Titel: Merkwürdige Wasserkunstmaschine zu Gran (Esztergam, Ostrihom, Strigonium) in Ungarn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XXII./Miszelle 3 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030022_3

Merkwürdige Wasserkunstmaschine zu Gran (Esztergam, Ostrihom, Strigonium) in Ungarn.

Der für Kunst und Wissenschaft, so wie für alles Große und Gemeinnüzige im Vaterlands, eben so wie für das Wohl seiner Kirche sich lebhaft interessirende Fürst Primas des Königreichs Ungarn und Graner Erzbischof, Alexander von Rudnay, ein Prälat comme il faut, von dem unstreitig der schöne römische Ausspruch: Di Tibi divitas dedere artemque fruendi!“ 36) in vollem Maße gilt, hat von dem k. ung. Landesbauoberdirector, Johann von Swoboda, in seiner Residenz Gran, zu einem großen und wohlthätigen Zweke, mit ungeheuerem Kostenaufwande eine merkwürdige Wasserkunstmaschine errichten lassen, die ganz ihrem Zweke entspricht, und vielfach benüzt wird. Diese merkwürdige Maschine verdient auch den Lesern des polytechn. Journals bekannt zu werden.

Diese Maschine besteht aus einem Saug- und Drukwerke mit 4 metallenen Stiefeln von 3 1/2 Zoll im Diameter, und mit einem Hub von 24 Zoll, wobei wegen des hohen senkrechten Hubes für jeden Stiefelkolben ein Paar gegen einander wirkende Wagbalken, wie bei den neuen Dampfmaschinen, angebracht sind. Das Wasserreservoir (der Wasserbehälter) befindet sich auf dem Berge der fürstlichen Primatialresidenz; an der Donau, und faßt tausend Eimer Wasser. Von der Maschine bis zu diesem Wasserbehälter läuft in einem gemauerten Canale die Röhrenleitung von Gußeisen, 2 1/2 Zoll im Diameter. Die Maschine saugt selbst bei dem kleinsten Wasserstande der Donau das Wasser auf 23 Schuh tief, und drükt dasselbe zu gleicher Zeit auf 155 Schuh Höhe in das Wasserreservoir auf dem Berge, so daß sich die Wirkung dieser Maschine im Ganzen bis auf 178 Schuh Höhe erstrekt. Die Länge der Röhrenleitung beträgt 340 Schuh. Eine vierknöpfige Kurbel, ein Getriebe und ein Kronrad, die beiden lezten in konischer Form, werden von zwei Pferden leicht in Betrieb gesezt. In jeder Stunde werden zweihundert Eimer Wasser aus der Donau bis in das Reservoir auf dem Berge gefördert, und daraus erhalten nicht nur die fürstliche Primatialresidenz bis in den ersten Stok, sondern |73| auch die 24 Wohnungen der Graner Domherren und die schönen Gartenanlagen am Anhange des Berges reichlich ihren Wasserbedarf.

Diese durch ihre bewunderungswürdige Anlage, kunstreiche Construction und große Wirksamkeit in ihrer Art einzige Wasserkunstmaschine gereicht als ein ächtnationales ungarisches Kunstproduct sowohl ihrem Erbauer, dem k. ung. Landesbau-Oberdirector, Joh. v. Swoboda, als ihrem großherzigen, keine Kosten scheuenden Gründer, dem Fürsten Primas, zum unvergänglichen Ruhm, denn sie verspricht bei der Solidität ihres Baues noch den entfernten Nachkommen zu nüzen, und ist in der That ein Monumentum aere perennius. Y. –

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„Die Götter gaben Dir Reichthümer und zugleich die Kunst, sie zu genießen.“ Der erste Theil dieses schönen Ausspruchs gilt zwar von den meisten Prälaten, der zweite aber leider nur von wenigen.

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