Titel: Versuch mit Kautschuk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CVIII./Miszelle 16 (S. 423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028108_16

Versuch mit Kautschuk.

Man hört und liest sogar öfters die Behauptung, daß weiche elastische Körper, wie z.B. Seide, einer Flintenkugel den Durchgang zu verwehren vermögen, und man vermuthet sogar, daß Kautschuk oder Gummi elasticum diese Eigenschaft in einem ausgezeichneten Grade besizen müßte. Um allen leeren theoretischen Speculationen hierüber ein Ende zu machen, und zu beweisen, daß Wahrscheinlichkeit noch keine Wahrheit ist, ließ ich ein Stük Kautschuk von der Dike eines halben Zolles auf einem Pfahle befestigen, und mit einem gezogenen Rohre aus einer Entfernung von 50 Schritten auf dasselbe schießen. Das Stük Kautschuk, das zwei Mahl getroffen wurde, schien, als man es vom Pfahle herab nahm, unversehrt geblieben zu seyn, und man würde sich über die Durchdringlichkeit desselben gröblich haben tauschen können, wenn nicht zwei tiefe Löcher in dem Pfahle an der Stelle, wo das Stük Kautschuk hing, bewiesen hätten, daß die Kugeln durch lezteres durchgefahren seyn mußten. Als man dieses hierauf mit der größten Genauigkeit noch ein Mahl untersuchte, fand man an den beiden Stellen, an welchen die Kugeln durch dasselbe schlugen, zwei sehr feine Löcher, die so klein waren, daß man kaum eine feine Sonde in dieselben einzuführen vermochte. Eine Anwendung, die sich vielleicht nach diesem sonderbaren Phänomen vom Kautschuk machen ließe, wäre die Kriegsschiffe an ihrem unteren Theile innenwendig damit auszufüttern. Die Leke, die das Schiff durch die Kugeln bekommt, würden dann sehr klein werden, da das Kautschuk mit so gewaltiger Stärke sich zusammenzuziehen vermag. Dr. J. H. Schultes.

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