Titel: Gurney's Dampfmaschine und Dampfwagen.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1828, Band 29, Nr. I. (S. 1–11)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj029/ar029001

I. Herrn Goldsworthy Gurney's Dampfmaschine und Dampfwagen. Von Dr. Ernst Alban.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Man hat in der neuesten Zeit, zum Theil auch in Deutschland, viel Aufhebens von der Erfindung des Hrn. Goldsworthy Gurney, eines Wundarztes in London, gemacht, der, nachdem man auf dem Continente schon so lange und auf so vielfache Weise das Capitel der Röhrenkessel beleuchtet und vertut, und Röhrenkessel wirklich hie und da mit Glük in Anwendung gebracht,1) auf einen Röhrenkessel von neuem ein Patent genommen, und damit, wenigstens in London, einigermassen Epoche gemacht hat. Vorzüglich aber verspricht man sich von der Anwendung dieses Röhrenkessels wichtige Resultate für die fortschaffende Mechanik, und namentlich für das Fuhrwerk auf gewöhnlichen Straßen, so daß selbst die preußische Regierung, die auf alles Nüzliche im Gebiete der Technik nicht allein achtet, sondern dasselbe auch aus allen Kräften befördert, wie man mich versichert hat, darauf aufmerksam geworden seyn soll.

Hr. Gurney hat aber auch wirklich einen Dampfwagen hergestellt, der auf der Londoner Chaussee, und selbst auf dem mit Kies etwas bestreuten Plaze der Casernen für die Gardekürassiere mit der Geschwindigkeit eines Pferdes im kurzen Trabe, wie ich mich selbst überzeugte, seine Probe auf eine halbe bis ganze Stunde sehr wohl bestanden hat, und hinsichtlich dieser Leistung, gegen alle Widerrede, seine Vorgänger weit übertreffen, jedoch scheint mir sein Dampfwagen eben so wenig, wie die Dampfkutschen jener, geeignet zu seyn, die schwierige Aufgabe eines sicheren und bequemen Dampffuhrwerks auf gewöhnlichen Kunststraßen, viel weniger noch auf unseren Meklenburg'schen Wegen und den meisten Neben- und Feldwegen unseres geliebten deutschen Vaterlandes zu lösen, und ich bin sehr geneigt, die leztere in den Zeitungen enthaltene Nachricht von der nun zu erwartenden Einführung einer Gurney'schen regelmäßig fahrenden Postkutsche entweder für eine Fabel, oder für eine gewöhnliche englische Voreiligkeit und Prahlerei zu halten, mit der wir in neuerer Zeit in einem so reichen Maße bekannt geworden sind.

|2|

Ich will hier dasjenige, was ich von dem Gurney'schen Dampfentwiklungsprincipe in London erfahren und von dem neuen Kessel seiner Maschine und beider Anwendung auf Dampffuhrwerk selbst gesehen habe, so umständlich und genau mittheilen, als es die kurze Beaugenscheinigung erlaubt, die mir in der Gurney'schen Dampfmaschinenfabrik (der ehemahligen Perkins'schen) am Regentspark vergönnt wurde, und zulezt mein Unheil über die ganze Erfindung der Gurney'schen Dampfmaschine sowohl als ihre Anwendung auf Dampfwagen unumwunden vorlegen.

Hr. Gurney hat die frühere in seiner Patenterklärung2) angegebene Form seines Dampferzeugers ganz verlassen und eine völlig veränderte angenommen.3) Ob die jezige ganz neu sey und in ihrer Anordnung im Ganzen nicht mit dem Röhrenkessel von Clarke,4) worin das von den Röhren in den oberen Sammlungsbehälter übersprudelnde Wasser, so wie bei dem Gurney'schen, durch weite Seitenkanäle in den unteren Wasserbehälter, von welchem alle Röhren auslaufen, zurükgeführt wird, übereinkomme, will ich nicht entscheiden. Jedoch weiter unten mehr davon.

