Titel: Ueber die Seidenwaaren-Einfuhrgeseze
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XLIII./Miszelle 14 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030043_14

Ueber die Seidenwaaren-Einfuhrgeseze

dem Ministerium die geeigneten Vorstellungen zu machen, und Hrn. Huskisson's Mißgriffe, der durch verminderten Zoll auf französische Seidenwaaren die englischen Fabrikanten unglüklich und Tausende von Arbeitern brotlos machte, zu beleuchten, versammelten sich Ende Julius die Seidenfabrikanten zu London in der Old-City Tavern. Ein Drittel der Versammlung (die Kaufleute-Kaste) war für freie Einfuhr; zwei Drittel waren für das alte bestehende Verboth. Die Mitglieder des ersteren Drittels, die auch wirklich nur halbgelehrte Possen vorbrachten, konnten sich nicht aussprechen; sie wurden von der versammelten Menge ausgepfiffen. Ein Fabrikant, Hr. Balance, bemerkte, daß es sich hier nicht um Theorien und Meinungen, sondern um Thatsachen handle; daß es Thatsache ist, daß die Seidenfabriken seit Einführung der Huskisson'schen Maßregeln (herabgesezten Zolles auf französische Seidenwaaren) von Tag zu Tag weniger Beschäftigung fand; daß das darauf verwendete Capital sich nicht mehr gehörig verzinste; daß Tausende von Arbeitern unbeschäftigt blieben; daß dadurch der Werth der Seidenwaaren auf eine nie erhörte Weise fiel; daß die darauf verwendeten Capitalien um die Hälfte zurükgezogen wurden (um 1,500,000 Pf. Sterl.) indem die Seidenfabriken dasselbe jezt seit der freien Einfuhr höchstens eben so gut verzinsen, wie Staatspapiere; daß der Arbeitslohn um 25 pCt. fiel; daß die Spinner und Spuler auf dem Lande sogar 30 bis 40 pCt. verlieren; daß dadurch, daß Tausende zu Bettlern und Müssiggängern werden, die Moralität, die der Geiz der Kaufleute und Finanzbeamten in schändlicher Heuchelei immer zum Vorwande nimmt, wenn es sich um Einfuhrsverbote handelt, weit mehr leidet, als wenn 10 oder 12 permanente Schufte, die unter allen Umständen Schurken bleiben werden, sich auf Schwärzen verlegen, und dazu durch den höheren Gewinn allenfalls noch mehr als durch ihre angeborne Schlechtigkeit, gereizt werden; daß die Immoralität, ja selbst das Criminalverbrechen mehr auf der Seite derjenigen liegt, die das Parliament durch falsche Ansichten und durch falsche Vorlagen, durch finanziellen Hocus Pocus täuschen, und Gewicht der Zeuge mit Länge derselben sehr schlau verwechseln; und Thatsachen, wie boshafte Verbrecher, wegläugnen und entstellen; daß halbe Maßregeln nie zu etwas Ganzen führen können, daß durch Einfuhr der ausländischen Seidenzeuge selbst die Güte der inländischen litt; daß der fleißigste Arbeiter, der 16 Stunden im Tage am Stuhle sizt, sich nur 3 Schill. 4 Den. verdienen, nur einmahl in der Woche Fleisch essen kann; daß, wenn die Herren im Parliamente ihre Schnizer entschuldigen können, daß sie erklären, sie hätten sich überarbeitet, erschöpft, dem gemeinen Manne diese Entschuldigung nicht vor Gericht gilt, wenn Elend und Erschöpfung ihn zu Fehltritten treibt. Hr. Wadden fragt endlich, ob man nicht den Verfall der Seidenmanufacturen einer reichen Seidenernte zuschreiben könne, so wie Lord Liverpool im Jahre 1825 das Elend Irlands einer zu reichlichen Ernte zuschrieb. Die hier aufgeführten Thatsachen sind durch eine Menge einzelner Beweise erwiesen, welche der beschränkte Raum unserer Blätter nicht alle aufzuführen gestattet. Die Fabrikanten auf der einen Seite, und die Handelsfreiheitsapostel unter den Ministerialen, die von einem Kaufmanne in einer Stunde mehr beziehen, als ein ehrlicher König ihnen in drei Jahren nicht geben kann, wenn er seinem Volke nichts vergeben will, mögen sie in Extenso lesen im Chronicle und im Galignani Messenger.

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