Titel: Jenar's Verfahren, Drahtgeflechte mit Metall etc. auszufüllen.
Autor: Jenar, René Florentin
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XLII. (S. 143–145)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030042

XLII. Verfahren, Drahtgeflechte oder Gewebe und andere ähnliche Artikel mit Metall oder ähnlichem Materiale auszufüllen, worauf sich am 4. Juli 1827 Hr. René Florentin Jenar, Gentleman, St. Luke, Bunhill-Rose, ein Patent ertheilen ließ. Er nennt sein Fabrikat: Metallleinwand (Metallic Linen).

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Octbr. 1828. S. 205.

Ich fülle die Zwischenräume der Metallgeflechte nach der verschiedenen Art des Körpers, mit welchem sie ausgefüllt werden sollen, auf verschiedene Weise aus, und erzeuge dadurch einen Artikel, der die Stärke und Zähigkeit des Drahtgeflechtes mit den Vortheilen einer festen und flachen Fläche vereint. Wenn das Drahtgeflecht mir flüssigem Metalle gefüllt und folglich in dasselbe getaucht wird, so muß man Folgendes beobachten: 1) daß das Gewebe aus einem Metall seyn muß, welches einen höheren Grad von Hize zum Schmelzen fordert, als das flüssige Metall, in welches dasselbe getaucht wird. 2) Muß das Drahtgeflecht sorgfältig und vollkommen überall abgepuzt worden seyn, ehe man es in das flüssige Metall taucht. Je nachdem dieses leztere verschieden ist, werden auch verschiedene Flüsse nothwendig seyn, um dasselbe an dem Drahtgeflechte fester anhangen zu machen, wie z.B. Salmiak bei Zinn, Borar bei Kupfer etc. Um dieses Verfahren umständlicher zu erklären, bemerke ich hier noch Folgendes. Ich nehme ein Stük Eisendrahtgeflecht oder Gewebe, z.B. von der Größe eines Quadratfußes, und nachdem ich dasselbe auf die gewöhnliche Weise gereinigt und verzinnt habe, bereite ich ein heißes Metallbad aus zwei Theilen Zinn und aus Einem Theile Blei, und befestige das Drahtgewebe in einem starken Rahmen aus Eisen mit zwei Griffen zu jeder Seite so, daß es in demselben vollkommen flach und eben liegt. Die beiden Griffe werden nun jeder mit einer Zange gefaßt, und während ein Gehülfe das Oxyd von der Oberfläche des Metalles wegschafft, tauche ich das Drahtgewebe in horizontaler Lage in das flüssige Metall, und bewege ersteres unter der Oberfläche des lezteren zwei oder drei Minuten lang sacht rükwärts und vorwärts, worauf ich zuerst das eine und dann das andere Ende aus dem Bade ziehe, und dabei das Geflecht oder Gewebe immer bewege, bis ich sehe, daß die Löcher oder Maschen desselben ausgefüllt |144| sind, und das Metall anfängt, sich in denselben zu krystallisiren, wo dann das Gewebe von dem Bade gänzlich abgehoben und die Wirkung dieser Operation beobachtet wird. Wenn das Metall noch flöße, so kann man durch eine Gegenbewegung an dem einen oder an dem anderen Griffe jeder Unebenheit auf der Oberfläche des Metallgewebes vorbeugen. Die Hize, in welcher das Bad gehalten werden muß, hängt lediglich von der Art des Metalles ab, dessen man sich bedient. Man probirt von Zeit zu Zeit mit kleinen Streifen Drahtgewebes, die man eintaucht, und sieht, ob das flüssige Metall sich in den Maschen gehörig zu krystallisiren vermag, so daß man es wagen darf, das größere Stük einzutauchen.

Diese Maschen können auch in Mödeln mit Metall gefüllt werden. Wenn man z.B. eine halbkreisförmige Tischdeke aus einem solchen Drahtgeflechte haben wollte, so verfertigt man sich einen Model von dieser Form und von der verlangten Größe. Der Model muß natürlich eine größere Hize ertragen können, als das Metall, welches darin in Fluß gebracht werden muß. Die Matrize dieses Models wird nun das Metallbad; man entfernt das Oxyd von der Oberfläche des Bades, legt das Drahtgeflecht auf dasselbe, und drükt das Gegenstük des Models (einen Halbkreis von kleineren Dimensionen) auf dasselbe, so daß das Drahtgeflecht dadurch bis auf den Boden der Matrize gelangt. Mit diesem Druke hält man so lang an, bis das Metall abgekühlt ist; das überflüssige Metall wird oben herausgestiegen und abgeflossen seyn, und der Rest die Maschen des Gewebes ausgefüllt haben. Die Tischdeke ist dann fertig.

