Titel: Das Apollonicon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. XVIII./Miszelle 12 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028018_12

Das Apollonicon.

Das Repertory of Patent-Inventions liefert in seinem neuesten März-Hefte S. 155–167 statt irgend einer nüzlichen Maschine die Zeichnung und Beschreibung eines colossalischen Leyer-Kastens oder Orgelbauers, der von den HHrn. Flight und Robson für Se. k. großbritt. Majestät für 10,000 Pfd. Sterling erbaut wurde. Die HHrn. Flight und Robson sind als berühmte Orgelverfertiger bereits aus Rees's Encyclopedia bekannt, wo ein von ihnen für den Earl of Kirchwall verfertigter Orgelbauer beschrieben und abgebildet ist. Eine von ihnen für den hochw. Hrn. Heinr. Liston verfertigte Orgel (welcher leztere im J. 1810 ein Patent darauf nahm, und sie euharmonic Organ nannte), ist im Philosophical Magaz. Bd. 39. S. 373 und 414 beschrieben. Gegenwärtiges Apollonicon wurde im J. 1817 zum ersten Mahle öffentlich gespielt, und findet jezt noch immer Beifall. Um eine Idee von der Größe dieses Leyer-Kastens zu geben, wollen wir hier nur bemerken, daß er ehevor von einer Dampfmaschine in Umtrieb gesezt wurde; gegenwärtig treibt ihn eine Kurbel mit einem Flugrade von 3 Fuß 6 Zoll im Durchmesser. Die größten Pfeifen sind 4 Klafter lang, und halten 23 Zoll im Gevierte, sind also um acht Fuß länger, als die correspondirenden Pfeifen an der großen Orgel zu Haarlem. Dieser Orgelbauer hat ein Register für Horn, Fagott, Violoncell, deutsche Flöte, Trompete, Cremoneser Geigen, Vox humana, Hautbois, Piccolo und Pauken. Wir wollen die Redacteurs musikalischer Zeitungen auf diesen Aufsaz aufmerksam machen, indem er für eine solche Zeitschrift mehr geeignet ist, als für die unsere. – Da in Kirchen auf dem Lande die Zahl der Stüke, die auf der Orgel aufzuführen sind, kaum über zwanzig beträgt, so wäre es wohl der Mühe werth, statt der Organisten solche Orgelbauer zu halten, die nicht selten den Psalm oder die Messe besser spielen würden, als mancher arme Schulmeister, und weit wohlfeiler kämen.

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