Titel: Lagerhielm, Practisches Resultat von Versuchen über die Dichtheit etc.
Autor: Pfaff, J. W.
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XXXI. (S. 97–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030031

XXXI. Practisches Resultat von Versuchen über die Dichtheit, Gleichartigkeit, Elasticität, Schmiedbarkeit und Stärke des gewalzten und geschmiedeten Stabeisens, von Peter Lagerhielm, Mitglied der königl. Acad. d. Wissensch. und Assessor im Bergcollegium zu Stockholm.41)

Nachdem wir nun jede Prüfungsart für sich durchgegangen, welche zur Entscheidung des verschiedenen Einflusses des Schmiedens und Walzens auf die Spannkraft, Verschiebbarkeit und Cohäsion des Eisens angestellt worden sind, so ist es nun übrig, mit einem gesammelten Blik die Wirkung dieser verschiedenen Strekungsarten im Ganzen zu übersehen. Angekommen auf diesem Punct, in welchem alle Unternehmungen für die Anwendung des Eisens im Großen in ihren Richtungen zusammentreffen, wissen wir wohl, daß das Gewicht des Gegenstandes eine vollständigere Behandlung fordert, als in unserer Macht ist. Dieß Gefühl verhindert uns gleichwohl nicht, ehrlich unsere Ansicht vorzulegen, um so mehr, als wir diese Arbeit in solcher Anordnung zu liefern gesucht haben, daß der Leser von unserem Urtheil unabhängig bleiben kann.

Wir nehmen nun die Frage wieder auf: Welche Eigenschaften werden dem Eisen beigebracht durch die Art, dasselbe in eine für den Handel taugliche Form zu streken, nämlich durch Schmieden oder Walzen; dieß war die Frage, welche uns zu dieser Arbeit |98| Veranlassung gab. Dieselbe veranlaßte eine zweite: welches sind die hauptsächlichsten Eigenschaften des Stangeneisens? Auf diese Frage haben wir geantwortet, durch die Eintheilung derselben in absolute und relative, wovon die ersteren die Dichtigkeit und Gleichheit in sich fassen, und die lezteren die zähe und unzähe Härte, zähe und unzähe Weichheit und die Spannkraft.42)

In Beziehung auf den Ursprung dieser lezteren Eigenschaften, glaubten wir dieselbe aus dreien herleiten zu können, nämlich der Spannkraft, der Verschiebbarkeit und der Cohäsion. Denn Zähheit, sie mag nun hart oder weich seyn, beruht auf der Verschiebbarkeit, und unzähe Härte und unzähe Weiche beruhen auf Cohäsion.

Die Hauptfrage hat uns demnach zur Untersuchung des Einflusses der Bereitungsart auf die Dichtheit (Freiheit von Blättern, Brüchen), Gleichheit, Spannkraft, Verschiebbarkeit und Cohäsion des Eisens geführt. Die Resultate, welche wir in Hinsicht dieser Eigenschaften fanden, wollen wir nun zurükrufen.

1) Das Walzen gibt allezeit ein dichtes Eisen; das Schmieden gibt ein unsicheres, oft undichtes, bisweilen blätteriges Eisen.

2) Das Walzen gibt ein bedeutend gleicheres Eisen als das Schmieden; jenes dreht nie Fasern, welches bisweilen beim Schmieden sich trifft, weßwegen ein auf der einen Seite hartes, auf der anderen weiches Eisen, durch Walzen bedeutend gleichgemacht und gestrekt wird, ohne Verrükung der Lage der Eisensorten, welches beim Schmieden unsicher ist.

3) Walzen und Schmieden geben dasselbe Maß für die Intensität der Spannkraft. Aber in Beziehung auf die Grenze der Spannkraft haben die Versuche den geschmiedeten ungegärbten einen höheren Grad zuschreiben wollen, als den gewalzten, ungegärbten Stangen. Wahrscheinlich beruht dieß auf dem Kalthammern, und kann demnach leicht dem gewalzten mitgetheilt werden. Der Unterschied zwischen gewalztem und geschmiedetem scheint nicht bedeutend zu seyn. Bei gegärbtem schwedischen Eisen ist in dieser Hinsicht kein Unterschied zwischen gewalztem und geschmiedetem Eisen, aber gegärbtes Eisen hat eine viel höhere Spannkraftsgrenze, als das ungegärbte.

4) Das Walzen macht das Eisen bedeutend mehr verschiebbar als das Schmieden.

