Titel: Eine Bierbrüke in einem Städtchen Deutschlands.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1828, Band 30, Nr. LVIII./Miszelle 34 (S. 232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj030/mi030058_34

Eine Bierbrüke in einem Städtchen Deutschlands.

Man hat in einem Städtchen Deutschlands, das wir nicht nennen wollen, eine schlechte steinerne Brüke für 380,000 fl. gebaut. Um diese 380,000 fl. aufzubringen, gerieth man auf die Idee, jeden, der eine Maß Bier in dieser Stadt trinkt, Einen Pfennig zu dieser Brüke bezahlen zu lassen; folglich steten nicht weniger. als 91 Millionen 200,000 Maß Bier, oder 1,520,000 Eimer Vier in dieser Brüke: also mehr Bier in der Brüke, als unten Wasser durchläuft.

Man sollte glauben, daß es lang hergehen würde, bis diese Brüke mittelst dieser Bierpfennige abbezahlt würde; indessen ist dieß nicht der Fall: denn man trinkt in diesem Städtchen jährlich nicht weniger als 600,000 Eimer (wie sich aus dem jährlichen Bieraufschlage pr. 539,000 fl. für dieses gute Städtchen ergibt) oder täglich 1644 Eimer, d.i. 98,640 Maß. Wenn man die Maß Bier zu 4 kr. rechnet, so wird also täglich daselbst um 6576 fl. Vier getrunken, und es werden täglich 98,640 Pfennige, oder 411 fl., jährlich also 150,015 st. an der Brüke bezahlt. Diese Bierbrüke ist demnach durch den Vierpfennig in 2 Jahren 6 Monaten 12 Tagen und 1 1/2 Stunden rein abbezahlt. Man sagt aber, der Bierpfennig wird bleiben, so lang die. Brüke stehen bleiben wird, und wenn sie wieder einfällt, wird wieder ein neuer Bierpfennig kommen.

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