Hrn. Gurney's jeziger Kessel besteht aus 3/4 bis 1 Zoll äußern Durchmesser haltenden geschmiedet eisernen, und zwar in der Fabrik von Rußel in Weclnesbury gezogenen Röhren, wie sie allgemein und längere Zeit schon bei den kleineren Gasleitungen Londons gebraucht werden. Ich fand dieselben bei allen Kesseln, die ich in der Fabrik stehen sah, auf ihrer ganzen Länge zwei- bis dreimahl so zusammengeschroben, wie es bei jenen Gasröhren üblich ist. Die Anzahl dieser Röhren war verschieden nach der durch den Kessel beabsichtigten Leistung. An einem der mir zu Gesichte kommenden Kessel, der an Ausdehnung dem gerade in der Fabrik sich in Thätigkeit befindenden gleich schien, zählte ich 26 Röhren und schäzte ihre Länge auf 10 bis 12 Fuß. Alle entsprangen aus einem horizontal liegenden cylindrischen Behälter von Platten-, oder wie ich an mehreren neueren Kesseln bemerkte, von Gußeisen, und liefen etwas schräg aufwärts, doch so, daß 13 davon abwechselnd mit den übrigen etwas höher lagen und in dieser Ordnung aus dem Behälter entsprangen, was vermuthlich |3| so angeordnet war, um an dem Behälter größere Zwischenräume zwischen den Röhren und dadurch mehr Festigkeit und Stärke zu erhalten. Die so schräg aufsteigende Lage der Röhren bildete zum Theil den Rost, worauf das Feuer brannte, und war vorne allein durch den cylindrischen Behälter, etwas mehr nach hinten, da wo der Rost aufhört, aber auf die Ofenwände gestüzt. Ganz hinten krümmten sich sämmtliche Röhren aufwärts, und liefen wieder in schräger Richtung nach vorne zurük. Sie lagen hier in eben der Ordnung wie unten, und mündeten sich auch in eben der Weise, wie sie aus dem unteren Behälter entsprangen, in einen oberen Sammlungsbehälter, der an seinen beiden Enden durch zwei weite absteigende Röhren mit dem unteren Behälter communicirte. Die Krümmungen der Röhren am Hinteren Ende des Kessels waren halbkreisförmig und nur so hoch, daß die unteren von der oberen Röhrenlage in dieser Gegend ungefähr 8 bis 10 Zoll entfernt stand. Den äußeren Durchmesser des unteren so wie des oberen Sammlungsbehälters schäzte ich auf 6, den der Verbindungsröhren zwischen beiden auf 4 Zoll. Zwischen den beiden Behältern und Communicationsröhren war die Ofenthüre angebracht. Das Speisewasser wurde durch die Speiseröhre in den unteren Behälter geführt. Zur vollkommenen Scheidung der Dämpfe von dem Wasser diente ein aufrechtstehender Cylinder von Guß- oder Schmiedeeisen (der sogenannte Separator). Er hatte am unteren Ende ungefähr 8, am oberen 6 Zoll äußeren Durchmesser, war 5 bis 6 Fuß hoch, und vor und neben der Ofenthür aufgestellt. Er communicirte durch eine etwas absteigende gebogene Röhre mit dem oberen und mit einer gleichen aber aufsteigenden mit dem unteren Behälter. Um den Wasserstand in demselben beobachten zu können, waren Probehähne in seiner Seite angebracht, und oben auf dem Dekel desselben stand ein Sicherheitsventil. Von hier aus führte auch die Dampfröhre zu der Maschine.

Um diesen Kessel mehr zu versinnlichen, habe ich verschiedene Abbildungen desselben auf beiliegender Tafel geliefert. In Figur 1. sieht man ihn von einer seiner Längeseiten und zwar in seinem Ofen aufgestellt, welcher leztere im perpendikulären Längedurchschnitt abgebildet ist. a, ist hier der untere, b, der obere cylindrische Behälter, c, der untere Theil einer der Entwiklungsröhren, die insgesammt in derjenigen Länge den Rost bilden, als man in der Zeichnung das Feuer angedeutet findet; d, ist die Hintere halbzirkelförmige Krümmung der Röhren, e, die schräg nach vorne und oben zurüklaufende Lage derselben, f, eine der Communicationsröhren zwischen den beiden Behältern, g, der Separator, h, das Verbindungsrohr zwischen ihm und dem unteren, i, dasselbe zwischen ihm und dem oberen cylindrischen |4| Behälter. k, und, l, sind Probehähne, m, ist das Sicherheitsventil, n, das Dampfrohr.

In Fig. 2. sieht man einen Theil der Röhrenlage im Querdurchschnitte. Man kann hier die abwechselnde Stellung der Röhren in verschiedenen Höhen genau übersehen. Fig. 3. stellt die beiden cylindrischen Behälter, a, und, b, mit ihren Verbindungsröhren, c, und, d, und zwischen denselben die Ofenthür, e, also die vordere Fronte des Kessels vor. f, und, g, sind die Verbindungsröhren zwischen den Behältern und dem Separator, die hier abgeschnitten erscheinen. h, ist das in den unteren cylindrischen Behälter führende Speiserohr. Das Ganze dieser Kesselfronte war bei mehreren Kesseln, die ich dort sah, aus einem Stüke gegossen. Die Entfernung zwischen dem Centrum beider cylindrischen Behälter schäzte ich auf 18 bis 20 Zoll.

Fig. 4. stellt eine Ansicht des ganzen Kessels von oben vor. a, a, a, die Dampfentwiklungsröhre, b, der obere cylindrische Behälter, c, der Separator, d, das Verbindungsrohr zwischen dem oberen cylindrischen Behälter und Separator.

Hr. Gurney hält den unteren cylindrischen Behälter und die ganze Röhrenlage, sowohl die untere als obere, so wie über die Hälfte des oberen Behälters voll Wasser. Beim Heizen unter den Röhren beginnt das Wasser in beiden Lagen, vorzüglich in der oberen, zu kochen, und durch das Emportreiben der Dampfblasen, die wegen der schrägen Stellung beider Röhrenlagen immer durch die ganze Leitung nach dem oberen Behälter zu streben, wird ein Kreislauf des Wassers von dem unteren Behälter durch die Röhren zum oberen, und von hier durch die Communicationsröhren zu dem unteren zurük bewirkt, wobei die Dämpfe im oberen Behälter ihren Weg durch die gebogene Röhre (Fig. 1., i) zu dem Separator nehmen, in welchen sich das den Dämpfen beigemischte Wasser noch vollends von ihnen trennt, und in der unteren größeren Hälfte desselben ansammelt. Von hier geht es aber durch das untere Rohr (Fig. 1., h) in den unteren Behälter zurük. Zur Reinigung des Kessels von den erdigen Concrementen bedient sich Hr. Gurney der verdünnten Salzsäure oder einer Mischung von Schwefelsäure und Kochsalz,5) die er nach gehöriger Auflösung oder Verdünnung in Wasser durch die Drukpumpe in den Kessel fordern und während des Kochens durch die Röhren so lange circuliren läßt, bis sich alle erdigen Concremente aufgelöst, und die etwa nicht ganz aufgelösten, bei dem Sprudeln des Wassers, in |5| den unteren Behälter angesammelt haben, woraus er sie alsdann durch eine Ausblaseröhre (Fig. 3., i) mit einem Hahne versehen, entfernt.

Der Ofen zu diesem Röhrenkessel war höchst einfach. Er bestand bloß aus 2 Seitenwänden (Fig. 3., k, und, l) und einer Hinteren Wand (Fig. 1., o), vor welcher ein Canal, p, den Rauch in den Schornstein führte, dessen Oeffnung durch einen gewöhnlichen Schieber, q, nach Bedürfniß des Zuges, verengt oder vergrößert werden konnte. Ungefähr in der Mitte, oder etwas näher gegen die Hintere Krümmung der Röhren hin, wurde die untere Röhrenlage durch eine Art Ofenbrüke (r) unterstüzt, hinter welcher der innere Raum des Ofens sich senkte (s), so daß ein Theil der vom Rost kommenden Hize in der Richtung des Pfeiles, t, zwischen den Röhren der unteren Röhrenlage durchzog. Die beiden cylindrischen Behälter, ihre Verbindungsröhre und die Thür schließen den Ofen nach vorne. Die obere Röhrenlage wurde mit dünnen Eisenplatten, u, bedekt, worauf eine Lage Sand, v, gebracht war, um das Ausstrahlen der Hize einigermassen zu verhüten. Man konnte diese ganze Deke mit Leichtigkeit in die Höhe heben, um den Feuerplaz, die Lage der Röhren im Feuer und die innere Construction des Ofens zu übersehen. Das Feuer im Ofen war sehr ausgedehnt, aber brannte mit außerordentlich weniger Intensität, ungefähr wie in einem gewöhnlichen Camine. Da die Röhren der unteren den Rost bildenden Röhrenlage zu entfernt von einander lagen, um einen zwekmäßigen Rost für Steinkohlenfeurung zu bilden, so bemerkte ich wohl, daß eine große Menge der auf den Rost gebrachten kleineren Kohlen unverbrannt zwischen den Röhren durch in den Aschenheerd fiel.

Hr. Gurney sagte mir, daß er auf eine Pferdekraft 5 der beschriebenen Röhren nehme. Nach einer Berechnung, die ich über die daraus sich ergebende Feuerberührungsflache solcher 5 Röhren anstellte, ergab sich, daß sie ungefähr 10 Quadratfuß betrug.

Die Dampfmaschine des Hrn. Gurney hatte einen horizontal liegenden und schwingenden Cylinder, nach Art der Manby'schen in England patentirten Dampfmaschine mit, wie Hr. Manby es nennt, oscillirenden Cylinder.6) Der Cylinder hing in feinem Centrum in zwei Zapfen, die sich in zwei Lagern des Gestelles drehten, und durch dessen eine (beide waren hohl) die Dämpfe zur Maschine strömten, durch dessen andere aber die Exhaustion in das Exhaustionsrohr geschah. Dampf- und Exhaustionsröhre waren mit kegelförmigen Enden in der äußeren Oeffnung der Zapfen eingeschmirgelt, und wurden durch Schrauben, die durchs Gestell gingen, an die Zapfen so angedrükt, daß diese dampfdicht |6| sich darauf wendeten. Von den beiden Zapfen führten an dem Cylinder angegossene Kanäle zu der oben auf demselben angebrachten Steurungsbüchse, worin ein einfaches Schiebventil von gewöhnlicher Einrichtung sich bewegte,7) und die Regulation des Zu- und Abflusses der Dämpfe für den Cylinder besorgte. Die Bewegungsstange des Schiebventils ging nach hinten dampfdicht durch eine kleine Stopfbüchse der Steuerungsbüchse, und war hier verbunden mit einer kleinen Steuerstange, die über den Zapfen eines Hebels griff und durch diesen in Bewegung gesezt wurde, wenn derselbe bei der Schwingung des Cylinders sich hin und her zu neigen dadurch gezwungen war, daß sein längerer Arm zwischen 2 hölzernen Klözen sich rieb und verhindert wurde, die Abweichung des Cylinders von der geraden Linie während seines Schwingens mitzumachen. Die Steurungsstange hatte ein Scharnier, und konnte an einem Handgriffe von dem Hebelzapfen abgehobelt werden, worauf die Steurung und mit ihr der Gang der Maschine gehemmt wurde. Die Stopfbüchse des Cylinders für die Kolbenstange war besonders lang, wahrscheinlich, um das ungleiche Drängen der Kolbenstange gegen die Seite derselben, bei den Wendungen des Cylinders, so viel möglich unschädlich zu machen. Die Kolbenstange war durch ein Gelenkstük unmittelbar mit der Kurbel, ohne Anwendung irgend eines Führers oder irgend eines anderen Sicherungsmittels gegen das Drangen, verbunden.

Der Durchmesser des Cylinders wurde auf 8 Zoll, der Hub auf 18 Zoll und die Kraft der Maschine auf die von 6 Pferden angegeben. Sie machte in der Minute ungefähr 36 bis 40 Hübe. Wie man sagte, sollte sie in 12 Stunden bei der eben Statt findenden Arbeit, die aber auch nur in der Betreibung zweier Drehebänke von mittlerer Große bestand, 3 bis 4 Bushel Kohlen gebrauchen. Die außerordentliche Größe des Rostes (derselbe hielt nach meiner ungefähren Schäzung 9 und wo nicht mehr Quadratfuß Oberfläche) ließ mich aber, und wohl nicht mit Unrecht auf einen größeren Verbrauch schließen.8)

Hrn. Gurney's Dampfwagen war mit zwei schwingenden Cylindern verschen, die unten im Gestelle sich bewegten und deren Kolbenstangen unmittelbar auf zwei Kurbeln wirkten, die in einem rechten Winkel gegen einander gestellt waren.9) Die Kurbelwelle bildete zugleich |7| die Axe der Hinterräder. Der Kessel lag in einem offenen Kasten hinten im Wagen und über der Hinteraxe und den Cylindern, und wurde mit Coak's geheizt, die zwischen den Röhren gelegt waren. Die etwanige Asche und die zwischen den Röhren durchfallenden brennenden kleinen Stüken der Coak's fielen in einen Behälter von dünnem Eisenbleche unter dem Kessel. Der Kessel hatte eigentlich weder Ofen noch Züge, noch Schornstein. Er lag ganz frei in der Kiste, die nach oben völlig offen war. Der aus den Cylindern kommende Dampf wurde unter die brennenden Coak's geleitet, wo vielleicht ein Theil desselben sich zersezte, ein anderer durch die Hize unsichtbar wurde, indem man wenig oder gar nichts von demselben bemerken konnte. Der Separator stand ganz hinten am Wagen. Die vorderen beiden kleineren Räder des Wagens konnten gelenkt werden, und ich fand au dieser Einrichtung nichts Bemerkenswerthes. Es saßen die Zeit über, daß ich den Wagen fahren sah, gewöhnlich 3–4 Menschen auf demselben, jedoch wurde oft stille gehalten, um neugierige Zuschauer, die alle darauf fahren wollten, aufzunehmen und wieder abzusezen.

––––––––

Hr. Gurney's Bemühungen, die Hochdrukmaschinen durch größere Einfachheit und Sicherheit in ihrem Baue mehr in Aufnahme zu bringen, sind wirklich lobenswerth, und in den dahin abzwekenden Anordnungen spricht sich unfehlbar ein Beweist großer Anlagen für das technische Fach, für das Hr. Gurney doch nicht erzogen ist, aus. Wenn ich dieß Urtheil im Allgemeinen über seine Erfindungen auszusprechen mich gedrungen fühle, so möge er die einzelnen Einwürfe, die ich mir dagegen zu machen erlaube, nicht als Geringschäzung seiner Verdienste, sondern als Drang nach Licht und Wahrheit in einer Sache annehmen, die mich nicht allein besonders interessirt, und der ich mit ihm Zeit und geistige und körperliche Anstrengungen gewidmet habe, sondern die die Aufmerksamkeit von Nationen auf sich gezogen hat.

Es ist nicht zu leugnen, daß die Anordnung seines lezten Kessels die meisten der bei Röhrenkesseln obwaltenden Schwierigkeiten in der Ausführung und Anwendung wenn auch nicht ganz hebt, doch weniger fühlbar macht. Es findet in demselben eine zwekmäßige Circulation des kochenden Wassers Statt, und der Dampf wird gehörig von dem Wasser geschieden, ohne daß leicht eine Gefahr eines |8| Uebertretens desselben in den Cylinder der Maschine entsteht. Auch sind die Durchmesser der größeren Organe des Kessels sehr gut für höheren Druk berechnet. Hievon habe ich mich durch den Augenschein überzeugt. Jedoch sah ich den Kessel bei einem höchst lauen Feuer fast ohne Zug und unter niedrigem Druke der Dämpfe wirken. Sollte er dieselben guten Eigenschaften bei einem etwas lebhafteren Feuer, was bei Anwendung der Hochdrukmaschinen und in Hinsicht eines vollkommneren Verbrennungsprocesses im Ofen, wie ich oben schon bemerkt, entschiedene und allgemein anerkannte Vorzüge hat, behaupten? Würde dabei nicht ein Trokenkochen der oberen Röhrenlage bei dem sehr kleinen Durchmesser der Entwiklungsröhren und der Menge der Dämpfe von geringem Druke (von 3 Atmosphären) sehr leicht und oft eintreten können, und dadurch eine baldige Zerstörung derselben herbeigeführt werden? Sollte ferner bei dem nothwendig schon in der unteren Röhrenlage beginnenden Verdampfungsprocesse, und bei der durch die unmittelbare Berührung des Feuers entwikelten Menge von Dampfblasen, nicht die obere Hälfte dieser zum Rost dienenden und daher vom Feuer unmittelbar berührten Röhrenlage vom Wasser zu sehr entblöst, und so glühend gemacht, und bald verbrannt werden? Sollten Röhren von einem nicht gar zu engen Durchmesser (im Verhältnisse zu ihrer Länge) nicht bessere Dienste thun und länger dauern? Würde Hr. Gurney durch die zur Gewinnung der nämlichen Feuerberührungsfläche dann nöthige geringere Anzahl derselben nicht an der Arbeit des Einsezens dieser Röhren in die cylindrischen Behälter ersparen? Darf er doch bei einem 20mahl höheren Druke als er anwendet, und bei einem 3doppelt größeren Durchmesser seiner Röhren vollkommene Sicherheit erwarten. Wahrscheinlich hat er aber gefunden, daß bei Anwendung weiterer Röhren das Mißverhältniß ihres Wassergehältes zu dem der cylindrischen Behälter und des Separators zu groß ist, und daß beim beginnenden Herauskochen eines großen Theils dieses Wassers aus den Röhren jene Behälter überfüllt werden, und das Wasser in die Dampfröhre tritt. Dieser große Stein des Anstoßes bei allen Rohrenkesseln ließe sich zwar heben, wenn man den beim beginnenden Kochen des Kessels fühlbar werdenden Wasserüberfluß auf besonderen Wegen entfernte, indessen ist hier zu berüksichtigen, daß das Hinwegschaffen dieses Ueberflusses beim Stillstande des Kochens wieder einen Mangel an Wasser in der oberen Röhrenlage herbeiführen würde, der beim neu erfolgenden Anheizen für die leztere die größte Gefahr bringt.

Wenn ich den Ofen des Hrn. Gurney tadle, so werde ich hoffentlich deßhalb von keinem Kenner in dem Fache der Heizkunst angefochten werden. Jeder, der ihn prüft, wird finden, daß das Brennmaterial |9| bei dem so äußerst lauen Zuge unmöglich vollkommen verbrennen kann, und daß die Hize zu schnell in den Schornstein geführt wird, um sich gehörig an den Kessel abzusezen. Hr. Gurney scheint in dieser Rüksicht nur auf die unmittelbare Berührung der glimmenden Kohlen und der ersten Stichflamme gerechnet zu haben, und auf alle übrige Hize zu verzichten, sein Ofen, vorzüglich der an dem Dampfwagen, mochte dieß wenigstens vollkommen beweisen. Welchen Verlust an Brennmaterial muß so ein Princip aber nicht herbeiführen! – Ueberdem ist der Ofen allenthalben so wenig dicht, daß kalte unzersezte Luft nicht allein vorne in seiner Fronte, sondern auf allen Seiten unter der eisernen mit Sand bedekten Platte, zwischen welcher und den gemauerten Ofenwänden man allenthalben in das Innere des Ofens sehen kann, in denselben dringen muß. Und wie lange will die leichte Deke von dünnem Eisenbleche über dem Ofen die Hize aushalten, ohne ein Raub der Zerstörung zu werden? Wie viele kleine Kohlen werden bei der oben angeführten Unvollkommenheit des Rostes unbenuzt in den Aschenheerd fallen, und mit den Sinters und der Asche weggeschafft werden! Kurz an Feuerung mag bei Hrn. Gurney's Erfindung nun wohl auf keinem Wege gespart werden, vielmehr scheint er auf diese Rüksicht gar nicht bedacht gewesen, und kein Gewicht darauf gelegt zu haben. Sollte aber wirklich eine Brennmaterialersparung von ihm beabsichtigt worden seyn, so muß man gestehen, daß er zur Realisirung derselben große Irrwege eingeschlagen hat, und es läßt sich mit Recht wünschen, daß er bald zwekmäßigere Mittel ergreifen möge.

Seine Dampfmaschine ist niedlich arangirt, nur wäre nöthig gewesen, daß er die Bewegung des Cylinders von der Kurbel aus nicht allein durch die Kolbenstange hätte bestreiten lassen.10) Dann würde die Kolbenstange sowohl, als auch ihre Stopfbüchse nicht sobald verdorben |10| werden. Das Verschleifen beider wird jezt aber nicht vermieden werden können, zumahl da die Schwenkung des Cylinders, vorzüglich bei größeren Maschinen, wegen der starken Reibung seiner Zapfen in ihren Lagern, die noch dazu heiß und daher leichter troken arbeiten, einen nicht geringen Kraftaufwand erfordert, und die Anstrengung, schwere Cylinder aus dem Ruhepuncte zu heben, und ihre einmal angenommene Bewegung bei ihrer Umkehr wieder zu hemmen, nicht gering geschazt werden darf. Auch würde er besser gethan haben, seinen Cylinder senkrecht arbeiten zu lassen, um die ungleiche durch das Gewicht des Kolbens und der Kolbenstange bewirkte Reibung im Cylinder und in der Stopfbüchse zu vermeiden. Endlich muß ich aber noch tadeln, daß Hr. Gurney, nach dem Beispiele der meisten seiner Landsleute, gar keine Rüksicht auf das Expansionsprincip genommen hat, durch dessen Annahme er bewiesen haben würde, daß er sich über den Schlendrian jener durch gründliches Studium des physikalischen Theils der Dampf- und Dampfmaschinenlehre erhoben hätte, und nicht allein durch Veränderung der Form, sondern auch durch Anwendung besserer Principien die englischen Hochdrukmaschinen zu verbessern bemüht gewesen sey.

In Hinsicht seines Dampfwagens erlaube ich mir den Wunsch, daß Hr. Gurney sein Genie nicht zu sehr mißbrauchen möge bei Verfolgung des schon von so vielen aufgestellten und fast noch nie mit einigem etwas für die Zukunft versprechendem Glüke ausgeführten Plane, Dampffuhrwerke auf gewöhnlichen Kunststraßen zum Transport von Passagieren und Gütern herzustellen. Jedem Mechaniker nämlich, der nur einiges Studium diesem Zweige unserer technischen Bestrebungen geschenkt, und die niederschlagende Erfahrung gehörig gewürdigt hat, die der Anwendung von Dampffuhrwerken schon auf Eisenbahnen, diesen sanften und ebenen Geleisen, auf welchen die auf gewöhnlichen Kunststraßen schädliche Erschütterung der Wagen zum großen Theil fast ganz wegfällt, in dem Maße entgegen stehen, daß man zu der Abschaffung dieser Maschinen an den meisten Kohlengruben genöthiget gewesen ist,11) dem wird es einleuchten, daß diese Anwendung nicht allein durch unbesiegbare praktische Schwierigkeiten bei der Ausführung der dazu nöthigen Maschinen behindert werde, sondern auch in Hinsicht ihres Principes einen vollkommenen Mißgriff in sich schließe. Diese Schwierigkeiten fallen |11| aber größtentheils in dem Hauptbrennpuncte zusammen, daß keine künstliche Maschine, als solche wir doch die Dampfmaschinen, selbst bei ihrer größtmöglichsten Vereinfachung, immer werden anerkennen müssen, das Rütteln und die fortwährenden Stoße überhaupt, ja die stete Erschütterung der auf gewöhnlichen Kunststraßen fahrenden Wagen lange auszuhalten im Stande sey, zumahl, da sie vor dem im Sommer auf den Straßen reichlich sich findenden und sie und ihre Theile bald zerstörenden Staube nicht ganz gesichert werden kann, eine Stellung der Maschine auf Federn, theils wegen ihres größeren Gewichtes, theils wegen der nothwendigen steten Einwirkung derselben auf die Räder oder auf den Fußboden aber nicht möglich ist. Uebrigens dürfte aber auch das stete Rütteln des Feuers, so wie die durch das Aussprühen der Flamme aus dem niedrig zu bauenden Schornsteine entstehende Gefahr für die an den Straßen liegenden Häuser, vorzüglich in Deutschland, wo diese vielfältig mit Stroh gedekt sind, eine Rüksicht seyn, deren Entfernung in derjenigen Welt, in welcher wir jezt leben,12) stets eine schwere Aufgabe bleiben wird.

Und wenn ich nun endlich behaupte, daß Hr. Gurney keine von diesen großen Schwierigkeiten einmal gemildert, viel weniger noch besiegt habe, so hoffe ich ihm dieß beweisen zu können, wenn ich nur auf die unbewegliche Verbindung aller Theile der Maschine mit dem Wagengestelle, die Unterlassung aller Bedekung der zwischen den vier Rädern sehr nahe dem Fußboden arbeitenden Cylinder, und endlich auf den völlig offenen Feuerplaz mit seiner unerträglichen über die Passagiers sich verbreitenden Hize, und seinem der Gesundheit nachtheiligen Kohlendunste aufmerksam mache. Wenn wirklich eine Gurney'sche Postkutsche in England eingerichtet werden sollte, was ich sehr bezweifle, so verlange ich kein Paket, noch viel weniger ein Passagier darauf zu seyn, vorzüglich wenn mir der Wind vom Kessel zustehen sollte. Uebrigens möchte diese Kutsche, wenn sie auch nicht das Schiksal von Burstall's und Hill's Patentdampfwagen hatte,13) doch bald ein anderes unglükliches Ende nehmen. Nach meiner Ueberzeugung bleibt ein Dampfwagen für eine gewöhnliche Kunststraße nur eine Curiosität, die weder für jezt noch für die Zukunft reellen Vortheil bringen wird.

Stubbendorf, im Monate December 1827.

|1|

Man vergleiche Gilbert's Annalen der Physik, Jahrg. 1819, Stük 4. S. 405.

|2|

London Journal of Arts and Sciences, April 1827, S. 77. Polyt. Journ. Bd. XXV. S. 24.

|2|

Ob dieß bei einer Patenterfindung, die sich bloß auf eine neue Form eines Apparates, und nicht auf ein neues Princip bezieht, geschehen dürfe, und ob dadurch das Patent nicht ungültig werde, will ich dahin gestellt seyn lassen. Überhaupt scheint Hr. Gurney mehrere Veränderungen seines Kessels vorgenommen zu haben, indem ein Freund von mir, der ein halbes Jahr früher als ich, bei ihm gewesen war, mir die Form desselben wieder ganz anders angab, als sie in der Patenterklärung enthalten ist und als ich sie nachher gefunden habe.

|2|

Polytechn. Journ. Bd. XII. S. 300.

|4|

Man sehe hierüber die Patenterklärung selbst nach, welche im polytechn. Journ. Bd. XXV. S. 27 übersezt ist.

|5|

Eine Abbildung der Manby'schen Maschine sehe man in Christian's Traité de mecan. industr. planch. 29. Fig. 3. und 4.

|6|

Eine Abbildung eines solchen Ventils steht in Christian's trait. de mecan. industr. planch. 18. Fig. 1.

|6|

Die Einrichtung weicht ganz ab von der in Hrn. Gurney's Patent beschriebenen Vorrichtung zur Fortbewegung seiner Dampfwagen, wo er, wie schon Brunton und Gordon empfohlen haben, Stelzen gebrauchen will, die sich, gegen den Boden stemmend, den, Wagen fortschieben sollen (siehe das Patent, beschrieben im London Journal of Arts and Sciences, April 1827, S. 74. Polyt. Journ. Bd. XXV. S. 18.)

|6|

Bei lebhaftem Zuge im Ofen kann man nach meinen Erfahrungen ungefähr |7| 1 1/2 bis 2 Bushel guter Steinkohlen auf einen Quadratfuß Rostfläche in 12 Stunden rechnen. In meinem Camine in London habe ich bei 3/4 Quadratfuß Rostfläche über 1/2 Bushel in 12 Stunden verbrannt. Das Feuer war dann sehr gedämpft. Man nimmt in England den Bushel Steinkohlen zu 84 Pfund an.

|9|

Ich sahe bei Hrn. Neville (Engineer) in London eine Hochdrukmaschine von 4 Pferdekräften, die ebenfalls einen schwingenden Cylinder hatte. Hier wurde die Kolbenstange vor dem Drängen durch 2 cylindrische Führer gesichert, die an dem oberen Cylinderdekel neben der Stopfbüchse angeschroben waren. Sie hatte ein kleines Querstük mit 2 Friktionsrollen, welche zwischen den Führern arbeiteten und der Kolbenstange eine sichere Leitung gaben. Diese Einrichtung war unfehlbar zwekmäßiger als die Gurney'sche. Hrn. Neville's Dampfcylinder war senkrecht und zwar nahe an seinem oberen Ende aufgehängt, da hingegen der des Hrn. Gurney horizontal schwingt und seine Achse im Mittel hat.

Ich habe schon vor 6 oder 7 Jahren, ehe ich von Manby's Patent gehört, Dampfmaschinen mit schwingenden Cylindern entworfen, von welchen, ich noch eine Menge Zeichnungen aufbewahre. Die erste Nachricht von Manby's Einrichtung erhielt ich durch Hrn. Professor Bernoulli in Basel (in seinen Anfangsgründen der Dampfmaschinenlehre), wo er derselben bloß beiläufig erwähnt und dabei auf Christian's traitè de mecan. industr. verweiset. Um Gewißheit zu erlangen ob die Manby'sche Erfindung identisch mit der meinigen sey, schaffte ich mir das theuere Christian'sche Werk an, was mir hernach aber auch in so mancher anderen Hinsicht reiche Ausbeute gab und mir jezt stets zur Hand lieg.

|10|

Gill's technical Repository. Julius 1827, S. 32. Man vergleiche hier ferner das, was Jos. von Baader in seinen Bemerkungen über die von Hrn. von Reichenbach angekündigte Verbesserung der Dampfmaschinen und deren Anwendung auf Fuhrwerke, so wie in seinem Systeme der fortschaffenden Mechanik über die Unvollkommenheiten der Dampffuhrwerke und die Schwierigkeiten ihrer Anwendung sowohl auf eisernen Geleisen als auf gewöhnlichen Kunststraßen sagt.

|11|

In Deutschland, wo die Erhaltung der Pferde in den meisten Gegenden billiger als die einer verhältnißmäßigen Dampfmaschine ist, wäre es wahre Thorheit, nur an Dampffuhrwerke zu denken. Die Aufgabe, denselben zu lösen, wollen wir gerne der brittischen Nation überlassen und unsere Aufmerksamkeit und unser Genie lieber auf andere Gegenstände lenken, die für unser Nationalglük von wichtigeren Folgen und größerem Einflusse sind.

|11|

London Journal of Arts etc. Aug. 1827, S. 348. Polytechn. Journ. Bd. XXV. S. 540. Diese Dampfkutsche sprang gleich beim ersten Versuche in die Luft.

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