Titel: Alban's halbrunder Bohrer zum Ausbohren metallener Cylinder von kleinerm Durchmesser.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XLVII. (S. 176–178)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030047

XLVII. Halbrunder Bohrer zum Ausbohren metallener Cylinder von kleinerm Durchmesser. Mitgetheilt von Dr. Ernst Alban.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Dieser Bohrer paßt vorzüglich für Hochdrukmaschinencylinder, die keinen größern Durchmesser verlangen, aber sehr genau gebohrt seyn müssen, hauptsächlich, wenn Kolben mit Metallliederung darin arbeiten sollen. Man kann ihn zur Bohrung von Cylindern bis auf 1 Fuß Durchmesser und mehr gebrauchen. Er bohrt äußerst genau und glatt, und polirt den Cylinder fast zugleich, so daß dieser wenig Schleifens nachher erfordert. Dabei kann man ihn in jeder großem Drehebank in Thätigkeit sezen, ohne besonderer Lehrmaschinen zu bedürfen.

Es ist weiter nichts als ein vergrößerter englischer Bit,89) der |177| schon lange in England im Gebrauch ist, und wird auch in Woolwich zum Kanonenbohren gebraucht, weil er einen vollkommen graben Gang liefert.90) Zur Ausführung meiner Dampfmaschinencylinder ist er ganz vorzüglich geeignet. Ich habe ihn in London zum ersten Male in der Maschinenwerkstätte des Herrn Cogger gesehen, wo mit ihm ein 6 zölliger Cylinder gebohrt wurde. Dieser gelang zur Bewunderung schön und war so genau durch denselben vollendet, daß ein Kolben mit Metallliederung nach meinem verbesserten Principe schon ohne Einschmirgeln in denselben fast vollkommen dicht arbeitete.

Ich habe diesen vortrefflichen Bohrer Fig. 21, 22, 23 und 24 vorgestellt. Fig. 21 zeigt seine Ansicht von der flachen; Fig. 22 von der runden Seite des Bohransazes; Fig. 23 seine Seiten- und Fig. 24 seine untere Endansicht. In allen Figuren bezeichnen gleiche Buchstaben gleiche Gegenstände. Sein Körper, a, ist bei größeren Exemplaren von Guß-, bei kleineren unter 4 Zoll von Schmiedeeisen.

An demselben sieht man unten bei, a, den halbcylindrischen Bohransaz, der in der Drehbank leicht und ohne besondere Genauigkeit, oder, wie man es zu nennen pflegt, nur verloren abgedreht wird. Um denselben in die Drehbank einsezen zu können, ist bei, b, ein Ansaz angegossen, der auf der flachen Seite des Bohransazes, und zwar am untern Rande desselben halbcylindrisch hervorragt, und in welchem der Centrepunct angebracht ist. Man sieht diesen Ansaz am deutlichsten in Fig. 4, wo, c, den Centrepunct, womit er in die Drehbank eingesezt wird, bezeichnet. Die flache Seite des halbcylindrischen Bohransazes ist so weit weggenommen, daß wenn die Bohrschneide, B, und der Führer, C, darauf geschroben sind, die äußere Fläche dieser beiden genau in die Durchmesserlinie des erstem zu liegen kommt. Die Fläche ist durch Feilen etwas planirt und gerichtet. Die Bohrschneide, B, sowohl als der Führer, C, sind stählerne Platten, bis zur Strohgelbhize temperirt, und jede derselben durch 3 bis 4 Schrauben auf der flachen Seite des Bohransazes befestiget. Die Bohrschneide ist unten an ihrer schneidenden Fläche, d, e, Fig. 1 etwas weniges abgeschrägt,91) so daß selbige bei, d, zuerst angreift, wenn mit dem Bohrer angebohrt wird. Die Fläche, d, e, schneidet ganz allein, indem der Seitenrand, d, f, an der |178| Bohrschneide sowohl als der Rand, g, h, am Führer, C, dem Bohrer bloß die Führung geben und poliren. An dem Winkel, d, kann man die Schneide auch etwas abrunden, wenn der Cylinder zuerst aus dem Rauhen gebohrt wird. Sie leidet dann nicht so sehr vom Gußsande, der die Wände des Cylinders bedekt. In der Mitte der hintern halbrunden Fläche des Bohransazes ist ein Falz angebracht, in welchen ein zweiter stählerner Führer, D, durch einen Keil, i, befestigt wird.

Um der Bohrschneide und beiden Führern, in Hinsicht ihrer leitenden Flächen oder Ränder, die gehörige Abrundung zu geben, kann man sie vor dem Abhärten an den Bohrer sezen und das Ganze auf der Drehbank abdrehen.

Beim Gebrauch des Bohrers kann man entweder den Cylinder fixiren und den Bohrer drehen, oder umgekehrt, wie es die Umstände heischen. Er bohrt so gut horizontal als vertical, und in lezterm Falle so gut von oben herunter als von unten hinauf. Da wo man ihn gegen den fixirten Cylinder spielen lassen will, wird man wohlthun, das Bohren vertical vorzunehmen. Bohrt man horizontal und dreht den Cylinder, so richtet man die Fläche des Bohransazes am liebsten nach oben, in allen Fällen gibt man dem Bohrer reichlich Oehl, damit die Führer, die sich mit großer Gewalt gegen die Wände des schon gebohrten Theils des Cylinders stemmen, keine zu starke Reibung verursachen, oder diese wohl gar beschädigen. Vor dem Ansezen des Bohrers dreht man allemahl den innern Rand des zu bohrenden Cylinders etwas konisch aus. Diese konische Vertiefung gibt dem Bohrer die erste Leitung. Ist er erst ein Stük in dem Cylinder eingedrungen, so bedarf er derselben nicht mehr, und man hat weiter nichts zu thun, als ihn fleißig gegen den Cylinder anzudrüken, indem man die in ihrer Doke befindliche Gegenspize der Drehbank gegen denselben schraubt.

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So nennt man in England die kleinern halbrunden Bohrer, deren Beschreibung Herr Gill in seinem technical Repertory, Septbr. 1825, S. 231 recht deutlich und genau geliefert hat. Eine Uebersezung dieser Beschreibung steht im polytechn. Journal, B, 19, S. 266.

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Sein Princip ist eigentlich das des Kanonenbohrers, den Rinman der berühmte Schwede, und Nordwall in seiner Theorie der Mechanik schon beschrieben haben. Dessen ungeachtet hielt man die Woolwicher Kanonenbohrer lange geheim.

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Die Abschrägung muß verschiedene Grade haben nach der Beschaffenheit des Metalles, was man bohrt. Daß der Grad derselben nicht getroffen sey, merkt man sogleich an einem unangenehmen und schädlichen Hoppern des Bohrers während der Arbeit.

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