln, während des Durchdrükens des Queksilbers durch das Gemsleder lederne Handschuhe anziehen.

Bereitung der salpetersauren Queksilber-Auflösung.

Das auf obige Weise bereitete Amalgam wird mittelst Salpetersäure, welche etwas weniges Queksilber aufgelöst enthält, auf den zu vergoldenden Artikel aufgetragen. Folgendes Verfahren ist eines von |466| denjenigen, welches Herr d'Arcet empfiehlt. Man gibt in einen gläsernen Kolben 3 1/4 Unze Queksilber (Troy. Gewicht) und 4 1/2 Unze reine Salpetersäure von 36° (Spec. Schw. 1,333); man stellt den Kolben unter einen stark ziehenden Schornstein, und läßt ihn so lang unter demselben, bis Alles aufgelöst ist.

Die Auflösung wird in eine Flasche gegossen, in welcher man derselben 11 1/2 Pinten destillirtes oder Regenwasser zusetzt, sie gehörig damit aufschüttelt und zum Gebrauche aufbewahrt.

Vergolden. Nach diesen verschiedenen Vorarbeiten wird auf folgende Weise vergoldet:

1) Nachdem der zu vergoldende Artikel von dem Drechsler oder Graveur fertig gemacht wurde, wird er angelassen. Zu diesem Ende legt man ihn auf glühende Kohlen, und umgibt ihn mit denselben, oder man nimmt, was noch besser ist, Loheziegel, die eine stärkere und mehr gleichförmige Hize geben. Das Stük wird ganz damit bedekt, damit es sich nicht oxydirt. Man muß genau dafür sorgen, daß die dünneren Theile nicht mehr gehizt werden, als die diken: diese Arbeit geschieht daher am besten an einem dunklen Orte. Wenn das Stük einmahl kirschroth geworden ist, nimmt der Arbeiter die Kohlen weg, hebt das Stük mit einer langarmigen Zange heraus, und legt es an eine Stelle, wo es langsam erkalten kann.

2) Beizen und Eintauchen. Der Zwek dieser lezten Arbeit ist, die Rinde von Oxyd wegzuschaffen: mit welcher das Stük während des Anlassens überzogen wurde.

Dieses zu vergoldende Stük kommt in ein hölzernes oder irdenes Gefäß, in welchem sehr stark mit Wasser verdünnte Schwefelsäure enthalten ist. Man läßt es so lang in demselben, bis das Oxyd gänzlich aufgelöst oder wenigstens stark erweicht ist, wo es dann mit einer scharfen Bürste abgerieben wird. Das so gebeizte und abgescheuerte Stük wird gewaschen und getroknet. Die Oberfläche desselben wird jedoch noch immer mißfärbig seyn, und wird daher in Salpetersäure von 36° Baumé (Spec. Schw. 1,33) getaucht und mit einer langhaarigen Bürste abgerieben. Auf diese Weise erhält man eine metallene Oberfläche, die aber noch nicht gehörig rein ist. Um eine schön glänzende Metallfläche zu erhalten, taucht man das Stük in Salpetersäure von derselben Stärke, in welche man aber etwas Ruß und gemeines Salz geworfen hat. Dieser leztere Umstand veranlaßte Herrn d'Arcet zu vermuthen, daß die Reinigung noch besser dadurch bewirkt werden könnte, daß man statt der Salpetersäure Schwefel- und Kochsalzsäure nimmt, indem erstere das reine Kupfer weit stärker angreift, als diese beiden Sauren zusammengenommen. In jedem Falle soll, wie er bemerkt, durch das Eintauchen, wenn |467| es gehörig geschehen ist, nicht mehr aufgelöst werden, als das Oxyd, welches während des Anlassens sich auf dem Stüke bildete, das Metall selbst aber nicht im Mindesten angegriffen worden: lezteres läßt sich aber nicht leicht verhüten, wenn man dasselbe in Salpetersäure taucht.

Nachdem durch das Eintauchen die Oberfläche gereinigt wurde, wird das Stük in einer großen Menge reinen Wassers sorgfältig abgewaschen und mit Kleien oder harzfreien Sägespänen abgerieben, wodurch es hinlänglich getroknet, und die Oberfläche nicht mehr durch die Feuchtigkeit trüb werden wird. Das Stük muß nun vollkommen glänzend und frei von allem Oxyde seyn; die metallene Oberfläche muß überall deutlich zum Vorscheine kommen, und überall schon blaßgelb seyn; es muß ferner gekörnt oder etwas matt an der Oberfläche seyn. Wenn es zu glatt ist, so bleibt das Gold nicht leicht auf der Oberfläche desselben kleben, und wenn es zu matt ist, so braucht man zu viel Gold zum vergolden, und vertheuert die Arbeit.

