Titel: Köchlin-Schouch, über den Mordant (zum Roth) der Indiennenfabrikanten.
Autor: Koechlin‐Schouch, Daniel
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. X. (S. 30–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030010

X. Ueber den Mordant (zum Roth) der Indiennenfabrikanten, von Hrn. Köchlin-Schouch in Mülhausen.

Aus dem Bulletin de la Société industr. de Mulhausen. N. 5. S. 277.

Mit der Benennung Mordant (Beize) belegt man alle Substanzen, welche einerseits zu dem zu färbenden Körper und andererseits zu den Färbestoffen (Pigmenten) Verwandtschaft besizen, welche leztere sie in mehr oder weniger reinem Zustande aus den Farbdecocten abscheiden, inniger durch ihre Dazwischenkunft auf dem Zeuge befestigen und dabei noch ihren Glanz erhöhen.

In der Kattundrukerei versteht man unter Mordant oder Mordant zum Roth fast allgemein einen Mordant, welcher Alaunerde als Basis enthält und den man uneigentlich als einzig und allein aus essigsaurer Alaunerde bestehend betrachtet.

Der Ursprung der Alaunerdebeizen fällt in das graue Alterthum. Es scheint, daß man sie vor undenklichen Zeiten in Indostan angewandt hat; wir haben jedoch nur ungenaue Ueberlieferungen über die Art, wie die Indier sie zubereiteten. Es ist nicht wahrscheinlich, daß man damahls, wo die chemischen Kenntnisse sehr beschränkt waren, den Gebrauch des Bleizukers kannte, auch kann man, wie wir später sehen werden, einen Alaunerde-Mordant erhalten, ohne daß man nöthig hätte, ein essigsaures Salz, dessen Basis mit Schwefelsäure eine unauflösliche Verbindung gibt, mit einem schwefelsauren Salze durch doppelte Wahlverwandtschaft zu zersezen.

Mehrere Schriftsteller geben an, daß die Indier ihren Mordant zum Roth so bereiteten, daß sie eine Alaunauflösung mit Soda und vielleicht Dattel- oder Reisessig versezten, weil sie sich einer jeden dieser Säuren bedienten, um das essigsaure Eisen darzustellen, woraus ihre Beizen für Schwarz und Violett bereitet wurden.

|31|

Die gemalten Zeuge, welche von den Indiern auf uns gekommen sind, zeigen in ihren rothen u.s.w. Nuancen eine Schönheit, woraus man folgern muß, daß sie einen Mordant anwandten, der alle zur Erzielung eines guten Resultates nöthigen Bedingungen vereinigte. Man weiß nicht, zu welcher Zeit das essigsaure Blei zuerst angewandt wurde. Nach einigen Schriftstellern war es damahls, wo die Kunst gemalte Zeuge zu verfertigen nach Europa gebracht wurde. Diese Behauptung wird besonders wahrscheinlich, wenn man die alten Recepte zu Rache zieht, welche in der Kindheit der Kunst entstanden, und die Vorurtheile und altes Herkommen lange Zeit im Gebrauch erhielten. Das essigsaure Blei wird darin mit Alaun, zugleich aber auch mit unnüzen und manchmal sogar nachtheiligen Substanzen, wie Grünspan (essigsaurem Kupfer), Soda, Steinsalz, weißem Arsenik, Bleiweiß angewandt. Heut zu Tage sind die Verfahrungsarten einfacher geworden, und haben sich auf die Anwendung der unumgänglich nöthigen Substanzen beschränkt. Man wendet allgemein Alaun und Bleizuker (essigsaures Blei) an; aber die Verhältnisse dieser beiden Substanzen haben bis auf unsere Zeit immer variirt; jezt noch nimmt man in verschiedenen Fabriken auch andere Quantitäten, und man ist noch nicht im Reinen, welche Verhältnisse die zwekmäßigsten sind, um einen Mordant, der das beste Resultat gibt, zu erzeugen. Freilich hat der Practiker es in vielen Fällen für nöthig gehalten, die Menge des Bleizukers abzuändern, um verschiedene Wirkungen hervorzubringen. Dieses veranlaßte mich, eine Reihe von Versuchen anzustellen, um diese Frage aufzuklären. Ich werde zugleich untersuchen, welches die chemische Natur (Zusammensezung) des allgemein als essigsaure Alaunerde betrachteten Mordant ist.

Ueber die chemische Natur der sogenannten essigsauren Alaunerde (Mordant oder Ansaz zum Roth.)

Ich habe schon gesagt, daß man in allen Fabriken ein verschiedenes Verhältniß von Alaun und essigsaurem Blei zur Bereitung der essigsauren Alaunerde anwendet, und da man von dem Bleisalze immer weniger als von dem Alaun nimmt, so wird lezterer nicht ganz zersezt, so daß man in diesem Mordant saure essigsaure Alaunerde, basisch schwefelsaure Alaunerde (oder Alaun mit Ueberschuß an Basis), schwefelsaures Kali und schwefelsaures Natron finden muß, in dem Falle, wo man sich des Natrons bedient, um die freie Säure zu neutralisiren. Dieses will ich nun zu beweisen suchen.

Herr Sébille-Auger, Director der Fabrik in Bouxwiller, dessen Arbeit über die essigsaure Alaunerde mir viele Thatsachen für diese Abhandlung lieferte, hat aus seinen Versuchen gefolgert, daß |32| man ein wenig mehr als 125 Theile essigsaures Blei braucht, um 100 Theile Alaun zu zersezen, und daß, wenn man zugleich das schwefelsaure Kali zersezen will, 164 Theile essigsaures Blei nöthig sind. Herr Sébille zieht daraus folgenden Schluß:

Er sagt: da der Werth des Bleisalzes das Doppelte von dem des Alauns ist, so glauben einige Fabrikanten zu ersparen, wenn sie bei der Bereitung ihrer essigsauren Alaunerde die Menge des Bleisalzes vermindern, und die des Alauns vermehren. Sie bedenken nicht, daß die Menge der entstandenen essigsauren Alaunerde im Verhältniß mit dem angewandten essigsauren Blei steht, und daß aller Alaun, den sie über diejenige Menge hinzusezen, welche das Bleisalz zersezen kann, weit entfernt den Preis ihres Mordant zu vermindern, ihn im Gegentheil erhöht, weil dieser überschüssige Alaun unwirksam ist, und bei dem Auswaschen und Walken verloren geht. So würden nach Herrn Sébille, 100 Theile Alaun und 100 Theile essigsaures Blei dieselbe Wirkung hervorbringen, wie eine gleiche Menge von essigsaurem Blei und nur 80 Theilen Alaun, was für den leztern einen Verlust von 20 Theilen ausmachen würde; 100 Theile Alaun und 75 essigsaures Blei würden dieselbe Wirkung hervorbringen, wie nur 60 Theile Alaun, von welchem also 40 Theile verloren gehen würden; 100 Theile Alaun und 50 essigsaures Blei würden eigentlich nur für 40 Alaun gelten; der Verlust würde also 60 Theile betragen.13)

Gegen diese Theorie ließe sich in der That nichts einwenden, wenn bloß die reine essigsaure Alaunerde als Mordant wirken würde; folgende Thatsachen aber werden beweisen, daß sie durch die Erfahrung nicht bestätigt wird, und daß das Verfahren, welches gewöhnlich in den Fabriken befolgt wird, den Vorzug vor demjenigen des Herrn Sébille zu verdienen scheint, meil es wenige Fälle gibt, wo man reine essigsaure Alaunerde anwenden oder so viel essigsaures Blei zur Bereitung des Mordant nehmen muß, daß dadurch aller Alaun, selbst abgesehen von seinem Gehalt an schwefelsaurem Kali, zersezt wird. Dieses wäre zum Beispiel nur bei einem Mordant der Fall, welcher für sich schwach feucht bleiben müßte, wie einem solchen, der zu der Reservage für den Lapisdruk auf der Maschine gebraucht wird; da das essigsaure Kali ein zerfließendes Salz ist, so würde es diesem Zwek gut entsprechen.

In den meisten Fällen aber hat man nicht nöthig, alle im Alaun enthaltene schwefelsaure Alaunerde zu zersezen, und dann dient der Alaun, welcher zurükbleibt (wenn man ihm anders noch diesen Namen geben kann), eben so gut als Mordant, wie die reine essigsaure Alaunerde, vorausgesezt, daß man ein zwekmäßiges Verhältniß angewandt hat.

|33|

Von dieser Art ist folgendes: 16 Theile Wasser, 4 Theile Alaun, dessen freie Säure man durch den zehnten Theil seines Gewichtes Soda neutralisirt, und 3 Theile essigsaures Blei. In diesem Falle müssen nach der Berechnung des Herrn Sébille 160 Theile Alaun unzersezt bleiben.

Wir nehmen an, daß bei dieser Mischung derjenige Theil des Alauns, welcher nicht ganz zersezt worden ist, in ein basisch schwefelsaures Salz verwandelt wird, welches sich mit der basisch essigsauren Alaunerde verbindet, und daß dieses Doppelsalz mit der sauren essigsauren Alaunerde aufgelöst bleibt; daß ferner bei dem Eintroknen derselben auf dem Zeuge, wobei ein Theil der Essigsäure verdunstet, die frei gewordene basisch essigsaure Alaunerde sich ebenfalls noch mit der basisch schwefelsauren Alaunerde verbindet, und daß man endlich auch durch die Operation des Kuhmistbades noch einen Theil der Essigsäure abscheidet, wodurch die Vereinigung dieser basischen Alaunerdesalze mit dem Zeuge vollkommen wird. Da diese basischen Alaunerdesalze in siedendem Wasser fast unauflöslich sind, so geben sie wegen ihrer Verwandtschaft zu dem Zeuge einen Mordant, der geneigt ist, sich mit den Färbestoffen zu verbinden. Die folgenden Versuche sprechen offenbar für unsere Meinung: daß die gebräuchlichen Mordans aus saurer essigsaurer Alaunerde und mehr oder weniger basisch schwefelsaurer Alaunerde bestehen.

1) Als basisch schwefelsaure Alaunerde mit Essigsäure behandelt wurde, löste sie sich darin sehr leicht auf, und gab einen an Alaunerde sehr reichen Mordant, welcher auf Zeug aufgedrukt dasselbe Resultat, wie der beste Mordant gab.14)

2) Verschiedene Mengen essigsaures Blei wurden mit gleichem Gewichte Alaun und derselben Quantität Wasser versezt. Die aufgedrukten Mordans gaben gleiche Nuancen, wenn das Verhältniß des essigsauren Bleies 125 auf 100, oder auch nur 75 auf 100 Alaun betrug; erst bei einer geringeren Menge essigsauren Bleies, als die leztere ist, wurden die Nuancen schwächer.

3) Als man dieselbe Menge essigsaures Blei und dieselbe Quantität Wasser beibehielt, und bloß die Menge des Alauns abänderte, zeigte sich, daß der stärkste Mordant derjenige war, welcher 3 Theile essigsaures Blei auf 4 Alaun enthielt, während nach Herrn Sébille in diesem Falle 3 Theile essigsaures Blei nöthig gewesen wären. Hätte die essigsaure Alaunerde bei diesen Versuchen allein als Mordant |34| gewirkt, so wären die Nüancen gleich gewesen, weil in jeder Flüssigkeit eine gleiche Menge von diesem Salze vorhanden war. Da aber mit derselben Beize die Färbeversuche öfters und zwar mit verschiedenen Farbestoffen wiederholt wurden, so ist die Thatsache außer Zweifel gesezt.15)

Endlich haben auch einige Drukversuche mittelst des Rouleau gezeigt, daß zum Farben des Krapp-Rosaroths, und für Mordans die ohne Verdikung aufgedrukt werden, für Grundfarben mit weißer Reservage der Mordant, welcher nur 75 Procent essigsaures Blei enthält, eben so gut, wo nicht in gewissen Fällen noch vorzüglicher ist, als derjenige, welcher davon 100 oder 125 enthält.

Herr Sébille hat auch eine Reihe von Untersuchungen angestellt, um den relativen Gehalt verschiedener Mordans an essigsaurer Alaunerde zu bestimmen, und er hat daraus, was leicht vorauszusehen war, geschlossen, daß der größere oder geringere Gehalt daran nicht mit der Dichtigkeit in Verhältniß steht. Folgendes ist die Zusammensezung, welche er von einigen Mordans angibt:

A. Essigsaures Blei 100 Kilog. 180 Fr.
Alaun 100 – 50 –
Wasser 300 – – –
–––––––– –––––
500 Kilog. 230 Fr.
Schwefelsaures Blei 110 – – –
Klare Auflösung 390 – – –

Von diesem Mordant kommt also der metrische Centner auf 59 Fr. zu stehen; seine Dichtigkeit beträgt 9°, und er ist auf folgende Weise zusammengesezt:

Essigsäure Alaunerde 8,5
Freier Alaun 5,0
Schwefelsaures Kali 4,0
Wasser 82,5
––––
100.
B. Alaun 100 Kilog. 50 Fr.
Essigsaures Blei 75 – 135 –
Wasser 300 – – –
–––––––– –––––
475 Kilog. 185 Fr.
Schwefelsaures Blei 87
Klare Auflösung 390
|35|

Dieses beträgt 47 Fr. 40 Cent, für den metrischen Centner. Dieser Mordant, welcher 11° 1/2 zeigt, besteht aus:

Essigsaurer Alaunerde 6,5
Freiem Alaun 10,0
Schwefelsaurem Kali 3,0
Wasser 80,5
–––––
100
C. Alaun 100 Kilog. 50 Fr.
Essigsaures Blei 77 – 120 – 60 Ct.
Wasser 300 – – – – –
–––––––– –––––– –––––
477 Kilog. 170 Fr. 60 Ct.
Schwefelsaures Blei 87
Klare Auflösung 390

Von diesem Mordant kommt also der metrische Centner auf 45 Franken zu stehen; er hat eine Dichtigkeit von 11° 1/2 und besteht aus:

Essigsaurer Alaunerde 5,5
Freiem Alaun 11,2
Schwefelsaurem Kali 2,5
Wasser 80,8
–––––
100
D. Alaun 100 Kilog. 50 Fr.
Essigsaures Blei 125 – 225 –
Wasser 300 – – –
–––––––– –––––
525 Kilog. 275 Fr.

Die Dichtigkeit dieses Mordans beträgt 8°, und seine Zusammensezung ist:

Essigsäure Alaunerde 10,5
Schwefelsaures Kali 4,5
Wasser 85,0
–––––
100

Hieraus schließt Herr Sébille, daß wenn man den Preis für den Mordant D berechnet, der keinen freien Alaun enthält, und welcher 10,5 Procent essigsaure Alaunerde enthält, der Preis des metrischen Centners zu 68 Franken 75 Cent. sich berechnet, wobei der Grad seines Gehaltes nur auf 6 Franken 55 Cent. für 100 Kilogrammen zu stehen kommt, während bei der Auflösung C, welche mit der geringsten Menge Bleizuker bereitet wurde, der Grad ihres Gehaltes 8 Franken 20 Cent, kostet. Hr. Sébille schloß ferner daraus, daß der Preis, wie schon gesagt wurde, geringer ausfällt, wenn man nur die nöthige Menge Alaun anwendet, als wenn er in |36| Ueberschuß angewandt wird. Er bemerkt, daß die drei Auflösungen A, B, C, obgleich sie weniger essigsaure Alaunerde enthalten, als die vierte, doch dichter sind, was man dem unzersezten Alaun zuschreiben muß.

Man muß gestehen, daß wenn Herr Sébille gemeint hat, daß bloß reine essigsaure Alaunerde als Mordant dienen könne, seine Arbeit dadurch nichts an Interesse verliert, und daß die beinahe reine essigsaure Alaunerde, welche man in Bouxwiller unter seiner Direction fabricirt, in mehreren Fabriken vortheilhaft angewandt wird. – Aus dem so eben Angeführten geht hervor, daß die reine essigsaure Alaunerde ein sehr guter Mordant ist, daß man aber die Mordans, welche mehr oder weniger basisch schwefelsaure Alaunerde, schwefelsaures Kali und Natron und essigsaures Kali enthalten, als solche betrachten kann, die ihr nichts nachgeben, vorausgesezt, daß die lezteren Salze eine gewisse Quantität nicht überschreiten; und im Allgemeinen zeigt sich kein merklicher Unterschied zwischen den Farben, welche die mit mehr oder weniger essigsaurem Blei bereiteten Mordans geben, vorausgesezt, daß man davon nicht weniger als die Hälfte des angewandten Alauns nimmt.

Ueber die Zubereitung der Mordans.

Es ist sehr wichtig, daß man einen recht reinen, schön weißen, und besonders eisenfreien Alaun anwendet. Ehemahls war der römische Alaun der reinste, welcher im Handel vorkam; der Alaun, welchen heut zu Tage die französischen Fabriken in großen Stüken liefern, und welcher der gemeinste ist, enthält kaum eine Spur Eisen mehr, und der gereinigte in Krystallen von mittlerer Größe vorkommende Alaun ist davon ganz und gar frei. Wenn mehrere Fabrikanten in einigen Fällen gefunden haben, daß der römische Alaun eine bessere Wirkung hervorbringt, so scheint die Ursache diese zu seyn, daß er etwas weniger sauer ist, und man kann ihn durch den gereinigten Alaun ersezen, wenn man lezteren mit ein wenig Alkali versezt. Man hat mehrere Versuche in der Färbekunst angestellt, um sich zu versichern, ob der Alaun mit Kali als Basis andere Resultate gibt als der Alaun, welcher Ammoniak als Basis enthält. Der Kalialaun besteht nach Herrn Berzelius aus:

Schwefelsaurer Alaunerde 36,85
Schwefelsaurem Kali 18,15
Krystallwasser 45,00
––––––
100

Der Ammoniakalaun besteht nach Herrn Riffauld aus:

Schwefelsaurer Alaunerde 38,885
Schwefelsaurem Ammoniak 12,961
Krystallwasser 48,154
–––––––
100

Die erste dieser Alaunarten, obgleich weniger reich an schwefelsaurer Alaunerde als die zweite, gibt dennoch eben so gute Resultate in der Praxis, wie schon bemerkt wurde. Es scheint, daß der Alaun von Bouxviller, wovon man in Mülhausen eine große Menge verbraucht, Ammoniak enthält; denn er entwikelt davon eine merkliche Menge, wenn man ihn in kaustischem Kali auflöst.

Der Bleizuker muß in weißen Krystallen seyn, und das Wasser, worin man ihn auflöst, nicht stark trüben, weil sonst entweder kohlensaures Blei, welches sich bei längerer Einwirkung der Luft auf der Oberfläche dieses Salzes bildet, vorhanden wäre, oder das Wasser ein kohlensaures Salz enthalten würde. Einige Tropfen Weinessig werden die Auflösung wieder klar machen.16) – Man findet im Handel drei oder vier Sorten Bleizuker, welche sich bloß durch die Art der Essigsäure, welche zur Auflösung des Bleioxydes angewandt wurde, unterscheiden: 1) solchen, welcher mit Holzessig bereitet wurde; 2) solchen, der im mittägigen Frankreich mit Weinessig fabricirt wird; 3) solchen, der mit Bieressig dargestellt und aus Holland zu uns gebracht wird; 4) man kauft in England ein braunes, holzsaures Blei, welches bei seiner Auflösung ein wenig Theer absezt: wegen seines mäßigen Preises wird es ebenfalls angewandt.

Die chemische Analyse dieser verschiedenen Bleisorten hat gezeigt, daß sie in ihrer Zusammensezung nicht merklich verschieden sind; indessen glauben mehrere Kattunfabrikanten mit solchem Bleizuker, der mittelst Wein- oder Vieressig dargestellt wurde, bessere Resultate erhalten zu haben. Diese Herren würden ihren Mitbürgern durch die Mittheilung der in dieser Hinsicht gemachten Beobachtungen einen Gefallen erweisen. Vielleicht ist der Holzessig weniger flüchtig als der Weinessig, und die Säure des lezteren scheidet sich vielleicht deßwegen bei dem Eintroknen des Mordans schneller ab, wodurch die Verbindung der basischen Alaunerdesalze mit dem Stoff befördert wird. – In Frankreich wendet man gewöhnlich den mit Holzessig bereiteten Bleizuker an, welchen Herr Mollerat in Dijon (Côte-d'Or) in großer Menge in den Handel bringt, wenn anders der Preis desjenigen, welcher im mittägigen Frankreich fabricirt wird, nicht geringer ist.

|38|

In fast allen Fabriken des Elsasses bereitet man den Mordant oder Ansaz zum Roth auf folgende Weise: wenn der Alaun und Bleizuker abgewogen worden sind, stößt man ersteren und bringt ihn in eine tiefe Kufe, worauf eine gehörige Menge heißes Wasser zugegossen, und wenn er sich aufgelöst hat, ein Zehntel seines Gewichtes krystallisirte Soda, um die freie Säure zu sättigen, zugesezt wird. Hierauf mengt man das essigsaure Blei darunter, und da dieses Salz sich sehr schnell auflöst, so wirkt es augenbliklich auf den Alaun. Das Gemenge muß eine Stunde lang umgerührt werden. Man thut gut, die Operation des Morgens anzufangen und von Zeit zu Zeit umzurühren, ohne das Gefäß zu bedeken, bis die Flüssigkeit ganz kalt geworden ist; denn wenn man große Quantitäten in Arbeit genommen hat, um einen concentrirten Mordant zu erhalten, und die Erkältung zu langsam Statt findet, kann die essigsaure Alaunerde in der Wärme eine anfangende Zersezung erleiden, worauf sie sich nur langsam klärt. – Wenn man den Mordant mit einem Alkali versezt, so ist es nicht gleichgültig, ob man es am Ende der Operation oder der Alaunauflösung zusezt. In lezterem Falle hat man den Zwek die freie Schwefelsäure zu sättigen, essigsaures Blei zu ersparen und einen an essigsaurer Alaunerde reichen Mordant zu erhalten, worin ein Theil des Alauns als basisches Salz aufgelöst ist. Im ersteren Falle hingegen sättigt man nur die freie Essigsäure, und es bildet sich essigsaures Kali oder Natron, je nachdem man ein Alkali anwendet.17) Dieses Verfahren kann nüzlich seyn, wenn man einen neutralen Mordant, oder einen solchen, welcher feucht bleiben muß, nöthig hat, um eine zu schnelle Austroknung zu vermeiden. Da das essigsaure Kali ein sehr zerfließliches Salz ist, so eignet es sich sehr gut für diesen Zwek. Zuweilen versezt man ihn, um denselben Zwek zu erreichen, wie weiter unten bemerkt werden wird, mit salzsaurem Zink, Kochsalz u.s.w. Folgende drei Mordans wenden wir für den Druk vorzüglich an (das Maß, wovon hier die Rede ist, wiegt 3 3/4 Pfund.)

Starker Mordant, Nr. 1.

100 Maß Wasser (wovon 20 Maß Farb-Decoct sind zum Blenden),
150 Pfund Alaun,
15 Pfund krystallisirte Soda,
150 Pfund essigsaures Blei.
|39|

Dieser Mordant dient zu den Mordant-Reservagen, dem Lapis, zu dem amarantfarbigen Grunde, dem Rothdruk mittelst des Rouleau u.s.w.

Mordant Nr. 2.

100 Maß Wasser (wovon 20 Farb-Decoct),
100 Pfund Alaun,
10 Pfund krystallisirte Soda,
75 Pfund essigsaures Blei.

Dieser Mordant wird nur für Gelb, verschiedene Gründe u.s.w. angewandt.

Mordant Nr. 3.

100 Maß Wasser (wovon 20 Farb-Decoct),
75 Pfund Alaun,
7,5 Pfund krystallisirte Soda,
50 Pfund essigsaures Blei.

Es gibt wenige Falle, wo ein stärkerer Mordant nöthig wäre, als der von Nr. 1. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Mordant Nr. 2 stark genug ist, um fast mit allen Färbestoffen die intensivsten Nüancen hervorzubringen, die sie durch vollständige Sättigung geben können; als man nämlich Zeuge mit möglichst starken Mordans, und andere mit dem Mordant Nr. 2 vorbereitete und dann färbte, war kein Unterschied bemerklich. Wir wollen bei dieser Gelegenheit bemerken, daß diese Sättigungscapacität bei verschiedenen Färbestoffen eine verschiedene ist, in dem die einen stärkere Mordans als die anderen erfordern, um das Maximum der Intensität hervorzubringen.

Anstatt einen Normalmordant zu haben, um durch größere oder geringere Verdünnung desselben mit Wasser alle Abstufungen von Nüancen zu erhalten, je nachdem man gerade eine Farbe wünscht, ziehen es die Fabrikanten allgemein vor, mehrere zusammenzusezen, welche sich in der Dichtigkeit und dem Verhältniß zwischen Alaun und Bleizuker unterscheiden, je nachdem sie zu einem Artikel bestimmt sind, und zwar aus folgenden Gründen:

1) Es gibt nur sehr wenige Fälle, wo man zum Druk einen sehr starken Mordant anwenden muß, der eine größere Menge Bleizuker erfordert, als ein Mordant von mittlerer Dichtigkeit; wodurch die Anwendung des ersteren also kostspieliger würde.

2) Ein starker Mordant hält sich nicht so lange, wie ein Mordant von mittlerer Dichtigkeit, zu dessen Bereitung weniger essigsaures Blei genommen wird. Ersterer zersezt sich in kurzer Zeit in der Kälte und sezt mehr basisch essigsaure Alaunerde ab, als der zweite, weßwegen man bei der Verdünnung mit Wasser nicht immer ein constantes Resultat erhalten würde.18)

|40|

3) Ein starker Mordant, worin die Essigsäure vorwaltet, taugt zu mehreren Arten von Druk nicht, wie zum Beispiel für ein Muster mit zwei bis drei Roth, wozu Mordans von verschiedener Dichtigkeit auf einander gedrukt werden. In diesem Falle würden die Mordans ein wenig in einander verfließen und die Farben nicht so deutlich werden.

4) Außerdem ist auch das Verfahren, einem Mordant Consistenz zu geben oder ihn zu verdiken, verschieden, je nach der Art von Druk, wozu man ihn bestimmt, und ein starker und saurer Mordant kann sich nicht so leicht mit allen Substanzen, die als Verdikungsmittel dienen, verdiken, wie ein anderer.

5) Ein starker und saurer Mordant wäscht sich nicht so leicht ab, wie ein schwacher, z.B. die von Nr. 2 und 3. (Man sehe weiter unten den Artikel Kuhmistbad.)

In Betreff der Aufbewahrung der Mordans ist es wesentlich nöthig, daß man nicht zuviel davon auf Einmahl bereitet; denn sie sezen alle, wie schon bemerkt wurde, mehr oder weniger basisch essigsaure Alaunerde ab. Der Mordant Nr. 2 sezt weniger ab, als die fast reine essigsaure Alaunerde, besonders wenn sie sehr concentrirt ist.

Diese Zersezung in der Kälte findet sogar Statt, wenn der Mordant in verschlossenen Flaschen aufbewahrt wird, und der gebildete Niederschlag, obgleich aus basisch essigsaurer Alaunerde bestehend, löst sich nicht merklich in Essigsäure auf. Alle Praktiker wissen, daß gewisse Mordans noch eine Zersezung erleiden, wenn man sie erhizt, und daß der Niederschlag, welcher sich alsdann bildet, sich beim Erkalten wieder auflöst, wie Hr. Gay-Lussac dieses sehr gut beobachtete. Man kann die reine essigsaure Alaunerde bis zum Sieden erhizen, ohne daß sie sich zersezt. So ist es aber nicht mit den Mordans, welche schwefelsaures Kali oder basisch schwefelsaure Alaunerde enthalten. Leztere trüben sich, wenn man sie erhizt, und geben einen reichlichen Niederschlag, der sich beim Erkalten wieder auflöst. Es ist bemerkenswert!), daß diese Zersezung in der Wärme mit der Dichtigkeit des Mordant variirt, obgleich das Gewicht des essigsauren Bleies und des Alauns in demselben Verhältniß bleibt, was folgende Versuche beweisen.

1) Ein Maß 3 3/4 Pfund) Wasser, ein halbes Pfund Alaun und ein halbes Pfund Bleizuker geben einen Mordant, welcher 6 1/2° wiegt und beim Erhizen sich bei 68° (C.) trübt, und sich (gleichsam zu einer Gallerte) bei 73° verdikt.

|41|

2) Ein Maß Wasser, ein Pfund Alaun und ein Pfund essigsaures Blei geben einen Mordant, welcher 8° wiegt, sich bei 80° trübt und bei 85° gelatinirt.

3) Ein Maß Wasser, drei Pfund Alaun und drei Pfund essigsaures Blei geben einen Mordant, dessen Dichtigkeit 15° ist und der sich selbst beim Sieden nicht trübt.

Hr. Gay-Lussac hat gefunden, daß wenn man die reine essigsaure Alaunerde mit Alaun oder schwefelsaurem Kali versezt, dieses Salz die Eigenschaft erhält, in der Wärme einen Niederschlag zu geben. Dieser Gelehrte sammelte den Niederschlag, und nachdem er ihn ausgesüßt hätte, behandelte er ihn mit Schwefelsäure, um die Gegenwart der Essigsäure zu erkennen, worauf er ihn in Salzsäure auflöste und mit Barytsolution auf Schwefelsäure prüfte, und da er auf die angegebene Weise keine dieser Säuren entdeken konnte, so schloß er daraus, daß dieser Niederschlag reine Alaunerde sey. Hr. Gay-Lussac glaubt, daß die physikalische. Ursache dieser Fällung in der Wärme die durch Einwirkung der Wärme bewirkte Entfernung der Moleküle der Essigsäure und der Alaunerde ist, die sie über die Sphäre ihrer Activität hinaustreibt und dadurch ihre Abscheidung veranlaßt. Sobald sich aber die Wärme vermindert, nähern sich diese Moleküle einander wieder, ziehen sich an und verbinden sich neuerdings. – Was aber auch die Ursache dieser Fällung seyn mag, so beweisen folgende Versuche, daß der Niederschlag eine basisch schwefelsaure Alaunerde ist, welche sich beim Erkalten in der sauren essigsauren Alaunerde wieder auflöst, während die Alaunerde (oder die basisch essigsaure Alaunerde), welche sich durch Länge der Zeit aus den Mordans niederschlägt, sich nicht mehr auflöst, selbst nicht in heißer Essigsäure.

Als man 1000 Grammen des Mordant Nr. 3 bis zum Sieden erhizte, und sodann filtrirte, erhielt man 14,15 Grammen trokenen Niederschlag. Als man denselben Versuch wiederholte und mit siedendheißem Wasser aussüßte, um die Auflösung des Niederschlags beim Erkalten zu verhindern, erhielt man 22,65 Grammen trokenen Niederschlag. Dieser Niederschlag, mit Schwefelsäure behandelt, entband nicht merklich Essigsäure, aber in Salpetersäure aufgelöst, gab er mit Baryt einen Niederschlag. Als man auf diese Art 5 Grammen mit Salpetersäure behandelte, erhielt man 3,25 Gr. schwefelsauren Baryt, und als sodann die Flüssigkeit mit Ammoniak gefällt wurde, wurden 3,85 Gr. Alaunerde erhalten, wonach die Zusammensezung seyn würde:

Schwefelsäure 100
Alaunerde 343,478.
|42|

Das neutrale schwefelsaure Salz besteht bekanntlich aus:

Schwefelsäure 100
Alaunerde 42,802.

Der erhaltene Niederschlag wäre also ein basisches Salz, welches acht Mahl mehr Alaunerde als das neutrale schwefelsaure Salz enthält. Diese Bemerkung wird noch durch eine andere Thatsache unterstüzt; nämlich daß die basisch schwefelsaure Alaunerde auch in dem folgenden Mordant vorkommt (welcher Basis und Säure genau in demselben Verhältnisse enthält; es ist nämlich derjenige, dessen man sich hauptsächlich zu der rothen Reservage [Artikel Lapis] auf der Walzendrukmaschine bedient, weil er sehr reich an Alaunerde ist und bisweilen sogar eine Dichtigkeit von 20° hat). Um diesen Mordant zu erhalten, fangt man an, eine gesättigte Auflösung von Alaun in kaltem Wasser zu bereiten (was gewöhnlich in einer großen Kufe geschieht), worauf man die freie Säure des Alauns sättigt, in dem man allmählich Kali zusezt und gut umrührt: mit diesem Zusaze fährt man so lange fort, bis man bemerkt, daß die entstandenen Floken nicht mehr verschwinden; dann erhizt man diese Auflösung bis zum Sieden. In dem Maße, als die Temperatur sich erhöht, schlägt sich alle Alaunerde als basisch schwefelsaure Alaunerde nieder: man gießt das heiße Wasser ab, sammelt den Niederschlag und löst ihn in Essigsäure auf, welche sich damit vollständig sättigt, besonders wenn man sie erwärmt.

Schlägt man eine Alaunauflösung kalt mit Kali nieder, so erhält man ein Alaunerdehydrat als Gelée, welches sich ebenfalls sehr leicht in Essigsäure auflöst und auch einen sehr guten Mordant gibt. Fällt man auf dieselbe Art eine heiße oder selbst kochende Auflösung, so löst sich der erhaltene Niederschlag nur in geringer Menge in Essigsäure auf und noch weniger, wenn man ihn vorläufig getroknet hat. Anfangs war man geneigt zu glauben, daß alle diese gallertartigen Niederschläge basisch schwefelsaure Alaunerde seyen, die mehr oder weniger Basis enthalten, je nachdem die Temperatur bei der Fällung erhöht war, aber man fand nur in dem ersteren Schwefelsäure, wodurch also wieder bestätigt wird, daß die in Essigsäure aufgelöste basisch schwefelsaure Alaunerde als Mordant dienen kann.

Es ist eine Thatsache, daß der Niederschlag, welcher entsteht, wenn man eine Alaunauflösung heiß fällt, nach vorläufigem Troknen nur wenig Neigung mehr hat, sich mit Essigsäure zu vereinigen; auch hat man gefunden, daß die durch Ammoniak gefällte Alaunerde weniger in dieser Säure auflöslich ist, als die durch Kali gefällte.

Man bereitet auch essigsaure Alaunerde aus schwefelsaurer. Das Verfahren besteht darin, daß man allmählich und bei der gewöhnlichen |43| Temperatur eine Auflösung von essigsaurem Blei so lange in eine Auflösung von reiner schwefelsaurer Alaunerde gießt, bis kein Niederschlag mehr entsteht. Es ist aber sehr schwierig, eisenfreie schwefelsaure Alaunerde durch den Handel zu beziehen, denn da dieses Salz unkrystallisirbar ist, so kann man es nicht durch die Krystallisation reinigen, nachdem es sich durch freiwillige Zersezung der alaunerdehaltigen Schwefelkiese gebildet hat. Die Auflösung der schwefelsauren Alaunerde muß siedendheiß 29 oder 30° am (Beauméschen) Aräometer zeigen; dieses beträgt ungefähr 31 bis 33°, wenn sie erkaltet ist. Um nun daraus essigsaure Alaunerde zu bereiten, nimmt man 110 bis 115 Theile dieser Auflösung und 100 Theile essigsaures Blei in dreißig Theilen Wasser aufgelöst: man erhält dann beiläufig 200 Theile einer Auflösung von essigsaurer Alaunerde, die am Aräometer 15 bis 16° zeigt und 18 bis 19 Procent wasserfreie essigsaure Alaunerde enthält. Dieses ist beiläufig die höchste Concentration, welche man sogleich durch gegenseitige Zersezung erhalten kann.

In Ermangelung von Essigsaurem Blei kann man essigsauren Kalk anwenden; da dieses Verfahren ökonomischer ist, so wenden es gewöhnlich auch die Fabrikanten chemischer Producte an, welche flüssige essigsaure Alaunerde in den Handel bringen. Zu diesem Ende bedient man sich gewöhnlich des holzsauren Kalks. 100 Theile Alaun, 100 Theile Wasser und 150 Theile holzsaurer Kalk von 11 1/2° geben eine essigsaure Alaunerde, welche heiß 15° zeigt, beim Erkalten aber ein wenig Alaun auskrystallisiren läßt und nur mehr 12 1/2° zeigt. Man muß sich wohl hüten, das Kalksalz in Ueberschuß anzuwenden, weil dieses Salz sodann der Schönheit der Farben nachtheilig werden kann.

Man bereitet noch einen Alaunerdemordant, welcher in England sehr häufig angewandt wird, besonders zum Rothdruk auf der Maschine, wozu er für sehr zarte Muster sehr vortheilhaft ist. Man erhält damit das Rosaroth und das Roth so schön, wie mit essigsaurer Alaunerde. Dieser Mordant ist eine Auflösung von Alaunerde in Kali (Alaunerde-Kali) und wird auf folgende Weise bereitet: Man kocht eine halbe Stunde lang 80 Maß (à 3 3/4 Pfund) Wasser, 80 Pfund amerikanische Potasche und 32 Pf. gebrannten Kalk; die so erhaltene kaustische Lauge wird abgegossen und davon werden 60 Maß auf 36 eingekocht, worauf sie sodann 35° am Aräometer zeigt. Man löst sodann darin bei der Siedhize 60 Pf. Alaun auf, gießt nach dem Erkalten den klaren Theil von dem auskrystallisirten schwefelsauren Kali ab, wäscht lezteres mit ein wenig Wasser ab und sezt dieses der bereits abgegossenen Flüssigkeit zu: auf diese Art muß man ungefähr 40 Maß Alaunerde-Kali erhalten, welches man mit geröstetem Stärkmehl verdikt.

Während dieser Mordant aufgedrukt wird, muß man nicht stark |44| erwärmen, und um die Vereinigung der Alaunerde mit dem Zeuge und ihre Abscheidung von dem Kali zu erleichtern, hängt man die Zeuge nach dem Druk in einem kalten und mehr feuchten als trokenen Lokal auf. Wahrscheinlich scheidet die Kohlensäure der Luft, in dem sie sich mit dem Kali verbindet, die Alaunerde von demselben ab. Wenn man einen Strom kohlensaures Gas durch eine Auflösung von Alaunerde in Kali leitet, so wird alle Alaunerde niedergeschlagen und mit vielem Wasser ausgesüßt, entbindet sie Kohlensäure auf Zusaz einer Säure. Wird dieser Niederschlag in Salpetersäure aufgelöst, so trübt er sich durch Baryt nicht. Die von der gefällten Alaunerde abgeschiedene Flüssigkeit besteht aus doppeltkohlensaurem und schwefelsaurem Kali; sie enthält aber keine Alaunerde mehr, zum Beweis, daß diese Erde in doppeltkohlensaurem Kali nicht auflöslich ist. Diese Eigenschaft wird ohne Zweifel nüzliche Anwendung finden, besonders wenn man einen Alaunerdemordant auf dem Zeuge zu neutralisiren hat.

Auch folgendes Präparat soll einen guten Mordant geben: man bereitet zuerst essigsaures Natron, in dem man geradezu Soda mit Holzsäure neutralisirt und kocht dieses essigsaure Natron mit Alaun. Durch doppelte Wahlverwandtschaft bildet sich schwefelsaures Natron und essigsaure Alaunerde, woraus man die Basis nicht abscheidet.19) Es scheint, daß einige Fabrikanten diesen Mordant anwenden.

Ueber die Verdikung der Mordans.

Die Kunst, die Mordans zu verdiken, oder ihnen die Consistenz zu geben, welche nöthig ist, damit sie sich zu den verschiedenen Arten von Druk eignen, erfordert eine lange Praxis, und ohne Zweifel hängt in sehr vielen Fällen das Gelingen des Druks und die Vereinigung der Basen mit dem Zeuge davon ab. Der Grad der Consistenz und die Natur des Verdikungsmittels wechseln und richten sich nach der Concentration und Scharfe (vorwaltenden Säure) des Mordant.

Es hängt oft von der Natur und größeren oder geringeren Consistenz des Verdikungsmittels ab, wenn ein Mordant während des Troknens basische Alaunerdesalze an den Zeug abgeben soll. Das Austroknen selbst kann wieder mehr oder weniger schnell geschehen, je nach der Natur des Verdikungsmittels, und dieses hat dadurch auf die Verflüchtigung der Essigsäure Einfluß, denn es kann sich treffen, daß durch ein zu schnelles Troknen ein Theil dieser Säure von einer diken Schichte Pfeifenerde oder Gummi mechanisch zurükgehalten wird.

Mangel an Raum hindert mich hier speciell die große Menge von Substanzen abzuhandeln, welche als Verdikungsmittel dienen |45| können.20) Ich bemerke bloß, daß die am häufigsten angewandten: Stärkmehl, arabischer Gummi, Weizenmehl, geröstete Stärke (Stärke-Gummi), ein Gemenge von Gummi mit Pfeifenerde, Traganth und Salep sind. Die beiden lezteren werden nur selten zum Verdiken der Alaunerdemordans angewandt. – Wenn man essigsaure Alaunerde, besonders den Mordant Nr. 3 mit Starkmehl kocht, schlägt sich, wie schon bemerkt wurde, ein basisches Alaunerdesalz nieder. Zwar erleichtert das Starkmehl, in dem es dasselbe hindert, bis auf den Boden zu kommen, seine Auflösung beim Erkalten, aber es löst sich noch besser wieder auf, wenn man die Farbe so lange umrührt, bis sie kalt geworden ist. Aus diesem Grunde muß man sich hüten, diese Farbe noch heiß aufzudruken.

Wenn man in die Nothwendigkeit versezt ist, den Mordant mit vielem Wasser zu verdünnen, wie zum Beispiel für das mit Stärke Verdikte helle Rosaroth, so thut man gut, zuerst das Wasser zu verdiken und hierauf erst der beinahe kalten Verdikung den Mordant zuzusezen. – Ein starker und saurer Mordant verdikt sich nicht leicht mit Stärke, und die Farbe behält die erforderliche Consistenz nicht bei. Man thut besser, einen solchen Mordant mit Gummi oder gerbsteter Stärke zu verdiken. – Oft wählt man auch ein Verdikungsmittel wegen seines wohlfeilen Preises. – Man hat nie bemerkt, daß die Mordans, welche sich trüben, während man sie erhizt, ein weniger gutes Resultat in der Färberei gaben. – Ein Mordant, welcher überschüssigen Alaun enthält, zum Beispiel zwei Theile Alaun auf Einen essigsaures Blei, behält nach der Verdikung mit Stärke seine Consistenz nicht bei, und zieht nach Verlauf eines Tages Wasser an.21) Zwei Mordans, von derselben Zusammensezung, aber mit verschiedenen Substanzen verdikt, geben Farben, deren Glanz und Intensität nach der Natur des Verdikungsmittels verschieden ist; so zeigt sich, daß ein mit Stärke verdikter Mordant sich leichter mit dem Zeuge verbindet und dunklere Farben gibt, als derselbe Mordant, mit Gummi verdikt; für gewisse Farben aber ist das Gummi vorzuziehen, weil es den Farben mehr Durchsichtigkeit ertheilt, in dem ungeachtet des Walkens immer ein wenig Stärke mit dem Mordant zurükbleibt. Der Unterschied in der Intensität der Farbe rührt zuweilen auch von der Vermehrung des Volumens her, die durch gewisse Verdikungsmittel |46| veranlaßt wird, welche man in größerer Quantität anzuwenden genöthigt ist, um eine gleiche Consistenz zu erhalten. Dadurch werden nämlich die Theilchen der Alaunerde mehr oder weniger von einander entfernt. Ein Mordant, welchen man durch Gummi stark verdikt, hat das Nachtheilige, daß er zu schnell troknet und sich daher nur schwach mit dem Zeuge verbindet, also matte Farben gibt, während man ihn, ohne dieses zu befürchten, mit Stärke oder Weizenmehl, so stark, als es der Artikel erfordert, verdiken kann. – Wenn man mehrere Mordans für verschiedene Farben auf einander drukt, so muß man es zu vermeiden suchen, daß sie sich auflösen und so in einander verfließen. Dieses ist besonders dann nöthig, wenn ein zartes mittelst der Maschine aufgedruktes Muster mit einem Grund oder einer großen Menge Mordant bedekt wird. Es ist dann unumgänglich nöthig, daß der erste Druk einige Tage liegen bleibt, ehe der zweite hinzukommt, und daß man verschiedene Verdikungsmittel anwendet; so wird die erste Farbe, welche immer die dunklere ist, mit Stärke verdikt werden können, und die zweite mit arabischem Gummi oder gerösteter Stärke. Eine zarte Farbe, welche auf der Maschine aufgedrukt wird, kann mit gerösteter Stärke verdikt werden, und die aufzudrukende Grundfarbe mit arabischem Gummi.

In diesem Falle bleibt der erste Aufdruk unberührt, besonders, wenn das Austroknen nicht zu langsam vor sich ging. In derselben Absicht versezt (blendet) man den ersten Druk mit Blauholz-Decoct und bisweilen mit essigsaurem Kupfer.

Bemerkungen über das Aufdruken des Mordant und seine Vereinigung mit dem Zeuge.

In den Drukstuben muß die Temperatur immer auf 15 bis 19 Grad erhalten werden; denn die Temperatur und der hygrometrische Zustand der Luft haben den größten Einfluß auf die Vereinigung des Mordant mit dem Zeuge. Während des Troknens verflüchtigt sich ein Theil Essigsäure mit Wasser, und es bilden sich basische Alaunsalze, die sich in dem Maße mit dem Zeuge vereinigen, als sie aus ihren Auflösungsmitteln abgeschieden werden. Durch das Kuhmistbad vereinigt man endlich vollends mit dem Zeuge die Basis, welche dadurch, daß sie fast voll aller Essigsäure und dem nicht mit dem Zeuge verbundenen Mordant getrennt wurde, in Wasser unauflöslich geworden ist.

Wir wollen einen Augenblik bei der wichtigen Rolle verweilen, welche der hygrometrische Zustand der Luft bei dem Eintroknen der Mordans spielt. Das in Dampfgestalt vorhandene Wasser löst die Essigsäure auf, wovon ein großer Theil abgeschieden werden muß, wenn sich die basischen Alaunerdesalze mit dem Zeuge sollen verbinden |47| können. Eine feuchte und heiße Luft ist besonders nöthig, wenn ein zartes Muster auf der Maschine aufgedrukt und sogleich troken werden soll, oder auch, wenn ein starker Mordant in großer Menge mit, Gummi und Pfeifenerde verdikt wird, wie zu den Mordantreservagen des Lapisartikels. Bei dieser Art von Druk kommt eine sehr dike Schichte Farbe auf den Zeug; die Essigsäure kann aber nicht verdunsten, wenn das Austroknen zu schnell vor sich geht. (Wir haben bereits schon gesehen, daß auch die Natur des Verdikungsmittels in diesem Falle von großem Einfluß ist.) Dieß bringt oft großen Nachtheil, besonders wenn die Luft fast gar kein Wasser enthält, wie im strengen Winter. Das Troknen findet dann schneller Statt, und da die Essigsäure nicht Zeit hat, sich zu verflüchtigen, so verbindet sich nur eine geringe Menge Mordant mit dem Zeuge, und sogar diese wird in der Folge von dem nicht damit verbundenen Mordant fast ganz wieder aufgelöst, wenn man die Zeuge in die blaue Küpe oder das Kuhmistbad taucht. Man kann diesem Nachtheile dadurch abhelfen, daß man in dem Lokal, wo gedrukt und getroknet wird, Wasserdampf entwikelt. Auch kann man dem Uebel, wenn es nicht zu weit gekommen ist, dadurch einigermaßen begegnen, daß man die Zeuge nach dem Druke in einem etwas feuchten Lokal ausbreitet. Dort hat dann ein Theil Essigsäure Gelegenheit, sich im Verlauf einiger Tage zu verflüchtigen.

Manchmahl versezt man die Reservagen, wovon wir so eben gesprochen haben, mit anscheinend unnüzen Substanzen, die aber den Zwek haben, dadurch, daß sie die Feuchtigkeit anziehen, ein zu schnelles Austroknen zu verhindern, und so die Verflüchtigung, der Essigsäure begünstigen. In diesem Falle wendet man oft salzsaure Salze und besonders salzsauren Zink an. Ein Zusaz von Oehl leistet oft denselben Dienst. Aus dem Nachtheile, wovon wir gesprochen haben, gehen nur unreine und stetige Farben hervor. Man hat oft bemerkt, daß von Zeugen, die mit demselben Mordant an demselben Tage bedrukt wurden, ein Theil eine volle und satte Farbe hätte, während ein anderer Theil fast farblos war. Der leztere Theil war derjenige, welcher am Morgen bei troken-kalter und mit Elektricität beladener Luft gedrukt wurde, wenn die Drukstube noch nicht warm genug war, um das von den eingetrokneten Farben abgeschiedene Wasser zu verdunsten, oder eine große Menge Arbeiter zur Ausdünstung zu veranlassen.

Das Gelingen des Walzendruks hängt fast noch mehr als das jedes anderen von dem hygrometrischen Zustand der Luft ab. Die Atmosphäre ist manchmahl so troken und so mit Elektricität überladen, daß dieses Fluidum sich im der Maschine und besonders am |48| Walzentuch in solcher Menge anhäuft, daß man davon Funken bis in der Entfernung eines Fußes ausströmen sieht. In diesem Halle kräuseln sich die Zeuge, die Wolle erhebt sich und der Druk wird unvollkommen. Man hat bemerkt, daß alsdann ein starker und saurer Mordant dem Zeuge nicht mehr Basis abgibt, als ein Mordant von mittlerer Dichtigkeit, weil er bei der großen Trokniß der Luft zu schnell eintroknet. Ein zum Theil neutralisirter Mordant würde alsdann vorzuziehen seyn. – Man kann sehr schnell und bei hoher Temperatur troknen, wenn die Luft, worin die Zeuge circuliren, feucht ist und sich leicht erneuern kann. Bei der Operation, welche man Platschen (placage) nennt), wobei die Zeuge ganz mit Mordant imprägnirt werden, muß die Trokenstube, worin viele Zeuge auf Ein Mahl getroknet werden, so angelegt werden, daß die große Menge Wasserdampf und Essigsäure, welche sich entwikeln, leicht ausgetrieben werden können. Auch muß man in dem unteren Theile des Lokals Ausgange anbringen, so daß ein Luftstrom entsteht, wodurch die äußere Luft hineintreten kann, die man, so gut es thunlich ist, um die Röhren oder Heizer circuliren lassen muß.

Es ist unumgänglich nöthig, daß die mit einem essigsauren Salze imprägnirten Zeuge ganz ausgebreitet werden, ehe man sie troknet; denn da sich die Essigsäure in der kleinsten Falte, welche den freien Zutritt der Luft verhindern würde, anhäufen könnte, so würde hier in Wasser auflösliche saure essigsaure Alaunerde entstehen, und zu dieser hat der Zeug nicht so viel Verwandtschaft, daß er sie zersezen könnte. Es würden dadurch an den Stellen, wo der Mordant nicht mit dem Zeuge verbunden ist, fast weiße Streifen entstehen. Dieser Nachtheil wird besonders bemerklich, wenn man mit einem starken und sauren unverdikten Mordant arbeitet. Man kann es nicht genug empfehlen, daß die Essigsäure durch einen Luftzug ausgetrieben wird, denn wenn sie in wasserfreiem Zustande (wenn ich anders diesen Ausdruk gebrauchen darf) über den Zeug hinstreicht, oder sich im Zustande von auflöslicher saurer essigsaurer Alaunerde auf demselben befestigt, so äzt sie dadurch den Mordant weg oder verdirbt ihn, so daß der Stoff nach dem Färben eine weiße Wolle darzustellen scheint. Lezterer Fall wird besonders dann beobachtet, wenn man mittelst eines Hizkamins (Hotflue) troknet, einer Art Kamin mit horizontaler Wölbung, wobei der mit Mordant imprägnirte und ausgebreitete Zeug über die erhizte Röhre hinstreicht. Heute zu Tage hat man, um diesen Uebelstand zu vermeiden, in diesem Kamin Ventilatoren angebracht, welche das Austroknen beschleunigen und zugleich die Essigsäure in dem Maße, als sie sich entwikelt, verjagen. Der angeführte Umstand tritt aber vorzüglich in dem Fall ein, wo man die mit Mordant |49| imprägnirten Zeuge über die Cylindermaschine laufen läßt, worin der Dampf circulirt. Die obere Oberfläche, welche nicht unmittelbar mit den Cylindern in Berührung ist, zeigt eine ganze Menge weißer Stellen nach dem Farben, was nicht der Fall seyn würde, wenn man zwekmäßige Ventilatoren anbrachte, um die Essigsäure in dem Maße, als sie verdunstet, zu verjagen. Man weiß aus langer Erfahrung, daß es gut ist, wenn man die Zeuge noch einige Tage in einem heißen Zimmer aufhängt, ehe man sie in das Kuhmistbad bringt und dann färbt. Sie troknen nämlich dadurch vollkommen aus, und es wird noch Essigsäure verflüchtigt.

Ueber den Zwek des Kuhmistbades und Walkens.

Diese beiden Operationen sind ohne Zweifel die wichtigsten in der Kattundrukerei. Ich kann hier den Gegenstand nicht so weitläufig abhandeln, als es seine Wichtigkeit verdient, und führe daher nur so viel davon an, als er uns einige Aufklärung über die Wirkung verschaffen kann, welche diese beiden Operationen auf die Alaunerdemordans ausüben. Die Operation des Kuhmistbades hat zum Zwek:

1) Die Bereinigung der basischen Alaunerdesalze mit dem Zeuge zu vollenden, in dem dadurch fast alle Essigsäure abgeschieden wird, welche sich während des Eintroknens des Mordant nicht verflüchtigt hatte;

2) Einen Theil der Substanzen, welche als Verdikungsmittel gedient hatten, aufzulösen und dem Zeug zu entziehen;

3) Denjenigen Theil des Mordant von dem Zeug abzuscheiden, welcher damit nicht verbunden und nur mechanisch in dem Verdikungsmittel vorhanden ist;

4) Durch die Substanzen, woraus der Kuhmist besteht, zu verhindern, daß der mit dem Zeug nicht vereinigte Mordant und die Essigsäure, womit sich das Bad immer mehr überladet, sich auf die nicht bedrukten Stellen des Zeuges werfen und dadurch dem Mordant nachtheilig werden.

Nachdem der Mordant durch das Kuhmistbad mehr oder weniger neutralisirt worden ist, wird vermittelst des Reinigens oder Walkens (nämlich durch den großen Zufluß des Wassers und das mechanische Reiben) dem Zeuge das noch rükständige Verdikungsmittel ganz entzogen u.s.w.

Man kann nur mehr oder weniger wahrscheinliche Vermuthungen über die Wirkung aufstellen, welche der Kuhmist ausübt, weil er noch nicht analysirt worden ist.22) Nach Analogie mit dem Koth anderer |50| Thiere kann man ihn aber aus folgenden Substanzen bestehend betrachten.

1) Aus einer animalisirten vegetabilischen Faser, die ungefähr den zehnten Theil seines Gewichtes ausmacht;

2) Eiweißstoff;

3) Thierschleim;

4) Einer der Galle ähnlichen Substanz;

5) Aus Kochsalz, salzsaurem und essigsaurem Ammoniak, phosphorsaurem Kalk und anderen Salzen;

6) Moschus (oder Benzoë).

Vielleicht löst das heiße Wasser, worin der Kuhmist aufgeweicht wird, viel davon auf, und der mit dem Zeug nicht verbundene Mordant wird in dem Maße, als er sich in dem Bad vertheilt, durch den Eiweißstoff, den Thierschleim und die Ammoniaksalze niedergeschlagen; es ist aber mehr als wahrscheinlich, daß der zum Theil animalisirte oder mit einer animalischen Substanz bedekte Faserstoff dabei die größte Rolle spielt, denn die große Verwandtschaft dieser Substanzen zu den Alaunerdesalzen ist bekannt. – Alle Praktiker wissen, wie sehr die Verwandtschaft der Baumwolle zu den salzfähigen Grundlagen durch ihre Vereinigung mit Oehl oder thierischen Substanzen vermehrt wird, in dem sie dieselben aus dem Kuhmistbad an sich zieht, was sie ohne diese vorläufige Vereinigung nicht kann. – Man sieht also, daß der Hauptzwek des Kuhmistbades dieser ist, zu verhindern, daß der mit dem Zeuge nicht verbundene Mordant, welcher sich in dem Kuhmistbad vertheilt, sich auf den ungebeizten Theil des Zeuges wirft, was bereits bemerkt wurde; denn wenn man nur das Verdikungsmittel wegschaffen oder durch die Abscheidung der Essigsäure die Vereinigung der Alaunerdebasis mit dem Zeuge in unauflöslichem Zustande bewirken wollte, so hätte man keinen Kuhmist nöthig, und heißes Wasser allein wäre hinreichend. In der That bemerkt man in diesen Fällen, daß die zuerst in den Kessel gebrachten Stüke sich gut färben; wenn man aber schon eine gewisse Anzahl hindurchgenommen hat, wirft sich der Mordant, welchen das Wasser auflöst, auf die weißen Stellen des Zeuges, und die freie Säure, welche das Bad zurükhält, schadet den gebeizten Theilen, so daß diese keine schönen Farben mehr hervorbringen, und der weiße Theil beschmuzt wird.

|51|

Man kann den Kuhmist durch Weizenkleie ersezen; aber die Erfahrung scheint dennoch in allen Fällen zu Gunsten des Kuhmistes entschieden zu haben; weil er die Wirkung, welche man beabsichtigt, gut hervorbringt, und auch sehr leicht zu einem mäßigen Preise herbeigeschafft werden kann. Es gibt jedoch Fabriken, die sich noch immer einzig und allein der Kleie bedienen. Man hat keinen Unterschied in den Resultaten gefunden, als daß manchmal der Kuhmist viel von einer grünen Substanz enthält; dieses ist besonders dann der Fall, wenn man die Kühe mit vielem Gras genährt hat. Der Koth ertheilt alsdann den weißen Stellen des Zeuges und dem Mordant eine Farbe, und verdirbt den Glanz zarter Farben, wie die zarten gelben Farben, das Rosaroth und Lilas mit Cochenille sind, ganz. Zu diesen Farben wenden wir in unserer Fabrik Kleie an. Wahrscheinlich ist die Wirkung der Kleie bei dieser Operation derjenigen des Kuhmistes sehr analog, in dem der unauflösliche vegetabilische oder holzige Theil auch die größte Rolle spielt. Die Kleie ist bekanntlich mehr oder weniger mit Mehl vermengt, dem sie als Hülse dient, und diese Hülse, so wie das Mehl, enthalten Schleim und Kleber, die sich mit den Alaunerdesalzen verbinden können u.s.w.

Es wurde schon bemerkt, daß der auf den Zeug aufgedrukte Mordant sich damit während des Troknens nicht ganz verbindet, daß diese Vereinigung mehr oder weniger vollständig ist, nach der Stärke der Mordans und den Umständen, welche sie während des Troknens begünstigen können; daß die Behandlung im Kuhmistbad oder die Passage durch heißes Wasser erst vollends die Basis in einem Zustande, worin sie in Wasser unauflöslich ist, mit dem Zeuge vereinigen; daß diese Basis noch eine sehr geringe Menge Essigsäure und basisch schwefelsaure Alaunerde enthalten kann; daß langes Sieden in Wasser dem Mordant nur wenig nachtheilig ist, und daß in diesem Falle die Flüssigkeit keine merkliche Menge essigsaure oder basisch schwefelsaure Alaunerde enthält. Es kommt sehr viel darauf an, wie man die Zeuge in den Kuhmist taucht oder durchzieht. Da, wie bereits bemerkt wurde, nach dem Troknen ein Theil des Mordant nicht mit dem Zeug verbunden ist, was besonders bei allen Farben der Fall ist, die einen starken Mordant in großer Menge erfordern, so wie auch bei den mit Mordant bedrukten Zeugen, so ist es in diesen Fällen wesentlich nöthig, daß die Zeuge gut ausgebreitet, und ohne Falten das Kuhmistbad passiren; diesen Zwek erreicht man gewöhnlich durch Walzens welche auf dem Boden und auf der Oberfläche des Bades angebracht werden, so daß man den Zeug in seiner ganzen Breite circuliren lassen kann. Das Eintauchen muß so schnell als möglich geschehen, denn in dem Augenblike, wo das heiße Wasser den gebeizten |52| Zeug durchdringt, verläßt die Essigsäure denselben, und wenn dieses Eintauchen langsam oder Falte nach Falte geschehen würde, so würden die Säure und der mit dem Zeuge nicht verbunden gewesene Mordant, welche in Freiheit gesezt werden, Zeit haben, die schon mit dem Zeuge verbundenen basischen Alaunerdesalze aufzulösen, wodurch Ungleichheiten und schlechte Farben entstehen würden. Dieses beweist folgender Versuch: Ein mit einem starken Mordant bedrukter Zeug wurde in drei Theile getheilt, welche bald nach dem Troknen in das Kuhmistbad getaucht wurden, wobei man folgendermaßen verfuhr: der erste gut auf einem Stok ausgebreitet, wurde schnell hineingetaucht und unter Umrühren eine Minute lang in dem Bade gelassen; der zweite, eben so ausgebreitet, wurde langsam hineingetaucht, so daß der obere Theil erst eine halbe Minute nach dem unteren in das Wasser kam; der dritte wurde zerknauscht, hineingetaucht und sogleich herausgezogen, nachdem er befeuchtet war. Diese drei Muster wurden sodann ausgewaschen und gefärbt: Das erste nahm eine satte und volle rothe Farbe au; das zweite eine schlechte und stetige; das dritte färbte sich nur schwach, stellenweise, und zeigte eine große Menge weißer Fielen. Folgende Thatsache beweist auch noch, wie unumgänglich nöthig es ist, daß die gebeizte Waare in das Kuhmistbad, und besonders in das Wasser schnell hineingetaucht wird. Es gibt schlecht gebleichte Zeuge, wovon gewisse Theile fettig sind, die sich dann in kaltem Wasser nicht befeuchten. Bedrukt man diese Zeuge mit Mordant, und wäscht sie in fließendem Wasser aus, so werden diese fetten Theile beim Färben sehr nachtheilig. Die Essigsäure und der nicht verbundene Mordant lösen daselbst die basischen Alaunerdesalze wieder auf und verursachen eben so viele weiße Fleken.

Es ist schwer, die Anzahl der Zeuge zu bestimmen, welche man ein aus bestimmten Quantitäten Kuhmist und Wasser bestehendes Bad passiren lassen kann. Dieses hängt von der größeren oder geringeren Stärke und Säuerlichkeit der Mordans und davon ab, ob die Dessins mehr oder weniger überladen sind. Die Anzahl wechselt gewöhnlich zwischen 20 bis 60 Stuten von 25 Ellen auf 40 bis 50 Mülhauser Maß (zu 50 Liter) Wasser und Ein Maß Kuhmist. Die Dauer des Eintauchens ist nach der Concentration der Mordans und nach der Natur des Verdikungsmittels verschieden. Die Temperatur richtet sich auch nach der Natur der Mordans, und besonders nach dem Verdikungsmittel: so braucht man, wenn Stärke oder Mehl angewandt wird, ein viel heißeres Bad, als für Gummi u.s.w. Die Temperatur wechselt gewöhnlich zwischen 45 bis 100° C. (36 bis 80° R.) Stüke, die stark mit Mordans bedrukt sind, welche mit Stärke oder Mehl verdikt wurden, erhalten gewöhnlich zwei Kuhmistbäder, und müssen |53| zwischen den beiden Kuhmistbadern zweimahl gewalkt werden. Ein starker und saurer, Mordant ist schwieriger im Kuhmistbad zu behandeln und auszuwalken, als ein neutraler Mordant, besonders wenn er in Krapp ausgefärbt werden muß.

In gewissen Fällen sezt man, wenn mit starken Mordans und reichhaltigen Dessins bedrukte Zeuge durch das Kuhmistbad gezogen werden, von Zeit zu Zeit ein wenig kohlensauren Kalk (Kreide) zu, um die freie Essigsäure zu neutralisiren. Doppeltkohlensaures Kali ist noch zwekmäßiger, weil dieses Salz, wie schon bemerkt wurde, die Alaunerde nicht auflöst. Ohne diese Vorsicht wird, wenn das Kuhmistbad sauer geworden ist, was jedesmal gegen das Ende einer Operation geschieht, der Mordant der leztern dasselbe passirenden Stüke zum Theil wieder aufgelöst.

Nach dem Kuhmistbad walkt man die Zeuge öfters aus, um die lezten Theile des Verdikungsmittels abzuscheiden u.s.w. Diese Operation wird besonders nöthig, wenn man mit Krapp färben will; dann kann der Mordant nicht zu sehr neutralisirt und von allen jenen Substanzen gereinigt seyn, die seine unmittelbare Berührung mit den Färbestoffen verhindern könnten.23)

Man hat gefunden, daß eine zu hohe Temperatur des Bades und eine zu große Menge Kuhmist den schwachen Mordans nachtheilig sind, wie solchen für Rosaroth, Roth u.s.w. Auch hat man bemerkt, daß ein neutralisirter Mordant keine so glänzenden Farben gibt, besonders beim Gelbfarben. Lezteres erhält man viel schöner, wenn man an Statt ein Kuhmistbad zu geben, die Stüke eine Stunde lang in fließendem Wasser auswascht, vorausgesezt, daß es nicht zu kalt ist. Im Winter zieht man sie durch ein Wasser, worin ein wenig Kreide suspendirt ist; darauf werden sie gut ausgewalkt und in Quercitron oder Wau gefärbt.

Wenn der Mordant fast ganz neutralisirt ist, was der Fall ist, wenn man ein sehr heißes Kuhmistbad mit einem Zusaz von Kreide angewandt hat, so kann man darauf nur noch unvollkommen weiß äzen (enlever le blanc). Man thut hierzu besser, ein weniger heißes Kuhmistbad anzuwenden und gut auszuwalken. Heut zu Tage äzt man das Weiß gewöhnlich erst, nachdem die Zeuge mit einem nicht mit Gummi verdikten Mordant bedrukt und ohne vorher gewalkt zu seyn, getroknet worden sind, wenn anders die Beschaffenheit des Artikels es gestattet.24)

|32|

Ueber diese Ansicht vergleiche man auch Hermbstädt's Magazin der Färbekunst Bd. 7. S. 248, und Bd. 8. S. 38.

A. d. R.

|33|

Dieser Versuch beweist gar nicht, was er beweisen sollte, weil die basisch schwefelsaure Alaunerde sich in Essigsäure als neutrale schwefelsaure Alaunerde auflöst.

A. d. R.

|34|

Die Sache läßt sich nur dann ganz außer Zweifel sezen, wenn die zu den gegenseitigen Versuchen in Anwendung gekommenen, und in ihren Zersezungsverhältnissen abweichenden Mordans in verschiedenen Verhältnissen mit Wasser verdünnt angewendet, und eben so die Pigmente in abweichenden Gewichtsverhältnissen zum Neutralisiren jener Mordans angewendet werden. Wir werden auf diesen wichtigen Gegenstand gelegenheitlich zurük kommen.

A. d. R.

|37|

Enthielte das Wässer schwefelsaure oder salzsaure Salze in etwas beträchtlicher Menge, so würde die Trübung auf Zusaz von Essigsäure nicht verschwinden.

A. d. R.

|38|

Daß die Auflösung keine basische schwefelsaure Alaunerde enthalten kann, versteht sich von selbst, weil dieses Salz in Wasser unauflöslich ist; man vergleiche übrigens die Anmerkung Nr. 14. Auch sieht man keinen Grund ein; warum die Auflösung in dem hier angeführten Falle verschiedene Salze enthalten soll, je nachdem man vorher den Alaun oder nachher das Product seiner Zersezung neutralisirt. Daß essigsaure Alkalien die schwefelsaure Alaunerde durch doppelte Wahlverwandtschaft zersezen, bemerkt der Verfasser selbst weiter unten. A. d. R.

|39|

Der Verfasser gibt nicht an, auf welche Art er sich überzeugte, daß der |40| aus der unreinen essigsauren Alaunerde sich absezende Niederschlag ein basisches essigsaures Salz ist, was um so nöthiger gewesen wäre, weil bis jezt noch keine basische essigsaure Alaunerde bekannt ist. A. d. R.

|44|

Schwefelsaures Eisen zersezt sich mit essigsaurem Kali oder Natron auf ähnliche Weise, so daß man ein mit schwefelsaurem Kali oder Natron vermischtes essigsaures Eisen erhält. A. d. R.

|45|

Eine ziemlich vollständige Zusammenstellung der Verdikungsmittel, deren man sich in den Drukereien zum Verdiken der Beizen bedient, hat Kurrer in Dingler's neuem Journale für die Indiennen- oder Baumwollendrukereien Bd. 1. S. 354–414 geliefert. A. d. R.

|45|

Wenn man an den mit Stärke verdikten und wässerig gewordenen Mordant etwas sein gestoßenen Traganth rührt, so hüllt dieser die Flüssigkeit ein, und der verdikte Mordant ist dann wieder drukfähig. A. d. R.

|49|

Von dem Koth der Kühe besizen wir eine ältere Analyse von Thaër und Einhof, von welcher Berzelius sagt: „daß sie für ihre Zeit ein Meisterstük gewesen sey.“ Diese Analyse gab: Holzfaser 15,6 – grüne schleimige Materie |50| (welche in Wasser und Kali unauflöslich ist und im Feuer den Geruch vegetabilischer Körper ausstößt) 9,4 – etwas bittere thierische Materie, mit Wasser eine farblose, sich an der Luft gelb und braun färbende Auflösung bildend, die an der Luft in ammoniakalische Fäulniß übergeht, und durch Weingeist nicht durch Gärbstoff gefällt wird, salzsaures und phosphorsaures Kali und phosphorsauren Kalk 2,4 – Wasser 91,9 – Sand 1,1. Vergl. Gehlen's allgemeines Journal der Chemie III. Bd. S. 276. A. d. R.

|53|

Durch eine Auflösung von Jod in Wasser kann man sich überzeugen, ob die Stärke oder das Mehl ganz von dem Zeug abgeschieden worden sind, oder nicht. A. d. O.

|53|

Der Bulletin der Soc. industr. zu Mülhausen liefert a. a. O. nach dieser Abhandlung den Bericht, welchen Herr Leonhard Schwartz der Gesellschaft darüber |54| erstattete. „Wenige Schriftsteller, sagt derselbe, haben bisher auf genügende Weise die Mordans abgehandelt, welche zum Druken und Färben des Kattuns angewandt werden. Berthollet handelt in seinen Anfangsgründen der Färbekunst hauptsächlich von den Mordans für Wolle: Homassel und Bancroft*) erwähnen die Mordans für Baumwolle gar nicht; überhaupt hat man auch viel mehr über das Färben der Wolle, als über das der Baumwolle geschrieben, ohne Zweifel, weil ersteres schon länger und allgemeiner im Gebrauch ist.“ Er führt sodann kurz die Hauptresultate der Untersuchungen des Herrn Daniel Köchlin aus obiger Abhandlung an, und bemerkt noch: „Diese Abhandlung muß für den Kattunfabrikanten das größte Interesse haben, weil dieser Gegenstand nie so vollständig abgehandelt wurde: nur ein Mann von Fach konnte ihn in allen seinen Details entwikeln, und man muß Herrn Daniel Köchlin Dank wissen, daß er mit so großer Uneigennüzigkeit eine Theorie beschrieben hat, welche noch wenige Fabrikanten so sehr ergründet hatten.“

*) Dieß ist wenigstens bei der neueren Ausgabe seines Färbebuchs nicht der Fall. Man vergleiche die deutsche Uebersezung derselben, mit Anmerkungen von Dingler und Kurrer (Nürnberg 1818 bei Schrag) Bd. 1. S. 177 und 324. und Bd. II. S. 192, 372 und 549.

A. d. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: