Titel: Preisaufgaben der Société industrielle zu Mülhausen, worüber in der Generalsizung im Monat Mai 1829 entschieden wird.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. XLIII./Miszelle 3 (S. 147–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030043_3

Preisaufgaben der Société industrielle zu Mülhausen, worüber in der Generalsizung im Monat Mai 1829 entschieden wird.

Von den für das Jahr 1828 ausgeschriebenen Preisen werden folgende noch zum Concurs zugelassen:

1) Preis von fünfhundert Franken für ein schnell und leicht anzuwendendes Mittel, wodurch man den Werth zweier verschiedenen Krappsorten gegen einander bestimmen kann.

2) Preis von fünfzehnhundert Franken für eine Methode, den Färbestoff des Krappes auszuscheiden, und dadurch die Menge desselben in einer gegebenen Menge Krapps zu bestimmen.

3) Preis von tausend Franken für eine Composition zur Bedekung der Drukcylinder in den Baumwollspinnereien.

4) Medaille für eine Abhandlung über die Ursachen der Selbstentzündung der fetten Baumwolle. (Vergleiche über diese vier Preisfragen polytechnisches Journal Bd. XXV. S. 344.)

Preise, welche für das Jahr 1829 ausgesezt sind:

5) Medaille für die beste Abhandlung über das Bleichen der baumwollenen Zeuge.

Der Verfasser muß die chemischen Wirkungen des Kalks, des Kalis oder Natrons, der Luft und des Chlors erklären. Er muß auch die Vortheile und Nachtheile der Luftbleiche in Vergleichung mit der Chlorbleiche auseinandersezen, und den Grad der Schwächung bestimmen, welchen die Baumwolle durch das eine sowohl, als durch das andere Verfahren erleidet.

Der Abhandlung müssen Plane der verschiedenen Apparate, wovon darin die Rede ist, beigelegt seyn.

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6) Medaille für die beste Abhandlung über die Fabrikation des Adrianopelroths.

Der Verfasser muß die chemischen Wirkungen des Oehlens, der Passage durch Sumach oder Galläpfel, des Alaunens, des Färbens und Avivirens auseinandersezen. Es wird das Interesse erhöhen, wenn diese Arbeit mit einem historischen Abriß über die Einführung dieses Industriezweiges in Frankreich versehen seyn wird.

7) Medaille für das Bleichen mit Kalk ohne ein anderes Alkali.

Der Concurrent muß bewiesen haben, daß er eine Partie von wenigstens tausend Stüken so gebleicht hat, daß sie den mit Kali oder Natron gebleichten in keiner Hinsicht nachstehen.

8) Medaille für eine vollständige Analyse des Kuhmistes. Welches sind die Bestandtheile dieser Substanz, die, indem sie unauflösliche Verbindungen mit der Alaunerde, dem Eisenoxyd und anderen Metalloxyden bilden, sie zum Walken der gebeizten baumwollenen Zeuge tauglich machen?

Erleiden diese Bestandtheile eine Veränderung ihrer Natur, oder eine Veränderung in ihrem gegenseitigen Verhältniß, wenn der Koth alt oder das Thier mit frischem Gras an Statt Heu gefüttert worden ist?

9) Medaille für eine Abhandlung, welche durch genaue Versuche zeigt, welche Rolle bei dem Blaufärben der Baumwolle mit Indigo, die außer dem blauen Pigment darin enthaltenen Substanzen (wie der braune und rothe Stoff von Berzelius 63)) spielen, und ob diese Substanzen darin nothwendig oder schädlich sind, oder auch, ob die eine oder andere von ihnen zur Erzeugung einer dauerhaften und glänzenden blauen Farbe unumgänglich nöthig ist.

10) Medaille für die Entdekung oder Einführung eines nüzlichen Verfahrens in der Kattundrukerei.

Man weiß, welchen Nuzen man aus den Chromverbindungen gezogen hat. Könnte ein anderes Metallsalz nicht eben so vortheilhafte Resultate geben?

Wir wollen noch bemerken:

1) Die Entdekung eines Verfahrens, um die zum Oehlen der baumwollenen Zeuge erforderliche Zeit abzukürzen;

2) Ein ökonomisches Mittel, die Seife bei den Passagen zu ersezen;

3) Das mittelst essigsaurem oder schwefelsaurem Indigo dargestellte Blau eben so solid wie das Küpenblau zu machen;

4) Eine Indigküpe anzusezen, welche wenig oder gar keinen Saz hat;

5) Den Farbestoff aus dem Wau oder der Quercitronrinde auszuziehen, um ihn in den Handel zu bringen;

6) Ein Verdikungsmittel, welches sich durch zinnsaures Kali (Zinnoxydauflösung in Aezkali) und basisch essigsaures Blei nicht coagulirt.

7) Rükstände, wie die beim Färben mit Krapp, Wau u.s.w. zu benuzen.

11) Medaille auf Erfindung mechanischer Sperrruthen oder Tempel.

Sperrruthen oder Tempel (auch Tompel) sind flache hölzerne Schienen, die an ihren beiden Enden mit messingenen Spizen versehen sind, die in die Sohlbänder (die sogenannten Enden) der gewebten Zeuge eingreifen. Diese Schienen sind so lang, als die Kette in dem Kamme breit ist. Um nun diese Schiene nach der jedesmaligen Breite der Kette richten und leicht ausheben zu können, sind sie der Länge nach schief in zwei Theile getheilt, welche mittelst einer Schleife aus Bindfaden und eines Zapfens zusammengehalten werden.

Die Spannung, die durch diese Sperrruthen erzeugt wird, erstrekt sich jedoch nicht weiter, als auf 2 Zoll vorwärts und rükwärts von denselben. Man muß also dieselben vorrüken oder dem Kamme nähern, so wie die Arbeit selbst weiter vorrükt.

Bei dem gewöhnlichen Weberstuhle, auf welchem mit der Hand gewebt wirb, rükt der Weber die Sperrruthen vor, wann er das Tuch aufrollt, oder die Kitte nachläßt, um eine neue Portion von derselben zu erhalten.

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Bei dem Kunst- oder Maschinenstuhle hat man zwei Sperrruthen, wovon die eine an ihrer Stelle bleibt, während man die andere vorrükt, ohne daß darob der Stuhl in seinem Gange aufgehalten werden dürfte.

Die Nachtheile bei dieser Verfahrungsweise sind:

1) Daß die Spannung, und folglich auch die Qualität des gewebten Stoffes zwischen dem größten und dem kleinsten Abstande, den der Kamm während des Webens zwischen sich und den Sperrruthen läßt, verschieden ausfallen muß.

2) Daß, wenn dieser Abstand oder der Raum zwischen den Sperrruthen und dem Kamme zu groß wird, das Tuch sich zusammenzieht, die Kettenfaden also nicht mehr parallel bleiben und sich an dem Kamme reiben.

Es wäre daher sehr zu wünschen, daß man eine Vorrichtung ausfindig machen könnte, wodurch das Tuch immerdar in gleicher Spannung und in derselben Lage gegen den Kamm erhalten werden könnte, während es fortfährt sich in dem Maße, als es fertig ist, auf dem Tuchbaume aufzurollen, so daß der Weber weder seine Zeit noch seine Aufmerksamkeit auf das Wechseln der Sperrruthen zu wenden hätte.

Man hat bereits mehrere, mehr oder minder sinnreiche Vorrichtungen zu diesem Ende ausgedacht und versucht; keine derselben hat aber ihren Zwek erfüllt und die Prüfung der Erfahrung glüklich bestanden.

Die Gesellschaft, die von der Wichtigkeit einer Verbesserung an diesen Sperrruthen bei den Kunststühlen überzeugt ist, wird im J. 1829 demjenigen eine Medaille zuerkennen, der eine mechanische Sperrruthe vorlegen wird, welche den obigen Forderungen entspricht, d.h., das Tuch immer in gleicher Entfernung von der Lade hält, ohne daß der Weber auf dieses Werkzeug besondere Rüksicht zu nehmen hätte. Die Vorzüge dieser mechanischen Sperrruthe vor gewöhnlichen müssen übrigens durch Erfahrung erwiesen seyn.

12) Medaille für die beste Abhandlung über das Spinnen der Baumwolle von Nr. 80 bis 180 metrisch.

Obschon es leider noch immer erlaubt ist, feines englisches Baumwollengarn einzuführen, so verlegen sich doch mehrere unserer Fabrikanten mit Erfolg auf Vervollkommnung in der Spinnerei höherer Nummern, und es scheint der Gesellschaft, daß es allgemeinen Nuzen bringen müßte, wenn man eine gut geschriebene Abhandlung über diesen Gegenstand, die denselben in allen seinen Zweigen erschöpfte, besizen würde.

Die Wahl der Baumwolle ist eine der wesentlichsten Bedingungen, um in der Spinnerei höherer Nummern glükliche Resultate zu erhalten. Die langfaserige Baumwolle aus Georgien (coton Géorgie longue soie) ist die beste unter allen sowohl in Hinsicht auf Feinheit, als auf Stärke, und das sogenannte Seidenartige der Faser, sie ist aber auch unter allen Baumwollensorten diejenige, die am schwersten zu erkennen ist, und die größten Kenner haben sich im Kaufe derselben getauscht. Man müßte daher in der gewünschten Abhandlung die Hauptmerkmahle der verschiedenen Baumwollensorten, und die besonderen Eigenschaften derselben aufführen, und bei jeder angeben, bis zu welcher Nummer man dieselbe spinnen kann.

Man müßte vom Zupfen und Kardätschen derselben, von dem zwekmäßigsten Verhältnisse der Geschwindigkeit der Speisungscylinder gegen die große Trommel sowohl, als gegen die Abgabetrommel, wenn die möglich größte Vollkommenheit erhalten werden soll, vom Doubliren, von der Entfernung der Strekwalzen, von der Drehung bei den Laternen, den Spindelbanken und vorzüglich von den Wikeln (Lunten, mêches) auf dem Grobstuhle handeln.

Man müßte die Methode angeben, nach welcher man so viel nur immer möglich die Ungleichheit des Fadens, die man unseren besten Spinnmühlen mit Recht vorwirft; die Hauptursachen, die die Meißeln (veilles) erzeugen, und die Mittel zur Vermeidung derselben; die Neigung, die man den Spindeln bei verschiedenen Nummern sowohl auf dem Grob- als auf dem Feinstuhle zu geben hat; die zwekmäßigste, Geschwindigkeit derselben; das Maximum der Ausziehens und die Verlängerung jedes Aufzuges (renvidée), die nöthige Drehung für jede Nummer, (Kette sowohl als Eintrag) in Umdrehungen der Spindel nach dem Zoll nebst der correspondirenden Kraft nach Regnier's Dynamometer; die Vorsichtsmaßregeln, die man gegen den Flaum des Fadens zu ergreifen hat; die Sorgfalt, die man bei dem Abwinden zu beobachten hat; man müßte mit einem Worte, alle Kunst- und |150| Handgriffe, die zur Feinspinnerei nothwendig sind, angeben, so wie die besten Vorrichtungen, die man den Stühlen selbst zu geben hat.

Dieser Gegenstand ist von so allgemeinem Interesse und von so hoher Wichtigkeit, daß es sehnlichst zu wünschen wäre, daß Männer von Talenten, mit Hintansezung aller persönlichen Vortheile, uns alle Belehrung, die sie uns hierüber geben können, ertheilen möchten, damit unsere Baumwollenmanufakturen dadurch gefördert, und Frankreichs Bürger von dem Tribute befreit würden, den sie jährlich an das Ausland bezahlen.

13) Preis von 1000 Franken auf eine Maschine zum Oeffnen und Zupfen der Baumwolle und Wolle aller Art, ohne daß dieselbe dadurch leidet, und wodurch das Klopfen oder Schlagen, als das Zupfen mit der Hand und der sogenannte Klopfzupfer (batteur-éplucheur) beseitigt werden kann.

Seit man den aus England zu uns herübergebrachten Klopfzupfer (batteur éplucheur) in neueren Zeiten beinahe allgemein bei uns eingeführt hat, bemerkten unsere Spinner, daß diese Maschine in vieler Hinsicht noch manches zu wünschen übrig läßt, namentlich bei Anwendung derselben auf feine Wolle. Eine große Menge Wollenfaser wird immer abgebrochen oder gelähmt, und dadurch zum Spinnen nur etwas hoher Nummern unbrauchbar. Ja es gibt selbst Baumwollensorten, die man durchaus nicht dem Klopfer zur Zubereitung geben darf, wenn sie nicht gänzlich zerrissen und dadurch vollkommen unbrauchbar werden sollen. Dieser Nachtheil ist zwar an der stärkeren und nervigeren Baumwolle weniger merklich, aber er hat doch immer auch bei dieser noch Statt, und man würde bei ihr, so wie bei jeder anderen Art von Baumwolle weit günstigere Resultate erhalten, wenn man eine gute Maschine zum Oeffnen und Zupfen (Ouvrir et Éplucher) der Baumwolle und Wolle besäße, durch welche dieselbe nicht litte. Ein anderer wichtiger Nachtheil, den man dem Klopfzupfer mit Recht vorwirft, ist der, daß er einen großen Theil der Triebkraft der Spinnerei verschlingt, mit welcher man öfters nicht sparsam genug umzugehen vermag.

Man hat seit der Einführung der Spinnmühlen in Frankreich viele mehr oder minder gelungene Maschinen zum Oeffnen und Zupfen der Baumwolle verfertigt; allein, sie lassen alle noch vieles zu wünschen übrig; die einen zupfen nicht gut genug, die anderen arbeiten zu wenig, und keine derselben konnte, bis jezt zur Feinspinnerei angewendet werden, bei welcher die beiden Arbeiten, das Klopfen und das Zupfen, immer mittelst der Hand der Arbeiter geschehen müssen, was sehr hoch zu stehen kommt. Die Gesellschaft, die nur zu gut weiß, von welcher hohen Wichtigkeit eine gute solche Maschine für die Baumwollenzeugfabriken überhaupt wäre, glaubte die Aufmerksamkeit der Mechaniker auf diesen Gegenstand lenken zu müssen. Sie wird demjenigen im J. 1829 einen Preis von 1000 Franken zuerkennen, der ihr bis dahin eine solche Maschine, die Baumwolle und Wolle vollkommen öffnet und zupfet, sammt der Zeichnung derselben eingesendet haben wird. Diese Maschine darf an keiner Art von Baumwolle die Fasern brechen oder verderben; sie darf nicht so viel Treibkraft fordern, als die bisherigen Maschinen dieser Art, und muß eben so wohlfeil arbeiten, als der Klopfzupfer.

Sie muß in jeder Hinsicht das Klopfen und Zupfen mit der Hand, dessen man sich bisher bei der Feinspinnerei bedienen mußte, vollkommen ersezen.

14) Medaille für ein Verfahren, die Halsstüke der Feinspindeln an Mule-Jennies unbeschadet der Ründe zu härten.

Die Verfertigung der Spindeln zu Spinnmühlen, die sich seit einigen Jahren in Frankreich, und vorzüglich in unserem Departement sehr verbessert hat, scheint wenig mehr zu wünschen übrig zu lassen; sie ist indessen noch einer bedeutenden Verbesserung fähig, wenigstens in Hinsicht auf die Dauer der Spindeln, und in Bezug auf ein noch aufzufindendes Mittel, dieselben in ihrem Halsstüke zu härten. Man weiß, daß man die Spindel nicht mehr brauchen kann, sobald dieser Theil abgenüzt ist, außer durch eine Reparatur, wodurch der Umfang, wenn die Ründung beibehalten werden soll, sehr verkleinert werden muß. Diese Reparatur ist immer sehr kostbar, und doch sind solche ausgebesserte Spindeln nie so viel werth, als neue. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß man ein Mittel finde, wodurch diese Reparaturen wenigstens nur so selten als möglich nothwendig würden; ein Mittel, wodurch die Halsstüke der Spindeln dauerhafter würden, |151| was in Härtung desjenigen Theiles bestehen könnte, der in dem Laufriemen läuft. Die Gesellschaft weiß, daß man in dieser Hinsicht bereits Versuche angestellt hat; bisher hat aber keine Spinnerei solche gehärtete Spindeln angewendet. Wenn man sich der Spindeln langer bedienen könnte, so würde man noch einen anderen kostbaren Vortheil vorzüglich seit man sich der Wertel aus Gußeisen bedient, dadurch erlangen, daß nämlich die Reparatur wohlfeiler wird, indem die Wertel gewöhnlich noch in gutem Zustande sind, wenn man die an ihren Halsstüken bereits abgenuzten Spindeln austauschen und die Wertel abnehmen muß. Gegenwärtig werden oft viele Wertel dadurch verdorben, daß man sie wieder auf Spindeln abziehen muß.

Die Gesellschaft, die die Ersparung, welche dadurch für Spinnmühlen entstehen würde, sehr wohl zu schäzen weiß, wird im J. 1829 demjenigen eine Medaille zuerkennen, der für 500 Franken Spindeln verfertigt und verkauft haben wird, welche nebst allen übrigen Eigenschaften der besten Spindeln, auch noch die eines gehärteten Halsstükes besizen, ohne um ein Viertel theurer zu kommen, als die gegenwärtigen Spindeln.

15) Medaille für Verfertigung gefurchter Cylinder für Spinnmühlen aus gehärtetem Bundeisen, welche Cylinder nicht über ein Drittel höher kommen dürfen, als die aus gewöhnlichem Eisen.

Wenn man von Tag zu Tag mittelst einfacherer und zwekmäßigerer Maschinen die Baumwolle mit geringeren Kosten und wohlfeiler spinnen lernt, so kann man wohl nicht zweifeln, daß man noch weit vortheilhaftere Resultate erhalten würde, wenn alle einzelnen Theile der Maschine weniger Unterhaltung kosteten, und sich nicht so leicht abnüzten.

Unter diese Theile gehören die gefurchten Cylinder, die eine Hauptrolle unter den Bestandtheilen der Spinnmaschine bilden. Die wesentlichen Eigenschaften dieser Cylinder sind, daß sie vollkommen genau cylindrisch sind, genau aufgestellt sind, vollkommen nett und glatt sind. Wenn man nun mit diesen Eigenschaften eine größere Härte verbinden könnte, so wäre dieß eine kostbare Verbesserung, weil dann diese Cylinder länger dauern würden, und man dadurch viel an Geld und Zeit ersparte.

Wie oft geschieht es nicht, daß ein neuer Cylinder schon in den ersten Tagen durch die Dummheit oder Ungeschiklichkeit der Arbeiter gänzlich verdorben wird! Sandkörnchen oder andere harte Körper, die der Baumwolle zuweilen zufällig beigemengt sind, verderben die Furchen gleichfalls, und lassen tiefe Spuren in denselben zurük.

Dieser Mangel an Harte zeigt sich aber noch schneller durch die baldige und zuweilen ungleiche Abnüzung der Cylinder und ihrer Viereke. Die vollkommen horizontale und geradlinige Richtung, eine Hauptbedingung zu dem gehörigen Gange einer Maschine, geräth dadurch in Unordnung. Die Cylinder laufen nicht mehr rund, und das Spiel der Viereke erzeugt verderbliche Stöße. Man wird genöthigt, die Maschine still stehen zu lassen, und die mangelhaft gewordenen Cylinder durch neue zu ersezen.

Alle diese hier erwähnten Nachtheile würden verschwinden, wenn man diese Cylinder aus gehärtetem Bundeisen verfertigte, ohne daß sie deßwegen weniger gerade und vollkommen cylindrisch würden. Der Vortheil, den man dadurch erhielte, würde sich vorzüglich an den Cylindern der Vorbereitungsmaschinen, und besonders an den Strekwalzen zeigen, die schneller laufen, als die übrigen. Da diese lezteren Cylinder einzeln aufgestellt sind, und keine Viereke zur Zusammenstellung mehrerer derselben führen, so könnte man sie auch weit leichter bei dem Harten gerade erhalten, und es läßt sich nicht zweifeln, daß man nicht in dieser Hinsicht im Kurzen genügende Resultate erhalten würde.

Man hat bereits in unserem Departement mit einigem Erfolge versucht, Cylinder dieser Art zu verfertigen; allen derjenige, der sich damit beschäftigte, hatte nicht die Mittel, seine Arbeiten fortzusezen, und ward gezwungen, dieselben aufzugeben.

Die Gesellschaft wünscht alle diejenigen, die sich mit solchen Arbeiten beschäftigen, neuerdings aufzumuntern, und auch andere anzuspornen, die sich in denselben noch nie versuchten; sie wird demjenigen im J. 1829 eine Medaille zuerkennen, der bis dahin für 1000 Franken Cylinder zu den Vorarbeiten und Arbeiten einer |152| Spinnmühle aus gehärtetem Eisen verfertigt und abgesezt hat, welche Cylinder außer den übrigen Eigenschaften der bisherigen die verlangte Härte an der Oberfläche besizen müssen, und nur um ein Drittel theuerer zu stehen kommen dürfen, als die gewöhnlichen.

16) Medaillen für Verfertigung und Absaz neuer Baumwollenzeuge.

Die Baumwollenspinnmühlen, die erst unter Napoleon dem Großen, seit zwanzig Jahren in unserem Departement errichtet wurden, haben rasche und erstaunenswerthe Fortschritte gethan; die Gespinnste haben sich so sehr vervollkommnet, und sind so mannigfaltig geworden, daß man sie bereits auf allen Märkten in Frankreich zu schäzen weiß, und wir bald die Concurrenz des Auslandes nicht mehr werben fürchten dürfen.

Auch die Baumwollenzeugfabriken, die Baumwollenwebereien, die etwas früher bei uns eingeführt wurden, sind gleichfalls fortgeschritten; unsere Baumwollenzeuge werden wegen ihrer Güte und Festigkeit allgemein gepriesen. Man schäzt vorzüglich die farbigen Zeuge ihrer Schönheit wegen, indessen sind es doch vor allem die gemeinen weißen Baumwollenzeuge, in welchem unser Land den übrigen den Vorsprung abgewonnen hat, und mit Recht hat diese Waare unter dem Namen Elsasser Waare (Toile d'Alsace) überall Aufnahme gefunden.

Allein, es bleibt doch immer wahr, daß die Baumwollenzeuge in mancher Hinsicht einer noch größeren Mannigfaltigkeit fähig sind. Die gute Qualität und der wohlfeile Preis des Baumwollengespinnstes unserer inländischen Spinnmühlen läßt uns wünschen, daß der Baumwollenzeugfabrikant diesen Vortheil benüzen, und sich mehr als bisher nicht geschah, auf seine Waare verlegen möge, wodurch er auch zugleich ein Mittel erhalten wird, sich gegen den Schaden zu verwahren, den der Wechsel der Mode und die Wandelbarkeit des Geschmakes des Käufers ihm zuweilen verursacht.

Der Erfindungsgeist und der Fleiß der Fabrikanten unseres (protestantischen) Departements bedurfte bisher keiner Erinnerung an eine solche Maßregel; indessen glaubt die Gesellschaft, daß es in dem Zweke ihres Institutes liege, die, Benüzung dieser Maßregel zu beschleunigen, und diejenigen auf eine ehrenvolle Weise zu belohnen, die sich mit dem glüklichsten Erfolge mit derselben beschäftigten.

Sie biethet daher dreyen Fabrikanten ihre Medaille an, die vor dem 1. Mai 1829 in dem Departement des Oberrheins für 1000 Franken wenigstens in einer oder auch in mehreren neuen Arten von Baumwollenzeugen, sowohl weißer als farbiger, dergleichen vor dem Jahre 1828 noch nicht fabricirt wurden, abgesezt haben werden.

Der Vorzug wird denjenigen unter den Concurrenten ertheilt werden, deren Producte den höchsten allgemeinen Nuzen gewähren.

Alle diese Preise werden in der allgemeinen Sizung der Gesellschaft im Mai 1829 zuerkannt werden.

Abhandlungen, Zeichnungen, Zeugnisse, Muster müssen unter den bei Preisschriften gewöhnlichen Förmlichkeiten postfrei vor dem 20. April 1829 an Herrn Is. Schlumberger zu Mülhausen, Präsidenten der Industriegesellschaft, (à M. I. Schlumberger, à Muhlhausen, Président de la Société industrielle) eingesendet werden.

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Polytechn. Journal Bd. XXV. S. 484. A. d. R.

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