3) Anwendung des Amalgames. Wenn das Stük nach obiger Weise zugerichtet ist, so ist es zur Aufnahme des Amalgames fertig, welches auf eine flache irdene unglasirte Schale gelegt wird, deren Oberfläche rauh ist. Man taucht nun die Krazbürste der Vergolder, oder einen Pinsel aus feinem Messingdrahte in die Auflösung des Queksilbers in Salpetersäure, von welcher wir bereits gesprochen haben.

Diese Krazbürste wird dann auf das Amalgam gedrükt, welches, wenn man der Schale eine schiefe Lage gibt, an der Seite bleibt. Der Arbeiter nimmt nun diese Bürste, die das Amalgam gefaßt hat, und trägt die gehörige Menge desselben auf das zu vergoldende Stük auf, verbreitet es gleichförmig auf diesem lezteren, und taucht die Bürste, wenn es nöthig ist, neuerdings in die Queksilber-Auflösung und in das Amalgam. Ein geschikter Arbeiter wird dort mehr Amalgam auftragen, wo die Vergoldung stärker ausfallen soll.

Das Stük wird hierauf in einer großen Menge reinen Wassers gewaschen, das vorher noch nicht zum Waschen gebraucht wurde, hierauf getroknet und an das Feuer gebracht, um das Queksilber zu verflüchtigen. Sollte die erste Vergoldung noch nicht hinreichen, so wird das Stük wieder gewaschen, und die Vergoldung auf obige Weise wiederholt.

4) Verflüchtigung des Queksilbers. Nachdem das Stük gehörig mit dem Amalgam überdekt wurde, bringt der Vergolder dasselbe auf glühende Kohlen, dreht es um, und erhizt es langsam bis auf den gehörigen Grad. Er zieht es mit einer langgestielten Zange, die er in der linken Hand hält, und welche durch einen diken gefütterten |468| Handschuh gegen das Feuer geschüzt ist, aus demselben, und reibt und klopft die ganze Oberfläche mit einer langhaarigen Bürste, die er in der anderen Hand hält, so daß das Amalgam gleichförmig auf der Oberfläche verbreitet wird, und dreht daher das Stük nach allen Richtungen.

Das Stük kommt nun wieder auf das Feuer, und wird eben so vorsichtig, wie vorher, erhizt, bis alles Queksilber verflüchtigt ist, was der Arbeiter an dem Geräusche erkennt, das ein Tropfen Wasser erzeugt, den man auf das Stük fallen läßt, und auch aus der Zeit, die dieser Tropfen nöthig hat, um zu verdampfen. Während dieser Arbeit bessert er jene Stellen aus, die allenfalls einer Ausbesserung bedürfen, und sorgt dafür, daß das Queksilber so langsam als möglich verflüchtigt wird. Nachdem das Stük hinlänglich vergoldet ist, wird es sorgfältig gewaschen, und mit der Krazbürste, die man in mit Essig gesäuertes Wasser taucht, übergangen.

Wenn das Stük zum Theile polirt, zum Theile matt seyn soll, so wird jener Theil, welcher polirt werden soll, mit Kreide (whiting) gestoßenem Zuker und Gummi mit Wasser angemacht, bedekt. Diese Arbeit nennen die Vergolder das Schüzen (guarding). Nachdem diese Theile geschüzt sind, troknet man das Stük, und hizt es noch ein Mahl hinlänglich, um alles Queksilber, das allenfalls noch zurük blieb, von demselben abzutreiben: dieß erkennt man an der Farbe, die das Stük annimmt, und durch das Schwarzwerden der schüzenden Dike. Hierauf stößt man es, noch warm, in Wasser, das mit Schwefelsäure gesäuert ist, wäscht es, troknet es und polirt es.

5) Poliren. Dieses geschieht durch Abreiben des Stükes mit Polirstiften aus Blutstein (Hämatit). Die Blutsteine werden in Essig und Wasser getaucht, und das Stük mit denselben, während des Polirens, immer in derselben Richtung gerieben, vorwärts nämlich und rükwärts, bis der verlangte Glanz zum Vorscheine kommt. Wenn das Stük gehörig polirt ist, wird es in kaltem Wasser gewaschen, mit feinen Leinen abgerieben, und auf einem tragbaren Roste über kleinen glühenden Kohlen getroknet.

