Titel: Beschreibung der Bodmer'schen schwebenden doppelgleisigen, und der verbesserten Palmer'schen schwebenden eingeleisigen Eisenschienenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 29, Nr. LXV. (S. 248–252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj029/ar029065

LXV. Beschreibung der Bodmer'schen schwebenden doppelgleisigen, und der verbesserten Palmer'schen schwebenden eingeleisigen Eisenschienenbahn.77)

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

A) Bodmer's schwebende doppeltgeleisige Eisenschienenbahn.

Beschreibung der Wagen Fig. 7. und 8.

a, die Räder, Gußeisen, jedes circa 90 W. Pfund schwer, 22 Zoll im Durchmesser und einem 8''' hohen, 6''' breiten Rande, mit demselben 3'' 6''' breite Felge, abgedreht.

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b, die Segmente, Gußeisen, 22'' hoch, 1'' breit.

c, die Tragbogen, Schmiedeeisen, 1 1/2'' im Durchmesser, an beiden Enden mit Schraubengewinden und Muttern.

d, die Achse, Schmiedeeisen, in der Mitte 2'', in den Büchsen 18''', in den Lastträgern 15''' Durchmesser.

e, die Büchse, Metall, 2'' 3''' Durchmesser, 5'' lang.

f, die Lastträger, Schmiedeeisen, 4' 6'' von der Achse lang, 3' Breite für die Last.

g, die Frictionsrolle, Guß- oder Schmiedeeisen, abgedreht, 7'' 9''' Durchmesser 1'' 6''' hoch, durch

h, die Haltstange an das Segment befestigt.

i, die Kette.

j, die Verbindungs- und Leitstangen.

k, die Leiter, 10 bis 15' lang, 3' breit, 2 1/2, bis 3 1/2' hoch.

l, der Knebel in der Kette.

Beschreibung der Bahn. (Fig. 7. 8. und 11.)

m, die Pfosten, 12 bis 21' lang, 12'' hoch, 3'' breit; stehen genau 8'' von einander entfernt, und sind von zähem harten oder weichem Holze.

n, die Piloten, 12'' am dünnen Ende im Durchmesser, stehen an den niedrigsten Stellen 4' 6'' aus dem Boden, und können zur Ausgleichung des Terrains bis 24', ja noch höher herausstehen; hartes oder weiches Holz, Gußeisen.

o, die Baken, 4' lang, 12'' hoch, 3'' breit, Holz wie, m.

p, die Seitenblätter, welche die Pfosten und Baken mit den Schrauben, p, p, p, an die Piloten befestigen.

q, die Träger, 15'' lang, 5'' hoch, 3'' breit durch die Schraube, p'', an den Piloten befestigt; hartes Holz.

r, die Schienen von gewalzenem Eisen, 6 und 10' lange Stüke mit 5 und 8 Löchern, wodurch sie an beiden Enden mit Holzschrauben und in der Mitte mit Nägeln auf die Pfosten befestigt werden.

In der Mitte jeder Pilotendistanz ist zwischen den Pfosten ein 8'' im Quadrat haltender Verbindungskloz eingelassen und durch eine |250| Schraube befestigt, um die beiden Pfosten sicherer in der genauen Entfernung von 8'' zu erhalten.

Der Wagen zur Bodmer'schen Bahn, sehr solid und vollkommen gebaut, wiegt 850 bis 920 Pfund, mit Inbegriff der Leitern und Ketten.

B) Palmer's verbesserte schwebende eingeleisige Eisenschienenbahn.

Beschreibung der Wagen. (Fig. 9. und 10.)

a, die Räder, deren ein solcher Wagen nur 2 hat, Gußeisen, 2' im Durchmesser, ohne die 8''' hohen, 6''' breiten Ränder, 4'' 3''' breit, 1/2''' concav ausgedreht; mit der 15'' langen Nabe.

b, circa 130 Pfund schwer.

c, das Segment, 22'' vom Mittelpunkte der Achse hoch, 2'' breit, 15''' dik, Gußeisen.

d, der Tragbogen von Schmiedeeisen.

e, die Achse, welche in der Büchse des Rades 18''', an den Enden 15''' Durchmesser hat.

f, die Lastträger von Schmiedeeisen.

g, die Verbindungsbogen, von Schmiedeeisen, 1/2'' dik, 1 1/2'' breit.

h, die Verbindungs- und Leitstangen.

i, die Ketten.

k, die Leitern.

l, der Knebel in der Kette.

Beschreibung der Bahn. (Fig. 9., 10. und 12.)

m, die Piloten 10–12'' im Durchmesser; sind wie bei der Bodmer'schen Bahn ungefähr 3/10 bis 2/5 ihrer ganzen Länge eingerammelt oder eingegraben.

n, die Pfosten, 10 bis 20' lang, 10'' hoch, 3'' 11''' breit.

o, die Keile, 3' lang, 3'' hoch; hartes Holz.

p, die Unterlagen, 3' lang, 5'' hoch, hartes Holz; sind bei

q, in der Mitte durch den Bolzen an den Piloten befestigt,

r, die Schienen sind an den Kanten 3''', in der Mitte 4''' convex ausgewalzen, 6 bis 10' lang, mit 5 und 8 Löchern, 4'' breit.

