Titel: Stuart's Anekdoten über Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 28, Nr. CXXVI./Miszelle 31 (S. 487–488)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj028/mi028126_31

Stuart's Anekdoten über Dampfmaschinen.

Unter dem Titel: Anecdoten of Steam Engines, by Rob. Stuart, Engineer erscheint jezt zu London eine Zeitschrift in 16°, die im Repertory of Patent-Inventions, Mai, S. 322, als sehr lehrreich und unterhaltend geschildert wird, und nach dem daselbst gegebenen Auszuge es auch wirklich zu seyn scheint, wenn gleich der Herr Verfasser sich zuweilen zu weit verliert, indem er Spuren von Dampfmaschinen an der Memnon'säule, bei Hero Alexandrinus, Gerbert, Cardan, Mathesius, Besson, Ramelli, Porta, De Caus, Branca, Drebbel, Kircher, Wilkin's und in Dr. Plot's History of Staffordshire findet.

Die eigentliche Geschichte der Dampfmaschine fängt erst im 2. Kapitel mit dem berühmten Marquis of Worcester an, wo, wie das Repertory of Patent Inventions a. a. O, S. 322 bemerkt: „ein merkwürdiger Bericht über die geistvollen Anstrengungen der Marquisinn von Worcester gegeben wird, durch welche sie nach dem Tode des Marquis noch bemüht war, den Gebrauch dieser „über die Fluten gebietenden Maschine“ zu verbreiten. Nun kommen noch die Nachrichten über Dampfbenüzung durch Hauteville, und über die Maschinen des Sir Samuel Morland, der im J. 1682 ein Buch schrieb, welches das erste ist, worin man eine gedrukte Nachricht von einer Dampfmaschine, als einer wirklich arbeitenden Maschine findet. Es ist bloße Vermuthung, daß eine im J. 1651 an einen gewissen Hartlil gerichtete Broschüre von einer Dampfmaschine handelt.

Die folgenden Kapitel enthalten Notizen über die Maschine Savery's, der hier von dem Verdachte frei gesprochen wird, als habe er Worcester's Maschine copiert; über Papin's Erfindungen und Versuche; über Luipold's Ideen; über die Wiederaufstellung von Newcomen's und Cawley's Maschine und über Brighton's Verbesserungen an dieser lezteren. Nebenher werden auch andere Maschinen aufgeführt; wie Amonton's Feuerrad, Desaguliers Verbesserung an Savary's Maschine; der Apparat des Landgrafen von Hessen; Prinz Rupert's Räder-Both; die Dampfbothe von Allen, Gensane, und Hüll, und die Pläne, welche Daniel Bernoulli und Gautier aus Nancy der Academie des Sciences zu Paris überreichten, um Bothe zu treiben. Fizgerald's Methode, aus einer Wechselbewegung eine anhaltende umdrehende zu machen, wird hier gleichfalls abgeführt, so wie Brindley's Plan |488| zu einem steinernen Kessel, Cugnot's Dampfwagen, Blakey's Abänderung an Savary's Maschine, und Smeaton's Verbesserung an jener von Newcomen. Papin's edles Betragen gegen seinen Rivalen Savary wird hier billig gelobt, und seiner Erfindung der Sicherheitsklappe das verdiente Lob gezollt.

Der zugleich wegen seines Scharfsinnes und seiner Faulheit, berühmte Junge, Humphry Potter, ist hier nicht vergessen, indem er der Erste war, der die Maschine ihre Klappen und Hähne selbst treiben ließ. Es scheint aber irrig hier angegeben, daß Papin der Erste war, der Flamme und Rauch durch Züge niedersteigen machte, da nach Boerhave (Elementa Chymiae), Delesme der Erste gewesen ist, der im J. 1686 die hierzu nöthige Vorrichtung angegeben hat, während Papin erst im J. 1695 darüber schrieb.

Vom 8. bis 18. Capitel kommen bloß Anekdoten aus der Jugend des selig. Watt vor, nebst einigen Notizen über Smeaton, Brindley, Dr. Roebuck, Genevois, Wilkinson (der die Bohrmaschine verbesserte), Wasbrough und Pickaro, Bettancourt und Prony. „So sehr auch „sagt das Repertory unsere Engländer sich in affectirter Schmeichelei für den Schatten des Unsterblichen erschöpften, um sich jezt mit dem Glanze des Mannes zu schmüken, dem sie früher nicht einmahl ein Stükchen Grundes für eine Hütte schenkten, in welcher er sein würdevolles Leben hätte hinbringen können, so weiß Herr Stuart doch noch immer uns etwas Neues über diesen großen Mann zu erzählen, und wir wissen jezt, wie viel Herr Bolton den Talenten Watt's zu danken hat, der zu Glasgow unter den heißhungerigen und intoleranten Decanen hätte in Dunkelheit sterben und verderben können, wenn er nicht von Bolton mit einer Liberalität aufgenommen und unterstüzt worden wäre, die dem Herzen des Lezteren eben so hohe Ehre bringt, als seinem Geiste. Aber auch diese Aufnahme würde England noch nicht in den Stand gesezt haben, in so kurzer Zeit die nicht zu berechnenden Vortheile der Dampfmaschine zu genießen, wenn Herr Bolton nicht im Stande gewesen wäre, 50,000 Pfund Sterling (600,000 fl. rheinl.) auszulegen, ohne einen Kreuzer dafür ehe zu erhalten, als sein wohlberechnender Speculationsgeist, der den Werth dieser Erfindung durchblikte, und wohl einsah, daß hier ein solcher Aufwand unerläßlich ist, wenn sie gelingen soll, es voraus berechnet hatte.“

Das Repertory bemerkt, daß Herr Stuart sich irrte, wenn er S. 273 sagte: Bolton habe sich verbürgt, mittelst seiner Maschine 30 Millionen Pfund mit 84 Pfund Steinkohlen Einen Fuß hoch zu heben; er verbürgte sich nur für 23 Millionen und 0,44. Eben so ist es unrichtig, daß, wie es S. 321 heißt, kein Unterschied zwischen dem beladenen Flugrade (das Pickard zuerst gebrauchte) und jenem Wasbrough's ist. Pickard hat der Erste öffentlich die Wechselbewegung in eine umdrehende verwandelt; Watt that dasselbe zwar früher, aber nur privatim.

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