Titel: Ueber das Schneiden und Schleifen der Demante und Edelsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XLIV. (S. 161–169)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030044

XLIV. Ueber das Schneiden und Schleifen der Demante und Edelsteine.

Aus Gill's technological Repository. August S. 65.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

(Im Auszuge.)

Hr. Gill glaubt seinem früheren Aufsaze über Demantschnitt von Hrn. Turrell, den wir im polytechnischen Journ. Bd. XXVI. S. 18 geliefert haben, noch den Aufsaz über diesen Gegenstand aus einem der lezten Bände des Dictionnaire technologique, Bd. XII. S. 124 (aus welchem wir hier unsere Uebersezung liefern) nachschiken zu müssen, da die englischen Demantschleifer sehr geheimnißvoll mit ihren Arbeiten sind, und „die Steinschleifer zu Paris, wie man nicht läugnen kann, ihre Kunst höher gebracht haben, als alle anderen.“

Die Kunst, Demante zu schleifen, ist sehr alt, wird aber meistens ohne genauere Kenntniß der Grundsäze, auf welchen sie beruht, ausgeübt.

Es scheint, daß die Alten nicht bloß wußten, daß der Demant der härteste Stein ist, sondern daß sie auch die Brechung der Lichtstrahlen, das Farbenspiel an den regelmäßig krystallisirten Stüken desselben kannten; sie wußten ihn aber nicht zu schneiden oder zu schleifen, und trugen ihn so, wie er aus der Erde kam. Sie hatten keine Idee von dem Glanze, von dem Feuer, welches der Demant durch den Schliff erhält.

Es war im J. 1476, daß Louis de Berquen zufällig die Kunst, Demante zu schleifen, dadurch entdekte, daß er zwei Demante an einander rieb, und sie durch ihren eigenen Staub, durch das Demantpulver (égrisée),74) poliren lernte.

Man verkürzt die Arbeit des langweiligen Demantschleifens auf zwei verschiedene Weisen: 1) durch das Spalten des Demantes in der Richtung seines Blätterdurchganges: Stüke, die diese Operation nicht erlauben, werden den Glasern in ihrem natürlichen Zustande |162| (als diamans de nature) verkauft; 2) durch den Schnitt mittelst eines feinen Eisendrahtes, der mit einer Mischung aus Oehl und Demantstaub überzogen ist.

Demant ist der einzige Edelstein, der mit Demantpulver und Oehl geschnitten, und auf einer sehr weichen Stahlplatte polirt wird.

Rubine, Sapphire, orientalische Topaße werden mit Demantpulver und Oehl auf einer kupfernen Scheibe geschnitten, die geschnittenen Faßetten aber auf einer anderen kupfernen Scheibe mit Trippel und Wasser polirt.

Schmaragde, Hyacinthe, Amethyste, Granate, Achate und andere minder harte Steine werden mit einer bleiernen Scheibe mit Schmergel und Wasser geschnitten, und auf einer zinnernen Scheibe mit Trippel und Wasser polirt, oder was noch besser ist, auf einer Scheibe aus Zink mit Zinnasche und Wasser.75)

Die kostbaren Steine weicherer Art, auch die künstlichen oder sogenannten Pasten werden auf einer Scheibe aus hartem Holze mit Schmergel und Wasser geschnitten, und auf einer ähnlichen Scheibe mit Trippel und Wasser polirt.

Die Handgriffe bei dem Schneiden und Schleifen der übrigen Steine sind dieselben, wie bei dem Demante.

Fig. 1 zeigt die Scheibe des Steinschneiders, die in einem starken Gestelle, A, A, aus Eichenholz aufgezogen ist, an welchem die einzelnen Stüke in einander eingezapft, und durch Schrauben und Niete in einander befestigt sind. Das Gestell hat die Form eines Parallelopipedes von 23 bis 26 Decimeter76) Länge, 19–20 Decimeter Höhe, und 6–7 Decimeter Breite. In einem solchen Gestelle haben zwei Scheiben neben einander Plaz, wie die Figur zeigt.