5) Die Cohäsion scheint auf's Genaueste unabhängig von der Strekungsweise zu seyn, daher die absolute Stärke hauptsächlich auf der Verschiebbarkeit beruht. Wenn man die Hälfte der ungegärbten geschmiedeten Stangen, die in Blätter zerrissen, ausnimmt, |99| so zeigen die übrigen eine größere absolute Stärke, als die ungegärbten, gewalzten: Dieß gilt jedoch nicht von den in London und Eskilstuna angestellten Versuchen; denn da fand sich das gewalzte Eisen als das stärkste, wie es auch der Fall war mit dem gegärbten.

Die Bestimmung der Eigenschaften des gewalzten und geschmiedeten Stangeneisens scheint uns denn die Antwort auf die Frage zu enthalten, über den Vorzug des Walzens und Schmiedens bei und für die Bereitung des Stangen-, Zain- und Fabrikeisens. Denn zuerst und vor allem wird bei jeder Anwendung erfordert, daß das Metall dicht sey (frei von Blättern, Brüchen), diese Bedingung ist in solchem Grade wesentlich, daß wir keine, Anwendung kennen, wobei das Eisen nicht dicht seyn müßte. Sodann wird zu mannigfaltigem Behuf, als zum Schrauben, Feilen, Bohren, Drechseln, Plattwalzen, Drahtziehen u.a. erfordert, daß das Metall gleich sey, und vor allem frei von stahlartigen Ungleichheiten, welche unglaublich der Gerätschaft und den Maschinen schaden, Verschwächung mit sich führen, und alles Unheil über Steifheit', Festheit u.a. zu einem betrüglichen Narrenwerk machen. Was endlich die relativen Eigenschaften der Metalle, Spannkraft, Verschiebbarkeit und Cohäsion betrifft, so sind wir der Ansicht, daß man die Verschiebbarkeit als das Kennzeichen einer Eisenart ansehen kann, besonders wenn man sich erinnert, daß bei der Anwendung des Metalls im Allgemeinen nur diejenige Stärke in Berechnung kommt, wobei das Eisen belastet werden kann, ohne seine Gestalt zu verlieren. Wie wichtig es ist, mit Sicherheit diese Eigenschaft bestimmen zu können, um darnach zu unterscheiden, zu welchem Behuf die eine oder die andere Eisenstange angewandt werden muß, überlassen wir dem Unheil jedes Sachkundigen.43)

|100|

Hier müssen wir gleichwohl bemerken, daß, wenn Walzen ein bedeutend verschiebbareres Eisen geben kann, als das Schmieden, diese Strekungsart tauglicher als das Schmieden. Zu all dem Behuf, wo Verschiebbarkeit (welche man sammt der Cohäsion zähe Weichheit nennen könnte) die wesentliche Eigenschaft ausmacht. Dieser Bedarf tritt ein, wo die Leichtigkeit der Arbeit, oder des Werkzeuges, oder der Maschinenbestand von höherem Werth ist, als ein höherer Grad von Spannkraft, wie beim Feilen, Winden, Nieten, Nagelspindelschmieden, Platt- und Bandeisenwalzen u.a. Die Bemerkung, die wir machten, daß der Wärmegrad, wobei das Eisen gestrekt wird, seine Verschiebbarkeit bestimme, legt noch ein größeres Gewicht auf die |101| Anwendung des Walzens; denn zum Auswalzen des Eisens kann man im Allgemeinen die gehörige Hize wählen, aber beim Schmieden des Eisens hat dieß nur für gewisse Arbeiten und innerhalb viel weniger verschiedener Grenzen statt. Weil nun dieß der Grund ist, daß die höhere Federung, welche gewisse Arbeiten erfordern, im hinreichenden Grad durch Schmieden nicht gewonnen werden kann, sondern diese Eigenschaft erst nachher durch Hammern in einem tauglichen Wärmegrad besonders im Eisen erregt werden muß, auch ein solches Hammern deutlich sich eben so gut bei gewalztem als geschmiedetem Eisen bewerkstelligen läßt; so scheint die bis jezt bestehende Weise, durch Schmieden das Eisen zu verarbeiten, früher oder später |102| mit dem Walzen vertauscht zu werden, für allen den Bedarf, wo die Form des Products nicht so ist, daß die Bearbeitung durch Walzen unmöglich oder theuer wird.

So spricht die von uns gewonnene Erfahrung, wenn die Frage nur ungegärbtes Eisen angeht. Der höhere Grad von Gleichheit, den das Walzen vor dem Schmieden gibt, ist gleichwohl für seinen Bedarf nicht hinreichend; dann ist des Eisens Gärbung nothwendig. Um Weitläufigkeit zu vermeiden, müssen wir uns in dieser Hinsicht auf die schon angeführte Abhandlung in der Zeitschrift Svea über die schwedische und englische Eisenbereitung, berufen. Versuche haben nun die von uns dort aus physischen Gründen gehegte Vermuthung bestätigt, |103| nämlich daß das Walzen das Eisen sicherer schweißt als das. Schmieden. Daß auch das Gärben unter den Walzen minder kostbar ausfällt als unter dem Hammer, scheint so wahrscheinlich zu seyn, daß hierin bei uns kein Zweifel eintritt. Wird diese lezte Vermuthung gleichfalls bewahrheitet, so tritt auch aus dem Gärben des Eisens ein neuer Grund für den Vorzug, welchen die Versuche mit ungegärbtem Eisen bereits dieser Strekungsweise vor dem Schmieden ertheilt haben, ein.

Um zu untersuchen, ob das Walzen die Tauglichkeit des Eisens zu Stahl befördert oder hindert, wurden zwei Dimensionen von dem in London gewalzten Eisen aus Bofors, nämlich 2 Zoll, 1 Zoll platt und 1 Zoll Quadrat, nach dem Werke Nüquarn, Herrn Winckler und Ulmgren gehörig, gesendet, welcher geneigt diese Eisenstüke zu Stahl brennen ließ. Die Stahlstangen hatten ein gleiches Aussehen, nicht mehr Blasen als gewöhnlich, und keine großen. Zwei unbedeutende Langenbrüche fanden sich in einer Stange; der Bruch war gleichkörnig, wie guten Stahls, und schien härtere Brennung beim quadratischen zu zeigen, obgleich die Oberfläche so glatt war, daß man den aus feinen Buchstaben zusammengesezten Stämpel von Bofors sehr gut und lesbar erhalten hatte. Bei der zu Eskilstuna vorgenommenen Probeschmiedung fand sich der Stahl von bestimmter guter Schmiedbarkeit, oder wie man sagt, beim Streken sättlich, selbst wenn es gewaltsam geschah. Ganz fehlerfreie Spindeln von 1/4 Zoll, von quadratischen und platten, von gleichem Eisen erhielt man. Der Kern oder die sogenannte Rose zeigte sich im Bruch dieses feinen Stahls. Keine Faserigkeit merkte man, eben so wenig Ungleichheit im Bruch, noch weniger Undichtheit. Bei der Verarbeitung zur Stählung der Aexte, Feilen, Federmesserblättern, Federn, fand er sich ganz gut und wie die besseren Stahlarten; doch wurde bemerkt, daß die Härte, die wohl gut, nicht vorzüglich war. Politur nahm er in vollem Grade an, und das meistens mit ganz dichter Oberfläche. Man fand, daß der Stahl leicht und gut, sowohl beim Streken als im übrigen, verarbeitet werden konnte. Er zeigte sich in diesen, von mehreren Arbeitern und zum Theil auch bei Herrn Heljestrand angestellten Proben, besserem schwedischen Stahl gleich. Stahleisen kann demnach gewalzt werden.

Da man aus Erfahrung weiß, daß das zu Bofors aus dem Roheisen von den Erzen zu Darkarlsberg bearbeitete Eisen beim gewöhnlichen Brennen einen mittelmäßigen Stahl gibt, so folgt hieraus, daß das Walzen keineswegs der Stahlart, die möglicher Weise den Erzen zugehört, schadet, sondern im Gegentheil die Schmiedbarkeit, Gleichheit und Dichte des werdenden Stahls befördert. Daß |104| im übrigen die Stahlart des Eisens, auf den Erzen beruht, und daß ein bestimmtes Urtheil über den Einfluß des Walzens auf die Dienlichkeit des Stahleisens zu gewissen Arten von Stahl, noch mehr Versuche auf diesem Weg vorausseze, trifft sich von selbst.

Mit einigen Abkürzungen aus S. 185–195 folgenden Werkes entnommen: Peter Lagerhielms Versuche zur Bestimmung der Dichtheit, Gleichartigkeit, Elasticität, Schmiedbarkeit, und Stärke des gewalzten und geschmiedeten Stabeisens, aus dem Schwedischen übersezt von Dr. J. W. Pfaff, Hofrath und Professor in Erlangen. Mit 11 Kupfertafeln. Nürnberg 1829 bei J. L. Schrag. (gr. 4. Pr. 4 Thlr.) Der hier gelieferte Aufsaz wird hinreichend seyn, um Physiker, Mechaniker und Hüttenmänner auf die schäzbare Arbeit des berühmten Schweden aufmerksam zu machen, welche sie in ihrem ganzen Umfange studiren müssen; der Verleger der deutschen Uebersezung hat das classische Werk in Druk, Papier und Kupferstichen trefflich ausgestattet.

A.

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Svea IX. H. Nr. 1. S. 120. Zur Umgehung von Weitläuftigkeit müssen wir uns auf diese Abhandlung berufen.

|99|

Wir haben Polhem und Rinmann in dieser Sache reden lassen. (S. Svea IX. H. Nr. 1. S. 26 ff.), auch Nordewall hat uns in den Stand gesezt, dieses Gemählde bis auf die jezige Zeit fortzusezen. Wir theilen den geneigt uns mitgetheilten Aufsaz des lezteren hier mit.

„Lange, und bei mannigfachen Gelegenheiten hat man kennen gelernt den Bedarf, und erfahren den Mangel an gutem und tauglichem Zaineisen, beides für Haushaltungen, Wirtschaften, als auch Handthierungen hier zu Lande; aber man hat fast eben so lange die Hoffnung aufgegeben, seine Wünsche erfüllt zu sehen, bis man erst in den lezten Zeiten dahin gelangte, zu entdeken, was sich durch die Verbesserung der Arbeitsmethoden ausrichten ließe, und durch die Bemühungen einiger eifrigen und verdienstvollen Mitbürger, sich über die Entdekungen anderer Nationen und ihre Aneignung auf unsere Eisenbereitung zu unterrichten, ist unsere Hoffnung kürzlich wieder aufgelebt, daß mit vielleicht unvermuthetem Fortgang diese Aneignung sich bewerkstelligen ließe.

Ewr. dürfte nicht ungeneigt folgenden Aufsaz, über den Bedarf und die Angelegenheit eines guten und tauglichen Eisenzeugs bei nachfolgenden und andern Fällen entgegennehmen.

Für Gewehrverarbeitung.

1) Ist es von dem größten Gewicht, zu Röhren, für Musketen und Pistolen |100| als auch besonders für Stuzer, ein gleiches, dichtes und starkes Eisen zu haben, damit sie den strengen Probeschuß mit doppelter Ladung, dem sie gewöhnlich unterworfen werden, aushalten, und mit Sicherheit die nöthige und in dem Reglement vorgeschriebene Form erhalten können.

a) Das Eisen muß gleich seyn, damit die Röhre beim Bohren oder Abdrehen eine vollkommen cylindrische Form, sowohl außer- als innerhalb annehme, auch beim Ziehen gleiche und reingestaltete Stiefeln und Höhen annehme. Ist das Eisen nicht gleich, so werden die Stiefeln ungleich tief und die Hohen ungleich hoch, und das Rohr in Folge davon ungleich dik im Gehalt, und weniger zuverlässig beim Schießen.

b) Dicht, damit das Rohr beim Schmieden frei von Brüchen und Blättern bleibt. Die Brüche weisen sich beim Probeschuß, auch oft beim Bohren, und die Blätter kommen beim Stiefeln und Ziehen, wo nicht früher, zum Vorschein. Bei den Stuzerröhren zeigen sich oft die Blätter nicht eher als beim lezten Probeschuß, wo die Röhre meistentheils verloren ist, denn ein weiteres Glattbohren führt die Abweichung des Kalibers von der gestatteten Weite mit sich. Es versteht sich, daß sowohl kalt- als rothbrüchiges Eisen zu Röhren untauglich ist; jenes widersteht dem Probeschuß nicht, und dieß gibt Querbrüche beim Schmieden.

c) Das Eisen muß stark seyn, wenn es dem Probeschuß mit doppelter Ladung widerstehen soll, besonders ist diese Eigenschaft für die Stuzerröhren nöthig, welche nach dem gegenwärtigen Modell übertrieben dünn sind, und welche durch das Stiefeln noch weiter geschwächt werden.

