Titel: Universitäten-Gelehrsamkeit und gesunder Menschenverstand.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. XVIII./Miszelle 16 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028018_16

Universitäten-Gelehrsamkeit und gesunder Menschenverstand.

Unter dieser Aufschrift erinnert das Mechanics' Magazine, N. 236. S. 79. seine Leser, daß beinahe alle wichtigen Erfindungen in den mechanischen Künsten nicht von Gelehrten, sondern von Leuten gemacht wurden, die beinahe nicht einmahl wußten, daß es eine Mathematik gibt. Sir Robert Seppings, dem die Schiffbaukunst so viel zu verdanken hat, und der die hohe Würde, die er jezt an der englischen Flotte bekleidet, bloß durch sein hohes Verdienst um die Schiffbaukunst erlangte, war, nachdem er bereits Meisterwerke in der englischen Flotte gebaut hat, so unwissend in den ersten Elementen der Mathematik, daß er nicht einmahl wußte, was Auflösung der Kräfte ist, und daß er, als man ihm die Grundsäze erklärte, nach welchen er so zwekmäßig gebaut hat, nicht einmahl die Erklärung derselben begriff. „Dafür,“ sagt das Mech. Magazine, „war die französische Marine nie schlechter, als zu der Zeit, wo einer der berühmtesten Mathematiker Frankreichs, Monge, Seeminister war.“ – Das Mechanics' Magazine (und auch das London Magazine), aus welchem dasselbe diese Bemerkungen entlehnte, hätte zwischen Erfindung und Anwendung unterscheiden und bemerken sollen, daß, wenn ein Genie wissenschaftliche Bildung entbehren kann, die mittelmäßigen Köpfe, und dieß sind gewiß die Köpfe der meisten Arbeiter in mechanischen Künsten, zwekmäßigen Unterricht in der Mathematik nicht entbehren können, und die Erfindung eines Genies besser benüzen und anwenden, vielleicht sogar vervollkommnen werden, je bessere Mathematiker sie sind.

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