Außer den Füßen, B, B, sind noch die fünf großen Querstüke, C, D, E, F, G, zu bemerken, wovon das oberste und unterste, C, und, G, Theile des Gestelles bilden, und zur Befestigung desselben dienen. Die beiden Querstüke, D, und, F, führen in ihrer Mitte ein langes Stük Holz von gleicher Dike mit ihnen selbst, aber nur von zwölf Centimetern Breite, das fest in dieselben eingezapft ist. Diese beiden Längenstüke sind einander gegenüber und über einander mit ihren Flächen parallel gestellt: das eine, D, heißt der obere, das andere, F, der untere Balken. Fig. 2 zeigt das Gestell von innen, so daß man sieht, wie die Scheiben gestellt und gestüzt sind. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände in allen Figuren.

Jeder Balken hat zwei vierekige Löcher, die einander genau genau gegenüber |163| stehen, und in welche zwei vierekige Blöke aus Eichenholz, a, a, sehr genau passen: die Enden dieser Blöke sind mit kegelförmigen Löchern versehen, welche als Pfannen die kegelförmigen Spizen an den Enden des gehärteten Stahles aufnehmen, der die eiserne Achse, H, der Scheibe bildet. Diese Blöke, a, a, werden in gehöriger Höhe mittelst der doppelten hölzernen Keile, b, b, befestigt.

Das mittlere Querstük, E, E, trägt eine Tafel, c, c, welche ein starkes Brett aus Eichenholz ist. Diese Tafel ist mit zwei großen Löchern versehen, deren Mittelpunkte mit den kegelförmigen Löchern in den Enden der vierekigen Blöke, a, a, correspondiren. Jene Löcher haben ungefähr 16 Centimeter im Durchmesser, und lassen die Achsen zweier Scheiben frei durch.

Jede Scheibe, I, Fig. 3, besteht aus einer eisernen Achse, H, von verschiedener Stärke, so daß man sie nach Umständen und nach dem Gewichte der Scheibe wechseln kann; dann aus der Rolle, J, Fig. 4, die mehrere Furchen an ihrem Umfange hat, und auf dem vierekigen Theile der Achse aufgesezt ist.

Die Achse führt einen Knopf, d, in welchem sich vier eiserne Stifte befinden, die in die Löcher passen, welche in der Scheibe zur Aufnahme derselben angebracht sind.

Die Scheibe, die man in, k, im Grundrisse sieht, ist im Mittelpuncte zur halben Dike ausgehöhlt. Wenn sie, wie in Fig. 4, auf ihrer Achse aufgezogen ist, wird ein Ring von geschlagenem Eisen auf ihr aufgesezt, und diese ganze Vorrichtung wird durch doppelte eiserne Keile, f, gehörig befestigt, die durch einen Einschnitt in der Achse, welcher zur Aufnahme derselben bestimmt ist, durchgezogen werden.

Eine hölzerne Leiste, g, ungefähr zwei Decimeter hoch, ist an der entgegengesezten Seite, an welcher die Arbeiter bei ihrer Arbeit stehen, befestigt, damit nichts von den Schneide- und Polirmaterialien durch die Wurfskraft der Bewegung der Scheiben über die Tafel hinaus geschläudert wird.

Hinter diesem Apparate ist für jede Scheibe ein großes Laufrad, L, angebracht, wie bei Messerschmieden, nur daß es horizontal steht. Der Laufriemen oder die Schnur läuft in einer Furche an dem Umfange dieses Rades, und in einer der Furchen an der Rolle, J, die auf der Scheibe unter der Achse befestigt ist. Auf diese Weise wird durch das Drehen des Rades, L, die Scheibe gleichfalls, und zwar mit einer Geschwindigkeit gedreht, die mit jener des Rades und mit dem Unterschiede zwischen den Durchmessern des großen Rades, L, und der kleinen Rolle, J, im Verhältnisse steht.