2) Außer dem Rohr fordert auch das Schloß beides, ein gleiches und starkes Eisen, wenn es die Besichtigungsprobe und die Zumuthungen aushalten soll, die ihm in der Folge werden. Es begibt sich oft, daß das Schloß die Besichtigungsprobe aushält, und doch beim Gebrauch an gewissen Theilen entzwei geht, so auch, daß der Hahn und Feuerstahl an den Hälsen zerspringt, und die Stangen, Nüsse und Hahnschrauben verschleißen innerhalb kurzer Zeit, wenn das Eisen zu weich war in den lezteren, und zu hart im Hahn und Feuerstahl. Durch das Auflegen des Stahls mittelst Löthens und endliches Härten des ganzen Stahles werden beide, Eisen und Stahl, sehr geschwächt, weßwegen die Wirkung des Härtens auf ungleiches Eisen oft große Ungelegenheit und Schaden dem Arbeiter verursacht, indem die Theile des Schlosses und besonders Feuerstahl sich aus ihrer Form schlagen und nicht mehr in das Blech passen, das bei der Besichtigung nun gebraucht wird.

3) Das Absehen fordert weiches und zähes Eisen, so wie die Pfanne, die Bügel- und Plattschrauben; aber die Schloß- und Kreuzschrauben fordern starkes und gleiches Eisen, wenn sie nicht vor der Zeit schlizen sollen.

4) Zu Bajonetten wird starkes und zähes Eisen in den Hülsen und Hälsen, damit die Hülse beim Bohren nicht bricht, und die Hälse beim Probiren nicht brechen, erfordert, aber die gegenwärtige fehlerhafte Art, die Bajonette zu besichtigen und zu probiren, läßt gleichwohl oft zu, daß ein gutes Bajonet bricht, während ein geringeres hält.

Für die Artillerie.

Nicht bloß für Achsen und Beschlag bei den Lavetten, und für die Richtschrauben, sondern auch für den Anspann selbst ist es von dem höchsten Gewicht, ein starkes und zähes Eisen zu haben, wenn anders der Zwek dieser Waffen nicht verfehlt und das größte Unglük vermieden werden soll. Eine zerbrochene Lavette und ein entzweigegangener Anspann verursachen nicht allein Aufenthalt und Unordnung, sondern können oft einen unvortheilhaften Ausgang einer sonst wohl angestellten militärischen Bewegung verursachen, entweder beim Angriff oder Vertheidigung.

Wenn auch der Bedarf von Eisen für die Seeartillerie nicht so groß ist, se ist es desto wesentlicher für das Attirail, den Zugang von starkem und zähem Eisen zu haben, das den Zumuthungen eines heftigen Seegangs widersteht, damit beim Schießen nicht das Reculer zerstört wird u.a. Ein beim Schießen zersprungener Ringbolzen, oder Ring für die Lavettenseile, macht Unordnung und oft sehr großen Schaden.

Für Schiffbau und Seewesen.

Wenn es irgendwo von Wichtigkeit ist, mit starkem und zähem Eisen versehen zu seyn, so ist dieß gewiß beim Schiffbau und dem Seewesen, wo, kurz zu sagen, jedes Stük den heftigsten Angriffen ausgesezt ist, und gegen Zerstörung kämpfen muß. Jeder Schraub- und Hakenbolzen, ja hin und wieder jeder Nagel, müssen Stärke und Zähheit genug haben, um nicht unter dem Brechen und Reißen, das bei einem heftigen Seegang in allen Theilen des Schiffs entsteht, zu bersten. Ein Jungferneisen, das bricht, droht ein Unglük, und ein entzweigegangenes Steuerrudereisen führt sehr oft einen unabwendbaren Untergang mit sich. Verbindet man hiemit die Nothwendigkeit eines zähen und starken Eisens zum Anker und seinen Ringen, und endlich zu den Ankerketten (chain cables), welche man in England bereits sich erdreistet hat statt der Ankertaue einzuführen, so zeigt sich in noch hellerem Licht der Bedarf und die Nothwendigkeit, auf alle erdenkliche Weise, auch nur wegen des Seewesens, ein für jeden besonderen Zweig desselben taugliches und zuverlässiges Eisen zu erhalten zu suchen.

Es mag im Vorbeigehen angeführt werden, wie angelegentlich es sich die Engländer seyn lassen, mit was immer für Kosten, sich ein zuverlässiges Eisen zu den Schiffsankern zu verschaffen, und mit welchem Vertrauen sie vormals hiezu das schwedische Eisen benüzten. Vor ungefähr 50 Jahren, als ich bei der Arbeit des Trollhättacanals besseres Eisen zu den Steinschlegeln bedurfte, als aus dem Werk Kallerö in Bohuslän erhalten werden konnte, kaufte ich in Göthaborg einen abgegangenen englischen Schiffsanker, welcher sich, zu meiner Verwunderung, aus 2 Zoll breiten Eisenstangen zusammengeschweißt ergab; aber er war nicht besser gearbeitet, als so, daß in einer der Schweißungen sich deutlich der schwedische Eisenstämpel zeigte.

Aber nicht allein für größere Schiffe und Fahrzeuge, sondern auch für die Scheerenwachen und kleinere Fahrzeuge, von Kanonenbooten und Jollen an bis zu den kleineren Lotsen- und Fischerbarken, beruht oft Menschenleben und Eigenthum auf einem guten und sichern Eisen, sowohl in der Verzimmerung, als auch in dem Attirail.

Für Grubenbau und Bergwerksbetrieb.

Man braucht eben nicht sehr hierin bewandert zu seyn, um eingesehen und |101| erfahren zu haben, welch ausgedehnten Bedarf diese Handthierungen in jedem besonderen Theil an gutem und tauglichem Eisen haben. Man kann nicht in eine Grube an der Leiter hinuntersteigen, ohne sich zwischen Furcht und Hoffnung schwebend zu fühlen, wenn man die Zusammensezung betrachtet, an welcher das eigene Leben und Anderer Wohlfahrt hängt, und bei jedem Tritte überzeugt man sich von der Wichtigkeit, mit weichem und zähem, steifem und starkem, oder steifem und hartem Eisen versehen zu seyn, je nach den ungleichen Angriffen, Abnuzung, Biegung und Reibung, welchen jeder besondere Theil aushalten und widerstehen muß. Mit jedem Tag wird man mehr davon überzeugt, seitdem man aus Erfahrung die Möglichkeit eingesehen hat, auch zu Grubenseilen Eisenketten, anstatt der Hanf- oder Ledertaue zu benuzen; man sieht aber auch zugleich die Nothwendigkeit ein, so starkes und zähes Zaineisen bereiten zu müssen, daß man auf solch einer Kette Menschenleben und Eigenthum wagen kann. Neulich hat man auch Feldgestänge von Eisen, anstatt der Holzstangen versucht, und man begreift leicht, daß die Grenze für mannigfach mehrere dergleichen Versuche, sich in eben demselben Verhältniß entfernt, wie die Hoffnung auf ein, zu allem diesem verschiedenen Bedarf, taugliches und sicheres Eisen zunimmt. Aber nicht allein der Grubenbau, sondern alle übrigen Bergwesensbauten von Hammer- und Manufacturwerken, Walzen- und Schmiedewerken u.a.; überdieß alle andere Gebäude für Haushaltung, Manufactur und Handwerk, sammt allen Sorten Gerätschaften, Werkzeug u.a. lassen uns täglich die Nothwendigkeit erfahren, und veranlassen uns höchlich zu dem Wunsch, nicht bloß bessern, sondern in manchen Fällen gänzlich vermißten Zufluß von tauglichem Eisenzeug zu jeglichem besonderen Bedarf zu erhalten. Von welch großem Gewicht ist es nicht für Dampfmaschinen, für Pumpen- und Manufacturwerke, wie für Dampffahrzeuge u.a., von der Festigkeit und Stärke des Eisens, das in so manchen Theilen derselben erforderlich ist, überzeugt zu seyn, wenn anders der größte Schaden und Unglük vermieden werden sollen. Von den vier Dampfmaschinen, welche bei dem Grundbau der Schleuse im Canalbau zu Söder Telje angeschafft werden mußten, waren drei schwedische und eine englische. Die englische hielt das Pumpen zwei ganze Sommer hindurch, ohne einiger Reparation zu bedürfen, aus, wogegen die schwedischen, um es kurz zu sagen, jede Woche mehr oder weniger Ausbesserung unterworfen werden mußten, und mit all diesem war doch die Grundlegung aus troknem Boden unmöglich, sondern mußte zulezt auf einem wasserdichten Fahrzeug oder Prahm geschehen, von solcher Größe, daß er die ganze Schleuse in sich faßte. Die Kosten und der Zeitverlust, welche dieß verursachte, lassen sich leicht genug einsehen.

Es ist unmöglich, mit einiger Kenntniß und Erfahrung den Bedarf eines besseren Eisenzeugs für unsere Gewerbe und Handthierungen, so wie die wohlgegründete Hoffnung, die man für die Möglichkeit derselben nunmehr hat, einzusehen, ohne zugleich mit einem für deren Emporkommen warmen Herzen zu wünschen, daß das in Wirklichkeit eintrete, was leider bis jezt nur als Möglichkeit da ist.

Nydy, den 4. Mai 1827.

Er. Nerdewall.

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