Titel: Neuer Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CVIII./Miszelle 4 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028108_4

Neuer Dampfkessel.

Ein Mitglied des Ausschusses der Künste und Manufacturen hat in einer der lezten Sizungen eine Beschreibung eines neuen Apparates vorgelesen, um eine Dampfmaschine mit Dampf zu versehen. Dieser Apparat, von der Erfindung des Herrn Joh. Andr. Uthe (aus Dresden), wurde in der Werkstätte des Herrn Joh. Sockerill und Comp. unter den Augen des Erfinders verfertigt. – Von dem Grundsaze ausgehend, daß man, um Brennmaterial zu ersparen, nur so viel Wasser bis auf den verlangten Grad von Hize erwärmen darf, als zur Dampfbildung nothwendig ist, hat Herr Uthe seinen Apparat aus einem kleinen Kessel oder Generator gebildet, in welchem der Dampf erzeugt wird, und aus einem Behälter, der nur zur Speisung dieses Erzeugers dient. Eine kleine flache, vierekige Kiste ist horizontal über dem Heerde gestellt, und zum Theile mit Wasser gefüllt. – Aehnliche, über einander aufgestellte, Kisten bilden den übrigen Theil dieses Apparates. Diese Kisten, die als Wasserbehälter dienen, werden von kleinen eisernen Säulen getragen, und während die Flamme und der erhizte Rauch zwischen |420| denselben durchläuft, sind sie mittelst senkrechter Röhren unter einander in Verbindung. Eine Drukpumpe führt das Wasser in die oberste Kiste, und, während das Wasser von einer Kiste in die andere übergeht, nähert, sich dasselbe nach und nach dem Feuer, und erhizt sich allmählich. – Durch den Druk des Dampfes, der in der unteren Kiste und in dem Erzeuger entsteht, wird das daselbst befindliche Wasser immer zusammengedrükt, und dieser Druk theilt sich mittelst der Röhren, die von einer Kiste zur anderen gehen, dem ganzen Apparate mit. – Auf der obersten Kiste befindet sich eine Sicherheitsklappe, die mit einem Gewichte beschwert ist, welches dem verlangten Druke des Dampfes in dem Erzeuger gleich ist. Eine zweite Sicherheitsklappe befindet sich auf der Röhre, durch welche der Dampf nach dem Erzeuger der Maschine geleitet wird. – Um allen Verlust an Hize zu vermeiden, muß der Heerd und müssen die Züge, durch welche die Flamme und der erhizte Rauch zieht, ehe beide in den Schornstein treten, von einer Luftdeke umgeben werden, oder mit Schläuchen, die mit den inneren Kisten in Verbindung stehen, gedekt werden. – Obschon in dieser Kiste Dampf von einem Druke von 5 1/2 Atmosphären erzeugt wird, und dieselbe in keiner Mauer stekt, so spürt man doch selbst in der Nahe dieser Kiste, keine Wärme. – Wenn die Dampfmaschine plözlich in ihrem Gange unterbrochen wird, und die Drukpumpe dadurch aufhört zu wirken, so wird der Dienst derselben durch eine kleine Drukpumpe versehen, die an der Seite des Kessels angebracht ist. – Wenn die Dampfmaschine nicht arbeitet, so häuft der Dampf sich in dem Erzeuger an, und die Sicherheitsklappe fängt bald an sich zu heben. Diese Bewegung öffnet einen Hahn, und ein Theil des Dampfes begibt sich in einen kleinen Cylinder, in welchem sie einen kleinen daselbst befindlichen Stämpel auf- und niedersteigen macht. – Durch das Spiel dieser kleinen Dampfmaschine wird das Wasser in der obersten Kiste des Kessels bald in die Höhe gezogen, bald zurükgedrükt. – Wenn man das Spiel des Stämpels und des Hahnes, der dem Dampfe den Durchgang öffnet, damit er über und unter den Stämpel gelangen kann, mit einander verbindet, so arbeitet diese Pumpe für sich allein, ohne daß ein Arbeiter bei derselben nothwendig wäre. – Wenn die Dampfmaschine wieder zu arbeiten anfängt, so hört diese Hülfspumpe auf zu wirken.

Diese neue Dampfmaschine gewährt 5 Vortheile:

1) nimmt sie wenigen Raum ein, als jede andere, indem sie, sammt ihrem inneren Heerde nur 5 1/4 Kubik Meter (ungefähr 20 Kubikfuß) braucht, obschon sie Dampf genug für eine Maschine von der Kraft von 24 Pferden liefert. Dieß ist der 22ste Theil des Raumes, den eine gewöhnliche Dampfmaschine einnimmt, und der vierte Theil des Umfanges einer Dampfmaschine mit hohem Druke und innerem Heerde, wie sie auf einigen Dampfböthen gewöhnlich ist.

2) Braucht sie nur 2/3 oder 3/4 des Brennmaterials, welches bei den gewöhnlichen Kesseln zu gleicher Wirkung nothwendig ist.

3) Ist sie weit weniger gefährlich, als jeder andere Dampfkessel: der einzige Theil, dessen Bersten gefährlich werden konnte, ist die untere Kiste, öder der Erzeuger. Allein, da diese Kiste klein ist, kann man sie auch stark machen, und der wenige Dampf, den sie enthält, würde ein Springen nicht sehr gefährlich machen.

Man ließ einmahl zu wenig Wasser in den Erzeuger: die Kiste ward roth glühend und barst. Die Explosion war so gering, daß sie kaum dem Knalle einer Pistole gleich kam, und weder Herr Uthe noch sein Dinner, die an der Kiste standen, wurden verlezt.

4) Da dieser Apparat aus mehreren von einander unabhängigen Stüken besteht, so läßt der Theil, der gelitten hat, sich leicht herausnehmen, und durch einen anderen ersezen, den man bereit hält.

5) Ist die wenige Hize, die sie nach außen fühlbar werden läßt, ein großer Vortheil, zumahl auf Dampfbothen.

Die mit dieser Maschine angestellten Versuche entsprachen vollkommen der Erwartung, und das Urtheil des Herrn Dandelin, (Prof.) Devaux (Markscheiders) und Majors Backe fielen zu Gunsten dieser Maschine aus, auf welche Herr Uthe am 18. September 1826 auch ein Patent genommen hat. (Bekannt gemacht von der Société d'Emulation a Liége im Mathieu Laensbergh, ou le Politique municipal, provincial et national. Nr. 92)

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