6) Mattmachen. Nachdem die Theile, welche polirt werden sollen, mit der Schuzdeke (4) bedekt wurden, wird das Stük mit feinem Eisendrahte an dem Ende einer eisernen Stange angebunden, und dann so stark erhizt, bis die Schuzdeke, wegen des Zukers und Gummi's, die sie enthält, ganz braun wird. Auf diese Weise erhält die Vergoldung eine schöne Goldfarbe. Man bedekt hierauf das Stük mit einer Mischung von gemeinem Salze, Salpeter und Alaun, welche Salze man in ihrem Krystallisationswasser schmelzen läßt, bringt das Stük wieder an das Feuer, und hizt es solang, bis die |469| Salzdeke ganz gleichförmig und beinahe durchscheinend wird, und so in einem wahren Fluße ist. Hierauf nimmt man es aus dem Feuer, taucht es plözlich in kaltes Wasser, und entfernt so den Ueberzug und die Schuzdeke zugleich. Nun kommt das Stük noch ein Mahl in sehr schwache Salpetersäure, wird in einer großen Menge Wassers gewaschen und getroknet, entweder an der Luft, oder durch Erwärmung auf einem Roste oder durch gelindes Abreiben mit einer trokenen Leinwand.

7) Die sogenannte Goldstaubfarbe (Or moulu) zu geben. Wenn man den vergoldeten Artikeln die Goldstaubfarbe geben will, darf die Krazbürste weniger frei, als gewöhnlich gebraucht werden. Die Arbeit wird wieder aufgefrischt (restaurirt), indem man sie höher hizt, als wenn sie matt gelassen werden sollte, und sie dann später wieder etwas abkühlen läßt. Die Goldstaub- (Or moulu-) Farbe ist eine Mischung aus Blutstein, Alaun und gemeinem Salze; diese Mischung wird mit Weinessig verdünnt, und mittelst eines Pinsels aufgetragen, wobei man dafür sorgen muß, daß jene Theile der Oberfläche, die polirt werden sollen, nicht mit derselben belegt werden. Das Stük kommt dann auf brennende Kohlen, die, wenn man sie etwas anbläßt, noch kräftiger wirken. Das Hizen wird so lange fortgesezt, bis das Stük anfängt, schwarz zu werden, und es muß so heiß werden, daß das darauf gesprizte Wassich schnell in Dampf verwandelt. Hierauf wird es aus dem Feuer gehoben, und in kaltes Wasser gestoßen, gehörig abgewaschen, und die Pomeranzenfarbe, die die Vergoldung darbietet, durch das Reiben mit einem in Essig getauchten Pinsel gleichförmig gemacht, wenn die Oberfläche glatt ist; wenn diese aber mit der Nadel oder mit dem Meißel uneben gemacht wurde, taucht man den Pinsel in schwache Salpetersäure. In jedem Falle muß das Stük aber wieder gehörig gewaschen und bei einem mäßigen Feuer getroknet werden.

8) Die sogenannte rothe Vergoldung zu geben. Wenn die Vergoldung jene Farbe erhalten soll, die die dreifache Legirung von Gold, Silber und Kupfer auszeichnet, welche gewöhnlich bei den Juwelieren gebraucht wird, so geschieht dieß auf folgende Weise:

Wenn das Stük gehörig vergoldet ist, so wird es, noch warm vom Feuer, mit einem feinen Eisendrahte versehen, und in das sogenannte Vergoldungswachs eingetaucht, oder mit demselben bedekt. Es besteht aus gelbem Wachs, rothen Ocher, Grünspan und Alaun. Nach dieser Zubereitung wird es über Holzkohlen stark erhizt, und die Entzündung dieser Wachsbedekung dadurch befördert, daß man kleine Stüke derselben in das Feuer wirft. Das Stük muß auf dem Feuer so hin und her gedreht werden, daß das Wachs sich |470| überall zugleich erhizt und abbrennt. Wenn dann das ganze Vergoldungswachs abgebrannt ist, und das Flammen aufgehört hat, wird das Stük in Wasser getaucht, gehörig gewaschen und mit der Krazbürste und reinem Essige übergangen. Wenn die Farbe nicht schön und überall gleichförmig ist, wird das Senk mit einer Auflösung von Grünspan in Weingeist gedekt, bei gelindem Feuer getroknet, wieder in Wasser gewaschen, und mit der Krazbürste und Essig überarbeitet. Wenn die Farbe zu dunkel wäre, kann etwas schwache Salpetersäure statt des Essiges gebraucht werden. Nach dem Färben wird das Stük gewaschen, polirt, wieder gewaschen, mit feiner Leinwand abgewischt und bei gelinder Wärme getroknet.