Jedes Rad, J, ist auf einer eisernen Achse aufgezogen, auf welcher |164| eine Kurbel, M, angebracht ist, die man in Fig. 5 in einem größeren Maßstabe sieht. Der untere Zapfen, h, dieser Achse ist kegelförmig, und dreht sich in einem metallnen Lager, das auf dem Fußboden der Werkstätte gehörig befestigt ist. Das große Rad selbst ist auf dem Knopfe, i, angebracht, auf welchem sich gleichfalls vier Stifte befinden, die in eben so viele, zur Aufnahme derselben vorgerichtete Löcher in dem Rade passen, und so dasselbe auf der Achse befestigen. Ueber dem Rade ist ein eiserner Ring angebracht, und das Ganze wird so, wie die Scheiben, mittelst doppelter Keile, die in dem in der Achse hierzu bestimmten Einschnitte, l, durchgetrieben werden, befestigt.

Fig. 6 zeigt diese ganze Vorrichtung im Durchschnitte: man hat jedoch, um das Spiel der Maschine deutlicher zu zeigen, die über dem oberen Balken befindlichen Theile weggenommen. Man sieht hier die Tafel, c, c; den oberen Längebalken, m; eine der beiden Scheiben, I; (die andere ist abgenommen, damit man den Lauf des Laufbandes sehen kann, das sich nicht kreuzt); die zwei großen Triebräder, L, L; die zusammengesezten Verbindungsstangen, N, N, von welchen eine einzeln im größeren Maßstabe in Fig. 7 dargestellt ist, und die die großen Räder, L, L, treiben. Diese Verbindungsstange, N, besteht aus drei eisernen Stangen, n, o, p, q, und q, r. Die erste, n, o, endet sich in ein Auge oder in einen Ring, n, worein der Stift, s, paßt. Die zweite, p, q, ist von gleicher Länge und Dike mit der ersten und mit der dritten, und mit dieser lezteren mittelst eines Gewindes bei dem Puncte, q, verbunden, wo die beiden Theile einen Kreis bilden, der den Hals der Kurbel, M, umfängt. Nachdem die Theile zusammengebracht wurden, werden sie in gehöriger Länge mittelst der vierekigen Ringe, t, t, t, die sie umgeben, befestigt, wie man in Fig. 6 sieht.

Die Stifte, s, s, wovon man einen bei, s, in Fig. 7 sieht, sind an den Puncten, v, v, in Fig. 6 mittelst Vorstekkeilen befestigt, und mit den hölzernen Schwungarmen oder Hebeln, P, P, verbunden, die auf senkrechten Achsen aufgezogen sind, wovon man eine einzeln und im Perspektive in Fig. 8 dargestellt sieht. Die Treiber oder die Arbeiter, die das Rad drehen, ergreifen die beiden hölzernen Griffe, x, x, auf den Hebeln, P, P, und durch die abwechselnde Bewegung nach rükwärts und vorwärts, welche die Hebel dadurch erhalten, theilen sie dieselbe mittelst der Verbindungsstangen den Kurbeln, M, M, auf den Achsen des großen Rades mit, und erzeugen dadurch eine umdrehende Bewegung an diesen Achsen und an den Scheiben.

Fig. 9 zeigt einen Theil dieser Vorrichtung von vorne und im Perspective. Wir sehen hier die Tafel, c, c, und die Scheibe, I, die |165| in senkrechter Richtung zwischen den zwei vierekigen Blöken aus Eichenholz, a, a, welche in den Längenbalken mittelst der Keile, b, b, befestigt sind, festgehalten wird. Zu jeder Seite der Scheibe sehen wir zwei jener wichtigen Werkzeuge, die man in England die Zangen nennt (die Franzosen nennen sie Cadrans), von welchen die Steine während des Schleifens und Polirens fest gehalten werden. Diese Zangen, welche wir einzeln in Fig. 10 und 11 dargestellt haben, haben bedeutende Verbesserungen erhalten, die wir nach Fig. 12 beschreiben werden. Der Arbeiter nimmt eines dieser Instrumente in jede Hand, und bringt es gegen die Stifte, u, u, die in der Tafel befestigt sind, damit es nicht durch die Schnelligkeit, mit welcher die Scheibe sich dreht, weggeschläudert wird. Diese Zangen sind überdieß zuweilen noch mit Gewichten beschwert (von welchen man eines bei, l, sieht),77) damit die Scheibe desto kräftiger eingreift.

Fig. 10 und 11 zeigt die gewöhnlichen Zangen oder Cadrans der Steinschneider: Fig. 10 im Grundrisse und von oben gesehen; Fig. 11. im Aufrisse oder von der Seite; Fig. 9. im Perspective. Jede dieser Zangen hat zwei Baken, A, wie ein Schraubstok mit einer Schraube, a, die durch dieselben läuft, und sie an einander festhält. Bei, b, sieht man ein von beiden Baken gebildetes Loch, in welches der Stiel des Kittstabes, c, den man in Fig. 11 sieht, und an dessen unterem Ende der Demant mit Mastix eingekittet oder mit Zinn eingelöthet ist, eingesezt wird. Der Arbeiter neigt diesen Stab mehr oder minder, je nachdem er den Faßetten, welche er auf dem Demante schleift, mehr oder minder Neigung geben will, und wenn er von einer Faßette zur anderen übergeht, dreht er den Stab etwas herum. Da er indessen durch keinen sicheren Leiter geleitet wird, so kann er hier leicht dadurch einen Fehler begehen, daß die Faßetten nicht dort zu stehen kommen, wo sie eigentlich seyn sollten.

Einer der geschiktesten Steinschleifer zu Genf erlaubte mir die Verbesserungen zu beschreiben, die er an diesem Instrumente anbrachte, und wodurch er in den Stand gesezt wird, die Faßetten mit großer Regelmäßigkeit zu schleifen und zu poliren, und wodurch er auch das Instrument wirklich zu einem wahren Cadran, d.i. zu einem wahren Zifferblatte machte. Fig. 12 zeigt diese Verbesserung. Jeder Baken enthält eine große muschelförmige Höhle, in welche eine messingene Kugel kommt, die an ihrem oberen Theile eine Röhre, e, führt, an deren Ende ein flaches kreisförmiges Zifferblatt, f, f, angebracht ist, auf welchem viele concentrische Kreise gezeichnet sind, deren jeder in gleiche Theile getheilt ist, nach der Anzahl der Faßetten, die man |166| gewöhnlich in jeder Reihe von Schliffen geben will. Die Röhre nimmt den Stiel des Kittstabes mit sanfter Reibung auf, und lezterer wird mittelst einer auf einem schlichen Puncte angebrachten Stellschraube vollkommen darin befestigt. Man hat diese Stellschraube in der Figur nicht darstellen können, indem sie sich hinter dem senkrechten Viertelkreise befindet, von welchem wir alsogleich sprechen werden.78)

Ein Zeiger, g, stekt auf dem vierekigen Ende, in welches der Kittstab oben ausläuft, und zeigt mittelst seiner Spize die Abtheilungen auf dem Zifferplatte, f, f.

An der Seite, m, n, des Bakens, A, ist der in Grade getheilte Bogen oder Viertelkreis, d, mittelst zwei Schrauben befestigt: der Mittelpunct dieses Viertelkreises wird als Mittelpunkt der Kugel angenommen. Dieser Viertelkreis ist in 90° getheilt, wovon der oberste mit 0, der unterste mit 70° bezeichnet ist: die anderen 20° bis 90 sind von dem Baken verstekt. Diese beiden Cadrans oder Zifferblätter werden auf folgende Weise gebraucht.

Wenn der Kittstab auf, o, an dem Viertelkreise gestellt ist, so ist er senkrecht, und schleift an dem Demante die Tafel, oder79) die derselben gegenüberstehende Seite, die parallel mit der Tafel seyn muß. Wenn man den Kittstab etwas, um 5 Grade, neigt, so werden alle Faßetten in demselben Gürtel liegen, wenn anders ihre Neigung nicht sehr abweicht.80) Wenn man nun den Kittstab dreht, so weiset der Zeiger, g, die Abtheilungen auf dem Kreise des Zifferblattes, f, f; so daß, wenn man auf dem Kreise mit 16 Abtheilungen arbeitet, und bei jeder Abtheilung eine gehörige Zeit über verweilt, man auf dem Demante, nachdem der ganze Kreis vollendet seyn wird, 16 vollkommen gleiche Flächen, und alle diese Flächen vollkommen gleich weit von einander abstehend erhalten wird.

Man schleift gegenwärtig den Demant nur auf zwei verschiedene Weisen: man gibt ihm nämlich den sogenannten Rosen- oder den Brillantenschliff.

Der Rosenschliff ist unten flach, wie an allen schwachen |167| Steinen, seine obere Fläche ist aber kuppelförmig gewölbt, und in Faßetten geschliffen. Im Mittelpuncte sind gewöhnliche sechs Faßetten, welche eben so viele Dreieke bilden, deren Scheitel an einander stoßen. Die Grundlinien dieser Dreieke stoßen an eine andere Reihe von Dreieken, die in verkehrter Ordnung mit denselben stehen, so daß nämlich die Grundlinien beider an einander liegen, und die Scheitel derselben an den scharfen Umfang des Steines stoßen,81) den man das Blätterwerk nennt (feuilletés). Die lezten Dreieke lassen Zwischenräume, deren jeder in zwei Faßetten geschnitten wird. Auf diese Weise bekommt der Rosendemant 24 Faßetten, und die Oberfläche des Steines wird in zwei Theile getheilt, von weichender obere die sogenannte Krone, und der sie umgebende untere Theil die Spizen bildet (dentelle, die Hr. Gill mit Zähnen, tuth, übersezt).

Der sogenannte Brillant ist immer wenigstens drei Mahl diker, als die Rose.82) Seine Dike wird in zwei ungleiche Theile getheilt: ein Drittel wird für die obere Fläche des Steines aufbewahrt, und zwei Drittel bleiben für den unteren Theil desselben, den die Franzosen die Culasse nennen. Die Tafel hat 8 Flächen, und der Umfang wird gleichfalls in Faßetten geschliffen, von welchen einige Dreieke, und andere Rauten bilden. Der untere Theil des Steines bekommt auch Faßetten, die die französischen Steinschleifer Pavillons nennen. Es ist sehr zu beachten, daß diese Pavillons in dieselbe Lage kommen, wie die oberen Faßetten, und mit einander in der vollkommensten Symmetrie übereinstimmen, denn sonst würde der Brillant falsch spielen.

Obschon der Rosendemant ein sehr starkes Feuer blizen läßt, und dasselbe zuweilen noch weiter verbreitet, als der Brillant, so spielt lezterer doch unendlich besser, was von dem verschiedenen Schliffe herrührt.83) Der Brillant hat 32 Faßetten von verschiedener Gestalt und unter verschiedener Winkelneigung rings um die Tafel auf der oberen |168| Fläche des Steines. Der untere Theil desselben hat ferner noch 24 Faßetten rings um eine kleine Tafel aufgeschlissen, durch welche dieser Theil zur abgestuzten Pyramide wird. Diese 24 Flächen sind, wie die 32 oberen, unter verschiedenen Winkeln geneigt, und bieten verschiedene Figuren dar. Indessen wird es wesentlich nothwendig, daß die Faßetten des oberen und des unteren Theiles mit einander correspondiren, und zwar in so genauen Verhältnissen, daß die Brechungen und Zurükwerfungen der Lichtstrahlen so vervielfältigt werden, daß man die Farben des Prismas alle so hell als möglich wahrnehmen kann.

Die übrigen natürlichen Edelsteine, so wie die künstlichen oder die Pasten, werden wie die Brillianten geschnitten; der einzige Unterschied besteht in dem Materiale, aus welchem die Scheiben zum Schleifen und zum Poliren verfertigt werden, wie wir bereits oben bemerkten.

Die Steine, welche geschliffen werden sollen, werden auf dem Kittstabe, Fig. 13 aufgezogen, den man senkrecht in eine Muschel, A, stekt, welche sich in der Mitte befindet, und auf einer Art von Leuchter ruht, die man Salzfaß (salière) nennt, und die das Schwanzstük des Kittstabes aufnimmt: der Kopf füllt die Höhlung aus.84) Man hat eine Composition aus Zinn und Blei, geschmolzen und zwar ziemlich flüssig bei der Hand; man legt den Stein darauf und in die Mitte, und sobald die Composition erstarrt ist, schabt man mit einem kleinen Messer die den Demant umgebende Löthung ab, und gibt ihr die pyramidenförmige Gestalt, die man in, B, sieht.

Das Spalten wurde ehemahls häufiger angewendet, als gegenwärtig; da es indessen auch jezt noch Fälle gibt, wo man spalten muß, so wollen wir diese Arbeit beschreiben. Man schneidet, wenn man spalten will, mittelst eines sehr dünnen Eisendrahtes, der in dem Gestelle einer Säge aufgezogen ist, mittelst Demantstaubes, den man mit Oehl benezt, rings um den Stein dort, wo man ihn theilen will, eine Furche in denselben, und beobachtet dabei den wahren Durchgang der Blätter (le vrai fil de la pierre). Nachdem diese Furche tief genug geworden ist, sezt man die Schneide eines scharfen und gut gehärteten Messers in dieselbe, führt mit einem Hammer auf den gerade |169| und vollkommen senkrecht gestellten85) Stein einen derben Streich, und der Stein wird in zwei beinahe gleiche Theile gespalten seyn. Der gespaltene Demant schikt sich sehr gut zu Rosen.

Es gibt ein Instrument, dessen sich die Stahlpolirer, die für Uhrmacher arbeiten, und die Uhrglasmacher bei Uhrgläsern mit zugeschliffenem Rande bedienen, und das sie den Steinschneider nennen (lapidaire).86) Dieses Instrument besteht aus einem Tische, A, Fig. 14, aus starkem Eichenholze sowohl an der Tafel, als an den Füßen. Oben ist er mit zwei Löchern versehen: das eine dient zum Durchgange der Rolle und der Achse der Scheibe, B, die nach Umständen entweder aus Blei oder aus hartem Holze ist; das andere, C, ist zur Aufnahme des oberen Theiles der Achse der großen Rolle bestimmt, D. Der obere Zapfen der Scheibe stüzt sich auf ein Eisen, C, das auf dem Tische mittelst zweier hölzernen Schrauben befestigt ist. Die unteren Zapfen der beiden Achsen laufen auf Schraubenpfannen, die in eine in dem Balken, F, eingesezte Mutterschraube eingreifen. Die Füße an diesem Tische sind mehr oder minder hoch gestellt, je nachdem man an demselben sizend oder stehend arbeiten will.

Man bedient sich des Schmergels zum Abschleifen, und der Zinnasche oder des Englischroth zum Poliren.

Der Arbeiter legt das Stük mit einer Hand auf die Scheibe, und drükt mit einem Korke auf dasselbe, während er mit der anderen Hand die Kurbel dreht. Das Eisen, E, auf welches er seine Hand stüzt, dient ihm als Unterlage beim Flachpoliren. Die Scheiben sind ebenso eingerichtet und werden ebenso aufgezogen, wie wir oben bei dem Demantschliffe dieselben beschrieben haben. Man bedient sich dieser lezten Vorrichtung häufig in Uhrfabriken.

Anmerkung des Hrn. Gill. Bei uns in England wird, wie Hr. Turrell bemerkt, das Schlagloch um den Demant mit dem Mittelfinger aufgetragen, indem man lezteren häufig in der Asche der Holzkohlen reibt, deren man sich zum Schmelzen des Schlagloches bedient, wodurch man dem Anhängen der heißen Metalltheilchen, die den Finger verbrennen würden, vorbeugt. Man bedient sich des Schlagloches statt des Kittes beim Demantschliffe wegen der großen Hize, die durch die Reibung entsteht.

|161|

Hr. Gill, sagt man, nennt das Demantpulver égrisée „wegen seiner schneidenden oder schleifenden Eigenschaft;“ allein égrisée ist bloß das Particip des Zeitwortes: égriser, welches der Kunstausdruk für Demantschleifen bei den Franzosen ist, und weder eine cutting noch eine grinding quality bezeichnet A. d. Ueb.

|162|

Hr. Gill übersezt sehr unrichtig: „mit demselben Polirmateriale.“

|162|

Ein Decimeter ist 3,93702 englische Zoll; folglich ein Centimeter 0,39370 engl. Zoll. A. d. engl. Uebers.

|165|

Fehlt im Originale. A. d. Ueb.

|166|

Wir sehen nicht ein, warum Hr. Gill die lezten zwei Säze aus folgende Weise übersezte: „Die Röhre gibt dem Stiele des Kittstabes einen hinlänglichen Grad von Reibung, um ihn auf jeder Abtheilung fest zu halten, und wird unter jedem schiklichen Winkel mittelst einer Schraube festgestellt, die die zwei Baken zusammenhält, die man in der Figur nicht dargestellt hat, indem“ etc. Es ist kein Wort von Abtheilung und Winkel etc. im Originale. A. d. Ueb.

|166|

Hier ist ein Sinn entstellender Drukfehler in der englischen Uebersezung: on statt or;“ the table of the brilliant on the point opposite to it statt: or the point. A. d. Ueb.

|166|

Se trouverent sur une même zone, pourvu que l'inclinaison ne varie pas. Gill übersezte: all wil be found in the same zone with their inclination but little varied.“ A. d. Ueb.

|167|

Diesen Saz hat Hr. Gill ganz ausgelassen. A. d. Ueb.

|167|

Wenigstens 3 Mahl diker, au moins trois fois plus épais, ist bei Hrn. Gill: immer dünner always thinner.“ A. d. Ueb.

|167|

Um dem litterarischen Polizeispione in der Didaskalia, – r, zu zeigen, wie in den besten englischen Journalen, unter welche Gill's Repository allerdings gehört, übersezt wird, wollen wir noch folgende Stelle aus dem Französischen im Dictionnaire technologique S. 130 über ihrer englischen Uebersezung hier einrüken: Quoique le diamant-rose darde de très-grands éclats de lenière à proportion souvent plus étendus que le brillant; celui-ci joue infiniment d'avantage, à cause de la différence de la taille. Dieß heißt bei Hrn. Gill S. 72:

Although the rose diamond darts a great splendour of light, in proportion as it is more spread than the brilliant; this infinite advantage is caused by the difference in cutting it.

|168|

Dieß heißt im Französischen: On monte les pierres sur le bâton à ciment, qu'on place debout dans une coquille, A, placée au milieu et posée sur une espèce de chandelier nommé salière, qui reçoit la queue du bâton; la tête remplit la cavité de la coquille.“

Im Englischen aber heißt es: The stones to be cut are mounted in a cement-stick, which is placed upright with its shell A in the middle of a kind of candlestick or saltcellar, which receives into its socket the stem of the cement-stick; cavity in its head being filled up by the shell of it!!“ A. d. Ueb.

|169|

Sur la pierre posée droite et bien à plomb heißt es im Originale; der englische Uebersezer übersezt dieß: directly upon the stone whilst it is posited upright upon a block of lead.“ A. d. Ueb.

|169|

Diesen lezten Saz hat der englische Uebersezer gänzlich weggelassen. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: