Titel: Ternaux, über die Veredlung der Schafe in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. LVII. (S. 205–224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/ar030057

LVII. Etwas über die Veredlung der Schafe in Frankreich; von Hrn. G. L. Ternaux, d. ält.

Aus dem Recueil industriel, N. 14. S. 128, N. 15. S. 297. N 16. S. 21.

Unter allen Spinnmaterialien ist Wolle das älteste und das allgemeinste. Baumwolle ist zwar heut zu Tage beinahe eben so wichtig; allein Wolle hat vor derselben sowohl als vor dem Flachs und der Seide den Vorzug, man mag die daraus verfertigten Zeuge in Hinsicht auf Qualität, Wärme, Dauer, oder in Hinsicht auf die Menge Arme betrachten, die sich mit derselben beschäftigen;107) sie bietet die |206| größte Mannigfaltigkeit von Stoffen zu Kleidern für beide Geschlechter für jede Jahreszeit dar, und wetteifert mit den übrigen selbst in Anwendung auf Möbeln.

Sie nimmt besser wie jedes andere Spinnmaterial die mannigfaltigsten Farben an, und behält sie länger; sie ist nicht selten eben so schön, wie die übrigen Stoffe, aber stets bequemer und nüzlicher, nicht bloß in Bezug auf ihre Dauerhaftigkeit, sondern auch in Bezug auf Gesundheit; denn sie schüzt besser, als jedes andere Spinnmaterial gegen den Wechsel der Witterung und die Einflüsse der Jahreszeiten. Wollenstoffe werden daher von dem Bewohner des Südens, wie von dem Einwohner des Nordens gesucht.

Wenn sie zu Tuch verarbeitet wird, ist sie der beste Stoff zu Mannskleidern, und zu Zeugen verarbeitet, sie mögen glatt oder gekreuzt seyn, gibt sie leichte Stoffe zu Frauenzimmerkleidern, zu Mänteln, Röken, Schahls, sie liefert die sogenannten Merinos, und kluge Frauen kleiden sich in Wolle, weil sie länger dauert. Wer immer den Werth der Gesundheit zu schäzen weiß, und allenfalls im Stande ist, eine etwas größere Auslage zu machen, wird Wolle jedem anderen Stoffe vorziehen; und selbst der höhere Preis der Wollentücher und Zeuge fällt täglich mehr und mehr in dem Verhältnisse, als Industrie und Akerbau steigen, der in dem Dünger, welchen er durch die Schafe erhält, wieder neuen Aufschwung gewinnt.

Betrachtungen über den großen und allgemeinen Nuzen dieses Gegenstandes veranlaßten mich, mit Umgehung alles Anspruches auf Autorschaft und einzig und allein dem Wunsche huldigend, zur Förderung unseres Akerbaues und unserer Industrie etwas beitragen zu können, einige Beobachtungen bekannt zu machen, welche vierzigjährige Erfahrung über Wollenerzeugung und Wollenbearbeitung mich lehne. Der Aufsaz, den ich hier mittheile, darf nicht als eine vollendete Abhandlung über Schafzucht und Wollenmanufactur betrachtet werden, obschon er ziemlich lang ist; denn er würde in dieser Hinficht unter beiden Beziehungen höchst mangelhaft seyn.

Wenn ich dem französischen Landwirthe die Vortheile zeige, die er durch Verbesserung seiner Wolle erlangen kann, wenn ich ihm erkläre, wozu man dieselbe verwenden kann, wenn ich ihm die Klippen zeige, an welchen diejenigen scheiterten, die einen falschen Weg eingeschlagen haben, wenn ich anderen ähnliche Gefahren ersparen kann, wenn meine Beobachtungen andere veranlassen können, die Vortheile eines schlecht verstandenen und verderblichen Schlendrians abzuschütteln, |207| wenn ich endlich so glüklich bin, ein Mittel zur Förderung des Wohlstandes des Landmannes einzuführen, dessen Vortheile sich in mehreren Departementen unseres schönen Frankreichs (das aber noch immer mehr verschönert werden kann) auf eine so deutliche und segensvolle Weise zeigten; dann bin ich hinlänglich belohnt.

Ich habe so eben gezeigt, daß Wolle ein Artikel ist, der immer gesucht wird. Die Landwirthe können leicht begreifen, daß, abgesehen von den Vortheilen, welche ihnen die Schafzucht in Hinsicht auf Dünger und Fleisch gewährt, sie nicht den Muth verlieren dürfen, auch durch die Wolle höheren Gewinn zu erlangen. Wenn einige schlechte Jahre sie um einen Theil jenes Ertrages bringen, welchen der höhere Werth ihrer Wolle sie mit Recht erwarten ließ, so müssen sie ihre Aufmerksamkeit verdoppeln, um dafür Entschädigung zu erhalten Sie dürfen daher nicht vergessen, daß es hier auf zwei wesentliche Bedingungen ankommt: Gewicht und Qualität der Wolle; sie werden diese leztere Bedingung richtiger zu würdigen verstehen, wenn sie wissen, daß man die Wolle zu zwei ganz verschiedenen Zweken in den Wollenmanufacturen verwendet, die einander ganz und gar entgegengesezt sind, wie ich im VIII. Capitel zeigen werde.

Ehe ich zu dem Einzelnen übergehe, finde ich es nöthig, einige allgemeine Bemerkungen über die Schafzucht vorauszuschiken.

Im Akerbaue, wie im Fabrikwesen, ist die erste unerläßliche Bedingung, welcher man sich, man mag entweder den gewöhnlichen Gang gehen oder ein neues System ergreifen (wo sie noch dringender wird) mit der vollsten Hingebung unterziehen muß, diese Ausgaben und Einnahmen genau zu berechnen.

Es wäre überflüssig, hier diesen Grundsaz, der so alt ist als die Civilisation selbst, wieder aufzustellen, wenn man nicht täglich so viele Männer, und selbst diejenigen, die denselben am meisten im Munde führen und von seinem großen Nuzen sprechen, in der Anwendung denselben gänzlich vernachlässigen sähe. Mag nun die Schwierigkeit, die sich bei Feststellung einer genauen Basis der Rechnung zeigt, gegen welche die Schwierigkeit des Rechnens selbst nichts ist, mag Leichtsinn oder mag der Umstand, daß man sich so leicht hinreißen läßt, von seinen Ideen und zur Ausführung schreitet, ohne das wahrscheinliche oder unsichere Resultat seiner Projecte und Neuerungen vorläufig geprüft zu haben, die nur in dem Verhältnisse einfach erschienen, als man in seine Ideen mehr verliebt ist, oder mag was immer Ursache seyn; ich fand mein ganzes Leben über diese erste unerläßliche Bedingung, von welcher Leben und Tod einer jeden Unternehmung abhängt, so sehr vernachlässigt und vergessen, daß ich glaube, daran erinnern zu müssen, wo ich von der Schafzucht spreche.

|208|

Wie viele Landwirthe haben sich, vorzüglich in Frankreich, in dieser Hinsicht seit dreißig Jahren gröblich getäuscht! Wie viele Auslagen haben sie nicht zur Veredlung ihrer Herden gemacht, ohne dadurch etwas gewonnen, ja selbst dadurch sogar nur verloren zu haben! Wie viele andere, die dieser Verlust erschrekte, haben, ohne den Ursachen desselben nachzuspüren, aus Furcht, aus Faulheit, aus Gefälligkeit für den alten Schlendrian, aus Vorurtheil oder aas Eigensinn, alle Verbesserungen vernachlässigt, und widersezen sich jezt sogar noch dem Versuche, die Raßen zu kreuzen, wodurch sie und der Akerbau und die Industrie zugleich gewännen. Die Veredlung der Schafraßen in Frankreich ist allerdings sehr sichtbar; sie ist aber noch viel zu gering in Vergleichung mit demjenigen, was sie seyn könnte. Wie nothwendig. ist es also, auf die Ursachen aufmerksam zu machen, die diese Vervollkommnung hindern, und die Mittel zu zeigen, die sie befördern! Dieß will ich im folgenden Kapitel zu entwikeln versuchen.

I. Kapitel.
Bemerkungen über die Wahl des Bodens, der zur Schafzucht geeignet ist.

Wenn irgendwo Kenntniß des Bodens, den man zu einer gewissen Art von Ertrag bestimmt hat, eine der wichtigsten Bedingungen ist; wenn diese bei der Cultur jeder Art von Gewachsen, die man aus Samen zieht, oder dahin verpflanzt, vor Allem die Aufmerksamkeit des Landwirthes in Anspruch nehmen muß; so gilt dieß nicht minder von der Schafzucht, in welcher man wissen muß, welche Art von Schafen für diesen oder jenen Boden taugt.108) Wir haben die schönsten Herden dort zu Grunde gehen gesehen, wo andere trefflich gedeihen würden, und wir sehen dieß noch täglich.

Mancher Landwirth könnte seine Einnahme bedeutend vermehren, wenn er eine andere Raße halten würde, während ein anderer, wenn er diesem Beispiele folgte, dieselbe bedeutend vermindern würde: in beiden Fällen liegt die Ursache darin, daß man den Boden nicht gehörig oder gar nicht kannte. Dieser Unterschied zwischen Raßen und Raßen und Boden und Boden muß desto genauer bestimmt und gekannt seyn, als es in Frankreich auch nicht eine einzige Herde von der einheimischen Raße gibt, welche man nicht auf eine sehr vortheilhafte |209| Weise durch Kreuzung entweder mit langwolligen oder mit feinwolligen Schafen veredeln könnte: Alles hängt hier von einer solchen Auswahl ab, daß die Raße der Natur des Bodens und dem Futter, das derselbe erzeugt, angemessen ist, wie ich anderswo erwiesen habe.109)

Kein Güterbesizer und kein Pächter kann für sich oder für den Staat Gewinn erhalten, wenn er nicht eine der beiden großen Abtheilungen, in welche die Schafe zerfallen, veredelt, und nicht eine |210| solche Auswahl trifft, daß beide Abtheilungen rein von einander geschieden sind. Er muß entweder Merinos zu bekommen suchen, die die feinste Wolle (sogenannte superfeine Wolle) zu Tüchern liefern, und die spanischer Abkunft sind, deren schönste Musterraße Sachsen gegenwärtig auf den höchsten Grad von Vollkommenheit gebracht hat; oder er muß die starke langwollige Raße wählen, aus deren Wolle man Wollenzeuge verfertigt, und die wahrscheinlich abyssinischen oder afrikanischen Ursprunges ist, und von welcher die vollendetste Musterraße sich gegenwärtig in England befindet.

Man weiß heute zu Tage, daß, um Merinos von der feinsten Wolle leicht und mit Vortheil zu ziehen, man dieselben auf trokenem, etwas mageren Boden ziehen muß, wo sich feine gewürzhafte Kräuter auf künstlichen Wiesen110) finden; daß man sie in der schlechten Jahreszeit und bei anhaltendem Regen im Stalle halten muß. Es ist sehr zu zweifeln, daß man die langwolligen Schafe auf dieselbe Weise halten kann, wie die Merinos, obschon Daubenton,111) dessen Aussprüche stets alle Achtung verdienen, dieser Meinung ist. Die langwolligen Schafe haben Luft und Freiheit nöthig;112) sie brauchen stärkeres Futter, reichlichere Nahrung, selbst wenn sie etwas wässerig ist, wie Runkelrüben und Turneps.113) Diese Raße gewöhnt sich selbst an niedrige Wiesen in der Nahe des Strandes am Meere, an |211| Flüssen und Wäldern, wo diese Weiden, ohne gerade sumpfig zu seyn, doch immer nothwendig etwas feucht sind.114) In England, wo diese langwollige Raße nie in den Stall kommt, irrt sie frei auf den großen mit Heken durchschnittenen Weiden umher; frißt, wann und wie es ihr beliebt,115) und da sie nie von Schäfern oder Hunden genekt wird, so leitet sie ihr Instinct ihre Nahrung dann zu sich zu nehmen, wann die Zeit günstig und das Futter troken ist, während die Merinos, die der Schäfer auf die Weide treibt, von welchem sie bald langer bald kürzer auf derselben gelassen werden, in der Furcht bald wieder davon gejagt zu werden, anfangen zu fressen, auch wenn das Gras noch ganz vom Thaue naß ist. Wehe der Herde, die der Schäfer auf die Weide treibt, ehe der Thau vergangen ist, oder die er so lang auf derselben läßt, bis Abends wieder frischer Thau fällt.116)

Wenn ein Landwirth, ohne seine Lage und seine Weiden zu kennen und hinlänglich zu studiren, statt der einheimischen Raste Merinos mit superfeiner Wolle nimmt, und seine Gründe sind nur etwas feucht und seine Weiden fett, so wird auch seine Herde sehr bald fett, und von der Kachesie oder Fäulung und von ähnlichen Krankheiten angegriffen werden; er wird sie verlieren, und mit ihr den ganzen Aufwand, den er auf dieselbe gemacht hat; während er, wenn er, unter gleichen Verhältnissen, die starke langwollige Raße gewählt |212| hat, entweder die einheimische, oder noch besser die englische aus Leicester, Norfolk, Glocester oder Lincolnshire, diese Herde gedeihen, und ihm alle Vortheile gewähren wird, die er sich von derselben versprach. Wenn er aber im eutgegengesezten Falle diese langwolligen Schafe auf trokene Gründe stellte, wo das Futter spärlich, das Gras dünn und fein ist, wird seine Herde sichtbar abmagern, und er wird sie nicht unterhalten können. Statt daß er also bei seinem Wechsel gewonnen hat, wird er Schaden und Nachtheil gefunden haben. Wenn er Schafe von der feinen Raße wählt, wird er dieselben, da sie bei ihm ihre gehörige Nahrung finden, mit Vortheil aufziehen, und sowohl an der Schwere, als an der Qualität der Wolle, sehr bedeutenden Vortheil erhalten.117)

II. Kapitel.
Ueber die Quantität und Qualität der Nahrung.

Nachdem der Landwirth nach der Natur des Bodens, je nachdem dieser troken oder feucht, etwas mager oder fruchtbar ist, die Raße gewählt hat, die er mit dem höchsten Vortheile unterhalten kann, muß er dafür sorgen, die Raße, die er gewählt hat, mit den möglichst geringsten Kosten mit hinlänglicher Nahrung zu versehen, nicht bloß dadurch, daß er seine Felder so eintheilt, daß er die Zeit der Weide verlängern kann, ohne seinen übrigen Ernten zu schaden, sondern auch dann noch die Nahrung oder das Futter vermehren kann, wann seine Felder, mit Schnee oder mit Ernten bedekt, seine Schafe nicht mehr auf denselben weiden lassen118), oder |213| mit einem Worte, wann man genöthigt ist, die Schafe im Stalle oder unter Dach zu halten.

Es scheint mir überflüssig, die verschiedenen Futterkräuter für die Schafe hier aufzuführen; die Pächter kennen sie hinlänglich;119) ich lade sie aber ein, in dieser Hinsicht etwas mehr als sie gewöhnlich zu thun Pflegen, jene Schriften zu Rache zu ziehen, die diesen Gegenstande, wie man zu sagen pflegt, vom Grunde aus behandeln120) und durch praktische Erfahrung jenes Futter kennen zu lernen, das verhältnißmäßig |214| zum Umfange des Bodens, und zur Menge und Art dieses oder jenes Düngers am meisten Vortheil gewährt.

Während Stroh, Heu, Grummet etc. während des Winters für feinwollige Schafe hinlängliche und gute Nahrung gibt, taugen für die langwolligen Schafe Turneps, Runkelrüben, Erdäpfel und anderes starkes, fettes und etwas wässeriges Futter.121)

Diejenigen Nahrungsmittel also, bei welchen die feinwolligen Schafe kachektisch oder faul würden, taugen sehr gut für die langwolligen, und das Futter der ersteren; wäre für leztere zu mager.

III. Kapitel.
Ueber die verhältnißmäßige Menge Schafe, die man halten kann.

Ex nihilo nihil. Aus Nichts wird Nichts; ich will noch hinzusezen, daß aus der Betrachtung der Zersezung und Bildung der Körper so viel hervorgeht, daß aus Etwas immer Etwas wird.

Die Schafe liefern drei sehr verschiedene Producte: Dünger,122) |215| Fleisch und Wolle. Ich spreche nicht von Haut und Knochen, indem der Ertrag derselben so unbedeutend ist, daß ich glaube, denselben füglich übergehen zu können: wenn übrigens das Fell der englischen Schafe mehr Werth hat, weil es großer ist, so gilt dieß, verhältnißmäßig zur Nahrung, welche diese Schafe und die Merinos nöthig haben, noch mehr von der größeren Menge der Felle der lezteren; und in dieser Hinsicht kann man das Fell unter die Kategorie der beiden ersten Producte bringen. Ich betrachte auch die jungen Widder und Schafe nicht als Product; denn sie gehören zu dem Thiere selbst, und sind in dieser Hinsicht wichtig genug, um den Gegenstand eines eigenen Kapitels zu bilden.

Man kann nicht läugnen, daß ein englisches Schaf, oder ein Schaf von der großen Raße, mehr Dünger und Fleisch gibt, als ein sächsisches, oder ein Merinos von der kleineren; allein gibt jenes auch mehr oder nur eben so viel als dieses im Verhältnisse zur Menge der Nahrung, die es braucht?123) Dieß ist die wichtige Frage, die. man lösen muß, und die für viele practische und theoretische Landwirthe bereits gelöste zu seyn scheint, indem sie alle darin übereinkommen, daß die große Raße mehr Futter braucht,124) und die meisten |216| noch behaupten, daß dieses selbst in einem weit größeren Verhältnisse Statt hat; d.h., wenn man um zwei hundert Schafe von der größeren Raße eine bestimmte Zeit über zu nähren, 300 Ztr. Stroh oder Heu braucht, so wird man mit dieser Menge Futters während derselben Zeit 3 bis 400 Merinos oder sächsische Schafe von der kleinen Raße füttern können, und diese 3 bis 400 Stüke werden eben so viel und noch mehr Fleisch dem Gewichte nach, eben so viel und noch mehr Dünger geben, als die 200 Stüke von der größeren Raße. Man muß bei solchen Rechnungen von einer gemeinschaftlichen Basis ausgehen; denn es geht mit Schafen, wie mit Menschen; zuweilen essen kleine, immer magere125) Leute viel mehr als andere große und dike; es ist aber allgemeine Erfahrung, daß ein großes und starkes Individuum126) mehr ißt, als ein anderes von derselben Art, das kleiner ist. Wenn wir indessen annehmen, daß das Fleisch, ohne Hinsicht auf die Anzahl der Individuen im Verhältnisse zu der Menge des Futters steht, so haben vergleichende Berechnungen erwiesen, daß dasselbe 2 1/2 pC. beträgt; d.h., wenn das Thier 100 Pfund wiegt, wird es 2 1/2 Pfund Nahrung |217| brauchen; wenn es 150 Pfund wiegt, wird es 3 3/4 Pf. brauchen, und wenn es nur 80 Pf. wiegt, wird es nur 2 Pf. bedürfen. Diese Rechnung, die jeder Pächter bestätigen kann, ist bei der Wahl der Raße, die man ziehen will, äußerst wichtig, indem es erwiesen ist, daß das Fleisch weniger von der Menge der Nahrung, als von der Art des Thieres abhängt, welches dasselbe erzeugt, und daß die Menge Talges, welche das Thier verwendet, um fette lange Wolle zu liefern, eben so groß ist, als wenn dasselbe kurze feine krause Wolle erzeugt.

Hier ist nun der Ort zu untersuchen, ob es, wie einige Pächter behaupten, wahr ist, daß Merinos von der Raße mit superfeiner Wolle mehr Futter fordern, als inländische Schafe. Ich finde dieß nicht.127) Wenn einige behaupten, daß sie mehr brauchen, so versichern andere das Gegentheil, und unter den widersprechenden Behauptungen stimmen die meisten überein, daß kein besonderer Ueberschuß nothwendig ist, und daß beide gleichviel brauchen. Um die Sache gehörig zu beurtheilen, wollen wir sehen, woher dieses Vorurtheil entstand.

Der außerordentlich hohe Preis der Merinos, vorzüglich bei den ersten Versuchen, die man damit anstellte, veranlaßte die Besizer derselben, diese Thiere reichlicher und besser zu füttern, als die einheimischen Schafe. Die Menge Futters, die man ihnen mehr gegeben hat, hing auf der einen Seite von dem höheren Werthe ab, den man auf dieselben legte, und von dem Bestreben sie desto sicherer gesund zu erhalten; auf der anderen Seite aber von dem Wunsche mehr Wolle zu erlangen, ohne daß man sich übrigens durch Erfahrung überzeugt hätte, ob dieses Mittel auch wirklich nothwendig, nüzlich und vortheilhaft ist. Erst nach einer langen Reihe von Beobachtungen und Versuchen gelangte man zu der Ueberzeugung, daß in jenen Jahren, wo die Herden sich nur schlecht nähren konnten, die Wolle feiner und leichter zu spinnen war, als in denjenigen, wo ein milder Winter und fettere Weiden denselben reichlichere Nahrung gaben. Man weiß ferner, daß ein krankes Schaf eine weit schlechtere Wolle liefert;128) daß aber diese Wolle feiner und leichter zu verarbeiten ist, als die Wolle von demselben Thiere, so lang es gesund war: als Fabrikant hatte ich Gelegenheit, |218| mich von der Wahrheit dieser Thatsache zu überzeugen, und sie zu bestätigen.

Eine zweite Ursache, aus welcher man ohne allen Grund glauben konnte, daß die Merinos eine reichlichere Nahrung als die einheimischen Schafe fordern, war diese, daß viele, ja beinahe alle Schafwirthe die Kreuzungen ihrer Merinos so anlegten, daß sie Thiere von dem stärksten und größten Schlage dadurch erhielten, ohne zu bedenken oder auch nur zu ahnen, daß die Feinheit der Wolle bis auf einen gewissen Grad mit der Stärke des Wuchses des Thieres unvereinbar ist.129) Ich könnte zwanzig Herden in den Departements der Oise und der Seine und Marne anführen, deren Wolle bei mir als Wolle erster Classe galt, die 2 Franken das Pfund im Fette bezahlt wurde, und die nach einigen Jahren in die dritte Classe kam, und nur mehr 1 Franken 50 Cent, oder 25 pC. weniger gegolten hat. Das Fleisch war in der That reichlicher, wog aber nur 25 pC. mehr. Hieraus folgt, daß die Schafwirthe besser gethan hätten, wenn sie, statt auf höhere Thiere zu sehen, gesucht hätten zu bestimmen, wie viel sie Schafe möglicher Weise halten können. Sie hätten dieselbe Menge Düngers und Fleisches für dieselbe äquivalente Menge Futters erzielt, und dabei viel feinere Wolle von einem weit höheren Preise erhalten.

Man muß auch dafür sorgen, daß die Schafe nur eine solche Nahrung erhalten, die ihren Dauungskräften angemessen ist, und dieses leztere mehr als die Menge derselben berücksichtigen: das Thier ist kein Vielfraß wie der Mensch, und frißt nur so viel, als es nöthig hat; wenn ihm eine Art von Nahrung fehlt, ist es gezwungen, eine andere zu suchen, von der es weniger Vortheil zieht, und die ihm schädlich seyn kann.

IV. Kapitel.
Ueber die Bildung und Eigenschaft der Wolle.

Man weiß aus der Theorie, daß, um Knochen zu bilden, den |219| dichtesten und festesten Theil des thierischen Körpers, mehr Zeit und mehr Masse von Nahrungsstoff nothwendig ist, als um Fleisch und Fett zu erzeugen. Man hat hier ein Verhältniß von 1 zu 100 aufgestellt: ich überlasse es aber der Physiologie und der Osteologie, dieses Verhältniß weiter zu commentiren. Es genügt auf eine Thatsache aufmerksam zu machen, die unwandelbar zu seyn scheint, und diese ist, daß Hornbildung ein Anfang und Verknöcherung ist. Hieraus folgt, daß mehr Talg nöthig ist, um eine Faser grober Wolle zu bilden, an welcher die Hornmasse oder Röhre diker ist, als um zwei oder vielleicht drei solche dünnere und feinere Röhren zu bilden. Wenn man eine Wollenfaser mit dem Mikroskope untersucht,130) so sieht man sehr bald, daß sie eine Röhre bildet, in welche die Ausdünstung oder der Talg des Thieres einsikert;131) daß dieser Talg durch die Wärme an das Ende der Röhre getrieben wird, und daß er aus dem flüssigen Zustande in einen festen oder beinartigen übergeht, wann er mit der Luft in Berührung kommt. Hieraus läßt sich schließen, daß die Wolle desto mehr Stärke, Elasticität und Festigkeit bekommt, je mehr das Thier der freien Luft ausgesezt ist, wie bei den englischen Raßen, so wie sie im Gegentheile weicher, feiner und markiger wird, wenn man das Thier wie die sächsischen Merinos im Stalle füttert.

Außer dem Unterschiede, der sich in dieser Hinsicht zwischen den langwolligen englischen Raßen und den feinwolligen Merinos zeigt, hat |220| bei lezteren noch ein anderer sehr deutlicher Unterschied Statt. Obschon von gleicher Abkunft, hat die spanische Wolle eben so viel Stärke und Elasticität als die sächsische Zartheit und Weichheit, was wahrscheinlich davon herkommt, daß, abgesehen, daß die spanischen Merinos in freier Luft gezogen werden, die Hize des Tages unter dem brennenden spanischen Himmel mit der Kühle der Nacht sehr stark und schnell wechselt; folglich die Verknöcherung, oder wenn man so sagen darf, die Verhornung sich schneller durch den raschen Uebergang von der Kälte zur Wärme ausbildet, die Kettenglieder, aus welchen die Wollenfaser besteht, gedrängter und mehr elastisch werden, als bei der Electoralraße, die in ihrem Stalle immer dieselbe Temperatur genießt. Ich muß noch bemerken, daß die Wollenfaser an der weichen Wolle der nördlichen Merinos sich immer in eine feinere Spize endet, als an der elastischen Wolle der Merinos des Südens.

V. Kapitel.
Von der Wohnung der Schafe.

Wenn der Schafstall in unserem Klima bei rauhen Wintern nüzlich und nothwendig ist, sowohl wegen der Sicherheit, als wegen der Erhaltung der zarteren Schafe mit feiner Wolle; so taugt er für die langwolligen Schafe von der englischen Raße durchaus nicht, die beständig in freier Luft gehalten, dadurch nur desto starker und kräftiger werden, und desto bessere Kammwolle geben. Es ist eine bleibende Thatsache, daß der Schafstall der Güte der langen Wolle schadet, nicht bloß dadurch, daß er ihr Weiße und Glanz benimmt, sondern auch dadurch, daß er sie weich und mürbe macht, und ihr einen Theil ihres Glanzes benimmt. Um der langen Wolle diese Eigenschaften zu erhalten, muß man die Schafe, die sie tragen, entweder bloß unter Schuppen halten, oder wie man es in England thut,132) Tag und Nacht das ganze Jahr über unter freiem Himmel lassen, wodurch man nicht bloß die Schafstalle erspart, sondern auch den Hirten, der gewöhnlich 3 Franken für das Stük kostet, und eine der stärksten Ausgaben ist, die man bei der Schafzucht hat. Ein anderer Vortheil, |221| der dadurch entsteht, daß man diese Thiere auf Weiden, die mit Heken eingeschlossen sind,133) hält, besteht darin, daß man nichts von ihrem kostbaren Dünger verliert. Man darf nicht vergessen, daß das Schaf seinen Mist gewöhnlich beim Austreiben aus dem Stalle und beim Eintreiben also auf dem Wege fallen läßt, wo er gänzlich verloren ist. Man kann ferner nie genug empfehlen, den Schafstallen eben in der Höhe so viel Luft, als möglich zu geben. Eine Oeffnung von 6 Zoll Breite im ganzen Umfange des Stalles scheint mir die beste Vorrichtung in dieser Absicht zu seyn; man erspart dadurch die Fenster, die Fensterläden, und ich befinde mich in meinen Stallen, die ich vor 9 Jahren zu St. Oven auf diese Weise bauen ließ, sehr gut.134)Fremde und Landwirthe, die diese Ställe sahen, waren erstaunt, die Schafe in denselben nicht mehr eingesperrt zu sehen. Man darf ferner nicht vergessen, daß ein solcher Stall, dessen Bau sehr wohlfeil ist, bei sehr strengen Wintern noch immer erlaubt, diese Oeffnung mit grober Leinwand oder mit Matten, oder selbst mit Strohbündeln, die man in der Folge in die Raufe hinabwerfen kann, zu verschließen. Allein, wenn der Stall auch noch so gut ist, so wird es immer besser seyn, so bald und so lang es nur immer die Witterung erlaubt, die Schafe im Freien zu halten, zu |222| pferchen. Ich bin überzeugt, daß die Engländer dadurch den größten Vortheil erhalten, daß sie ihre Schafe auf einer geschlossenen Weide sich selbst überlassen.

In Sachsen, wo die feine Wolle sehr gesucht ist, sorgt man im Gegentheile eben so sehr dafür, die Schafe so lang als möglich im Stalle zu halten, wie man in England dafür sorgt, sie das ganze Jahr über im Freien zu haben. Man befolgt in Frankreich ein Mittelsystem, das seine Vortheile und seine Nachtheile hat; die Folgen hiervon müssen nach den Verhältnissen des Ortes, den man bewohnt, und nach der Art der Schafe, die man zieht, abgewogen werden. Ich muß indessen hier bemerken, daß anstekende Krankheiten unter den Schafen im Freien weit weniger Verheerungen anrichten als im Stalle, vorzüglich die Raude.135)

VI. Kapitel.
Ueber den Ertrag der Schafe in Hinsicht auf ihren Nachwuchs.

Man mag das Fließ eines Schafes mit feiner sächsischer Wolle oder eines Schafes mit langer englischer Wolle als Haupt- oder Nebenertrag |223| neben jenem des Fleisches und Düngers betrachten, so bleibt immer so viel gewiß, daß der Ertrag, den man durch die Vermehrung der Schafe, durch den Nachwuchs erhält, welchen man in einem Lande verkaufen kann, wo noch alles zu veredeln ist, höchst bedeutend seyn muß, unbedeutend aber, wenn man ihn in einem Lande verkaufen muß, wo die meisten Herden schon einen solchen Grad von Vollkommenheit erreicht haben, daß wenig Hoffnung übrig bleibt, auserlesene Stüke an Mann bringen zu können; diese müssen also gemastet und den Weg alles Fleisches zu dem Mezger nehmen. Hieraus folgt, daß jene Landwirthe, die die ersten in Veredlung ihrer Herden136)in Ländern oder Gegenden sind, wo noch keine Verbesserung an den Herden Statt hatte, einen weit größeren Vortheil von ihren Schafen ziehen, indem sie ihren Nachwuchs besser verkaufen können. Eigennuz siegt mit Hülfe der Zeit über alle Vorurtheile. Der Bauer, über welchen die trefflichsten Schriften, die schönsten Worte nichts vermögen, fängt am Ende doch an, die Augen aufzuthun, wenn er sieht, daß sein Nachbar, der sich in gleicher Lage mit ihm befindet, mehr Ertrag von seiner Wirthschaft hat, als er, und daß er diesen Ertrag sich auch verschaffen könnte.137)Das Beispiel |224| wirkt unter solchen Umständen auf eine höchst entscheidende Weise; es ist so zu sagen das Einzige, das etwas zu wirken vermag. Der Bauer wird endlich einsehen, daß er für feine Wolle mehr erhält, als für grobe, wie wir im folgenden Kapitel zeigen werden.

VII. Kapitel.
Ueber den Ertrag des Fließes oder der Wolle der Schafe.

Mit Ausnahme des Fließes der englischen Schafe, die eine eigene Kategorie bilden, ist so viel gewiß, daß ein Fließ von einer reinen Raße immer mehr gilt als ein Fließ von einer gewöhnlichen, schon wegen der Schwere allein, die immer größer seyn wird. Um sich hiervon zu überzeugen, darf man nur bedenken, daß ein Fließ von der gemeinen französischen Raße nie mehr als 5 Pf. oder 2 1/2 Kilogramm wiegt, daß viele nur 3 Pf., ja selbst nur 1 Kilogramm und noch weniger wiegen, während im Gegentheile es keinen Blendling gibt, der nicht schon nach der ersten Kreuzung 6 Pf. oder 3 Kilogramme lieferte, und daß weit häufiger noch das Fließ 8 Pf. oder 4 Kilogramm wiegt. Diese Beobachtung habe ich während mehrerer Jahre an mehr als 30 oder 40,000 Fließen jeder Raße gemacht, die bei mir zu St. Oven gewaschen wurden.

Aus dieser Thatsache erhellt demnach, daß wenn der Preiß der feinen Wolle nicht schon an und für sich höher wäre, als jener der gemeinen, man schon in Hinsicht auf das Gewicht allein einen bedeutenden Vortheil bei Veredlung der Raße haben würde. Nun ist es aber gewiß, daß feine Wolle immer theurer verkauft wird, als die gemeine grobe, und zwar im Verhältnisse ihrer Feinheit.

(Die Fortsezung folgt.)

|205|

Nach Dupin's Petit-Producteur verarbeitete Frankreich im J. 1812 |206| nur 35 Millionen Kilogramm Wolle; gegenwärtig verarbeitet es 42 Millionen, und noch 8 Millionen ausländische. Im J. 1812 spann es nur 10,362,000 Kilogramm Baumwolle; gegenwärtig spinnt es 28 Millionen. A. d. Ueb.

|208|

Vergl. die Bemerkungen, die in der Sizung der Société d'Encouragement am 30. März 1825 vorgetragen, und in N. 248 des Bulletin dieser Gesellschaft abgedrukt wurden. (Diese Note und die folgenden sind von Hrn. Ternaux. Sie erläutern seine Ansichten über Landwirthschaft und Manufactur, und lassen uns einige Vorschläge erkennen, die er der Regierung unter dem Ministerium des Herzogs von Richelieu vorlegte. A. d. O.)

|209|

Als der Herzog v. Richelieu Präsident des Ministerrathes war, lud ich ihn ein in den Veterinär- und Oekonomieschulen drei gehörig unterrichtete Individuen auszuwählen, und jedes Jahr in einem oder in mehreren Departementen unter der Aufsicht eines erfahrenen Mannes, der Theorie mit Praxis verbindet, reisen zu lassen. Acht Monate im Jahre über könnten sie mit einander zu Fuß eine Gemeinde nach der anderen durchwandern, und hierbei mit den Katastrirten anfangen. Nachdem diese drei Individuen den Boden mit Aufmerksamkeit studirt hätten, könnten sie in einem bei dem Maire niedergelegten Register ihre beifälligen oder kritischen Bemerkungen über die Art der Cultur, die jeder Pächter oder Eigenthümer befolgt, niederschreiben, und ihren Rath beifügen, wie jeder von seinem Grund und Boden entweder durch reichlicheren Dünger, durch Wechsel der Samen, durch Viehzucht mit Auswahl der Art des Viehes nach den Verhältnissen der Lage und mit Angabe der Zahl der zu haltenden Stüke etc. höheren Ertrag erlangen kann. Man wird allerdings nicht erwarten dürfen, daß jeder Landwirth den Rath dieser reisenden Akerbaucommission befolgt; wären aber in jeder Gemeinde nur zwei oder drei, die denselben befolgten, so wäre der Staat schon dadurch für die geringen Auslagen entschädigt, die eine solche Anstalt kostete, und in dem Maße, als die übrigen Landwirthe sähen, daß ihre Nachbarn durch Befolgung des gegebenen Rathes sich besser stehen, würden sie dieselben nachahmen, zum Maire gehen und dort das Register einsehen, und auf diese Weise gleichfalls von demselben Vortheil ziehen.

Man kann sich wohl denken, daß die Mitglieder dieser Commission ihren Rath in dieses Register mit desto mehr Ueberlegung, Umsicht und Klarheit niederschreiben würden, als ihre Ehre, ihr Ruf, ihre Zukunft zum Theile davon abhängt. Es müßte jedem Landwirthe, der diese Rathschläge befolgt hat, erlaubt seyn, seine mit seinem Namen unterzeichnete Erklärung beizufügen, ob er sich gut oder schlecht dabei befunden hat. Nach einigen Jahren könnte dieselbe Commission, ganz oder in einzelnen Individuen, an diese Orte zurükkehren, und daselbst das Lob oder den Tadel der Landwirthe empfangen, die ihre Nachschlage befolgten, so daß diese Rükkehr Belohnung oder Strafe seyn würde. Wenn diese jungen Leute die Probe bestanden und einen verdienten Ruf erlangt haben, könnte man sie zu Vorständen solcher Commissionen befördern.

Man begreift, daß das Gelingen einer solchen Maßregel einzig und allein von der Auswahl solcher Leute abhängt, die im Stande sind, dieselbe auszuführen; wenn sie das sind, was sie seyn sollen, so ist das Gute, was sie erzeugen können, über alles Verhältniß gegen die Kosten, welche sie verursachen können. Man kann sich anfangs bloß auf eine Gemeinde beschränken, und diesen Versuch erst dann vervielfältigen, nachdem man die Vortheile desselben klar vor Augen liegen hat.

Dem Herzoge gefiel diese Idee; er würde sie gewiß, so wie viele andere, die ich ihm mittheilte, ausgeführt haben, wenn nicht Politik und Tod ihn seinem Vaterlande entrissen hätten, dem er durch seine Redlichkeit und durch seine Sorgfalt für das allgemeine Beste theuer geworden ist. A. d. O. (Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir, ohne von dieser Idee des Hrn. Ternaux etwas zu wissen, ambulirende Lehrer der Landwirthschaft und der wichtigeren Zweige der Gewerbskunde für das Land vorgeschlagen haben in den ersten Bänden des polyt. Journales. A. d. U.)

|210|

Die Gründe, die am höchsten liegen, am meisten abschüssig sind, am leichtesten und am trokensten sind, sind auch die besten für Schafweiden. Daubenton, Instruction pour les bergers. 5 Édit. p. 143.

Man muß die Merinos auf keinem anderen Boden ziehen, als auf sehr gesundem; diejenigen Gründe, welche Abhänge bilden, sind immer die besten; das Futter ist auf denselben kurz, dünn, aber kräftig, und taugt für die Constitution des Schafes, die weich und schlaff ist. (Gilbert, instruction sur les moyens les plus propres à assurer la propagation des bêtes à laine de race d'Espagne p. 25.)

Es ist nicht zu zweifeln, daß in bergigen Gegenden, und in den Ebenen auf trokenem, kreidigen, sandigen Boden die Schafzucht gelingen muß. Wo die Gründe aus Thal und Hügel bestehen, sind sie noch besser, indem man nach Witterung und Jahreszeit die Schafe von einem Orte auf den anderen treiben kann. ( Teissier instruction sur les bêtes à laine. p. 30)

Leichter, steiniger, trokener, luftiger Boden, hohe Hügelrüken, die gegen Morgen liegen, sind die Gründe, auf welchen die Merinos am besten gedeihen, am wenigsten krank werden, und die feinste Wolle liefern. ( Lullin, Observations sur les bêtes à laine. p. 9.) A. d. O.

|210|

Man vergleiche seine Instruction vom Jahre 1767. 5. Ausg. S. 287.) A. d. O.

|210|

Eben dieß brauchen auch die Merinos, die nur darum in Spanien noch besser sind, als in Sachsen, weil sie in Spanien Sommer und Winter und Tag und Nacht im Freien gehalten werden können. Merinos in Spanien in Ställen gehalten, werden so schlecht; wie bei uns. A. d. Ueb.

|210|

Alle Gegenden in Frankreich, die feuchte Weiden haben, wo das Futter im Ueberflusse hervorschießt, taugen für die englischen Schafe; diese werden auf denselben gedeihen, wenn man nur dafür sorgt, daß sie nicht auf sumpfige Stellen, Moore (in Bayern Möser) gerathen. (Perrault de Jotémps, 3. Bulletin de la Société d'amélioration des laines. p. 24) A. d. O.

|211|

Die Nachbarschaft des Meeres und die großen Sümpfe gewähren Vortheile, die man gegenwärtig zu wenig benüzt.

Wir empfehlen auch, als die beste Lage für diese Raße, Weiden in der Nähe großer Wälder.

Wenn man in verschiedenen Richtungen Wege von 30 bis 40 Meter Breite in gerader Linie durch Wälder schlägt, die in Ebenen liegen, und in sanftem Abhange in Bergwäldern, so werden die Forstbesizer zugleich schöneres Holz und gute Weidepläze erhalten, und es wird möglich seyn, die Wölfe auszurotten, die in waldigen Gegenden Hausen. ( Cordier, Notice sur l'importation et l'éducation des moutons à longue laine. p. 47, 48) A. d. O. (Forstcultur erlaubt das Treiben der Herden in Wälder nimmermehr. A. d. Ueb.)

|211|

Die Leute, die in England gewesen sind, und die Schriftsteller, die über die Anzucht der langwolligen Schafe in England geschrieben haben, stimmen alle in ihren Aeußerungen dahin überein, daß diese Thiere in England beständig der Witterung bloß gestellt sind, und in einer Art von Naturzustand leben. A. d. O.

|211|

Man fürchtet in England die Nachtheile des Thaues für die Herden nicht so, wie in Frankreich, obschon unsere ausgezeichnetsten Landwirthe alle darin übereinstimmen, daß der Thau den Schafen schädlich ist, und dieselben, kachektisch macht. Man muß zwischen Schafen unterscheiden, die in den Stall getrieben werden, und zwischen jenen, die Tag und Nacht über im Freien bleiben, wo sie die ihnen nothwendige Nahrung finden, und jeden Augenblik fressen können. Solche Schafe haben nie wahren Hunger, während die anderen, die nach der verschiedenen Jahreszeit 12 bis 16 Stunden lang eingesperrt sind, sich mit Heißhunger auf das bethaute Kutter werfen, und dadurch unvermeidlich faul werden. Wenn man die englischen Schafe bei der Nacht pferchen oder in Stalle sperren würde, würden sie derselben Krankheit unterworfen seyn. Man muß also in gewissen Fällen die englische, und in anderen die französische Methode befolgen. ( Flandrin, observations sur les moutons de l'Angleterre, p. 33–34) A. d. O.

|212|

Die Weiden haben auch sehr großen Einfluß auf die Wolle. Ein neues Beispiel gibt uns der berühmte Thaer im Wollenvereine, Leipzig 1823, dessen Präsident er ist. Dieses Werk enthält die Beobachtungen der berühmtesten Landwirthe und Fabrikanten Deutschlands über die Merinos der sogenannten Electoralraße.

„Es gibt in Sachsen zwei Güter, die demselben Eigenthümer gehören, und bloß durch Berg und Thal getrennt sind. Der Berg, sehr warmer Boden, ist fruchtbar und dem Kleebau (dem rothen Klee) günstig. Wiesen und Weiden sind herrlich. Der Boden des anderen Gutes hingegen ist kalt, arm, thonig; Wiesen und Weiden tragen nur kurzes, mageres, hartes Futter; sie haben keinen Klee. Die Schaft befinden sich auf jedem Gute gleich gut; allein die Wolle hat auf den Individuen von gleicher Feinheit einen bedeutenden Unterschied erlitten. Auf dem ersteren Gute ist sie weit weicher und sanfter, auf dem anderen rauher und spröder. Man hat öfters die Schafe aus einem Gute in das andere getrieben, und die Wolle hat jedes Mahl gewechselt.“*)

*) Es wäre sehr zu wünschen, daß man uns auch gesagt hätte, ob nach angestellten Proben der Grad der Feinheit und die Schwere des Fließes dieselbe geblieben ist; denn nach unserer Ansicht müßte die Wolle auf dem besseren Boden etwas reichlicher, aber weniger fein ausgefallen seyn. A. d. O.

|212|

Herr Dailly, Besizer einer Herde von 5–600 Merinos, hat Herrn Ternaux eine Berechnung der Nahrung seiner Herde mitgetheilt, und denselben berechtigt, sie bekannt zu machen. Die Ordnung, die er auf seinem Pachtgute |213| de Trappes einführte, erlaubte ihm, sich über den Bedarf eines ganzen Jahres in Gewißheit zu sezen. Nach sehr genauer Rechnung ergab sich die Auslage für die erste Herde, bestehend aus Mutterschafen, für jedes Schaf während 24 Stunden zu 256/100 Centimen; mit Inbegriff der jungen Lämmer vom 5. November, der Wurfzeit, bis zum 20. April, wo die jungen Lämmer die zweite Herde bilden. Bei dieser zweiten Herde kommt jedes junge Schaf während 24 Stunden auf 134/100 (Man vergleiche die Note am Ende dieses Aufsazes.)

In dieser Rechnung sind die Auslagen für Gebäude und Hütung nicht mit begriffen.

A. d. O.

|213|

Der Preis, den der Landwirth jährlich oder alle 6–7 Jahre, wann er seine Schafe verkauft, für seine Wolle erhält, mag wie immer stehen, so bleibt stets so viel gewiß, daß der Nuzen, den er von der Anzucht seiner Schafe erhält, mehr oder minder von der Leichtigkeit abhängt, mit welcher er dieselben futtert, und von dem Wirtschaftssysteme, das er befolgt.

Man kann nicht läugnen, daß die wohlfeilste Weise Schafe zu halten diese ist, daß man sie so lang als möglich auf der Weide hält, und nur dann im Stalle füttert, wenn man sie wegen Regens, Schnees, großer Kälte, oder weil die Felder mit der Ernte bedekt sind, nicht austreiben kann. Ich weiß aus Erfahrung, wie gut es ist, seinen Feldbau so einzurichten, daß man zu jenen Zeiten im Jahre seinen Bedarf am Futter hat, wo die Schafe nicht im Freien gehalten werden können, und vorzüglich im Anfange des Frühlinges. Außer den künstlichen Wiesen und der Luzerne, die in jeder Jahreszeit die größte Hülfe gewähren, ist Roggen und Hafer, grün gefüttert, das beste, was man bauen kann, und was ich allem Uebrigen vorziehe; man hat dann, wann die Vegetation in voller Thätigkeit ist, an 15 Morgen (Arpens) genug, um eine Herde von 250 bis 300 Stäken bis zur Hereinfuhr zu nähren. Ich lasse dann umbrechen, und baue Erdäpfel, Runkelrüben oder Turneps, ein treffliches Winterfutter für alle Arten von Hausthieren.

Man wird aus der Uebersicht des Futterverbrauches der Herden des Herrn Dailly, welches ich unten mittheile, ersehen, wie sehr man auf diese Weise die Futterkosten zu dieser Jahreszeit ersparen kann.

Folgende Beobachtungen, von deutschen Landwirthen, können auch von den unserigen mit Vortheil berüksichtigt werden.

„Schafe, die mit Heu gefüttert werden, geben dem Auge nach weit mehr, als Schafe, die mit anderem Futter unterhalten wurden; die Wolle ist aber nicht so schwer.“

„Bei gleichem Gewichte ist trokener Klee nicht so reich an Nahrungsstoff als Heu; man kann sich an dem Umfange der ersteren täuschen.“

„Man ist von dem Irrthume zurükgekommen, daß rohe Erdäpfel den Schafen schädlich sind, mit Stroh und etwas Heu gemischt, sind sie ein gutes Winterfutter und schaden der Wolle durchaus nicht. Der Rükstand von Erdäpfelbrantwein kann gleichfalls als Futter verwendet werden.“ Wollenverein 1823. A. d. O.

|213|

Als das beste Werk dieser Art können wir den Landwirthen empfehlen, der Hortus gramineus woburnensis, or an account of the results of various |214| Experiments on the produce and fattening properties of different grasses, and other plants, used as the food of the more valuable domestic Animals instituted by John Duke of Bedford. By G. Sinclair, F. L. S. and F. H. S. Gardener to the Duke of Bedford. 2. edition. London 1825. 2 Pf. 2 Sh. (Deutsch bei Cotta.) Da Gras immer das beste, gesündeste und natürlichste Futter für die Hausthiere ist, so wird das Studium der Naturgeschichte der Gräser für den Landwirth unentbehrlich. Dieser Theil der Botanik ist aber gerade einer der schwierigsten in dieser sonst so angenehmen Wissenschaft. Nur wenige Landwirthe werden sich Schreber's und Hort's Gräser, Palisot de Beauvois und Trinius Werke über dieselben, und Ehrhart's und Weih's und Hoppe's Herbarien beilegen können. Die vollständigste Aufzählung aller bisher bekannten Gräser findet sich in Linnaei Systema Vegetabilium edit. Römer et Schultes T. II. Mantiss. II., die wir den minder bemittelten Landwirthen nicht genug empfehlen können.

A. d. Ueb.

|214|

Rüden oder Turneps mit etwas Heu bilden so zu sagen das einzige Winterfutter der englischen Herden. Man baut sie in England so häufig und in solchem Umfange, daß man deren mehr hat als man braucht, und den Ueberfluß zur Mästung verwenden kann.“ Flandrin a. a. O. S. 35. 36.

A. d. O.

|214|

Teissier unterstüzt in einer Note, in welcher er das Théatre d'Agriculture d'Olivier de Serres mit unseren gegenwärtigen landwirthschaftlichen Kenntnissen vergleicht, die Meinung jenes großen Oekonomen über den Dünger, indem er sagt:

„Wenn man unsere Hausthiere nur in Bezug auf den Dünger betrachtet, den sie liefern, so werden sie von der höchsten Wichtigkeit. Ohne Dünger kein Akerbau; dieß bleibt eine unbestreitbare Wahrheit;*) man mag was immer für ein System im Feldbaue befolgen, so kann man Vermehrung der Hausthiere bei demselben nicht genug empfehlen. Wenn man zu diesem unschäzbaren Vortheile noch den inneren Werth dieser Thiere und die übrigen Producte rechnet, die sie liefern, so wird man die Nothwendigkeit fühlen, daß der Landwirth sich vor Allem mit Aufsindung von Mitteln beschäftigen muß, diese Thiere zu nähren und zu unterhalten. Unter diesen Mitteln ist die natürliche Pferche das gewöhnlichste.“

Das Pferchen der Hausthiere, und vorzüglich der Schafe ist von hoher Wichtigkeit auf einem Landguts; man erspart nicht bloß das Fuhrlohn, sondern auch den |215| Verlust des Düngers während des Aufladens und Verfahrens desselben auf das Feld. Kluge Güterbesizer sorgen gewöhnlich auch dafür, daß in ihren Verträgen mit den Pächtern als ausdrükliche Bedingung die Forderung aufgestellt wird: daß der Pächter eine gewisse, dem Umfange der Felder angemessene Zahl von Schafen auf seinem Pachtgute halten müsse.

Die Alten (d.i. die alten Heiden, nicht die alten Bonifacier des Mittelalters) waren so sehr von der Wichtigkeit des Düngers überzeugt, daß sie eine Gottheit als Beschüzer des Düngers verehrten (Pitumnus, Sterquilinus, Stercutus), und man darf auch in unseren christlichen Zeiten nicht zweifeln, daß der blühende Akerbau Englands und des alten Flanderns großen Theils der starken Viehzucht in diesen Ländern und dem Dünger aller Art zuzuschreiben ist, welchen die Pächter daselbst anwenden können.

A. d. O.

*) Ueber die neulich ein großer Mann, der ein kleiner Oekonom ist, ein dikes Werk schrieb, das sehr mager ist.

A. d. Ueb.

|215|

Ein Schaf von mittlerer Größe wird ehe fett, als ein anderes, das sehr groß gewachsen ist. Je verkrüppelter ein Schaf ist, desto weniger wird es auf was immer für einer Weide gedeihen. Diese Thatsache hat Bakewell zu Dishley, wo er mehrere Raßen zusammenstellte, um sich hiervon zu überzeugen, erwiesen. (Arthur Young, Cultivateur anglais. T. XIV. p. 401. Alle Thiere, die kleine Knochen haben, werden ehe fett, als die Grobbeinigen. Ebendas. A. d. O.

|215|

Dieß ist vollkommen richtig: man würde sich aber irren, wenn man glaubt, daß die englischen Schafe mehr Futter brauchen, als die Schafe in der Picardie und in Flandern, die auch zur großen Raße gehören. Da sie besser gebaut sind, fressen sie weniger und gedeihen desto besser, zumahl, wenn man sie bei ihrer Gewohnheit, d.h. in einem eingeschlossenen Felde in Freiheit läßt, wo sie nach Belieben fressen und ruhen können. Man hat den Versuch in der Fasanerie zu Moulineaux bei Versailles angestellt, einem kleinen Pachtgute, das jeder sich zum Muster nehmen mag, der langwollige Schafe ziehen will. Der Eigenthümer, ein unterrichteter Mann und scharfsinniger Beobachter, stellte flandrische und picardsche Schafe bei sich ein, für den Fall, daß einige seiner englischen Mutterschafe zwei |216| Lämmer würfen, und zu schwach wären, sie zu ernähren. Diese Vorsicht wurde gerechtfertigt. Man fand es nothwendig, mehreren Müttern eines ihrer Lämmer zu nehmen, und dasselbe an einheimischen Schafen trinken zu lassen. Leztere wurden nach englischer Art behandelt, sie brachten den Winter auf Rübenfeldern zu eher auf feuchten, aber nicht sumpfigen Wiesen, und litten durchaus nicht bei dieser Behandlung. Die ganze Herde hatte dasselbe Futter, und doch war der Unterschied im Gewichte an den einzelnen Stüken im Verlaufe von 6 Monaten um Ein Fünftel und mehr an den englischen Schafen größer. Man muß die Ursache hiervon einzig und allein der wirklich erstaunenswerthen Anlage an der Bakewell'schen Raße fett zu werden, den kleinen Knochen derselben, und wie ich glaube, auch der Ruhe zuschreiben, die die Schafe genießen, wenn man sie nach englischer Art hält, einer Ruhe, die die Verdauung erleichtert, und bis Schafe nicht der Nothwendigkeit aussezt, durch anhaltendes Hin- und Hertreiben derselben in Schweiß und Ermüdung einen Theil des Nahrungsstoffes wieder zu verlieren, den sie zu sich genommen haben.

Außer der Leichtigkeit, mit welcher die englische Raße aus Leicestershire fett wird, hat sie auch noch die Eigenschaft, sehr fruchtbar zu seyn. Auf demselben Pachtgute zu Moulineaux haben 16 englische Mutterschaft in diesem Jahre 28 Lämmer geworfen, wovon 26 am Leben blieben, und gegenwärtig mit einem wunderschönen Fließe bedekt sind, obschon die meisten von ihrer eigenen Mutter genährt wurden.

A. d. O.

|216|

Es gibt Thiere, sagt Bakewell, die immer mager bleiben, wenn man sich auch noch so sehr Mühe gibt, sie fett zu machen, und wieder andere, die fett werden, obschon man ihnen weniger zu fressen gibt, als den mageren. Arthur Young, Cultivat. angl. t. XIV. p. 4.

|216|

Herr de Barbançois, dem Herrn de Trudaine im J. 1776 einen Theil jener Merinos gab, welche die ersten Merinos in Frankreich waren, die der König von Spanien Ludwig dem XVI. aus Spanien nach Frankreich einzuführen erlaubte, hat der Erste die Bemerkung gemacht, daß die Schwere des Fließes nicht immer mit der Schwere des Körpers des Thieres im Verhältnisse steht, und daß die Menge Nahrung, die jedes Thier braucht, bloß mit Ausnahme einiger individuellen Unterschiede mit der Schwere des Körpers des Thieres genau im Verthältnisse steht. Mathieu de Dombasle , 4e Bulletin de la Société d'amélioration des laines p. 12.

|217|

Man kann überhaupt überall Merinos halten, wo man Schafe hält; nur daß man in dem ersteren Falle eine Herde von hohem, in lezterem aber von sehr geringem Werthe besizt. Teissier Instructions sur les bêtes à laine. p. 30. Man wird überall mit Vortheil Merinos halten, wo die Weiden keine Fäulung erzeigen, und hinreichen, um ein Stük derselben von gleicher Schwere mit dem gemeinen Schafe zu nähren. Gasparin Mém. sur l'éducation des Merinos, comparée à celle des autres races de bêtes à laine dans les diverses situations pastorales etc. agricoles. S. 99.

A. d. O.

|217|

Die Wolle der Merinos verfeinert sich in dem Maße, als sie den Anfällen der Krankheit oder des Alters unterliegen. Perrault de Jotemps, le Bulletin d. l. Société d'Amélioration des laines. p. 6.

A. d. O.

|218|

Diese so lang von unseren Landwirthen aufgeworfene Frage scheint endlich gelöst. Man glaubt gewöhnlich, daß feine Wolle sich nicht mit hohem Wuchse verträgt, mit den Formen und mit dem Gewichte des Fließes der Merinos, und führt als Beispiel und zum Beweise für diese Meinung die veredelten Herden in Sachsen und zu Naz an. Wenn man indessen, wie Herr de Mortemart-Boisse rieth, durch Auswahl von Stören von kleinem Wuchse und superfeiner Wolle zum Sprunge von Mutterschafen von größerem Wuchse, die mit der möglich feinsten Wolle Formen vereinigen, die Stärke und lange Lebensdauer verkünden, eine mittlere Raße von bedeutender Feinheit ertheilte, die die Fabrikanten befriedigen könnte, so hätte die Verbesserung einen großen Schritt gethan. Die Herren de Jessaint, de Chateauvieux, J. J. Bernard, Salmon etc. hatten denselben Gedanken, wie Herr de Mortemart-Boisse, und besizen gegenwärtig herrliche Herden, deren Wolle selbst. bei dem Falle des Preises derselben, noch immer hoch steht.

A. d. O.

|219|

Herr Perrault de Jotemps hat in seinem trefflichen Werke sur la laine et les moutons S. 2 und 4 diesen Gegenstand mit vielem Scharfsinne behandelt. Seine Ansicht über die Wollenfaser und die Natur derselben hat viele Aehnlichkeit mit jener des Herrn Ternaux. Wir wollen sie hier anführen.

„Die Wollenfaser“ sagt er, „ist ein Faden aus einer festen Substanz, eine Art erhärteten thierischen Schleimes, mit welcher sich eine öhlige oder seifenartige Substanz verbindet. Sie entsteht in dem Zellgewebe unter der Haut aus einer bald runden, bald eiförmigen Zwiebel, welche der Kreislauf mit einer klebrigen Feuchtigkeit füllt, die ihr als Nahrung dient. Diese Zwiebel besteht aus zwei Häuten, einer äußeren und einer inneren, welche die Wurzel der Faser unmittelbar umhüllen. Diese Wurzel tritt gegen die Oeffnung der Haut vor, die der Faser zum Durchgange dient, und trennt sich dann von der äußeren Haut der Zwiebel. So wie die Faser an die Oberhaut gekommen ist, hebt sie dieselbe, ohne sie zu durchbohren, und bildet sich daraus eine Scheide, die sich eng an die Hülle anschließt, die sie von der inneren Haut erhielt.“

Diese sinnreiche Erklärung der Wollenfaser stößt die Bemerkungen des Herrn Ternaux nicht um; sie bestätigt dieselben vielmehr und macht auf dieselben aufmerksam.

A. d. O.

|219|

Die Beobachtungen, die ich mit dem Sonnen-Mikroskope anstellte, lassen mich annehmen, daß der Talg innerlich durch die Bartfäserchen erzeugt wird, die man an der inneren Röhre der Wollenfaser hängen sieht, und zwar so, wie das Mark in den Knochen; daß endlich diese Masse, wenn sie an das Ende der Faser gekommen ist, sich erhärtet. Doch dieß gehört in die Naturgeschichte und in die Physiologie. Man kann Gelehrten nicht genug empfehlen, hierüber Unternehmungen anzustellen, indem dieser Gegenstand für die Schafzucht so äußerst wichtig ist.

A. d. O.

|220|

In England, wo das Schaf auf Weiden gehalten wird, die mir Heken umgeben sind, sieht man dasselbe nie in Herden vereint; es lebt und weidet und ruht, wie und wo es will. Es bleibt das ganze Jahr über im Regen, Schnee und im Frost*) im Freien; es fürchtet weder den Thau noch den Nebel. Dieser freien und unabhängigen Lebensweise, der Einwirkung der Luft, der es immerdar ausgesezt ist, der stäten Feuchtigkeit des Bodens und der Wiesen, auf welchen es sein Leben hinbringt, schreibt man den Reichthum seines Fleißes, den Glanz, die Weiße und die Elasticität der Wolle zu, die sie so sehr von aller Wolle derjenigen Schaft auszeichnet, die mehr gedrängt an einander leben, und den Einflüssen |221| des Stalles ausgesezt sind. D'Autremont, 1r Bulletin de la Société d'Amélioration des Laines. p. 44.

A. d. O.

|220|

*) Der aber in England nie so stark ist, wie bei uns, wo das Schaf zu sehr von der Kälte leiden würde.

A. d. Ueb.

|221|

Dieses Pferchsystem, oder diese mit Heken umgebenen Weiden wurden lange Zeit über von angesehenen Landwirthen angefochten; es hat endlich in England in jenen Gegenden, wo der Akerbau blüht, den Sieg davon getragen. Gegenwärtig sind alle Felder in Leicestershire etc. mit lebendigen Zäunen eingeschlossen, die eine unendliche Menge geschlossener Räume von 3 bis 8 Tagwerken bilden, in welchen die Schafe Tag und Nacht über weiden. Die Pächter gewinnen dabei den doppelten Vortheil, die Baukosten des Stalles, den Schäfer, die Kosten der Ausfuhr des Düngers auf die Felder und den Verlust desselben zu ersparen, und schüzen ihre Schafe vor anstekenden Krankheiten.

Man kann den Landwirthen in Frankreich, die langwollige Schafe ziehen, nicht genug empfehlen, das Beispiel der englischen Schafwirthe nachzuahmen.

A. d. O.

|221|

Bei Erbauung neuer Ställe ließ ich in meinem Parke junge Bäume von 7–8 Zoll im Durchmesser fällen, und erhielt dadurch Säulen von 9 Fuß Höhe. Diese Säulen ruhen auf Würfeln oder kleineren steinernen Unterlagen von einem Fuße im Gevierte, die 4 Zoll tief eingegraben sind. Sie sind so, wie die Querbalken, die sie verbinden, mit ihrer Binde bekleidet, die sich sehr gut erhält, und alles Anstreichen erspart, wenn man die Bäume im November und December gefällt hat. Die Dachsparren, gleichfalls aus unbehauenem runden Holze, werden von den Säulen getragen, und stüzen den Giebel, der mit Stroh, Schilf oder Binsen bedekt ist. Dieser Giebel bildet in einer Art von Karnieß einen Vorsprung von 15 bis 18 Zoll, der als Luftzug dient, und den Stall ohne viel Mühe und Kosten schließen läßt. Dieser Schluß besteht aus Schiffholz, und steht 1 Fuß 6 Zoll unter dem oberen Querbalken; er schließt zwar nicht hermetisch, dient aber eben dadurch zur Erneuerung der Luft. Die Raufe ist unten geschlossen, damit das Thier nicht sein Fließ verunreinigt, und gegen den Wind geschüzt wird.

A. d. O.

|222|

Ich heile die Raude nach der Methode des Doctors Galés mittelst Schwefelräucherungen.

Ich bediene mich hierzu eines Apparates, der nicht 50 Franken kostet. Er besteht aus einem hölzernen Kasten, der in der Mitte in zwei Theile getheilt ist, wovon der eine den anderen dekt: inwendig ist er mit Papier ausgefüttert, er hat eine Oeffnung, durch welche das Thier den Kopf herausstrekt. An dieser Oeffnung. ist ein Leder angebracht, das mittelst eines Falzes schließt; durch dieses Leder kann der Hals des Thieres nach Belieben fest gehalten werden, der Schwefeldampf wird von der Nase des Thieres abgehalten, und das Thier muß ruhig bleiben. Der Kasten steht auf zwei Füßen, die 2 Fuß 6 Zoll hoch sind, und läßt unten Raum für eine kleine Pfanne, in welcher der Schwefel brennt. Ein umgestürzter Trichter nimmt den Schwefeldampf auf, und leitet ihn durch seine Röhre in den Kasten, wo dieser Dampf zuerst unter dem Bauche des Thieres hinzieht. Damit er dasselbe nicht brennt, ist 3 Zoll über der Oeffnung der Röhre des Trichters ein kleines Brettchen angebracht. Der Dampf verbreitet sich hierauf in dem ganzen Kasten. Oben an dem Kasten ist ein kleines Loch angebracht, welches man mittelst eines Korkstöpsels öffnen und schließen kann, wodurch das Einziehen des Dampfes in den Kasten erleichtert wird, so daß der Dampf durch längeres oder kürzeres Verweilen in dem Kasten so dicht werden kann, als man es nöthig findet.

Die erste Räucherung reicht hin, um das Thier so herzustellen, daß es andere nicht mehr mit der Raude ansteken kann. Nach der dritten oder vierten Räucherung ist das Thier geheilt. Dieses Verfahren ist weit weniger kostbar, als die bisher angewendeten Heilmethoden, die zugleich der Schönheit der Wolle und der Gesundheit des Thieres mehr oder weniger schaden.

A. d. O.

Dieser Kasten, an welchem nichts anders nöthig ist, als daß das Thier Raum darin findet, und der Rauch am Boden einziehen kann, daß das Thier seinen Kopf bei einer Oeffnung oben im Dekel, der sich einschieben läßt, heraussteken kann, wo man dann den Hals mit einem feuchten Lappen umlegt, damit kein Dampf austreten kann; kann weit einfacher seyn, und bei uns kaum 3 fl. kosten.

A. d. Ueb.

|223|

Die Auswahl der Störe oder Widder zum Sprunge verdient alle Aufmerksamkeit der Schafwirthe, die ihre Herden verbessern wollen. Man ist in allen Ländern, in welchen Wirthschaft getrieben wird, vorzüglich in England, so sehr von dieser Wahrheit überzeugt, daß langwollige Widder für einen Sommer mit 200 bis 300 Louisd'ors gepachtet wurden. In Sachsen, wo die Merinos einen hohen Grad von Vollkommenheit erreichten, steht der Preis der Widder sehr hoch. Die Eigenthümer der Herde zu Naz verkaufen ihre Widder noch um 1000–12000) Franken, und vor wenigen Jahren hat man bei dem Verkaufe der Widder zu Ramaoullet in der Hize der Versteigerung einige Widder mit 3000 und einigen hundert Franken bezahlt. Diese Beispiele beweisen, daß man es sich nicht genug kann angelegen seyn lassen, schöne Thiere zu erzeugen? wer immer sich Widder von der ersten Classe unter den Merinos, wie unter der englischen Rasse ausliefet, wird allezeit reichliche Entschädigung für seine Auslagen, sowohl durch den vortheilhaften Verkauf des Nachwuchses, als der Wolle finden.

Man muß aber auch, ehe man einen sehr theuren Widder kauft, wohlberechnen, ob die Verbesserung, welche die Herde dadurch erhält, für die ausgelegten Kosten entschädigt. Wer einen Widder von Naz oder der Electoralraße zu einheimischen Schafen oder zu Blendlingen von der ersten Kreuzung stellen würde, würde sehr übel dabei fahren, er würde sich aber um so viel besser dabei stehen, wenn seine Heede bereits einen hohen Grad von Vollkommenheit erhalten hat. Für den ersten Fall reichen schöne Merinoswidder hin; im zweiten Falle muß man superfeine Wolle zu erhalten suchen.

|223|

Man muß es jedoch nicht so machen, wie ein gewisser großer Schafwirth, der mir eines Tages mit einer Art von mysteriöser Miene sagte, daß er durch den Verkauf der Wolle seiner Herden, deren Raße er seit längerer Zeit verbesserte, seine Einnahme von 20,000 Frank. auf 25,000 Frank. vermehrte, und daß dieselbe noch mehr zunehmen würde, wenn er den Nachwuchs dieser Herden vortheilhafter an seine Nachbarn absezen könnte, die eigensinnig genug sind, ihre schlechten Raßen zu behalten. Hat sie denn, fragte ich, das Beispiel des Gewinnes, den Sie bei ihren Kreuzungen machten, nicht verführen können, dasselbe nachzuahmen? O, ich habe mich wohl gehütet, sprach er, ihnen zu sagen, wie viel ich gewann. – Und warum? – Ich hätte dadurch nur Concurrenz erzeugt, und so meine Wolle in der |224| Folge weniger gut angebracht; man hätte mich höher besteuert; man muß sich immer hüten, Neid und Schelsucht zu erregen; je mehr de Leute sehen, daß man reich wird, desto mehr wollen sie, daß man ihnen gibt und daß man Aufwand macht. – Alles dieß ist, war meine Antwort, unter gewissen Umständen sehr wahr, aber nicht in dem gegenwärtigen Falle, wo die Nachtheile der Oeffentlichkeit vor der Gewißheit, sein eigenes Glük durch die Oeffentlichkeit zu fördern, verschwinden. Wenn Sie die Vortheile, die Sie dadurch, daß Sie eine bessere Rasse sich beilegten, öffentlich bekannt gemacht und erwiesen hätten, und wenn Sie es jezt noch selbst thäten, so würden vielleicht ihre Nachbarn, die sich weigern, ihre Herden zu veredeln, weil sie besorgen dabei mehr Schaden als Vortheil zu haben, nachdem sie sich von dem Gewinne, den Sie dabei machten, überzeugten, sich entschließen ihr Beispiel nachzuahmen; sie würden Ihnen den Nachwuchs abkaufen, den Sie jezt nicht an Mann bringen können, und Ihre Einkünfte würden sich dadurch in dem Maße vermehren, als Sie den Wohlstand des Landes fördern würden.

A. d. O.

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