Bei beiden obigen Verfahrungsweisen ist die äußerste Sorgfalt nöthig, die verderblichen Einflüsse der Queksilber- und anderer Dämpfe zu vermeiden. Tausende fielen als frühe Opfer bei diesen Arbeiten, oder wurden wenigstens, nach wenigen Jahren, als Siechlinge sich und anderen zur Last für den Rest ihres Lebens. Um diese verderblichen Wirkungen zu verhüten, hat Herr d'Arcet solche Vorrichtungen in den Werkstätten, in welchen diese Arbeiten vorgenommen werden müssen, angebracht, daß alle schädlichen Dämpfe ohne Nachtheil für die Arbeiter abgeführt werden können. Im Dictionaire technologique finden sich Grundrisse und Aufrisse für große Werkstätten dieser Art; wo im kleinen gearbeitet wird, ist reine Luft, wenn man dafür sorgen will, leicht zu erhalten. Es ist von der höchsten Wichtigkeit, die Einflüsse der Queksilberdämpfe selbst bei einer einzigen Arbeit zu vermeiden, zumahl, wenn die Fläche, welche vergoldet werden soll, groß ist. In dieser Hinsicht muß der Schornstein in der Werkstätte einen sehr starken Zug haben, den derselbe am besten dadurch erhält, daß man die Luft durch außen am Gebäude angebrachte Röhren herbei führt, wodurch dieser Zug auch am sichersten regulirt wird, indem der durch Thüren und Fenster hervorgebrachte Zug nicht bloß unregelmäßig, sondern auch lästig ist für die Arbeiter.

Herr D'Arcet warnt die Arbeiter, das Queksilber nie mit nakter Hand zu berühren, und Handschuhe zu tragen, entweder von Leder oder von Blase, oder, was noch besser ist, von Wachstaffent. Ehe sie die Werkstätte verlassen, und vorzüglich, ehe sie sich zu Tische sezen, sollen sie die Hände und den Mund mit lauwarmem Wasser waschen, und erstere hierauf noch mit warmem Wasser und mit Seife, um alles Queksilber-Amalgam und die Salpetersäure-Auslösung vollkommen wegzuschaffen.

Vergoldung des Eisens und polirten Stahles.

Guyton Morveau hat eine sehr leichte Methode gelehrt, Eisen und Stahl, nachdem sie polirt wurden, sehr schön zu vergolden. |471| Sein Verfahren ist folgendes. Sehr dünn gestrektes Gold wird in Salpeter-Kochsalzsäure (aqua regia) bis zur Sättigung aufgelöst, und dann so viel Aether, dem Volumen nach, zugesezt, als man Kochsalzsäure nahm. Diese Mischung wird in eine Flasche gethan, die groß genug ist, um noch ein Mahl so viel zu fassen, als diese Mischung beträgt; sie wird hierauf genau zugestöpselt und stark geschüttelt. Der Aether wird das Gold aufnehmen, welches die Säure aufgelöst hat, auf lezterer schwimmen, und eine sehr schöne Goldfarbe zeigen. Dieser Aether wird nun mittelst eines Trichters mit sehr kleiner Oeffnung von der Säure abgeschieden, die, als die schwerere Flüssigkeit, zuerst ausfließt: in dem Augenblike, wo der Aether nachstießen will, wird das Aufnahme-Gefäß gewechselt. Diese Flüssigkeit wird nun, genau gestöpselt, zum Gebrauche aufbewahrt.

Wenn irgend ein Stük Eisen oder Stahl vergoldet werden soll, muß es vorläufig schön polirt und dann etwas erwärmt werden. Der goldhaltige Aether wird dann mit einem Pinsel aufgetragen, wird sich schnell verflüchtigen und das Gold auf dem Eisen zurüklassen, welches nun mit dem Polirstahle darauf gehörig befestigt werden kann.

Goldblatt-Vergoldung im Feuer.

Das zu vergoldende Metall, sey es Eisen, Kupfer oder Messing, wird vorläufig mittelst eines Schubers glatt gemacht, und dann polirt. Hierauf kommt es in das Feuer, und wird so lang gehizt, bis es, wo es Stahl oder Eisen ist, blau anläuft. Denselben Grad von Hize braucht auch Kupfer oder Messing. Nun wird ein Goldblatt auf die zu vergoldende Stelle aufgelegt, und sanft mit dem Polirstahle niedergerieben; das vergoldete Stük kommt wieder in ein mäßiges Feuer, in welchem es bis auf den vorigen Grad erhizt wird und so werden nach und nach mehrere Lagen von Goldblättchen aufgetragen. Für ordinäre Arbeiten besteht jede Lage nur aus einem Goldblatte: bei feineren Artikeln nimmt man zu jeder Lage zwei Goldblättchen. Nach jeder Lage kommt das Stük neuerdings in das Feuer, und jede Lage wird besonders polirt: bei der lezten Lage wird so lang polirt, bis das Stük vollkommen kalt ist.

Kaltes Vergolden auf Metall.

Man löst ungefähr 60 Gran feinen und sehr dünn gestrekten Goldes und 10 oder 12 Gran reines Kupfer in 4 Loth Salpeter-Kochsalzsäure (Königswasser) auf. Wenn die Auflösung vollendet ist, gießt man sie tropfenweise auf reine Leinwandlappen, die groß genug sind, um die ganze Auflösung einzusaugen. Diese Lappen werden dann getroknet, in eine Porzellanschale gethan und auf derselben eingeäschert, wobei man jedoch dafür sorgen muß, daß man zum Anzünden |472| derselben nicht allenfalls einen Schwefelfaden nimmt. Die erhaltene Asche enthält also Gold im möglich feinsten Staube.

Wenn nun ein Stük Metall mir diesem Goldstaube vergoldet werden soll, so muß man diesem Stüke eine reine Oberfläche geben, und es entweder mit einem feinen Steine oder mit Holzkohlenpulver abreiben; hierauf taucht man ein etwas befeuchtetes kleines Lümpchen Leinwand in dieses Pulver, und reibt das zu vergoldende Stük damit so lang, bis die Oberfläche desselben hinlänglich mit Gold bedekt ist. Wenn das Stük groß ist, wird es mit Blutstein polirt; kleinere Stüke werden mit Stahl und Seifenleder polirt, damit das Gold keine Streifen bekommt.

Vergolden der Bücher auf dem Schnitte.

Malt reibt gleiche Theile armenischen Bolus und Zukerkandel troken sehr fein mit einander ab, und sezt dann so viel abgeschlagenes Eiweiß zu, als nöthig ist, um diese Mischung gehörig zu verkörpern. Das zu vergoldende Buch kommt in die Schnittpresse, wird sehr fein beschnitten und auf dem Schnitte polirt. Hierauf wird auf dem Schnitte eine Lage Eiweiß dünn aufgetragen, die man troken werden läßt, und auf diese Lage kommt eine andere Lage von obiger Mischung, die man wieder troken werden läßt, und dann glatt reibt und polirt. Nun erst kann das Gold aufgetragen werden, was auf folgende Weise geschieht. Der Schnitt wird mit reinem Wasser mit einem Pinsel befeuchtet, und das Gold unmittelbar darauf aufgelegt. Nachdem es troken geworden ist, wird es mit einem Hundszahne oder mit Achat polirt.

Vergolden der Bücher auf dem Rüken.

Nachdem das Buch gebunden ist, wird es an den Stellen, welche vergoldet werden sollen, mit gut abgeschlagenem Eiweiße bestrichen, so wie vorher der Schnitt: man kann jedoch auch diese Mühe sich ersparen. Hierauf wird das Gold aufgetragen, und an seiner Stelle mittelst eines messingenen Werkzeuges, auf welches die Buchstaben oder Verzierungen erhaben gravirt sind, befestigt. Dieses Werkzeug muß erhizt und kräftig auf das Goldblättchen aufgedrükt werden: das Gold bleibt dann an allen jenen Stellen hängen, an welchen es mittelst des heißen Instrumentes aufgedrükt wurde. Das überflüssige Gold wird mit Baumwolle abgerieben, die man aufbewahrt und verbrennt, um das Gold wieder zu bekommen.

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