Titel: Erfindung der Kunst, die Luftballone nach Willkühr zu dirigiren, in Ungarn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XXII./Miszelle 7 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030022_7

Erfindung der Kunst, die Luftballone nach Willkühr zu dirigiren, in Ungarn.

Ein in der theoretischen und praktischen Mathematik und Physik, in der Mechanik und im Maschinenwesen wohl bewanderter Freund in Ungarn versicherte mich auf meiner lezten Reise in meinem schönen Vaterlande, er habe die von so vielen bisher fruchtlos gesuchte und versuchte Kunst, die Luftballone nach Willkür zu leiten und mit ihnen das Luftmeer nach Belieben zu durchschiffen, nach langem Nachdenken erfunden.

Da der dazu gehörige Apparat, so wie der. Luftballon selbst, kostspielig ist, und in Ungarn und Deutschland leider solche Erfindungen nicht die nöthige Geldunterstüzung erhalten, um sie in der Wirklichkeit zu realisiren, so verzweifelt er daran, die Zuverlässigkeit seiner Erfindung, von der er vollkommen überzeugt ist, dem Publicum durch Versuche beweisen zu können, und glaubt, daß er seine Erfindung mit in's Grab nehmen wird, hat mich jedoch versichert, daß man nach seinem Tode eine umständliche Beschreibung derselben ein seinen Schriften finden wird.

Da ich vor einiger Zeit in einer Zeitschrift gelesen habe, daß die englische Regierung einen Preis auf die Erfindung der Direktion der Luftballone gesezt |74| habe, und da ich weiß, daß die hochherzigen Engländer sich für alle große und gemeinnüzige Erfindungen und Unternehmungen interessiren, so habe ich vor einigen. Tagen bei einem meiner gelehrten Freunde in London angefragt, wie es sich mit jener Aussezung des Preises verhalt, und meinem Londoner Correspondenten die Versicherung ertheilt, daß mein ungarischer Landsmann und Freund, wenn es mit dem ausgesezten Preise seine Richtigkeit hat, sich entschließen würde, nach England zu reisen, dort durch Versuche zu zeigen, daß seine Kunst der willkürlichen Leitung der Luftballone bewährt ist, und von Dover nach Calais in Frankreich über den Canal mit dem Luftballon zu stiegen. Ich behalte mir vor, das Resultat dieser Korrespondenz den Lesern des polytechnischen Journals zu seiner Zeit mitzutheilen, und schmeichle mir, meinen Freund in Ungarn bald mit einer angenehmen Nachricht zu überraschen.

W. R.

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