Ein solcher Wagen, wie er auf der Probebahn, welche in der mechanischen Werkstätte der Hrn. Harcort und Comp. in Wetter an der Ruhr bei Elberfeld aufgestellt wurde, wog an

Schmiedeeisen 216 Pf.
Gußeisen 355 –
Messing 11 –
Holz 227 –
–––––
Zusammen 809 –
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Hierzu bei dem zweiten Versuch eine Last von 3951 Pf.
–––––––
Summe 4760 Pf. preuß.

welche mit einer Kraft von 25 Pf. vorwärts bewegt wurden.

Mithin, wenn man die Kraft eines Pferdes bei anhaltender Arbeit 175 Pf. preuß. annimmt, könnte dasselbe eine Last von 33,320 Pf. und nach Abzug des Gewichtes der hierzu erforderlichen 5 Wagen mit 4045 Pf. eine reine Last von 29,275 Pf. fortbewegen.

Die Richtigkeit des obigen Versuchs wird der würdige Leiter der erwähnten großen Fabrik, Hr. Friedrich Harcort, um so eher bestätigen, da der angeführte, so wie alle anderen vielfältigen Versuche auf dieser Bahn in seiner Gegenwart ausgeführt, und die Resultate gemeinschaftlich notirt wurden.

––––––––

Die Vortheile der schwebenden Bahnen vor den liegenden sind hauptsächlich folgende:

1) die Wohlfeilheit ihrer Erzeugung. Diese Art Eisenbahnen würde zuverlässig weniger als die Hälfte der Kosten einer jeden bis jezt bekannten liegenden Eisenbahn zu ihrer vollkommenen, soliden und dauerhaften Aufstellung erfordern.

2) Ihre einfachen Bestandtheile, Schmiedeeisen und Holz – die wenigen gußeisernen Bestandtheile der Wagen ausgenommen – sind überall leicht zu erhalten, und bedürfen äußerst wenig Zubereitung.

3) Eine n. ö. Meile solcher Bahn kann bei bereit liegendem Materiale und günstig gewählter Witterung in 4 bis 5 Wochen ganz zum Gebrauche aufgestellt werden.

4) Sie bedarf keiner künstlich chaussirten Trace, weder für die Bahn selbst, noch für das Zugthier; benüzt beinahe jedes Terrain, ohne Ausgrabung und Anschüttung oder Dämmen und Mauerwerk, welches bei liegenden Bahnen so vielfältig nothwendig wird; übersezt ohne Unterbrechung der Communication schon bestehende und benüzte Chausseen und Fahrwege aller Art, geht mit Leichtigkeit und ohne Schwierigkeit über Schluchten, Gräben, Bäche, kleine Flüsse u.s.w.

5) Reparaturen können nur selten vorkommen, und sind auf keinen Fall kostspielig oder den Transport unterbrechend.

6) Staub, Schnee, Regengüsse etc. können ihnen vermöge ihrer Elevation nichts anhaben.

7) Leichtigkeit des Transports – mit einem gewöhnlichen Zugpferde werden leicht 240 bis 280 Ctr. in einer halben Stunde auf die Stunde fortgezogen; die Last ist keinen Stößen oder dem Um stürzen ausgesezt.

8) Nimmt sie unbedeutend wenig Terrain ein, und würde die |252| Grundentschädigung vielleicht auf Nichts bringen, wenn bei einer größeren Entfernung die Bahn so eingerichtet würde, daß Dampfwägen als Vorspann angewendet würden.

Auf diese schwebende Einschienenbahnen erhielt der großherz. baden'sche Salinendirector J. K. v. Bodmer in Gesellschaft mit den Mechanikern Bollinger und Comp. zu Wien im Jahre 1826 ein auf die Dauer von 6 Jahren lautendes Patent. An Hrn. Bodmer's Stelle ist nun, wenn wir nicht irren, Hr. F. C. Claus getreten; auch ist von dieser Art Bahnen eine Streke bei Oldenburg bereits ausgeführt, welche mit dem Neustadter Kanal in Verbindung gebracht ein wesentliches erleichtertes Transportmittel nach Wien herbeiführen würde. Auch soll es im Antrage seyn, Eisenbahnen von Wien bis nach Trieft herzustellen, was für Oesterreichs Handel und Industrie von sehr großer Wichtigkeit wäre. In dem großen Hofräume der Mechaniker Bollinger in Wien sind Streken dieser einfachen und doppeltgeleisigen schwebenden Eisenbahnen aufgestellt. Ueber die Palmer'sche Eisenbahn findet man in diesem polytechn. Journale Bd. V. S. 57 die erste Notiz, dann in Bd. XI. S. 178 die ausführliche Beschreibung des Patentes nebst den vollständigen Abbildungen dazu auf Tab. V., und von der wirklichen Ausführung einer solchen Bahn zu Cheshunt, in der Grafschaft Hertfordshire, in Bd. XVIII. S. 266 Nachricht.

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