Die Maschen können auch mit Töpfererde ausgefüllt werden. Zu diesem Ende muß die Form des Gefäßes, welches man erhalten will, aus vollkommen rein gepuztem Drahte verfertigt, und dann in die Töpfererde eingetaucht werden, die man so dünn anrührt, daß sie gerade flüssig genug ist, um die Maschen, wenn man das Geflecht in dieselben eintaucht, auszufüllen. Wenn nach Einer Eintauchung nicht alle Maschen ausgefüllt sind, so muß diese Operation wiederholt werden, wobei man jedoch dem Thone Zeit lassen muß, vor dem neuen Eintauchen etwas abzutroknen. Nachdem der Thon nach dem lezten Eintauchen vollkommen troken geworden ist, wird das Gefäß auf die gewöhnliche Weise gebrannt.

Man kann diese Maschen eines Drahtgeflechtes auch dadurch ausfüllen, daß man ein weicheres Metall, als dasjenige, aus welchem das Drahtgeflecht verfertigt ist, in einem dünnen Blatte auf lezteres legt, und beide Lagen einem sehr starken Druke aussezt: wenn man dann die Oberfläche der beiden auf diese Weise verbundenen Metalls polirt, so bringen sie eine sehr schöne Wirkung hervor.

|145|

Diese Zwischenräume lassen sich auch mit Papier oder Abschnizeln desselben ausfüllen, wenn man ein Blatt Drahtgeflecht zwischen zwei Blätter Papier oder zwischen zwei Lagen Abschnizel legt, und Kleister oder Leim dazu nimmt, und dann einen starken Druk anbringt.

Ebenso lassen sich diese Zwischenräume auch mit Schildkröte oder Horn ausfüllen, nachdem man vorher diese Körper auf die gewöhnliche Weise erweichte, und dann ein Blatt derselben und ein Blatt Drahtgeflecht einer mäßigen Hize und einem sehr starken Druke aussezt.

Endlich kann man diese Zwischenräume auch noch mit Glas ausfüllen, indem man eine Fensterscheibe über ein Blatt Drahtgewebe legt, welches vorher vollkommen eben gemacht und sorgfältig gereinigt wurde, und beide über einander liegend in den Ofen bringt und so lang der Hize ausgesezt läßt, bis das Glas vollkommen weich geworden ist. Man bringt dann beide auf den Plätttisch, und drükt mit der Plättpresse das Drahtgeflecht in das weiche Glas, welches hierauf in den Kühlofen gebracht, und daselbst auf die gewöhnliche Weise gekühlt wird.

Es gibt übrigens noch mehrere Methoden, die Maschen eines Drahtgewebes auszufüllen; ich ziehe aber die angegebenen Verfahrungsarten vor.

–––––––

Das Repertory of Patent-Inventions gibt zwar zu, daß auf diese Weise eine Menge verschiedener neuer Artikel zu allerlei Gebrauch verfertigt werden können; daß diese aber schöner oder wohlfeiler als die gewöhnlichen seyn müssen, wenn sie Absaz finden sollen, und es zweifelt, ob diese beiden Bedingungen bei dieser Arbeit erreicht werden können. Am zwekmäßigten scheint ihm die Verbindung des Drahtes mit Thon, um dadurch der zum Sprichworts gewordenen Gebrechlichkeit der Töpferwaaren abzuhelfen.62)

|145|

Was die Neuheit dieser Erfindung „(entirely new!)“ betrifft, so kann der Uebersezer versichern, daß die Türken bereits vor einem Jahrhunderte (und wahrscheinlich noch früher) ähnliche Artikel verfertigten. Der Uebersezer besaß eine türkische Tobakpfeife aus Meerschaum, die ein Bayer unter Maximilian bei Belgrad erbeutete. In der Türkei und in Ungarn ist es jezt noch häufig Sitte, die Pfeifenköpfe aus Bolus in feinen Messing- oder Silberdraht sehr zierlich zu flechten. Hr. König kann bei seinen eben so schönen als wohlfeilen Pfeifenköpfen, die er in seiner Fabrik zu Schemnitz verfertigt, vielleicht auch diese neue Erfindung aus der alttürkischen Schazkammer zu seinem und des Publicums Vortheile in Ungarn wieder aufleben machen. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: