Titel: Parallele zwischen Akerbau und Industrie im nördlichen und im südlichen Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CVIII./Miszelle 3 (S. 418–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028108_3

Parallele zwischen Akerbau und Industrie im nördlichen und im südlichen Frankreich.

Man weiß bereits aus Baron Dupin's Angaben, daß im nördlichen Frankreich von Einer Million Einwohner 56,988, im südlichen nur 20,885 Kinder zur Schule geschikt werden; d.h., daß der Elementar-Unterricht im Norden drei Mahl eifriger benüzt wird, als im Süden.

Die Bevölkerung, welche in Frankreich 807 Menschen auf eine gewisse Fläche gibt, gibt im Norden, 1000, im Süden 704. Die Bevölkerung ist also im Norden, ungeachtet der klimatischen Nachtheile, beinahe um die Hälfte größer, und ebenso die Production:

Im Norden: Im Süden: In ganz Frankreich :
Ertrag des Bodens 800,600,000 825,400,000 1,626,000,000 Franken.
Kommt auf Einen Einwohner 60 Fr. 80 C. 47 Fr. 75 C. 55 Fr. 39 C.
– – das Hektar 47 – 85 – 23 – 69 – 30 – 38 –
Verhältniß des mittleren
Ertrages für Einen Einw.
1,000 – 785 – 878 –
auf Ein Hektar 1,000 – 533 – 709 –

Annäherungs-Schäzung des Bruto-Ertrages des Akerbaues.

Im Norden: Im Süden: In ganz Frankreich:
Gesammt-Erzeug. 2,452,842,087 Fr. 2,860,321,648 Fr. 5,313,163,735 Frank.
Jährl. Gewinn eines
Arbeiters
381 – 331 – 358 –
Höhe des Arbeitslohnes
260 Arbeitstage im
Jahre gerechnet
1 Fr. 47 C. 1 Fr. 27 C. 1 Fr. 38 C.
Gewinn einer
Haushaltung,
Mann u. Frau
508 – 441 – 477 –

„Der Arbeiter im südlichen Frankreich gewinnt also“, sagt Baron Dupin „so lang er gesund ist und Kräfte hat, kaum soviel, als er zur Erhaltung seines Lebens bedarf; sobald er aber krank und alt wird, fällt er in Armuth, und dem Mitleide seiner Mitbürger oder den Spitälern zur Last. Vor der Revolution war dieß in ganz Frankreich der Fall; seit dieser sind aber beinahe vier Fünftel, der das Land bebauenden Classe Grund-Eigenthümer geworden, und genießen, als Familienhäupter, einen Grundzins von mehr als 64 Franken. Die große Zahl der kleinen Grund-Eigenthümer kommt den sogenannten Proletarien unter der Classe der Landbebauer zu Statten, die auf ein Viertel reducirt, desto leichter in der Industrie eine Zubuße zu ihrer Beschäftigung finden. In England, wo der Netto-Ertrag sehr groß, und der Pacht-Ertrag bedeutend ist, bleibt diesen Proletarien unter den Akerleuten, selbst, wenn sie gesund und stark sind, nicht soviel übrig, um ihre Familie zu nähren. Ich habe in England immer gesehen, daß der Akerbau und nicht die Industrie, die Armen vermehrt. Die Armentaxe ist in denjenigen Gegenden Englands, wo Akerbau getrieben wird, immer größer, als in den Fabricbezirken.“

Industrie-Erzeugnisse.

Im Norden: Im Süden: In ganz Frankreich:
Fabricationskost. (nach
Abzug des Werthes
d. rohen Materialien)
1,113,860,139 Fr. 858,718,261 Fr. 1,972,602,400 Frank.
Ertrag (Fruits) der
industriellen Arbeit
1,838,667,736 – 1,486,367,567 – 3,325,035,303 –
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Industrieller Jahreslohn 587 – 492 – 540 –
Taglohn, das Jahr zu
260 Arbeitstagen
2 Fr. 26 C. 1 Fr. 89 C. 2 Fr. 6 C.

Die Producte der Industrie, der Renten, des Akerbaues unter alle Einwohner Frankreichs gleich vertheilt, geben

Im Norden: Im Süden: In ganz Frankreich.
auf einen Einwohner 315 Fr. 41 C. 228 Fr. 23 C. 265 Fr. 93 C.
Steuer auf jeden Einwohner 41 – 4 – 22 – 89 – 30 – 74 –
–––––––––– –––––––––– ––––––––––
Bleibt freie Einnahme für
den Kopf

247 – 54 –

205 – 24 –

235 – 19 –

Das Resultat aller Berechnungen des B. Dupin ist dieses: daß Frankreich unendlich zuviel Akerbauer im Verhältnisse zu seinen Fabrikanten besizt233); daß es weit besser für das Wohl desselben wäre, wenn es mehr Fabrikanten besäße, indem diese es sind, die, wie das Beispiel in England und Frankreich beweiset, den Akerbauer bereichern, dessen Erzeugnisse mit der Anzahl der Consumenten im Werthe steigen,234) daß Frankreich stets darauf hinarbeiten müsse, die Zahl seiner Akerbauer zu vermindern, und, die seiner Fabrikarbeiter zu vermehren.235) Er berechnet hiernach eine Vermehrung der Einkünfte Frankreichs von 7 Milliards. Die Mittel, die er vorschlägt, um die Industrie zu heben sind: Geseze und Sittlichkeit; Geseze, die die Liebe ;ur Arbeit fördern, den Erwerb von Capitalien begünstigen, die immer nur (???) die Frucht von Sparsamkeit und guter Ordnung sind; Verwendung dieser Capitalien nicht auf Papierhandel (der bereits, nicht etwa zum Handel mit weißen Menschen, sondern mit ganzen Nationen ausgeartet ist, in welchem man ganze Volker ebenso in Ketten schlagt, wie einzelne Neger-Familien mit ein Paar Loth Goldstaubes) Verwendung dieser Capitalien nicht auf Handel mit Staatspapieren, sondern auf Landwirthschaft, auf Fabriken, auf Anstalten, die die Ausbildung des menschlichen Geistes und Liebe zur Arbeit, der Urquelle alles Heiles, fördern. (Nach den Forces productives et commerciales de la France: par le Baron Charles Dupin. 4. Paris 1827. 2. vol. ch. Bachelier. 330 et 336 S. 25. Franken. Aus dem Bulletin a. Scienc. technol. N. 1. 1828. S. 91.)

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Wenn dieß in einem Lande der Fall ist, das jährlich beinahe 1/4 seines Bedarfes an Getreide und Fleisch aus dem Auslande holen muß; was soll man von einem Lande sagen, das beinahe zwei Mahl so viel Getreide erzeugt, als es bedarf, und dafür keinen brauchbaren Faden Wolle, Baumwolle und Flachs liefert, das noch überdieß freie Einfuhr aus den Nachbarländern erlaubt, in welchen mehr Industrie, als Akerbau ist? A. d. R.

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Baron Dupin sagt, daß England's Akerbau-Reichthum nur darum nicht so wohlthätig für das Land ist, weil er so schändlich concentrirt (scandaleusement concentré) ist; weil während Millionen keine Spanne Landes besizen, ein Paar hunderte Millionen von Tagwerken als Eigenthum angewiesen haben. A. d. R.

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Wir geben das Leztere eben so gern zu, als wir das Erste nie zugeben können. A. d. Ueb.

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